Quo vadis BTMG?

AW: Cannabis Legalisierung

@ tonttu

Jetzt fängt man wieder an sich im Kreis zu bewegen...
tonttu schrieb:
Würde ein Alkohol-Verbot die Leute vom Trinken abhalten? - Nein funktioniert nicht.
Interessant, wie du das einfach so behaupten kannst.
Die Abnahme der Todesfälle durch Leberzirrhose und die Beibehaltung des niedrigen Levels während der Prohibition in den USA sollten zumindest zum Nachdenken anregen... (auch wenn das Ausmaß des direkten Einflusses der Prohibition durchaus kontrovers diskutiert wird).

@ Konti

Nur weil es sein kann, dass die Akzeptanz bei Alkohol und Tabakwaren situationsabhängig ist, bedeutet dies aber nicht, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft deswegen eine total andere ist. Beide Drogen sind Gesellschaftlich akzeptiert und jedem sind die Gefahren durch Medien oder Schule bekannt (der Hand voll Leute, an denen das vorbeigegangen ist, kann man eh nicht mehr helfen...). Trotzdem (oder möglicherweise wegen der gesellschaftlichen Akzeptanz) wird sowohl mit Alkohol als auch mit Tabakwaren sehr sorglos umgegangen.
Ein weiteres Beispiel sind Medikamente. Viele Medikamente sind nicht umsonst apothekenpflichtig. Der Grund ist der, dass diese Medikamente nur von Personen mit entsprechender Fachkenntnis abgegeben werden dürfen und es besteht eine Beratungspflicht.
Hier hat man genau den Fall, den man fü Cannabis von einigen gefordert wird. Und trotzdem wird mit diesen Medikamenten auch sehr sorglos umgegangen (Beispiele habe ich hier schon aufgeführt)
Die in der Packungsbeilage aufgeführten Nebenwirkungen besitzen auch nicht zwingend medizinische Relevanz sindern sind in erster Linie eine Rechtliche Absicherung. Für die medizinisch relevanten Informationen schaut man in die Fachinfo. Das nur mal am Rande.

Meines Wissens ist seit 2011 ein Cannabisextrakt in Deutschland bei therapieresistenten Spastiken zugelassen. Dronabinol ist als Rezepturarzneimittel zugelassen und gilt auch als verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Es kann also importiert werden. Warum man sich hier so ziert, kann ich aus pharmazeutischer Sicht nicht nachvollziehen.
Konti schrieb:
Für diese Sensibilisierung wird halt auch überraschend wenig getan.
Welche Häufigkeit und Tiefe wäre in deinen Augen denn ausreichend und auf welche Art und Weise sollte es denn geschehen?
 
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Das Umfeld kann man nicht beeinflussen, wohl aber den Sohn mit welchem Teil der Umwelt er sich abgibt. Das funktioniert natürlich nicht wenn man sein Kind quasi nur im Urlaub zu Gesicht bekommt.
Du machst es dir sehr einfach. Nur weil es bei dir gut ging sind alle dessen Kinder Probleme bekommen Rabeneltern und schauen nurmal im Urlaub vorbei?
Wie gesagt. Schön das bei dir alles gut gegangen ist. Ich kenne nur leider viele Kinder von liebevollen Eltern die dennoch Probleme (nicht nur Dope) bekommen haben. Das Leben ist kein Wunschkonzert und schon gar nicht schwarz weiß sondern hat ne menge Grautöne dazwischen.

Naja, legalisiert wird eh nix, von daher ist die Diskussion eh akademisch. Ich sehe nur immer das Argument (auch hier im Thread): "Kinder kiffen schon in der Schule" und deshalb muss es verboten bleiben. Sorry, das ist in meinen Augen einfach nur schräg. Man stellt fest das die aktuelle Vorgehensweise nicht funktioniert, weigert sich aber was neues auszuprobieren. Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht.

Ich soll Argumentieren? Wie denn? Schaut euch doch mal den Thread an. 90% drehen sich darum welche Studie nun glaubwürdiger als die anderen ist und jeder ist der Meinung seine Einstellung sei unumstößlich die richtige. Ich glaube meine Signatur hat selten so gut gepasst wie in der Diskussion hier.

Befürworter und Gegner suchen sich die Studie raus die ihnen gerade in den kram passt. Viele hier im Thread sind vermutlich Jugendliche. Wer sollte denn meine Kinder davon abhalten das selbe zu tun? Also sich einfach die Studie zu suchen die ihren Vorstellungen entspricht? Sobald das passiert ist jede Argumentative Vorgehensweise obsolet.

