2/3 Roccat Skeltr im Test : Tastatur und Smartphone werden keine Freunde

, 45 Kommentare

Alltagserfahrungen

Signale werden bei der Skeltr durch Rubberdome-Taster generiert. Bei dieser Technik werden zwei durch eine Kunststoffschicht getrennte Leiterfolien über eine Gummiglocke, welche die Charakteristik der Taster bestimmt, zusammengepresst. Das Verfahren ist günstig und hinsichtlich des Layouts flexibel, leidet aber unter Alterungsprozessen des Materials, weshalb sich die Charakteristik der Schalter mit zunehmender Lebensdauer verändern kann. Zudem ist der Austausch von einzelnen Tastern sowie von Tastenkappen nicht möglich.

Im Gegenzug bleiben das Tippgeräusch leise und die Tastenhöhe gering. Der gedämpfte, weiche Anschlag und der ebenfalls weiche, aber in der Roccat-Umsetzung präzise zu erspürende Druckpunkt gehören ebenso zu den Eigenheiten der Technik. Der Druckpunkt wird wie üblich bei rund 55 bis 60 Gramm Kraftaufwand überwunden, der maximale Hub liegt bei nur 3,5 Millimetern. Nach Überwinden des Druckpunktes fällt der Widerstand zudem massiv ab, was durch den Kraftüberschuss das sichere Zusammenpressen der Leiterfolien sicherstellt. Das sorgt für ein stets sauberes Auslösen von Signalen.

Praktisch eignet sich die Tastatur daher sowohl für Spieler als auch für Vielschreiber. Dies ist allerdings keine Besonderheit besonders teurer Gummiglocken-Tastaturen, sondern eine Eigenschaft, die sich bei Produkten ab 15 Euro Kaufpreis ebenfalls vorfinden lässt.

Roccat Skeltr

180 Euro machen Gummiglocken nicht besser

Diese Erkenntnis kann auf das Key-Rollover übertragen werden. Ein Wert von Zwei ist typisch für Leiterfolien-Technik und wird von fast allen Modellen mit dieser Technik erzielt. Da sich die Angabe als Minimalwert versteht, können lokal auch deutlich mehr Tasten gleichzeitig betätigt werden. Auf die Eignung als Spieletastatur hat ein 2-Key-Rollover daher nicht zwingend negativen Einfluss. Das teure Modell hebt sich so in diesem Punkt allerdings auch nicht positiv von günstigen Office-Tastaturen ab. In dieser Preisklasse sollte zumindest 6-KRO als Standard betrachtet werden – das schafft Flexibilität für Spieler, die Titel mit ausgefallener Steuerung oder nicht nach „WASD“-Schema spielen. Mechanische Tastaturen weisen in dieser Preisklasse keine Limitierungen auf. Insgesamt erscheint nicht so sehr die Wahl der Tastentechnik, die in Teilen auch eine Geschmacksfrage ist, als vielmehr die technische Umsetzung als preislich unangemessen.

Ergonomisch gefällt die Skeltr. Flache Tasten und eine Handballenauflage mit ausreichend großer Oberfläche gewährleisten Bedienkomfort, den das Layout nicht ganz halten mag. Die Lautstärkeregelung etwa ist mit einer Hand nicht komfortabel zu betätigen. Außerdem lassen sich eine Anzahl Füllfunktionen – Verknüpfungen für den Taschenrechner, Arbeitsplatz und Browser – ausmachen, die von geringem praktischen Nutzen sind. Im Zweifelsfall können solche Schwächen aber individuell durch eigene Sekundärbelegungen („Easy Shift“) sowie durch die Konfiguration der Makrotasten in einem Windows-Profil behoben werden.

iPhone 7 Plus und iPad Pro 9,7 Zoll finden Platz
iPhone 7 Plus und iPad Pro 9,7 Zoll finden Platz

Eine gute Idee

Das zentrale Merkmal der gesamten Tastatur ist allerdings die rund zwölf Millimeter breite, gummierte Halteschiene für Tablets und Smartphones. Die Breite der Halterung erlaubt das flexible Verschieben auch größerer Touch-Geräte, könnte allerdings gerade linksseitig länger ausfallen: Soll das Display nicht nur anzeigen, sondern zusätzliche „Tasten“ bereitstellen, wäre eine stärker oberhalb des „WASD“-Bereiches zentrierte Ausrichtung grundsätzlich sinnvoll. Tablets oder ein hochkant positioniertes Smartphone können zudem problematisch sein, weil das „Display“ der Tastatur unter Umständen leicht das Display des Monitors verdeckt. Für sich betrachtet erscheint die Schiene aber als sinnvolle Ergänzung einer Tastatur.

Kleinere sowie unvermeidbare Probleme dieses Merkmals sind daher nicht das, was grundsätzlich gegenüber dem gesamten Konzept der Skeltr skeptisch stimmt. Der potentielle Mehrwert fällt aus anderen Gründen gering aus. Allen voran geht die umständliche, gleich dreifache Koppelung der Geräte. Um alle Funktionen des Smartphone-Tastatur-Hybriden nutzen zu können, muss das Smartphone per Audiokabel, WLAN und Bluetooth mit der Skeltr beziehungsweise der Swarm-App auf dem PC verbunden werden.

