2/3 Corsair Lapdog im Test : Couch-Gaming-Auflage für Maus und Tastatur

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Alltagserfahrungen

Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis ist ein Grundmuster des Lapdog: Während der Grundgedanke überzeugt, kann dies die Ausführung nicht. Ja, mit Desktop-Eingabegeräten und einem großen, gleitfreudigen Hartplastik-Mauspad lässt sich so behände spielen wie am Schreibtisch – zumindest als Idee, denn das Konzept des Gaming Control Center erweist sich in Gänze der angedachten Umgebung als nicht gewachsen, was gleich an einer ganzen Reihe von Einschränkungen liegt. Diese gehen zudem weit über das Verlegen eines langen Kabels hinaus, das ebenso wie das klobige Gesamtprodukt, das sich nur schwer in einer Hi-Fi-Umgebung verstauen lässt, so gar nicht in ein Wohnzimmer passen will.

Die vielleicht offensichtlichste Limitierung ist das hohe Gewicht der Konstruktion. In betriebsfertigem Zustand liegen stolze 3,7 kg auf den Beinen. Zusammen mit Abmessungen von 73 × 26 × 7 × cm (L × B × H) ergeben sich daraus zwei Probleme: Die große Oberfläche bedeckt weite Teile der Beine, was in Verbindung mit dem Schaumstoff die Funktion einer Decke hat und damit die Beine spürbar aufheizt.

Die steife Konstruktion schränkt außerdem den Wechsel der Sitzposition stark ein. Der Einsatz des Lapdog geht bei längerem Spiel mit dem Gefühl einher, eingeengt oder gar eingeklemmt zu sitzen. Nach 30 bis 60 Minuten Einsatz beginnt zusätzlich ein leichtes Druckgefühl zu stören, das aus dem hohen Gewicht resultiert. Der Lapdog eignet sich damit weniger für ausgedehnte Spielesitzungen, die am Schreibtisch keinerlei Problem darstellen.

Durch die Form des Schaumstoffs wird breitbeiniges Sitzen nahegelegt
Durch die Form des Schaumstoffs wird breitbeiniges Sitzen nahegelegt

Das Problem ist die linke Hand

Die „Memory foam underside cushion for user comfort“ verdient also die Note Sechs, und das nicht, weil die Polsterung unbequem wäre, sondern weil sie für sich genommen bereits rund ein Kilogramm auf die Waage bringt. Ohne die Präsenz des Dämmstoffs rutscht der Lapdog zwar auf den Beinen hin und her, wird aber leichter und damit trotz der härteren, ungepolsterten Auflage etwas bequemer.

Auch abseits dieser konzeptionellen Nachteile weiß die Ergonomie nicht zu überzeugen. Anders als beim Razer Turret ist hier immerhin die Maushand dank des großen Pads, das auch als Ablage für das Handgelenk dienen kann, unproblematisch. Das Gegenteil gilt für die linke Hand. Hier hängt der Handballen aufgrund der Breite des Lapdogs neben dem Bein völlig frei in der Luft.

Das gilt auch für Tenkeyless-Tastaturen, weil sich das Adapterstück nicht links, sondern nur rechts der Tastatur befestigen lässt – die linksbündige Ausrichtung des Eingabegeräts negiert effektiv jegliche ergonomischen Vorteile des kleineren Layouts und verhindert in jedem Fall, die Arme anzuwinkeln. In beiden Fällen fehlt darüber hinaus eindeutig eine Handballenauflage.

Auf der Couch macht Spielen mit dem Lapdog daher wenig Spaß, weil die Haltung des Gelenks unnatürlich und die frei schwebende Position unbequem ist. Ein Sessel mit Armauflagen oder eine Position an der linken Seite der Couch kann diese Probleme allerdings umgehen, wenngleich in diesem Fall die vordere Kante des „Control Center“ Abdrücke in der Haut zurückließ. Ideal ist beides nicht.

Zu breit und zu schwer

Zumindest für zierlichere Menschen mit normalem Körperbau erscheint das Lapdog hochgradig ungeeignet. Der Sinn des unnötigen Breitbaus erschließt sich allenfalls breiter gebauten Personen. Ohnehin will nicht plausibel erscheinen, warum Corsair Funktions- und Nummernblock als essenziell erachtet. Zum Schreiben längerer Texte, ergo zum Arbeiten ist der Lapdog aufgrund der versetzen Anordnung der Tastatur bei zentrierter Ausrichtung der Auflage ungeeignet – und zum Spielen benötigt werden diese Tastenbereiche allenfalls (!) von einer kleinen Gruppe Anwender. Damit wird das Layout zu einem schlechten Kompromiss, der eigentlich nur Nachteile hat.

Und da ohnehin eine Tastatur von Corsair gekauft werden muss, hätte das Lapdog auch einfach mit 80 integrierten Tasten ausgeliefert werden können. Warum das vorteilhaft wäre, erschließt sich auf einen Blick: Die schmalere Bauform ist weit ergonomischer, spart Gewicht und würde es ermöglichen, den USB-Anschluss intern direkt von der Unterseite des PCBs der Tastatur abzugreifen. Damit ließe sich außerdem das große Abteil zum Verstecken der Kabel einsparen, was wiederum Raum für eine Handballenauflage lassen würde.

Die Maus sucht gerne mal das Weite

Zu all diesen Problemen gesellt sich noch ein weiteres: Der geringe Reibungswiderstand des Mauspads macht zwar beim Spielen Spaß, sorgt aber auch dafür, dass die Maus ständig in Richtung Abgrund rutscht, wenn sie von der Hand gelassen wird – was auf dem Sofa durchaus vorkommen kann. Die kleine Kante an der Unterseite verfehlt ihren Zweck dabei völlig. Sie stört weder Hand – was gut ist – noch den Nager beim Abflug. Letzteres ist schlecht, gerade auf einem Sofa und bei den geringen Winkeln, die die Maus in Bewegung zu setzen vermögen.

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