Ich interpretiere das ganze so:
- Dope ist zwar sicher kein Teufelskraut...
- ...aber besonders für Jugendliche in der Entwicklung nicht unkritisch (mir persönlich ist scheiß egal wie das Verhältnis zu Alk abschneidet!)
- Wer das Thema Drogen (inkl Alk, Zigaretten...) bis ins junge Erwachsenen Alter beherrschen konnte bekommt auch danach selten Probleme

Das Ziel muss also sein: Kindern und Jugendlichen die Risiken klar zu machen bis sie reif genug sind selbst die Intention der Studien zu bewerten und selbst zu entscheiden!

Ich sehe nur, dass es aktuell nicht funktioniert, wir Unmengen an Kohle verpulvern um Kinder zu kriminellen zu erziehen, das organisierte Verbrechen finanzieren und ansonsten das Geld fehlt um es wirksam in die Kinder zu investieren. Eine gute Ausbildung mit einer Perspektive fürs Leben ist in meinen Augen der beste Schutz gegen Drogenmissbrauch. Und???
Überfüllte Klassen, überforderte und gefrustete Lehrer und Kindergartenbetreuer, Unterrichtsausfall, kaum Förderung in der Freizeit, regelmäßige Kürzungen bei der Sozialarbeit, kaum Unterstützung von "schwierigen" Familien... Für alles kein Geld da, weil wir es lieber der Mafia schenken.

Mir ist schon klar das eine Legalisierung von Cannabis die Drogenprobleme nicht löst. Aber ich denke sie wären einfacher in den Griff zu bekommen. Ich wäre zumindest für einen Versuch.
 
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Seppuku schrieb:
Welche Häufigkeit und Tiefe wäre in deinen Augen denn ausreichend und auf welche Art und Weise sollte es denn geschehen?
Das hatte ich hier glaube ich schon mal gesagt:
Mindestens ein ganzes Schuljahr lang sollten Themen wie Sucht, Drogen, ... aber auch andere "gesellschaftliche Fallen" wie Soziale Netzwerke behandelt werden.
Vielleicht auch sogar ein mal in der siebten Klasse, und dann später noch mal gegen Ende der Schulzeit.

Seppuku schrieb:
Meines Wissens ist seit 2011 ein Cannabisextrakt in Deutschland bei therapieresistenten Spastiken zugelassen. Dronabinol ist als Rezepturarzneimittel zugelassen und gilt auch als verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Es kann also importiert werden. Warum man sich hier so ziert, kann ich aus pharmazeutischer Sicht nicht nachvollziehen.
Das scheint in der Praxis so ohne weiteres nicht möglich zu sein.
Eine Freundin von mir wollte sich das verschreiben lassen, aber es ging wohl nicht.
Kortison und andere (deutlich gefährlichere Medikamente) bekam sie ohne Probleme verschrieben. Es ist wirklich absurd!
 
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Seppuku schrieb:
Die Abnahme der Todesfälle durch Leberzirrhose und die Beibehaltung des niedrigen Levels während der Prohibition in den USA sollten zumindest zum Nachdenken anregen... (auch wenn das Ausmaß des direkten Einflusses der Prohibition durchaus kontrovers diskutiert wird).

Sehr viel mehr positives lässt sich über die Prohibition aber auch nicht berichten, oder? ;)

Anstatt den Alkoholmissbrauch auszurotten führte das "edle Experiment", wie es seine Befürworter nannten, zu einem unkontrolliert eskalierenden Schwarzmarkt.

Die Prohibition hinderte niemandem am Trinken. Sie ersetzte lediglich gutes Bier und guten Wein durch schlechten Schnaps. Es kam zu zahlreichen Vergiftungen durch Holzgeist und Fuselakohol aus Industriealkohol und Schwarzbrennereien.

