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Rebranding und Neuauflagen: Alte Technik mit neuem Namen – (wann) ist das legitim?

Fabian Vecellio del Monego
174 Kommentare
Rebranding und Neuauflagen: Alte Technik mit neuem Namen – (wann) ist das legitim?

Quasi seit dem Anbeginn der Hardware legen Hersteller Produkte unter aktualisiertem Namen neu auf. Die Tragweite der damit mitunter einhergehenden Vor- und Nachteile kann sehr unterschiedlich ausfallen – ist Rebranding also bedingt in Ordnung? Oder hält die Community kategorisch nichts davon?

Neuauflagen älterer Technik sind nichts Neues

Aus der Sicht eines Herstellers kann es mitunter viele Vorteile haben, in ein vermeintlich neues Produkt tatsächlich ältere Hardware zu stecken. Beispielsweise können Entwicklungs- und Produktionskosten gespart werden und ohnehin ergeben sich durch eine entsprechende Bündelung des Angebots häufig logistische, ökonomische oder aber auch ökologische Vorteile: Wenn ein gleiches oder zumindest ähnliches Produkt über einen langen Zeitraum und in größerer Masse produziert hat, kommt es schnell zu positiven Skaleneffekten.

GCN und Kepler woll(t)en nicht sterben

Ein Beispiel liefern Grafikkarten. Während sowohl AMD als auch Nvidia im High-End-Bereich stets darum bemüht sind, die Vorteile neuer Technik möglichst schnell verkaufen zu können, lassen die günstigeren Grafikbeschleuniger einer neuen Generation häufig sehr lange auf sich warten – oder bleiben ganz aus. Das niedrigere Leistungsniveau wird schließlich bereits von der vorherigen Generation bedient, deren Fertigung etabliert und im Laufe der Zeit günstiger geworden ist. Den Herstellern kommt das gelegen.

Nur bei der Vermarktung gibt es ein Problem: Kunden kaufen in der Regel lieber neue Produkte. Die Lösung liegt auf der Hand; die erprobte Hardware erhält einen neuen Namen. Bei AMD wurde beispielsweise die altgediente GCN-Grafikarchitektur über mehrere Generationen bis hin zu RX 550 und RX 560 beinahe unverändert mitgeschleift, während Nvidia beinahe die gesamte Kepler-Architektur in zwei Generationen führte. Oder wer erinnert sich noch an die Radeon-HD-8000-Serie für OEMs?

Alte Kerne in neuen Prozessoren

Und auch in der Gegenwart finden sich Beispiele. Da wären etwa der kürzlich erschienene Core i5-13400F (Test), der gemäß Namensgebung zur Rocket-Lake-Generation gehört, in dem Intel aber die Golden-Cove-Kerne der Alder-Lake-Architektur arbeiten lässt. Mit 6 P- und 4 E-Cores entspricht der 13400F letztendlich einem Core i5-12600K mit niedrigerem Takt, wird als „neue“ CPU aber teurer verkauft.

Und zur CES hat AMD Anfang des Jahres Ryzen 7000 Mobile vorgestellt. Und der Name lässt zwar an Zen 4 denken, tatsächlich werden aber ebenso Zen 3+, Zen 3 und Zen 2 verbaut. Das von AMD im 4. Quartal 2022 eingeführte neue Namesschema klärt den wissenden darüber zwar auf, aber ebenso groß ist das Architektur-Sammelsurium bei der iGPU; hier kommen sowohl RDNA 3, RDNA 2 als auch die altgediente Vega-Architektur zum Einsatz und das erklärt das Namensschema nicht.

Ryzen 7000 Mobile: It's (not so) complicated
Serie Klassen Ansatz Zen-Architektur/iGPU Kerne
Ryzen 7045 „Dragon Range“ HX Chiplet-I/O-Die Zen 4 (5 nm)/RDNA 2 6 – 16
Ryzen 7040 „Phoenix“ HS, U APU (monolithisch) Zen 4 (4 nm)/RDNA 3 6 – 8
Ryzen 7035 „Rembrandt-R“ Zen 3+ (6 nm)/RDNA 2 4 – 8
Ryzen 7030 „Barcelo-R“ U Zen3 (7 nm)/Vega 6 – 8
Ryzen 7020 „Mendocino“ Zen 2 (6 nm)/RDNA 2 2 – 4

Die Redakteure Jan und Fabian nahmen die besagten CPUs zum Anlass, in der am Mittwoch erschienenen 4. Episode 2023 von „CB-Funk – der ComputerBase-Podcast“ über Sinn und Unsinn derartige Rebrands zu sprechen und steuern auch ihre eigene Meinung zum Thema bei.

