Swiftech H2O 320 & NZXT Kraken X60 im Test: All-in-One-Wasserkühlungen im Vergleich

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Martin Eckardt
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Swiftech H2O 320

Im Gegensatz zu NZXT vertraut der amerikanische Kühlungsspezialist Swiftech nicht auf angepasste Endkundenversionen des OEM-Fertigers Asetek, sondern setzt mit der H2O-Serie auf Eigenentwicklungen.

Diese Tatsache verwundert zunächst nicht, schließlich zählt die Fertigung von Wasserkühlkomponenten für den PC zu den Säulen des kalifornischen Unternehmens, das auf eine fast zwanzigjährige Geschichte zurück blicken kann. Patentinhaber Asetek zeigt für Konkurrenz am AiO-Kühlermarkt erfahrungsgemäß jedoch nur wenig Verständnis. Nach Cool-IT und Cooler Master reihte sich jüngst auch Swiftech in die erfolgreichen Unterlassungsbemühungen des AiO-Pioniers ein, wobei stets die kombinierte Kühl- und Pumpeneinheit Stein des Anstoßes darstellt.

Die im Rahmen unseres Tests vorgestellte Swiftech H2O 320 mit Triple-120-mm-Radiator ist von diesen Rechtsstreitigkeiten im europäischen Vertriebsraum allerdings nicht betroffen. In den USA darf die H2O 320 zusammen mit ihrer kleineren Doppel-120-mm-Schwester H2O 220 aktuell jedoch nicht verkauft werden.

Der Lieferumfang der fast 150 Euro teuren Swiftech-Kühleinheit beinhaltet neben dem komplett vorkonfigurierten Kühlkreislauf inklusive vorinstallierter Dreifach-120-mm-Belüftung essentielles Montagematerial für aktuelle AMD- und Intel-Desktop-Sockel, eine umfassende mehrsprachig ausgeführte Produktanleitung (in der Kundenversion auch die richtige Variante) sowie eine Spritze Swiftech TIM-Mate-Wärmeleitpaste. Vervollständigt werden die Beigaben von einem Acht-Wege-PWM-Splitter für die simultane Strom- und Signalversorgung der Lüfter.

Montage- und Betriebszubehör der Swiftech H2O 320
Montage- und Betriebszubehör der Swiftech H2O 320
All-in-one-Lösung von Swiftech: H320 mit Triple-Radiator
All-in-one-Lösung von Swiftech: H320 mit Triple-Radiator
Schwerer Brocken: Gut 2 Kilogramm bringt die Kompaktwasserkühlung von Swiftech auf die Waage
Schwerer Brocken: Gut 2 Kilogramm bringt die Kompaktwasserkühlung von Swiftech auf die Waage

Swiftech setzt bei der H2O 320 auf das klassische Triple-Radiator-Konzept mit drei 120-mm-Lüftern, welche bereits serienmäßig in blasender Konstellation angebracht sind. Bei Bedarf kann der Anwender die Arbeitsrichtung der verschraubten Ventilatoren an seine Wünsche anpassen. Aufgrund der Geometrie der Lüfterblätter ist die saugende Konstellation jedoch etwas leistungsschwächer.

Der Radiator selbst ist erheblich schwerer als das NZXT-Aluminium-Pendant, was in erster Linie der abweichenden Materialwahl geschuldet ist. Swiftech vertraut auf Messingkapillaren in Kombination mit Lamellen aus Kupfer und unterstreicht damit die hohen Ambitionen des Produktes. Die Gestaltung der Lamellen ist dabei bis auf vereinzelte Fehlstellen überwiegend sauber, wobei die Finnen weniger engmaschig verlaufen als bei der Kraken X60. Darüber hinaus variiert die Staffelung leicht: In den Hotspot-freien Randbereichen ist der Kapillarabstand etwas weiter gewählt als im Zentrum (10 mm im Vergleich zu 8 mm), wodurch sich die Lamellierung feiner darstellt.

Abseits davon bietet der Swiftech-Radiator im Gegensatz zu den meisten Konkurrenzprodukten durch einen Standard-G1/4-Zugang die Möglichkeit, Kühlflüssigkeit (Swiftech Hydrx PM-2) nachzufüllen. Auch eine Erweiterung des Kühlkreislaufes um herkömmliche Wasserkühl-Komponenten ist grundsätzlich möglich.