Die Prohibition machte auch den Verkauf profitabler, so dass ab dem ersten Jahr in dem legale Kneipen den Verkauf einstellten zahlreiche neue illegale Kneipen aus dem Boden schossen, und zwar oft in Stadtteilen wo es vorher keine gegeben hatte. Die Belieferung der illegalen Kneipen wurde vorwiegend von gewalttätigen Gangsterbanden kontrolliert. Der bekannteste dieser Gangster war Al Capone. Erst mit der Alkoholprohibition wurde die sizilianische Mafia zur beherrschenden Macht in der amerikanischen Unterwelt. Bestechung und Einschüchterung von Politikern, Polizisten und gerichtlichen Zeugen wurde zur Routine. Banden lieferten sich am hellichten Tage Schiessereien um Absatzmärkte. Es war vor allem die eskalierende Gewalttätigkeit die immer mehr Bürger gegen das Gesetz aufbrachte.
siehe: http://www.cannabislegal.de/argumente/alkoholprohibition.htm

Selbst wenn eine Prohibition bewirken würde, dass weniger Menschen gewisse Substanzen konsumieren, so bringt sie etliche neue Probleme. Man kann nicht abstreiten, dass der Markt trotz Verbot boomt. Weder in Ländern wie Singapur, in denen man schnell mal die Todesstrafe für den Umgang mit Drogen bekommen kann, noch in Hochsicherheitsgefängnissen funktioniert die Prohibition. Illegale Drogen bekommt man überall. Dadurch, dass dieser vorhandene Markt nicht von Personen kontrolliert wird denen ein vernünftiger Umang mit Drogen sowie das Wohl der Konsumenten am Herzen liegt sondern es größtenteils profitgeile Verbrecher sind, kann man sich doch denken was die Folge ist: Verunreinigte Drogen für einen größtmöglichen Profit. Damals war es gepanschter Alkohol, heute sind es Kunststoffe und Schwermetalle im Gras, Krebserregende und stark Abhängigkeitsfördernde Stoffe in Ecstasy oder absolute Abfalldrogen wie Krokodil oder Legal Highs. Die potentielle Gefährlichkeit von gewissen Drogen nicht zu unterschätzen, allerdings haben die Mittel, mit denen viele Drogen gestreckt werden deutlich fatalere Auswirkungen auf einen Menschen als es die Droge an sich jemals hätte. Egal wie viel Gras man in seinem Leben Rauchen mag, die Folgen von geschmolzenem Blei in der Lunge sind dramatischer als alle Folgen die intensiver Cannabiskonsum jemals bewirken könnte.

Was ist denn nach eurer Auffassung eher der richtige Weg?

Ein pauschales Verbot mit den Folgen Verschmutzter Drogen, kriminalisierung von Jugendlichen und ernsthaft kranken Menschen sowie beschämende lächerliche Bemühungen zur Aufklärung der Menschen bezüglich der Risiken von allen vorhandenen Drogen?

Oder eher eine vom Staat regulierte und kontrollierte Abgabe sowie stärkere Maßnahmen zur Aufklärung besonders von Jugendlichen? Irgendwann kommt doch fast jeder mal in Kontakt mit Drogen. Nein zu sagen fällt doch schließlich leichter wenn man weiß was einem da von seinen Freunden angeboten wird, als wenn man sich naiv auf etwas einlässt von dem man keine Ahnung hat.

//Ich klink mich hier lieber direkt wieder aus, sonst werd ich mit meiner Arbeit nicht mehr fertig :D
 
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@ Konti

Man lässt sich für gewöhnlich auch nicht einfach etwas verschreiben, sondern der Arzt verschreibt bei entsprechender Indikation etwas.
Warum dies bei deiner Freundin nicht geschehen ist (keine passende Indikation, der Arzt hat keine Erfahrung mit cannabinoidhaltigen Medikamenten,...) , kann man ohne detaillierte Informationen nicht beurteilen.
Dies ändert aber nichts daran, dass es in der Praxis möglich ist.

Was soll man denn ein komplettes Schuljahr lang erzählen? Nicht die tiefe oder Komplexität eines Themas macht eine Thematik glaubwürdiger oder verankert sie nachhaltiger im Gedächtnis. Wenn das Thema in einigen Stunden sinnvoll aufgearbeitet wurde, wird sich jeder, dem die Thematik wichtig ist, sich auch daran erinnern. Bei denen, die trotzdem schwach werden, scheitert es an anderen Dingen und nicht am Wissen über die negativen Effekte.

@ gutiSTAR

Es ging mir ausschließlich um die Aussage die ich in dem Post zitiert habe. Und die ist so pauschal einfach falsch.
 
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Seppuku schrieb:
@ Konti

Man lässt sich für gewöhnlich auch nicht einfach etwas verschreiben, sondern der Arzt verschreibt bei entsprechender Indikation etwas.
Ja, und der Arzt wollte gerne in diesem Fall ein Medikament mit den Wirkstoffen von Cannabis verschreiben, aber aus irgendeinem Grund sei dies so einfach nicht möglich.