CB-Funk lässt sich nicht nur über den eingebetteten Podigee-Player abspielen, sondern auch bequem in Podcast-Apps hören. Bereits verfügbar sind Spotify, Apple Podcasts, über Google Podcasts und Deezer. In weitere Podcast-Player lässt sich CB-Funk bereits via RSS einbinden. Die entsprechende URL lautet: https://computerbase.podigee.io/feed/mp3.

Geht Rebranding für euch in Ordnung?

Aber schon im Podcast geäußert wurde auch die Frage: Was hält die Community davon? Alte Hardware mit neuem Namen – prinzipiell ein Unding oder eigentlich vollkommen akzeptabel, wenn ein paar Dinge beachtet werden?

Geht das Rebranding älterer Hardware für dich in Ordnung?
  • Ja, ich sehe da kein Problem bei.
    5,9 %
  • Ja, aber nur unter einigen Bedingungen.
    47,9 %
  • Nein, das ist meiner Meinung nach kategorisch ein Unding.
    46,2 %

In der zweiten Umfrage sind nun diejenigen Leser gefragt, für den derartige Neuauflagen nicht per se ein K.-o.-Kriterium darstellen: Unter welchen Voraussetzungen ist ein Rebranding für euch legitim? Gibt es einen konkreten Knackpunkt oder spielen mehrere Facetten eine Rolle? Falls es Aspekte gibt, die nicht als Antwortmöglichkeiten zur Wahl stehen, würde sich die Redaktion über entsprechende Kommentare freuen.

Wann ist das Rebranding älterer Hardware für dich akzeptabel?
  • Der Hersteller muss klar kennzeichnen, dass in einem neuen Produkt alte Technik steckt, obwohl der Name eine neue Generation suggeriert.
    68,0 %
  • Das betroffene Produkt muss sich hinsichtlich Preis und Leistung attraktiv in das Angebot des Herstellers einfügen – welche Technik zu diesem Zweck verwendet wird, spielt eine untergeordnete Rolle.
    47,1 %
  • Das betroffene Produkt darf sich zwar bei der Leistung, nicht aber beim grundsätzlichen Featureset von Modellen der gleichen Generation unterscheiden.
    31,2 %
  • Das Rebranding älterer Technik ist kein Problem, solange es auf das Low-End- oder Budget-Segment beschränkt bleibt.
    14,8 %
  • Ein unter einem aktuellen Namen neu aufgelegtes Produkt sollte mindestens in einem Aspekt Vorteile gegenüber dem Original bieten, um die Neuauflage zu rechtfertigen.
    42,6 %
  • Ich habe da keine Vorbehalte; Namen sind Schall und Rauch. Der Hersteller darf seine Produkte letztlich so nennen, wie er will.
    3,8 %

Ein bereits genannter Aspekt ist wiederum die Kommunikation: Ist es hilfreich, wenn Hersteller offen darüber informieren, wann und wo ältere Technik unter neuem Namen verkauft wird, so wie es AMD beispielsweise bei Ryzen 7000 Mobile versucht? Oder ist das lediglich der Versuch, entsprechenden Anschuldigungen vorzubeugen und die Hinweise sowie das Bewusstsein über potenzielle Konsequenzen kommen im Endeffekt gar nicht bei den Käufern an, für die die betroffenen Produkte relevant sind?

Ist offene Kommunikation beim Rebranding hilfreich?
  • Ja – wenn ein Hersteller in den Spezifikationen darlegt, dass es sich um ältere Technik handelt, geht das in Ordnung.
    66,0 %
  • Nein, denn letztlich werden versierte Nutzer und Enthusiasten zwar informiert, technischen Laien werden die Unterschiede aber im Endeffekt nicht nähergebracht.
    34,0 %

Abschließend folgt die Frage, ob ihr einmal selbst nur vermeintlich neue Hardware gekauft habt, in der – vielleicht sogar wider eures Wissens – ältere Technik steckte. Und wenn ja; welche Produkte waren das? Die Redaktion freut sich auf entsprechende Kommentare und eure konkreten Einschätzungen, wieso das Rebranding in diesem Fall (nicht) in Ordnung ging.

Hast du einmal ein neues Produkt mit alter Technik besessen?
  • Ja, ich habe mich bewusst für das Produkt entschieden und wusste bereits vorher, dass entgegen des neueren Namens ältere Technik verbaut ist.
    26,4 %
  • Ja, aber ich bin zum Zeitpunkt des Kaufs davon ausgegangen, dass neue Technik zum Einsatz kommt.
    8,1 %
  • Nein.
    65,5 %

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