nuPro A-20 und A-10 im Test: Endlich Vollaktive von Nubert

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Jirko Alex
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Klangeindrücke

Abermals sollen in diesem Test die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter der getesteten Lautsprecher vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Da jedoch nicht jeder die Zeit, das Geld oder die Muße hat, sich jedes interessante System selbst anzuhören, sollen in folgender Beurteilung auch Vergleiche mit bereits getesteten Boxensystemen gezogen werden. Als Referenz dient dabei ein 2.1-Set bestehend aus zwei Nubert Nuline 32 sowie einem AW1000 als Subwoofer.

Nubert nuPro A-20

Nubert baut traditionell sehr linear abgestimmte Lautsprecher. Weder eine übermäßige Höhenbetonung noch ein sich in den Vordergrund drängender Bass sollen effekthascherisch um die Gunst des Hörers buhlen. Die Nubert nuPro A-20 will von dieser Tradition nicht abweichen, wie schon nach kurzer Zeit klar wird. Die Box gibt die ihr zugeführten Quellen stattdessen mit einer Leichtigkeit und Dynamik wieder, die man selbst dann, wenn man viel erwartet, nicht vorhergesehen hätte.

Der gute Eindruck spiegelt sich bereits in einem luftigen und angenehm unaufdringlichen Hochtonbereich wider, der es zu genießen scheint, kleine Details aus der Wiedergabe herauszuschälen. Mit keinem Stück lässt sich die nuPro A-20 zu einer nervigen Hochtonwiedergabe hinreißen. Stattdessen wird eine Detailwiedergabe ermöglicht, die den Tief- und Mitteltonbereich unangestrengt abrundet. Derartiges zeigt sich etwa bei Dawn Landes' Titel „Drive“, bei dem über das gesamte Musikstück hinweg immer wieder über die Saiten der Gitarre gestrichen wird. Das hierbei entstehende Geräusch erinnert bei einer allzu penetranten Hochtonwiedergabe oft an einen Sprung etwa in einer CD, die gerade wiedergegeben wird. Mit den Nubert nuPro A-20 erfreut man sich stattdessen an der Plastizität der Aufnahme, die durch diese und andere Feinheiten vermittelt wird, da das Saitenstreichen nicht kreischend, sondern schlicht authentisch wirkt.

Es ist dabei bezeichnend, dass man sich in derartigen Details verlieren kann, obwohl auch die vordergründige Wiedergabe mehr als überzeugt. Nicht nur in „Drive“, auch bei Alicia Keys (etwa im bekannten Klassiker „Fallin“) neigt man nur allzu leicht dazu, auf den Flügel zu hören oder in Gedanken die Zahl der Background-Sängerinnen abzuschätzen, statt auf die kräftige Stimme Alicias zu achten. Dabei wird diese mit einer Kraft wiedergegeben, die der des Originals kaum nachstehen dürfte. Hierbei fällt auch ein sehr guter virtueller Bühnenaufbau auf, der Alicia Keys samt Flügel im Vordergrund spielen lässt und weitere Teile des Titels so erscheinen lässt, als stünden sie tatsächlich mit einem leichten Versatz im Hintergrund.

Audioquellen
Audioquellen

Wer jetzt aber glaubt, man müsse eine Vorliebe für soulige oder instrumentale Musik haben, der irrt. Die nuPro A-20 ist ein Alleskönner und stellt dies ohne Mühe auch bei anderen Musikgenres, Filmen oder Spielen unter Beweis. Der akustisch zweifellos überzeugende zweite Teil der Tron-Saga etwa wirkt enorm plastisch, kraftvoll und dynamisch. Die elektronischen Klänge von Daft Punk werden vor allem auch durch den kräftigen Mitteltonbereich sehr stimmig wiedergegeben. Besonderen Eindruck schindet aber erneut das voluminöse Bassfundament, das man auch hier nicht erwartet. Die Nubert-Lautsprecher spielen beinahe jeden Subwoofer eines PC-Lautsprechersystems gnadenlos an die Wand; teilweise, weil sie günstigeren Sub-Sat-Systemen im Tiefgang überlegen sind, teilweise, weil die Abstimmung derart linear ist, dass der Übergang zum Tiefmittelton unmerklich passiert. Vom Tiefbass- bis in den Mitteltonbereich wird jede Facette der Quelle in einem Guss wiedergegeben, was nur sehr wenige PC-Lautsprechersysteme überhaupt schaffen könnten.

Auf ähnliche Weise erfreut man sich daher auch in Spielen. Die Räumlichkeit der Klangdarstellung ist für ein Stereosystem sehr gut. Die akustische Bühne erstreckt sich über die zwei Lautsprecher hinaus zu den Seiten und sie besitzt auch eine gewisse Tiefe. An den Rundum-Klang eines Surround-Soundsystems kommen zwei Nubert-Lautsprecher natürlich nicht heran. Durch die detaillierte Wiedergabe, die auch bei der Darstellung von Umgebungseffekten (Hall, gedämpfte Töne etc.) hervorragende Arbeit leistet, ist dennoch eine erstaunliche Ortung möglich.