Wie kannst du behaupten, daß es in der Praxis möglich ist? Kennst du selbst Personen, die sowas tatsächlich schon verschrieben bekommen haben?

Seppuku schrieb:
Was soll man denn ein komplettes Schuljahr lang erzählen? Nicht die tiefe oder Komplexität eines Themas macht eine Thematik glaubwürdiger oder verankert sie nachhaltiger im Gedächtnis.
Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?
Hast du dich auch nur mal ansatzweise mit der Wirkungsweise von Drogen beschäftigt?
Da lässt sich eine ganze Menge zu erzählen.

Und hast du dir mal angeguckt, wie wenig Stoff pro Fach in einem Schuljahr vermittelt wird?

Seppuku schrieb:
Bei denen, die trotzdem schwach werden, scheitert es an anderen Dingen und nicht am Wissen über die negativen Effekte.
Diese pauschale Aussage ist schlicht völlig falsch!
Meinst du, ich hätte damals fröhlich den ganzen Tag gekifft, wenn ich gewusst hätte, daß darunter langfristig und irreparabel meine Konzentrationsfähigkeit leidet?

Der Status Quo ist, daß die Gefahren von Drogen (inklusive Zigaretten und teils auch Alkohol) nicht mal annähernd glaubhaft und akkurat vermittelt werden. Nichts wissende Eltern erzählen einem irgendeinen Schrott, in der Schule wird das Thema gar nicht angesprochen, in den Medien kommt seltenst mal ein Bericht dazu.
Und da wundern sich Leute darüber, daß es so viel Drogenmissbrauch (sei es Cannabis, Tabak oder Alkohol) bei Kindern und Jugendlichen gibt?

Es scheitert in den aller meisten Fällen genau nur am Wissen.
Die wenigsten Menschen fügen sich absichtlich bewusst Schaden zu.
Du glaubst wahrscheinlich auch immer noch das Märchen, daß man so süchtig nach Cannabis würde, daß man von allein nicht mehr aufhören könnte. Weißt du, warum viele Kiffer nie mit dem Kiffen aufhören?
Weil sie keinen konkreten Grund dazu sehen!
 
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Konti, Aufklärung und Sensibilisierung ist gut und wichtig. Ich glaube aber Du vernachlässigst da den Faktor Mensch etwas. Jeder reagiert anders auf derartige Angebote und lässt sich entsprechend wenig oder viel von diesen beeinflussen. Zumal, wenn die vermittelnden Personen Erwachsene sind (auch bei entsprechender Kompetenz)! Anders würde dies ggf. aussehen, wenn man z.B. in eine Unterrichtseinheit einen Ex-Junkie (bitte nicht negativ verstehen), sozusagen als abschreckendes Beispiel und für Erfahrungen "aus erster Hand", mitbringen würde.

Dennoch bleibt ein sozialwissenschaftlicher Fakt der, dass Normen und Werte im hier relevanten jugendlichen Alter oder in der Adoleszenz, insbesondere durch den Freundeskreis, die "peer-group", eben die direkte Bezugsgruppe definiert werden. Eltern oder auch Lehrer spielen dabei eine untergeordnete, wenn nicht sogar unbedeutende Rolle. Was wiederum die Frage nach der Wirkung von gezielter Drogenaufklärung durch eben Eltern oder Lehrer aufwirft. Bedeutend wichtiger erachte ich daher die erzieherischen Grundlagen, welche dem Kind mit an die Hand gegeben werden.

Meinst du, ich hätte damals fröhlich den ganzen Tag gekifft, wenn ich gewusst hätte, daß darunter langfristig und irreparabel meine Konzentrationsfähigkeit leidet?
Du vielleicht nicht, aber kannst Du das für alle anderen ebenso behaupten. Auch, wenn Vergleiche hier nicht hoch im Kurs stehe, Tabakkonsumenten wissen auch um dessen Schädlichkeit - es ist ihnen aber egal. Ergo, selbst bei Erwachsenen steht scheinbar nicht die rationale gesundheitliche Abwägung im Vordergrund, sondern offensichtlich andere Aspekte. Und Du implizierst mit deiner Frage, dass Jugendliche, trotz größerer Unreife, hier rationaler entscheiden würden?!
 