Bluetooth zum Schreiben, Kabel für Anrufe

Die Kommunikation per Bluetooth (3.0) ermöglicht es lediglich, mit der Skeltr auf dem Smartphone zu schreiben, was sich im Alltag als wenig nützlich erwies: Wer per Finger auf Nachrichten reagiert oder die App wechselt, kann auch gleich mit dem Finger eine Nachricht schreiben. Die vollständige Navigation per Tastatur wirkte hingegen eher umständlich. Ohnehin sind Eingaben in einem Spiel beim Wechsel auf das Smartphone nicht mehr möglich, was sowieso zum Unterbrechen eines Matches zwingt – warum gerade Spieler die Zielgruppe dieses Merkmals sind, bleibt unklar. Vorteile aus dieser Kopplung wird daher zuvorderst die Gruppe Anwender ziehen, die für Tablet und Smartphone eine Bluetooth-Tastatur besitzen oder separat kaufen würden.

Wird das Smartphone zusätzlich per Audio-Kabel mit der Tastatur verbunden, können auch Anrufe mit einer Zusatztaste der Skeltr entgegengenommen werden. Das setzt allerdings voraus, dass auch ein Headset mit zwei 3,5-mm-Steckern an der Tastatur steckt, was Art und Auswahl einschränkt – USB-Modelle oder Hi-Fi-Kopfhörer mit USB-Mikrofon passen nicht in das Konzept der Skeltr, das an dieser Stelle unflexibel wird. Der USB-Port ist hingegen optional, er dient dem Laden des Smartphones. Unabhängig davon produziert diese Option schnell „Kabelsalat“.

Auch die Funktion zum Führen von Gesprächen erscheint nur für eine sehr kleine Gruppe Anwender relevant. Alle anderen können für wichtige Gespräche genauso gut das Telefon in die Hand nehmen, die anderen Unterhaltungen auf eine andere Zeit verschieben und sich voll auf ihr Spiel konzentrieren.

Ein USB-Anschluss zum Laden
Ein USB-Anschluss zum Laden

Zusatzdisplay heißt WLAN

Um ein Mobilgerät als zusätzliches Display nutzen zu können werden ferner WLAN sowie die Installation der Swarm-App (iOS, Android) sowie der Swarm-Software auf dem PC erforderlich. Die App ist prinzipiell zusammen mit der Halteschiene das stärkste Argument für die Skeltr. Retten kann sie deren Konzept aber nicht, weil sie Funktionen vermissen lässt. Swarm zeigt zwar unter anderem Auslastung und die Temperaturen von Hardwarekomponenten wie CPU und Grafikkarte an, kann aber nicht konfiguriert werden. Es kann folglich nicht gewählt werden, welche Zusatzfunktionen das Display auf der Startseite anbietet sowie welche Zusatztasten und -funktionen zur Verfügung stehen. Auch Plugins für Programme wie TeamSpeak fehlen.

Laut Roccat stehen die Konfiguration des Startbildschirms und Plugins auf der To-Do-Liste, ein Zeitfenster fehlt jedoch. Damit bietet die App derzeit vor allem die Option, den Medienplayer und Audioausgabe zu steuern und Temperaturen und Last anzuzeigen. Außerdem können Makrotasten und LEDs über die App konfiguriert werden. Ein weiterer Menüpunkt erlaubt das Starten von Programmen und Spielen, die aber über die Software am PC hinzugefügt werden müssen. Dies ist versteckt über den Reiter „Quick Launch Settings“ im Feld Swarm Connect möglich.

Viele kleine Probleme

Zu den vielen Sinnfragen kamen im Betrieb viele praktische Probleme. Eine Verbindung zwischen App und Software war teils erst nach manueller Neuverbindung möglich, während das Auslesen von Statusinformationen nicht immer funktionieren wollte. Null Grad Temperatur für Prozessor und Grafikkarten klingen zwar gut, sind aber vollständig unrealistisch. Zumindest sauber funktionieren sollte die – bereits für andere Tastaturen von Roccat verfügbare – App, wenn schon die Smartphone-Integration und damit die Software als ein wesentliches Feature beworben werden und die Rechtfertigung eines exorbitanten Kaufpreises quasi im Alleingang schultern müssen.

Die Idee ja, die Umsetzung nein

An diesem Punkt lässt sich festhalten, dass das Konzept der Skeltr so nicht funktionieren will. In der Theorie mag die Möglichkeit, zwischen Smartphone und PC umschalten zu können, verlockend klingen, praktisch ist sie es nicht. Das liegt an den vielen Kompromissen, der umständlichen, dreifachen Kopplung und an der halbherzigen Umsetzung: Telefonie- und Schreibfunktion braucht es so nicht. Die Halteschiene ist in Kombination mit Swarm hingegen ausnehmend vielversprechend, aber durch die eingeschränkten Funktionen der App eher ein Versprechen für die Zukunft und nichts, für das 180 Euro angemessen erscheinen würden.

Die Zielgruppe, die darin einen Mehrwert sieht und aus den Features insgesamt einen praktischen Mehrwert im Alltag ziehen kann, wird also überschaubar ausfallen. Wesentliche und beste Idee der Tastatur ist damit die Halteschiene in Verbindung mit der App, wenngleich diese mehr ein Versprechen für die Zukunft ist. Damit hätte eigentlich eine neue Revision der Isku FX mit eben diesem Merkmal völlig ausgereicht.

Auf der nächsten Seite: Sofware