5/6 Nubert nuBox 311 im Test : Die etwas andere Versuchung

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Klangeindrücke

Abermals sollen in diesem Test die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter der getesteten Lautsprecher vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Darüber hinaus kann in diesem speziellen Fall auch der verwendete Onkyo-Receiver ein Unterscheidungsmerkmal beim Klang sein, da andere Verstärkerkomponenten möglicherweise andere Klangakzente setzen. Daher sollten die folgenden Beschreibungen nur als Empfehlung angesehen werden. Vorteilhaft ist es darüber hinaus in jedem Fall, sich die Lautsprecher stets selbst anzuhören, um ihren Klang mit den persönlichen Vorlieben abzugleichen.

Da jedoch nicht jeder die Zeit, das Geld oder die Muße hat, sich jedes interessante System selbst anzuhören, sollen in folgender Beurteilung auch Vergleiche mit bereits getesteten Boxensystemen gezogen werden.

Musik

Wenn man die kleinen Nubert-Lautsprecher betrachtet, ist man leicht innerlich zerrissen. Je nachdem, von welcher Seite der Anlauf für die gestellten Erwartungen erfolgt, schwankt man zwischen heilloser Vorfreude und bedächtigem Interesse. Nimmt man gängige – und nicht gerade schlechte – PC-Lautsprecher als Maßstab, so imponiert die nuBox 311 durch ihr erwachsenes Finish, die kompakten, aber für Schreibtisch-Verhältnisse nicht geringen Abmaße und natürlich der hochkarätigen Herkunft. Blickt man jedoch unter der Prämisse eines ausgewachsenen Heimkinos oder einer Stereo-Anlage auf die nuBox 311, so stellt diese zwar weiterhin ein solides Stück Technik dar, leistet sich aber in gut besetzter Nachbarschaft keine auffallenden – positiv wie negativ – Ausreißer.

Beim Klang verhält es sich ähnlich, doch der Reihe nach. Die Nubert nuBox 311 wurde an einem Onkyo TX-SR 606 als Stereolautsprecherpaar betrieben. Anfangs wurde auf eine Einmessung, die räumliche Gegebenheiten korrigieren und auch Equalizer-Voreinstellungen vornehmen kann, verzichtet. In einem zweiten Durchgang wurde das integrierte Adyssey-Einmesssystem benutzt. Darüber hinaus wurden diverse Testquellen auch mit Subwoofer-Unterstützung wiedergegeben. In jedem Fall soll eine einzelne Beschreibung der verschiedenen Modi erfolgen.

Gänzlich ohne Einmessung und Equalizer-Einstellungen (im Pure-Audio-Modus des Receivers) wirkt die Wiedergabe der nuBox 311 überaus angenehm und gänzlich unspektakulär – was gut ist. Es fallen weder kreischende Höhen noch überbetonte Bässe auf. Letztere traut man der kleinen Kompaktbox zwar auch nicht zu, tatsächlich schwächelt sie jedoch nicht im Tieftonbereich. Die Musikwiedergabe wirkt insgesamt sehr voll, vor allem Stimmen und Instrumente wirken im Allgemeinen sehr strukturiert und weit gefächert. In puncto Tieftonwiedergabe übertrifft die Nubert-Box auch das Edifier S2000, das auf eine ähnliche Chassis-Bestückung und sogar noch größere Kompaktlautsprecher vertraut. Das liegt vor allem an der Knackigkeit, die sich die nuBox 311 solange leistet, wie es Gehäusevolumen und Tiefmitteltontreiber zulassen. Der Bass wirkt niemals schwammig und nicht untersetzt. Man hört auch nicht, wann die Lautsprecher an die Grenzen der Machbarkeit im Frequenzkeller stoßen. Der Klang läuft hier schlicht seicht aus und wirkt nicht überanstrengt.

Besonders gefallen hat die Homogenität der gesamten Wiedergabe sowie die erreichbare Dynamik der kompakten Box. Die Qualitäten der Lautsprecher genügen, um einen sehr authentischen Charakter etwa in das Live-Konzert von In Extremo aus dem Jahre 2002 (DVD-Version) zu zeichnen. Die teilweise kratzige, sehr kräftige Stimme des Sängers der Mittelalter-Rockbank – Michael Rhein – wirkt eben so, wie es sich gehört. Keine Spur von flachem oder nasalem Klang; die aus dem ersten Gothic-Teil bekannte Musikgruppe darf dank Nubert so kräftig spielen wie auf kaum einem anderen bisher getesteten Lautsprechersystem.