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Auch, wenn Vergleiche hier nicht hoch im Kurs stehe, Tabakkonsumenten wissen auch um dessen Schädlichkeit
Ich find Vergleiche nicht falsch, aber dann bleib doch in diesem Fall besser beim Alk.
Tabak macht dich körperlich kaputter als Cannabis und (und hier ist der Punkt warum es als Vergleich ungeeigneter als Alk ist) verändert das Bewusstsein nicht stark/lange. Zumindest nicht als Raucher. Als Nichtraucher kanns einem ja schon schwindelig werden.

Ansonsten ist das aber auch richtig... Die Beeinflussung geht leider wenig von den aufklärenden Personen aus... Aber eine im Gehirn "angenommene" Aufklärung (im Gegensatz zur Verteufelung) wäre vermutlich tatsächlich am effektivsten. Da ist dann die Frage der Realisierung...
 
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Ja, mir ging es auch nicht darum schulische Aufklärung oder auch andere Arten zu verteufeln, sondern vielmehr darum die Zuschreibung als alleinigen "Heilsbringer" (so klang das hier nämlich phasenweise) etwas zu dekonstruieren.
Aufklärung kann immer nur ein Teil dessen sein, was im Gesamtkontext soziale Kompetenz bedeutet. Ist diese vorhanden - so meine These - dann wird man, vllt abgesehen von dem jugendlichen "Probierzug", einen Joint nie längerfristig in die Hand nehmen. Um die genannte Kompetenz zu erwerben, bedarf es aber nicht zwingend eine zielgerichtete Drogenaufklärung, sondern einen starken Verbund aus elterlicher und schulischer Erziehung. Dort können dann auch randständig Drogen thematisiert werden, aber bitte nicht in dem hier geforderten Jahresumfang. Denn auch durch das dauerhafte (monotone) Hinweisen auf Suchtproblematiken, können derartige Substanzen erst attraktiv werden..
 
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@ Konti

Dann war der entsprechende Arzt nicht richtig informiert (sofern der Vorfall nicht zu weit in der Vergangenheit liegt).
Wie ich so etwas behaupten kann? Ich bin selbst Apotheker und habe in der Apotheke gearbeitet, bevor ich mich Richtung Forschung und Entwicklung entschieden habe . Das sollte auch deine nächste Frage beantworten, ob ich mich mit der Wirkung von Drogen schon mal beschäftigt habe ;).
Aber gerade deswegen auch meine etwas provokante Nachfrage/These: Ich könnte Schülern eine Fülle an Informationen geben, die weit aus mehr als ein Schuljahr füllen. Das meiste wären dann aber für den Laien irrelevante Details.

Die relevanten Informationen wie was gibt es aktuell auf dem Markt (ein bisschen die Geschichte dazu), welche Gefahren lauern auf Grund der Substanz (kurz- und langfristig), welche Gefahren bergen Verunreinigungen, welche Applikationsmethoden gibt es und welche Gefahren sind mit diesen verbunden, was sind die Methoden von Dealern, ein bisschen Pharmakodynamik und -kinetik und Interaktionen mit Medikamenten. Das wären die Punkte, die mir jetzt spontan einfallen, die für einen Laien mehr oder weniger relevant sind.
In der Uni würde ich das ohne Probleme in 90-180 min Vorlesung packen. In der Schule muss man sich natürlich ein bisschen mehr Zeit nehmen (dafür aber auch die tiefe reduzieren).

Informationen sind schön und gut. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sie auch beherzigt. Wenn du durch bessere Aufklärung von bestimmten Substanzen Abstand genommen hättest, dann ehrt dich das. Leider trifft dies nicht auf alle zu. Das heißt jetzt nicht, dass ich gegen eine bessere Aufklärung in Schulen bin. Da gibt es definitiv Defizite. Aber man sollte den Effekt nicht überschätzen.
Ich habe ja in diversen Posts ja schon die Beratungsresistenz von Leuten in der Apotheke angesprochen. Und da kann man wirklich manchmal nur mit dem Kopf schütteln. Außerdem ist z.B. auch die Compliance ein riesiges Problem bei einer medikamentösen Behandlung. Da kann man sich manchmal wirklich den Mund fusslig reden. Das heißt die Informationen sind da, umgesetzt wird es aber trotzdem nicht.
Das sind jetzt einfach Erfahrungen, dich im Laufe meiner Arbeit gemacht habe (und eigentlich jeder meiner Kollegen, mit denen ich spreche, auch).
 