G1/4-Zugang zum Befüllen des Kühlkreislaufes
G1/4-Zugang zum Befüllen des Kühlkreislaufes
Feine Kupferlamellen mit wenigen Fehlstellen, Randbereich feinmaschiger
Feine Kupferlamellen mit wenigen Fehlstellen, Randbereich feinmaschiger
Feste, schwenkbare Verbindungen zwischen Radiator und Schläuchen
Feste, schwenkbare Verbindungen zwischen Radiator und Schläuchen

Die dickwandigen Schläuche der Swiftech bestehen aus Weich-PVC und weisen eine sehr hohe Elastizität auf, ohne bei höheren Flüssigkeitstemperaturen knickanfällig zu sein. Die Verbindung zwischen Kühler und Radiator ist mit etwa 40 cm ausreichend lang dimensioniert, sodass auch in größeren Gehäusen die typische Radiatorposition im Chassis-Deckel eingenommen werden kann.

Die quaderförmig gestaltete Kühl- und Pumpeneinheit von Swiftech ist mit einer Bauhöhe von 5,3 cm gut 2 cm höher als die Asetek-Produktion im NZXT-Kraken-Gewand. Das üppigere Innenraumvolumen eröffnet Swiftech mehr Freiheiten bei der Gestaltung des Kühlmittel-Ausgleichsbehälters und der Pumpengeometrie, was insbesondere der Betriebslautstärke zugute kommen kann. Ob sich die H2O 320 bei diesem für AiO-Produkte so neuralgischen Thema tatsächlich einen Vorsprung erarbeiten kann, klären wir in den Abschnitten zur Lautstärkebetrachtung.

Kernstück der Kühleinheit bildet die zur CPU hin eben gestaltete, polierte Kupferkühlplatte. Zur Vergrößerung der Oberfläche besitzt diese im Inneren eine feine 0,25 × 0,25 mm Micro-Pin-Struktur, welche vom Kühlmedium umspült wird.

Seitenansicht der 53 mm hohen Swiftech-Kühleinheit
Seitenansicht der 53 mm hohen Swiftech-Kühleinheit
Polierter, ebener Kupferboden und Montagezubehör aus Metall
Polierter, ebener Kupferboden und Montagezubehör aus Metall
Lüfteranbringung erfolgt traditionell geschraubt ohne Entkopplung
Lüfteranbringung erfolgt traditionell geschraubt ohne Entkopplung

Im Gegensatz zur Kraken bietet das Swiftech-Pendant weder eine LED-Beleuchtung noch eine per Software gesteuerte Regulierung der angeschlossenen Lüfter. Die Pumpeneinheit selbst wird über einen 4-Pin-Anschluss mit dem Mainboard verbunden und kann dort per PWM in einem Arbeitsbereich zwischen 1.200 und 3.000 U/min betrieben werden. Für die Ventilatoren steht ein Acht-Wege-Splitter zur Verfügung, der via SATA-Strom-Connector direkt mit dem Netzteil verbunden wird. Das PWM-Signal des Hauptlüfters (rot gekennzeichneter Kanal) wird dabei separat geführt und auf alle am Splitter angeschlossenen Komponenten übertragen.

Acht-Wege-PWM-Splitter zur Stromversorgung der Lüfter
Acht-Wege-PWM-Splitter zur Stromversorgung der Lüfter
Sichere Montage auf Basis von Rückplatte und Federschrauben
Sichere Montage auf Basis von Rückplatte und Federschrauben
Flexible PVC-Schläuche erleichtern die Anbringung des Radiators im Gehäuse
Flexible PVC-Schläuche erleichtern die Anbringung des Radiators im Gehäuse

Zur Installation der Swiftech H2O 320 gibt es kaum Negatives zu berichten. Zunächst sind alle essentiellen Teile, abgesehen von den Isolierungen, aus Metall gefertigt, was sich im Vergleich zur NZXT Kraken als erheblicher Vorteil im Hinblick auf die Langlebigkeit herausstellt. Darüber hinaus setzt auch Swiftech auf vier Federschrauben in Kombination mit einer Rückplatte, wobei ein Kreuz-Schraubendreher zur Fixierung obligatorisch ist.