Einzig beim maximalen Tiefgang könnte man höhere Ansprüche anmelden, vor allem, wenn man ein mittelprächtiges Satelliten-Subwoofer-System gewohnt ist. Hier kann die nuBox 311 vor allem bei Trommeln nicht mithalten. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Eagles. Auch hier brilliert das Stereopaar mit einer sehr authentischen Wiedergabe, die Freude macht. Der teils mehrstimmige Gesang wirkt sehr harmonisch, aber differenziert und weit gefächert. Auch die zahlreichen Gitarren und Percussions-Instrumente auf der Live-DVD „Hell Freezes Over“ klingen satt, stimmig und lebendig. Das letzte Quäntchen Tiefgang fehlt aber. Wirklich störend ist das aber nie, sofern es einem nicht nur auf dumpfen Disko-Bass ankommt.

Mittels Adyssey-Einmessung spielten die Nubert-Lautsprecher noch einmal lebendiger und klarer auf. Hier zeigte sich abermals, dass die kleinen Boxen sehr viel mehr zu leisten vermögen als man ihnen zutrauen könnte. Richtig interessant wurde es aber, als ein dedizierter Subwoofer hinzugenommen und eingepegelt wurde. Eingesetzt wurde in diesem konkreten Fall der Tieftonspezialist des Teufel Concept E 400, der für mehr geschaffen zu sein scheint als nur am PC eingesetzt zu werden. Bei dieser Kombination handelt es sich natürlich nicht um eine ideale Paarung! Interessant ist aber der Versuch, womöglich bestehende (und nicht einer Brotbüchse gleichende) PC-Subwoofer mit den Nubert-Lautsprechern zu kombinieren. Tatsächlich zeigte sich eine herausragende Dynamik und Homogenität. Kaum etwas ist bei dieser Konstellation unterbetont, Verbesserungen können lediglich hinsichtlich der Detailwiedergabe und der räumlichen Abbildung sowie des maximalen Tiefgangs erwartet und von sehr viel größeren und teureren Systemen erfüllt werden.

Ob mit Subwoofer oder ohne – die nuBox 311 bleibt Herrin über fast jede Musikrichtung. Viel mehr Performance, Klarheit und Homogenität sind bei der Größe und Preisklasse kaum möglich.

Filme und Spiele

Nachdem die Nubert nuBox 311 schon bei der Musikwiedergabe überzeugte, soll auch eine Betrachtung im Film- und Spiele-Sektor nicht fehlen. Beim Heimkinoeinsatz fällt dabei sofort auf, dass die Kompaktboxen einen sehr viel ausgewogeneren und kräftigeren Klang liefern als viele, vergleichsweise winzige PC-Lautsprecher. Besonders eindrucksvoll macht sich das etwa bei Stimmen aus dem Off bemerkbar, ganz besonders bei der erklärenden Ansprache von Optimus Prime zu Beginn des ersten Teils von Transformers. Die sehr markige, tiefe und verzerrte Stimme, die den Ursprung des Allsparks erklärt, wirkt auch eben so und nicht wie um drei Hauswände herum reflektiert.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in allen anderen Filmen: Die Wiedergabe glänzt durch einen hohen Grad an Realismus und Homogenität. Die kleinen nuBoxen versuchen nicht, mit Effekthascherei negative oder auch positive Resonanz zu erschummeln, der Klang ist einfach da und wirkt so, wie man ihn erwartet. Immer dann, wenn es „nur“ um Dialoge und Filmmusik geht, leisten die zwei Kompakten eine hervorragende Arbeit. Die Räumlichkeit ist stets gut, das Bühnenbild breit aufgefächert und der Klang voll. Einzig Actionszenen infizieren den Hörer abermals mit der Prise Verlangen, die sich aus der Abstinenz eines Subwoofers oder einer tieftonstarken Standbox ergibt. Die nuBox 311 kann etwa in „Master and Commander“ die brutalen Einschläge von Kanonenkugeln nicht markerschütternd umsetzen oder Olifanten aus „Herr der Ringe“ erdbebengleich abbilden. Derartiges kann man von Kompaktboxen aber auch kaum erwarten.

Anders sieht das natürlich aus, wenn man einen Subwoofer als Unterstützung mit hinzu nimmt. Als Satelliten-Lautsprecher eignet sich die nuBox 311 nämlich hervorragend, auch und gerade, weil sie nicht nur bis 80 Hz problemlos herunterspielen kann – wie es bei THX-Systemen gefordert wird – sondern noch darüber hinaus eine knackige Wiedergabe zaubert. Für den reinen Einsatz am PC genügt sie aber ebenfalls; Computer-Spiele profitieren gleichwohl von dem runden, neutralen Klangbild wie jede andere Wiedergabe auch. Für Surround-Sound werden aber mehr als die hier getesteten zwei nuBox-Lautsprecher fällig.

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