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diRAM schrieb:
Dennoch bleibt ein sozialwissenschaftlicher Fakt der, dass Normen und Werte im hier relevanten jugendlichen Alter oder in der Adoleszenz, insbesondere durch den Freundeskreis, die "peer-group", eben die direkte Bezugsgruppe definiert werden. Eltern oder auch Lehrer spielen dabei eine untergeordnete, wenn nicht sogar unbedeutende Rolle.
Ich weiß nicht, wo du diesen "Fakt" her haben willst, aber so allgemein formuliert ist das schlicht völlig falsch.
Es mag Fälle geben, in denen die Eltern keinen großen Einfluss mehr haben. Dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Nicht selten kann auch ein einzelner Lehrer einen erheblichen Einfluss auf ein Kind haben.

Die Eltern spielen (fast) nie eine untergeordnete oder gar "unbedeutende" Rolle.
Es reicht nur eben nicht, zu sagen:
"Mach dies nicht, mach das nicht."
Oder:
"Dies und das ist schlecht."
Man muss den Kindern erklären, warum etwas "schlecht" ist und welche Konsequenzen das haben könnte. Und wenn dies glaubwürdig geschieht, wird es auch beim Kind ankommen.
Damit man glaubwürdig Wissen vermitteln kann, muss man selbst kompetent sein (oder einfach ein sehr guter Hochstapler ... wobei das früher oder später auffliegt).

Du scheinst auch "Aufklärung" mit "Vorschriften" zu verwechseln.
Es geht eben nicht darum, daß sich der Lehrer herstellt, und stundenlang dummes Zeug labert und immer wieder betont, daß die Kinder keine Drogen nehmen dürfen.
Es geht darum, daß erklärt wird, was Drogen im Körper machen und welche (vor allem Langzeit) "Nebenwirkungen" auftreten können. Ganz trocken und wissenschaftlich, ohne jegliche Wertung.
Die Wertung kommt dann bei Vielen ganz von selbst.

diRAM schrieb:
Du vielleicht nicht, aber kannst Du das für alle anderen ebenso behaupten. Auch, wenn Vergleiche hier nicht hoch im Kurs stehe, Tabakkonsumenten wissen auch um dessen Schädlichkeit - es ist ihnen aber egal.
Das stimmt nicht.
Vielen ist es nicht egal, und sie wollen eigentlich aufhören.
Sie tun's aber nicht, weil die Gefahr nicht akut genug ist.

Die meisten der Raucher haben außerdem nur oberflächliches Wissen über die Schädlichkeit des Rauchens. Die Gefahren sind zu "fern".
Man kann die Gefahren deutlich näher heran holen, indem man ganz genau erklärt, was im Körper passiert und indem man das Ganze mit Zahlen begreifbar macht.

Wenn man z.B. erstmal angefangen hat, sich vorzustellen, wie sich Teer-Partikel in der Lunge ablagern, und sich das dann beim Rauchen auch mal bewusst macht, wird das echt eklig.

diRAM schrieb:
Ja, mir ging es auch nicht darum schulische Aufklärung oder auch andere Arten zu verteufeln, sondern vielmehr darum die Zuschreibung als alleinigen "Heilsbringer" (so klang das hier nämlich phasenweise) etwas zu dekonstruieren.
Also so war das ganz sicher nicht gemeint.
Es ist völlig klar, daß es immer Fälle geben wird, in denen Aufklärung nicht fruchtet.
Trotzdem ist es ein absolutes Versäumnis, daß in dieser Richtung im Moment so gar nichts passiert. Denn Vielen wäre damit schon geholfen.

Und gerade wenn man eine Gesellschaft dazu bewegen will, kollektiv vom Drogen Missbrauch weg zu kommen, dann geht das nur über Erziehung und Bildung.
Es fehlt einfach generell das Bewusstsein für Drogen in der Bevölkerung. Einige nehmen die Gefahren gar nicht ernst, Viele verdrängen sie einfach. Einige wissen nicht mal von den Gefahren, und manche verteufeln einfach alles.
Drogen sind in unserer Gesellschaft (und damit meine ich jetzt die breite Masse) im Moment noch ein großes Mysterium. Diese Unwissenheit fördert den Missbrauch.

diRAM schrieb:
Denn auch durch das dauerhafte (monotone) Hinweisen auf Suchtproblematiken, können derartige Substanzen erst attraktiv werden..
Ja, wie gesagt:
Dieser Unterricht soll nicht aus Geschwafel bestehen, sondern vor allem auch die biologischen Hintergründe erklären.
Vor allem sollte der Unterricht wertungsfrei erfolgen und nicht im Stile von "Drückt bloß nicht diesen roten Knopf!".

