Lian Li A4-H2O im Test: 11 Liter Platz auch für potente Mini-ITX-PCs

Jan Wichmann
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Lian Li A4-H2O im Test: 11 Liter Platz auch für potente Mini-ITX-PCs

Das kompakte Mini-ITX-PC-Gehäuse Lian Li A4-H2O überzeugt im Test mit einer exzellenten Verarbeitung und genug Platz für durchaus potente Gaming-Hardware. Das Gehäuse entstand in Zusammenarbeit mit DAN Cases und knüpft mit 11 statt 8 Litern Volumen an den Erfolg des A4-SFX an. Für eine Überraschung sorgte im Test die SSD.

Ein neues „DAN Case“ von Lian Li

Fast 10 Jahre sind vergangen, seitdem Community-Mitglied bigdaniel im Jahr 2013 sein Vorhaben, eines möglichst kleinen SFX-Gehäuse auf den Markt zu bringen, vorstellte. Aus der Vision wurde mit einem Volumen von unter 8 Litern am Ende Realität, an der die Community stetig beteiligt war und einige Ideen sogar zur Perfektionierung des Gehäuses beitrugen. Das fertige Erstlingswerk namens DAN Cases A4-SFX konnte 2015 im Test überzeugen.

Neben kontinuierlichen Revisionen am A4-SFX widmete sich Daniel seit 2020 mit dem DAN C4-SFX einem weiteren Projekt, das bereits auf der Zielgeraden ist und noch 2022 erscheinen soll.

Ohne jedwede Community-Beteiligung, doch dafür zusammen mit einem Gehäuse-Urgestein und bisherigem Fertigungspartner präsentierte Daniel im Januar 2022 überraschend das A4-H20, das zwar durch die DAN Cases GmbH designt, von Lian Li aber nicht nur gefertigt sondern auch vertrieben wird. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist das A4-H2O auf (AiO-)Wasserkühlungen ausgelegt, während seine Brüder vorrangig auf Luftkühlungen setzen. Die Zusammenarbeit mit Lian Li ist wenig verwunderlich. Bereits beim A4-SFX übernahm das Unternehmen die Fertigung, hielt sich jedoch sonst zurück.

Massiver Winzling

Mit dem A4-H20 beweist Lian Li sein Gehäuse-Können. Wo Lian Li draufsteht, können hinsichtlich Verarbeitung und Materialwahl hohe Ansprüche gestellt werden, die jedoch keinesfalls enttäuscht werden. Das Lian Li A4-H20 macht hier keine Ausnahme. Das äußere Aluminiumkleid setzt auf Materialstärken von 1,5 mm (Seitenteile) bis 2,0 mm (Front). Auf gewalzte Ränder zur Erhöhung der Verwindungssteifigkeit kann somit getrost verzichtet werden. Während das Frontelement blank ist, sind Deckel- und Seitenelement beinahe vollflächig mit Löchern zur Belüftung versehen.

Alle Teile sind mit Halteklammern und entsprechenden Pins (Push-Pins) am Chassis befestigt. Front und Deckel können schraubenlos abgenommen werden, während für die Seitenteile zunächst Rändelschrauben am Heck gelöst werden müssen. Sogar bei den Rändelschrauben tischt Lian Li ordentlich auf. Die verwendeten Exemplare sind äußerst massiv und verfügen obendrein über kleine Dämpfergummis.

Das minimalistische Design wird durch zwei seitliche Zierelemente in Trapezform abgerundet. Auf der linken Gehäuseseite dient die Trapez-Einkerbung zugleich als Ort für das I/O-Panel. Bei den Anschlüssen werden je einmal USB-C 3.1 (10 Gbit/s, 20-Pin, Key-A-Header), USB-A 3.0 (5 Gbit/s), Kopfhörer und Mikrofon geboten. Das Panel ist fest am Chassis integriert und kann nicht auf der anderen Gehäuseseite verbaut werden. Es ist somit nur zu erreichen, wenn das Gehäuse rechts oder längs vor einem steht. Die Möglichkeit, die beiden Trapeze tauschen zu können, wäre hier eine gelungene Ergänzung und würde das „Problem“ beheben.

Gegenüber dem Namensvetter A4-SFX wächst das A4-H2O um 4 Liter auf insgesamt 11 Liter Gehäusevolumen an. Äußerlich kann das A4-H2O seine Wurzeln nicht verstecken. Doch warum auch? Die Tugenden bleiben mit einer ausgezeichneten Verarbeitung erhalten.

Auch innen begeistert die Verarbeitung

Die makellose Verarbeitung setzt sich im Inneren fort. Scharfe Kanten oder schlechte Nietpunkte sind nicht zu finden. Alle Bauteile sind erstklassig verarbeitet und miteinander verschraubt. Die Verwindungssteifigkeit des Chassis ist selbst ohne Seitenteile exzellent. Wie schon beim kleinen Bruder setzt auch das Lian Li A4-H2O ebenfalls auf ein Zwei-Kammer-Design, bei dem die linke Kammer dem Mainboard und dem Netzteil zugedacht ist. Mittels beigelegtem Riser-Kabel (PCIe 3.0 oder 4.0) wandert die Grafikkarte auf die gegenüberliegende Seite, wo ihr die komplette rechte Kammer zur Verfügung steht. Die Deckelpartie beheimatet maximal eine 240-mm-AiO-Wasserkühlung. Im Boden findet ein 2,5"-Laufwerk Platz.

