6/6 Halo 2 im Test : Der Master Chief kommt mäßig zurück

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Fazit

Alles in allem gestaltet sich Halo 2 für den PC als nahezu tragischer Titel. Es scheint, als waren die Vorgaben im Vorfeld insgesamt einfach zu hoch gesteckt. Dieser Umstand ist einerseits historisch gewachsen: Nach den Erfolgsgaranten Halo und Halo 2 für die Xbox müssen Bungie und Microsoft Games der Theorie nach tatsächlich eine aufgewertet PC-Version präsentieren, damit der geneigte PC-Spieler überhaupt erst eine Art von Kaufanreiz erhält. Andererseits ist der Druck hausgemacht: Durch die aus technischer Sicht nicht schlüssig zu begründende Fixierung auf Vista in Verbindung mit der Ankündigung, gegenüber der Xbox eine verbesserte Version anzubieten, werden grafische Wunschvorstellungen provoziert, die nicht im Ansatz erfüllt werden. Während der Spieler sich auf einen Augenschmaus freut, wird er mit dem Look & Feel einer DirectX-8-Grafikengine bitter enttäuscht.

Halo 2

Um bei der Vista-Fixierung zu bleiben: Der Gedankengang, den man bei Microsoft damit verfolgt, ist vom markenstrategischen Standpunkt aus – im krassen Gegensatz zum rein technischen Aspekt – gar nicht so unverständlich. Natürlich versucht der Konzern durch eben jenen Schritt vor allem die kauffreudigen PC-Spieler durch die Bindung des Spiels an das neue Betriebssystem zum Kauf zu bewegen. Und dieses Vorgehen wird sicherlich in naher Zukunft mit anderen, wesentlich besseren Titeln – Age Of Empires 4? -auch einigen Erfolg haben. Doch auch für den Einstieg hätte es eines wesentlich stärkeren Titels bedurft. Denn fest steht: Halo 2 kann aufgrund der im Vorangegangenen aufgeführten Mängel in keiner Weise eine Daseinsberechtigung für Vista schaffen und wird die ohnehin prächtigen Vista-Verkaufszahlen nicht zusätzlich anschieben.

Natürlich kann in die Waagschale geworfen werden, dass nicht nur die Grafik bei einem Computerspiel zählt, und auch wenn genau dieses Argument gerade bei Spielen wie Halo eine diskussionswürdige Aussage ist, sollte auch dieser nachgegangen werden. Aufgrund der gezeigten Mängel im Handling von Waffen und Fahrzeugen sowie der doch eher schwachen KI, gereicht es Halo 2 auch in dieser Hinsicht nicht gerade zu Ruhm und Ehre. Ausgeglichen werden diese Faktoren allerdings durch eine gewohnt schlüssige und spannende Geschichte, die allerdings etwas enttäuschend endet und wohl primär zum Ziel hat, auf Halo 3 Appetit zu machen. Wäre der saftige Minuspunkt in der Grafik nicht so frappierend, so wären alle Defizite in Steuerung und KI vergessen und der Master Chief hätte ein goldenes Comeback hingelegt.

So aber muss man leider sagen, dass Halo 2 wohl nur etwas für Halo-Freunde ist, die keine Xbox besitzen und in einer fernen Zukunft gerne Halo 3 spielen möchten, ohne in der Storyline nur Bahnhof zu verstehen. Wer aber auf einen Genre-Übersteiger mit hochkarätiger Grafik hofft, der sollte besser die Finger von Halo 2 für den PC lassen.

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