Seppuku schrieb:
Ich bin selbst Apotheker und habe in der Apotheke gearbeitet, bevor ich mich Richtung Forschung und Entwicklung entschieden habe .
Interessant ...
Und wie oft habt ihr das Medikament mit den Cannabis-Wirkstoffen verkauft?
 
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Man muss also ein Kiffer sein um seine Kinder überzeugen zu können es bleiben zu lassen?
 
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@Konti
Ich habe nie absolut und abschließend behauptet, dass Eltern und Lehrer überhaupt keinen Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Ich habe gesagt, dass deren Einfluss verschwindend gering ist. Normen und Werte, werden innerhalb der Adoleszenz nunmal maßgeblich durch den Freundeskreis bestimmt. Dieser ist die relevante Bezugsgruppe. Das belegen zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien. Daher als Antwort auf deine Frage, woher dieser Fakt kommt: Das ist Wissen aus meinem Studium, auch wenn mir hier die Zeit fehlt, in meinen Unterlagen jetzt konkrete Studien zu suchen, um sie hier als Beleg anzuführen. Trotzdem ist diese Aussage selbstverständlich generalisierbar, mit der üblichen Ausnahme, dass der konkrete (abweichende) Einzelfall, natürlich nicht erfasst wird.

Da kann der "aufklärende" Erwachsene kompetent, glaubwürdig oder der Weihnachtsmann sein. Es ändert nichts. Auch nicht, wenn er nur wissenschaftliche Fakten rezitiert. Er ist schlicht nicht die "relevante" Bezugsperson. In vielen Fällen werden sich die Jugendlichen die für sie relevanten Infos schon aus dem Netz gezogen haben (denn dort steht ja scheinbar objektiv, Cannabis ist gut - überspitzt formuliert) oder tun dies eben im Anschluss an den Vortrag. Der "Teufelskreis" funktioniert nämlich in dergestalt: Man ist in einem Freundeskreis, oder hat innerhalb dieses Freundeskreis nochmal konkrete Bezugspersonen und durch diese oder die Gruppe insgesamt wird vorgelebt, dass Cannabiskonsum, Alkoholkonsum, Tabakkonsum, Pornokonsum, Bonbonkonsum ... völlig normal oder gar cool ist. Diese Meinung überträgt sich (stark simplifiziert) auf das einzelne Indiviuum und nun ist ein sozialpsychologischer Fakt, dass sich Menschen die Infos aussuchen, welche am besten zu ihrer schon existenten Meinung passen. Und Du glaubst, dass in der Masse, Eltern oder Lehrer diese Meinung repräsentieren? In einer Lebensphase wo das austesten von Grenzen und der kategorische Widerspruch zu z.B. Eltern "normal" sind?!

Abschließend nur eine Frage: Bist Du wirklich so naiv zu glauben, dass einem Großteil der Raucher nicht bewusst ist, dass sie durch Tabakkonsum schädliche Substanzen zu sich nehmen und somit langfristig ihrer Gesundheit nichts gutes tun? Ich stimme mit dir über ein, dass viele aufhören wollen, eben weil ihnen diese Konsequenzen bewusst sind! Sie tun es aber nicht, weil es ihnen egal ist bzw. andere positive (Sucht-)Faktoren, und sei es nur die Gewohnheit, überwiegen. Das ist ein großer Unterschied! Diese Wahl treffen sie somit gerade weil sie - wie ich bereits sagte - nicht rational entscheiden. Und das tun Jugendliche, ob ihrer fehlenden Reife, noch weniger.
 
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Für mich gibt es zwei unterschiedliche Ansätze.
So wie die momentane gesetzliche Regelung mit den verbotenen und doch erlaubten "Freimengen" ist, bin ich für eine Legalisierung der Droge.

Damit werden die Polizeibehörden und Gerichte massiv entlasstet und können sich um wichtigeres kümmern.
Für mich ist die "Freimenge" totaler Schwachsinn.
Entweder ist es erlaubt oder nicht.
Aber ein Strafverfahren zu eröffnen was dann aufgrund der Menge zum Eigenbedarf eh eingestellt wird, ist unsinnig.
Die Menschen die kiffen, kiffen so oder so weil sie ja eh nichts zu befürchten haben - wenn sie nicht gerade Kraftfahrzeuge führen.
Bei einer Legalisierung fehlt dann vielleicht auch der Reiz des Verbotenen.

Also entweder härtere und konsequente Strafverfolgung oder Legalisierung.

