Intel SSD 600p im Test: Die günstigste NVMe-SSD schlägt SATA nur knapp 2/6

Michael Günsch 132 Kommentare

Auffälligkeiten beim Test

Unter Windows 8.1 gibt es Probleme

Unter Windows 8.1 gibt es Probleme. Intels SSD-Toolbox erkannte die 600p mit der Firmware „PSF“, obwohl eigentlich „PSF100C“ dort stehen sollte. Zudem wurden diverse Funktionen wie SMART-Details, Secure Erase oder Firmware-Update ausgegraut dargestellt und somit nicht unterstützt. Die Vermutung lag nahe, dass das Testmuster mit einer falschen Firmware bestückt war. Nach Rücksprache verwies Intel darauf, dass der neueste NVMe-Treiber von Microsoft installiert sein sollte. Für Windows 8.1 stand allerdings kein neuerer als Version 6.3.9600.16421 zur Verfügung. Des Rätsels Lösung war somit nicht gefunden.

Intels Toolbox erkennt die 600p zwar
Intels Toolbox erkennt die 600p zwar
Funktionen wie Secure Erase klappen aber nicht
Funktionen wie Secure Erase klappen aber nicht

Intel-Toolbox mit Windows 8.1 unbrauchbar

Eine Installation von Windows 10 brachte dann Erleuchtung: Die 600p wurde nun von der Toolbox korrekt erkannt und die Firmware korrekt als PSF100C ausgegeben. Zwischenzeitlich hat Intel mit der Aktualisierung der Toolbox auf Version 3.4.1 die neue Firmware PSF109C für die 600p herausgebracht. Die Hoffnung, dass damit auch unter Windows 8.1 alles funktioniert, wurde jedoch jäh zerstört. Erneut wurde das Laufwerk mit „PSF“ erkannt und Funktionen blieben inaktiv. Folglich lässt sich unter Windows 8.1 auch nicht die neue Firmware aufspielen. Dies wurde schließlich unter Windows 10 problemlos erledigt, mit der Hoffnung dass mit der neuen Firmware nun auch unter Windows 8.1 die volle Unterstützung des SSD-Tools herrscht. Doch auch mit Firmware PSF109C bleibt die beschriebene Problematik bestehen. Die SSD-Toolbox ist damit unter Windows 8.1 für die SSD 600p nach wie vor unbrauchbar.

Unter Windows 10 wird die 600p richtig erkannt und unterstützt
Unter Windows 10 wird die 600p richtig erkannt und unterstützt
Neue Firmware wird nur unter Windows 10 angeboten ...
Neue Firmware wird nur unter Windows 10 angeboten ...
... und lässt sich dort problemlos aufspielen
... und lässt sich dort problemlos aufspielen

Maximale Leistung nur unter Windows 10

Dass Intel hier dringend nachbessern sollte, zeigt sich auch an anderer Stelle. Unter Windows 8.1 lassen sich die versprochenen 1.775 MB/s beim sequenziellen Lesen nicht erreichen. Selbst in dem Idealszenario mit Iometer und 32 ausstehenden Befehlen (QD32) wird die Leserate nicht annähernd erreicht. Unter Windows 10 war es wiederum möglich, mehr als 1.700 MB/s zu erzielen. Der Eindruck entsteht, dass die Intel 600p schlicht mit dem NVMe-Treiber von Windows 8.1 nicht zurecht kommt, was vielleicht erst ein weiteres Firmware-Update beheben könnte. Eine diesbezügliche Anfrage hat der Hersteller bislang nicht beantwortet.

Unter Windows 10 sind unter Idealbedingungen (QD32) 1.750 MB/s möglich
Unter Windows 10 sind unter Idealbedingungen (QD32) 1.750 MB/s möglich

Kein FUA-Problem trotz Windows-Treiber

Intel bietet im Gegensatz zur Serie SSD 750 keinen eigenen NVMe-Treiber für die 600p an. Erfahrungsgemäß sollte dies bedeuten, dass zumindest für einige Benchmarks eine Anpassung in den Schreibcacherichtlinien von Windows nötig wird. Die Option „Leeren des Geräteschreibcaches deaktivieren“ müsste eigentlich ausgewählt werden, da andernfalls die Schreibleistung zum Beispiel bei AS SSD ins Bodenlose sinkt. Diese Problematik, die mit dem Befehl Force Unit Access (FUA) zu tun hat, betraf bislang alle SSDs für die kein alternativer NVMe-Treiber des Herstellers zur Verfügung steht.