Einschränkungen bei der Hardware

Kleine Gehäuse sind konzeptbedingt immer mit Einschränkungen bei der Hardware-Bestückung verbunden. Hier macht das A4-H2O keine Ausnahme. Dass maximal ein mITX-Mainboard verbaut werden kann und beim Netzteil auf den Formfaktor SFX oder SFX-L gesetzt wird, ist wenig verwunderlich. Interessant wird es jedoch bei der Wahl der Grafikkarte und vor allem bei der im Deckel unterzubringenden AiO-Wasserkühlung.

Lian Li A4-H2O: Hardware-Einschränkungen
Lian Li A4-H2O: Hardware-Einschränkungen (Bild: Lian Li)
Lian Li A4-H2O: GPU-Länge
Lian Li A4-H2O: GPU-Länge (Bild: Lian Li)

Die Pumpeneinheit der Wasserkühlung hat eine erlaubte Höhe von maximal 55 mm. Das Gespann aus Radiator und Lüfter darf nur 240 × 55 mm messen. Auch auf die Schlauchlänge muss geachtet werden. DAN Cases nennt 15 AiO-Wasserkühlungen als kompatibel – seitens Lian Li fehlt ein solcher Hinweis, hier wird einzig auf die maximale Größe abgestellt. Bei der Grafikkarte können maximal 3-Slots-Modelle mit einer Länge von bis zu 321 mm verbaut werden, was je nach Exemplar sogar Grafikbeschleuniger vom Kaliber Nvidia RTX 3090, RTX 3080 und AMD Radeon RX 6900 XT zuließe.

Einbau und Alltagserfahrungen

Der Einbau der Hardware geht, etwas Fingerspitzengefühl vorausgesetzt, leicht vonstatten. Größtes Sorgenkind sind die zu verstauenden Kabel und die sperrigen Schläuche der Wasserkühlung. Für einen leichteren Einbau sollte zwingend die Bodenplatte entnommen werden und beim Unterbringen der Wasserkühlung auf die Beschreibung geachtet werden. Gerade im Bereich des Netzteils sind deren Schläuche speziell zu verlegen, sodass sie über und unter dem Netzteilstecker verlaufen. Beim Netzteil ist außerdem zwingend darauf zu achten, dass vor dem Einbau der Netzschalter in der richtigen Position steht, da er später nicht mehr erreichbar ist. Gleiches gilt für eine Vielzahl von Anschlüssen am Mainboard.

Ansonsten gilt: Das Kabelwirrwarr lässt sich aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur schwer verstecken. Auch wegen der Kabellänge müssen einige Kabel direkt im Bereich der Pumpeneinheiten verstaut werden. Beim Anbringen des Seitenteils muss außerdem darauf geachtet werden, dass die Kabel nicht zu sehr nach außen ragen, da das Seitenteil ansonsten nicht plan anliegt und sich wölbt. Beim Einbau der Grafikkarte kann zwischen einer 2- und 3-Slots-Position gewählt werden. Mittels Abstandshalter wird die Riser-Aufnahme verschoben, sodass die verbaute Grafikkarte näher am Lochblech steht und so mehr Luft bekommt.

Lian Li A4-H2O im Test
Lian Li A4-H2O im Test
Lian Li A4-H2O im Test: Riser-Kabel mit Umbau für 2- und 3-Slot-GPU
Lian Li A4-H2O im Test: Riser-Kabel mit Umbau für 2- und 3-Slot-GPU
Lian Li A4-H2O im Test: 2-Slot-Design
Lian Li A4-H2O im Test: 2-Slot-Design
Lian Li A4-H2O im Test: Abstandshalter für das Riser-Kabel
Lian Li A4-H2O im Test: Abstandshalter für das Riser-Kabel
Lian Li A4-H2O DAN Cases A4 SFX v4 DAN Cases C4-SFX
Mainboard-Format: Mini-ITX, Thin Mini-ITX
Chassis (L × B × H): 326 × 140 × 244 mm (11,14 Liter) 317 × 112 × 200 mm (7,25 Liter) 329 × 151 × 256 mm (12,72 Liter)
Material: Stahl, Aluminium
Nettogewicht: ? 1,25 kg 1,70 kg
I/O-Ports / Sonstiges: 1 × USB 3.1 (USB 3.2 Gen 2) Type C, 1 × USB 3.0 (USB 3.2 Gen 1), HD-Audio 1 × USB 3.1 (USB 3.2 Gen 2) Type C
Einschübe: 1 × 2,5" (intern) 3 × 2,5" (intern) 1 × 2,5" (intern)
Erweiterungsslots: 3 2 3
Lüfter: Deckel: 2 × 120 mm (optional) Boden: 1 × 92 mm (optional) Seitenteil links: 2 × 120 mm (optional)
Boden: 2 × 120 mm (optional)
Staubfilter:
Kompatibilität: CPU-Kühler: 55 mm
GPU: 322 mm
Netzteil: 130 mm
SFX-Formfaktor
CPU-Kühler: 48 mm
GPU: 295 mm – 306 mm
Netzteil: 130 mm
SFX-Formfaktor
CPU-Kühler: 130 mm
GPU: 315 mm – 319 mm
Netzteil: 130 mm
SFX-Formfaktor
Preis: 109,90 € ab 150 € 230 €