Ich habe nie den Wirbel um Apple verstanden, den es schon immer gab. Als Kind habe ich schon mal vor dem ein oder anderen Mac gesessen, ohne dieses „Erlebnis“ richtig einordnen zu können, dominierten doch später DOS und Windows PCs die und damit auch meine Welt.
Was Apple hier geschaffen hatte, musste ich später erst historisch ergründen, nämlich diese Vorreiterrolle in Sachen rein-graphische Bedienung, allerdings ohne das selbst erfunden zu haben, da war mehr Xerox der Pionier. Vielmehr
gefunden und zu einem durchdachten Produkt zusammengestrickt.
Und dieses Muster zieht sich eigentlich bei allem durch. Apple hat ein besonderes Talent bestehende Technologien zu verknüpfen, und daraus tolle Produkte zu stricken mit einem durchdachten Nutzerkonzept besonderem Blick für‘s Detail. Und wenn man ehrlich ist, auch wie man Details geschickt verbirgt, ggf. auch Schnitzer

Wie ein Make-Up Artist, der nicht nur tolle Gesichter zaubert, sondern dabei auch Narben kaschiert.
Denn auch, wenn man sich einen gewissen Ruf für Excellence (berechtigt oder nicht mal dahingestellt) erarbeitet hatte, so täuschte ja das nicht Müde werden, diesen Mythos durch stets selbst zu wiederholen, überall der Beste zu sein, ja nicht darüber weg, dass sich unter dem Glanz eben auch Narben befanden. Z.B. eben Antenna-Gate, oder die Tatsache, dass MacOS erst viel später als Windows und Linux mit randomisierten Speicheradressen arbeiten konnte, und so auf Hackstons lange leichte Beute war, wohingegen auf der Apple Homepage weiterhin selbstbewusst „Wir sind die sichersten!“ prangte.
Der Umgang mit sowas war bei Apple leider auch traditionell schmallippig. Entweder verschwanden großspurige Behauptungen einfach sangbund klanglos, wie vorhin genannte, oder eben so Scherze wie: Sie halten das Gerät nur falsch!

Oder auch das ewige (lukrative) Festhalten an Lightning, mit der Begründung, USB-C würde Innovation verhindern, wo man sich fragt, inwiefern das Festhalten an was veraltetem Innovation sein soll.
Der „Bubble“, wie man heute eingeschworene Fangemeinden wohl nennt, konnte man aber wirklich alles und viel verkaufen. Z.B. überteuerte einzelne Socken… Da gehört wirklich eine große Kunst zu. Ein schönes Detail bis heute ist der Ekel vor jeder Art MS-Produkt, wobei MS Apple letztendlich die heutige Exzistenz ermöglicht hat und sie vor der Pleite bewahrte. Aber naja, auf dem Feld gibt es nichts zu gewinnen außer Streit.
Aber bei aller Kritik, finde ich, sind viele Produkte und Produktideen definitiv revolutionär und über jeden Zweifel erhaben. Apple traut sich was und ist in einer besonderen Situation mit seinen Produkten, wo alles aus einer Hand kommt. Und davon überzeugt vieles und vieles erscheint auch im Nachhinein in einem anderen Licht. iPhones mögen z.B. immer teuer gewesen sein, dafür gab es schon immer viele Jahre Updates, wo andere Hersteller wenn man Glück hatte, vielleicht 2 Jahre welche lieferten.
Ich finde am besten geht man mit Apple unreligiös um

Dann findet man auch für sich so die Rosinen im Portfolio, ohne sich gleich eine Kutte des Kults überzustreifen. Auch ein goldener Käfig hat ein paar Vorteile. Und Apples „Budget“ Produkte sind eigentlich generell stark. Mann muss ja nicht gleich dem Pro-Gedöns verfallen.
Alles in allem ist die polarisierende Natur von Apple in der IT-Welt, wie ich finde, ein guter Reibungspunkt bzw. auch ein guter Benchmark für andere Hersteller, eben auch durch die Sonderstellung, dass alles aus einem Hause kommt, wodurch stets die Frage beantwortet wird: Was wäre wenn. Allein das macht Apple schon interessant, aber auch nicht per se überlegen.