Wobei ich der Staat den Alkohol durch gesetzliche Regelungen oder Verteuerung unattraktiv machen sollte.
Der Alkohol sollte nur in gut gesicherten und ausgewählten Läden verkauft werden können

Die Krankenkassen und die Geschädigten von den zahlreichen Gewalttaten unter alkoholeinfluss werden es danken.
 
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diRAM schrieb:
Abschließend nur eine Frage: Bist Du wirklich so naiv zu glauben, dass einem Großteil der Raucher nicht bewusst ist, dass sie durch Tabakkonsum schädliche Substanzen zu sich nehmen und somit langfristig ihrer Gesundheit nichts gutes tun? Ich stimme mit dir über ein, dass viele aufhören wollen, eben weil ihnen diese Konsequenzen bewusst sind! Sie tun es aber nicht, weil es ihnen egal ist bzw. andere positive (Sucht-)Faktoren, und sei es nur die Gewohnheit, überwiegen. Das ist ein großer Unterschied! Diese Wahl treffen sie somit gerade weil sie - wie ich bereits sagte - nicht rational entscheiden. Und das tun Jugendliche, ob ihrer fehlenden Reife, noch weniger.
Sie hören nicht auf weil die Sucht stärker ist.
 
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@reecon87
Diejenigen die behaupten Alkohol sei nicht viel besser als das Kiffen, mögen Recht haben. (Vorteil des Alkohls ist lediglich die leichtere "Dosierbarkeit". Auch Fahren unter Alkohleinfluss kommt viel zu oft vor, aber 98% aller, die Alkohol konsumieren, würden die Frage ob Fahren unter Alk-Einfluss schlecht ist mit "ja" beantworten. Der Anteil derer scheint mir bei Kiffern leider geringer.)

Aber dein Beitrag ist doch etwas widersprüchlich, oder?

reecon87 schrieb:
[...]
Die Menschen die kiffen, kiffen so oder so weil sie ja eh nichts zu befürchten haben - wenn sie nicht gerade Kraftfahrzeuge führen.
Bei einer Legalisierung fehlt dann vielleicht auch der Reiz des Verbotenen.
[...]

Aha, das wäre bei Alkohol anders?

reecon87 schrieb:
Wobei ich der Staat den Alkohol durch gesetzliche Regelungen oder Verteuerung unattraktiv machen sollte.
Der Alkohol sollte nur in gut gesicherten und ausgewählten Läden verkauft werden können

Die Krankenkassen und die Geschädigten von den zahlreichen Gewalttaten unter alkoholeinfluss werden es danken.

Und dann forderst du Alkohol durch gesetzliche Regelungen unattraktiv zu machen? D.h. du würdest Cannabis dann auch bei einer Legalisierung durch Gesetz und Steuer gleichzeitig unattraktiv machen? Oder magst du kiffen einfach nur lieber wie Alk?
Ich war einmal in meinem Leben Opfer einer Gewalttat und da war der Täter bekifft, nicht betrunken. Beide Drogen enthemmen und manche Leute neigen zu Aggressionen. Wenn jemand aggressiv ist, kommt das unter Drogeneinfluss nur eher zum Vorschein.


@ohmotzky: So what? Schreibt er doch unter anderem selbst schon.
 
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Ich war einmal in meinem Leben Opfer einer Gewalttat und da war der Täter bekifft, nicht betrunken.
Das würde ich auf einen Zufall schieben. Definitiv enthemmt Alkohol stärker. Ich kenne einige Kiffer. Aber keiner von denen wird aggressiv wenn er einen geraucht hat. Im Gegenteil. Die Hanseln liegen breit auf der Couch und sind zu faul zu kacken :freaky:

...unattraktiv machen?
Wäre ich bei allen Drogen dafür (unabhängig von einer Legalisierung). Keine Werbung, kein Image Design (Malboro Man...), einheitliche Verpackung über Marken hinweg, Warnhinweise auf den Packungen...
 
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Und ich kenne Trinker, die liegen faul auf der Couch, stehen nicht auf und kacken trotzdem. Ist das ein Beweis gegen Gewalt-Enthemmung?
Und bei den Mai-Krawallen steigen die Punks für einen Tag auf Schnaps um? ;)

Gegen deinen Vorschlag zum Thema "unattraktiv machen" habe ich nix einzuwenden, weder mit, noch ohne Petz-Auge. Aber bei deiner Signatur macht es ohnehin keinen Spaß mit dir ernsthaft zu diskutieren, auch wenn ich verstehe was du meinst. ;)
 
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