Schreibcacherichtlinien in Standardeinstellung
Schreibcacherichtlinien in Standardeinstellung
Leeren des Geräteschreibcaches deaktiviert
Leeren des Geräteschreibcaches deaktiviert

Wie die Screenshots zeigen, ist dies bei der Intel SSD 600p jedoch anders: Auch ohne Anpassung der Schreibcacherichtlinien liefert die 600p die gleiche Leistung – ein klarer Pluspunkt gegenüber besagter Konkurrenz. Wie es Intel geschafft hat, die FUA-Problematik mit dem Windows-Treiber zu umgehen, bleibt unklar. Auch diese Anfrage blieb bis heute unbeantwortet.

Nachtrag vom 17.09.2017: Ein Leser machte die Redaktion darauf aufmerksam, dass die FUA-Problematik auch bei der Intel SSD 600p zum Tragen kommt, sofern die jüngere Firmware 121C vorliegt. Mangels Testmuster kann die Redaktion dies nicht bestätigen und weist an dieser Stelle lediglich darauf hin.

SLC-Cache

Um den Nachteil des meist langsamen TLC-Flash auszugleichen, verwenden Hersteller einen sogenannten Pseudo-SLC-Cache. Dabei wird ein Teil der TLC-Speicherzellen im SLC-Modus mit nur einem statt drei Bit pro Zelle beschrieben und als Zwischenspeicher für zu schreibende Daten genutzt. Das Schreiben im SLC-Modus geht schneller vonstatten und beschleunigt somit den Vorgang spürbar. Allerdings müssen die zwischengespeicherten Daten anschließend dennoch auf herkömmliche Weise im TLC-Modus gesichert werden. Dies geschieht in Leerlaufphasen und der Anwender bekommt davon in der Regel nichts mit.

128 GB 256 GB 512 GB 1.024 GB
SLC-Cache 4 GB 8,5 GB 17,5 GB 32 GB

Intel hat sich für einen statischen SLC-Cache entschieden, wobei ein fester Teil des Reservespeichers der Spare Area genutzt wird. Je nach Modell beträgt die Größe des Pseudo-SLC-Cache geringe 4 GByte bis großzügige 32 GByte. Das Testmuster besitzt den Angaben von Intel zufolge 17,5 GByte SLC-Cache. Die im Datenblatt beworbenen Schreibraten gelten nur für das Schreiben innerhalb dieses Puffers, ist er bei größeren Transfers erschöpft, sinkt die Schreibleistung drastisch.

Nach dem Cache wird es wild

HD Tach veranschaulicht die Funktionsweise: Anfangs bewegt sich die Schreibrate nahe 600 MB/s (Intel wirbt mit 560 MB/s) und ist damit etwas höher als bei SATA-SSDs. Doch nach etwa 15 GByte fällt die Leistung ab und beginnt zwischen Werten von unter 100 MB/s und etwa 450 MB/s zu schwanken. Dass die Leistung dabei nicht auf ein konstant niedriges Niveau abfällt, liegt daran, dass jeder Schreibtransfer über den SLC-Cache läuft, selbst wenn dieser voll ist. Ein direktes Schreiben im TLC-Modus bei erschöpftem SLC-Cache ist augenscheinlich von der Firmware nicht vorgesehen. Dies bedeutet, dass bei Erreichen des Limits kurzfristig Daten auf den regulären Speicher übertragen werden und sobald wieder etwas Platz ist, neue Daten im Cache landen. Dies geschieht im schnellen Wechsel, was sich in stark schwankender Leistung bemerkbar macht.

Intel SSD 600p im HD Tach (Full Bench)
Intel SSD 600p im HD Tach (Full Bench)

Noch etwas besser sichtbar wird der Vorgang im Dauerschreibtest mit Iometer bei sekundengenauer Protokollierung. Deutlich wird dabei, dass die Täler mit extrem niedriger Schreibrate deutlich breiter ausfallen als die anschließenden kurzen Leistungsspitzen. Die Schreibrate fällt kurzzeitig sogar auf 5 MB/s ab. Dies senkt die durchschnittliche Schreibrate massiv.

Dauertest: 5 Minuten seq. Schreiben (mit Lüfter)
Dauertest: 5 Minuten seq. Schreiben (mit Lüfter)

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