AMD Ryzen 5 1600X, 1600, 1500X & 1400 im Test: Könige der Mittelklasse

Volker Rißka 948 Kommentare
AMD Ryzen 5 1600X, 1600, 1500X & 1400 im Test: Könige der Mittelklasse

tl;dr: Knapp sechs Wochen nach dem Start der ersten Prozessoren auf Basis der Zen-CPU-Architektur vom Typ Ryzen 7 legt AMD nach, und ComputerBase hat gleich alle vier Modelle Ryzen 5 1600X, 1600, 1500X und 1400 im Test. Die zielen geschlossen auf Intel Core i5, zwei meistern diese Aufgabe im Vergleich sogar empfehlenswert gut.

Ryzen 5 im Test – 1600X, 1600, 1500X und 1400 gegen Core i5

Mit Ryzen 7 (Test) hat AMD Anfang März nach der Leistungskrone gegriffen, und in Anwendungen ging diese Zielsetzung selbst im Vergleich mit Broadwell-E auf; erst recht, wenn der Preis miteinbezogen wurde. In Spielen wiederum zeigte sich Ryzen 7 nicht ganz so stark, die Konkurrenz von Intel war schneller und zugleich günstiger.

Mit Ryzen 5 stößt AMD in einen vollkommen anderen Markt: den der Mittelklasse-CPUs. Und dieses absatzstarke Segment wird von Intel seit Jahren mit dem Core i5 belegt. Die Zen-Architektur muss sich ein weiteres Mal im ComputerBase-Test beweisen. Auf dem Papier scheint der Herausforderer dieses Mal auch im Vergleich zu den Sockel-1151-CPUs deutlich überlegen: AMD bietet sechs Kerne und zwölf Threads ab 269 US-Dollar, bei Intel sind dafür fast 600 Euro für den Core i7-6850K (Sockel 2011-3) fällig. Und für 170 US-Dollar gibt es mit dem Ryzen 5 1400 immerhin noch vier Kerne und acht Threads – dafür zahlt der Kunde bei Intel mindestens 300 US-Dollar.

AMD Ryzen 5 1600X und 1600 mit sechs Kernen

Sechs Kerne mit aktivem Simultaneous Multithreading bieten die beiden Prozessoren Ryzen 5 1600X und 1600. Das größere Modell liegt bei den Taktraten auf dem Niveau des Achtkern-Topmodells Ryzen 7 1800X, XFR stellt auch hier maximal 100 MHz mehr zur Verfügung. Die TDP ist mit 95 Watt dieselbe. Wie Ryzen 7 1800X und 1700X wird der Ryzen 5 1600X zum Start auch „Boxed“ mit Garantie, aber ohne Kühler ausgeliefert. Später dürfte allerdings eine Variante mit dem Kühler Wraith Max folgen, Ryzen 7 1800X und 1700X gibt es mittlerweile auch mit 140-Watt-Boxed-Kühler im Handel. 400 MHz weniger Takt bei auf 65 Watt gesenkter TDP liefert der Ryzen 5 1600. Wie der Ryzen 7 1700 wird es ihn sofort auch als Boxed-Version mit Wraith-Spire-Kühler (95 Watt) im Handel geben.

Boxed-Kühler für Ryzen 5 kommen immer ohne die RGB-LED-Beleuchtung daher; sie ist – bei ansonsten gleichen Eigenschaften - der Ryzen-7-Serie vorbehalten. AMD sagt: „Wer LED will, muss Ryzen 7 kaufen.“ Die Kühler separat zu verkaufen, ist aktuell nicht geplant.

Ryzen 7 und Ryzen 5: Spezifikationen im Vergleich
Kerne/Threads Takt Basis Turbo
1 – 2 / 3+ Kerne
XFR L3 TDP Preis
Ryzen 7 1800X 8 / 16 3,6 GHz 4,0 / 3,7 GHz 100 MHz 16 MB 95 Watt 559 Euro
Ryzen 7 1700X 8 / 16 3,4 GHz 3,8 / 3,5 GHz 100 MHz 16 MB 95 Watt 439 Euro
Ryzen 7 1700 8 / 16 3,0 GHz 3,7 / 3,2 GHz 50 MHz 16 MB 65 Watt 359 Euro
Ryzen 5 1600X 6 / 12 3,6 GHz 4,0 / 3,7 GHz 100 MHz 16 MB 95 Watt 249 USD
Ryzen 5 1600 6 / 12 3,2 GHz 3,6 / 3,4 GHz 100 MHz 16 MB 65 Watt 219 USD
Ryzen 5 1500X 4 / 8 3,5 GHz 3,7 / 3,6 GHz 200 MHz 16 MB 65 Watt 189 USD
Ryzen 5 1400 4 / 8 3,2 GHz 3,4 / 3,2 GHz 50 MHz 8 MB 65 Watt 169 USD
AMD Ryzen 5 gegen Intel Core i5 im Test
AMD Ryzen 5 gegen Intel Core i5 im Test

Ryzen 5 1500X und 1400 mit vier Kernen

Der Ryzen 5 1500X ist der vorerst schnellste Vierkern-Prozessor auf Basis von Zen. Mit 3,5 GHz Basis- und 3,7 GHz Turbotakt positioniert ihn AMD bei den Taktraten noch über dem Ryzen 5 1600. Beim maximalen XFR-Takt gibt es zudem eine Premiere: 200 MHz sollen bei ausreichender Kühlung und Last auf maximal zwei Kernen möglich sein. Ausgeliefert wird dieses Modell wie der Ryzen 5 1600 mit dem Wraith-Spire-Kühler ohne LED-Ring.

Die kleinste CPU der Ryzen-5-Serie ist der Ryzen 5 1400 mit 3,2 GHz Basis- und 3,4 GHz Turbotakt. Der XFR-Zusatztakt liegt hier nur noch bei 50 MHz. Auch dieser Prozessor ist als 65-Watt-CPU klassifiziert, kommt aber mit dem kleineren 65-Watt-Kühler Wraith Stealth in den Handel. Ein weiterer Unterschied: Er bietet als einziger der Ryzen-5-CPUs nur den halben L3-Cache.

Ryzen 5 1400 mit Last auf allen Kernen
Ryzen 5 1400 mit Last auf allen Kernen

Auch Ryzen 5 mit offenem Multiplikator

Auch die Ryzen-5-CPUs haben einen offenen Multiplikator, der auf AM4-Mainboards mit den Chipsätzen X370, B350 und X300 zum Übertakten genutzt werden kann.

ComputerBase dankt an dieser Stelle den Online-Händlern Arlt, MIFCOM und Caseking für die leihweise Bereitstellung von diversen Prozessoren, G.Skill für den schnellen Arbeitsspeicher sowie Asus für AMD- und Intel-Mainboards und die GeForce GTX 1080 Ti Strix OC (Test).

Ryzen 5 nutzt beide CCX mit 2+2 und 3+3

Der CPU-Complex (CCX) ist eine der neuen Erfindungen von AMD bei der Zen-Architektur. Einzelne Kerne fasst AMD mit den Caches zu einem Viererblock CCX zusammen. Auf die vier Kerne entfallen 8 MByte L3-Cache. Er ist in mehrere Scheiben aufgeteilt und arbeitet immer so schnell wie der Takt des höchsten Kerns. AMD gibt an, dass jeder Kern auf jeden Bereich des Caches im CCX mit der gleichen Latenz zugreifen kann.

Ein Achtkern-Die für einen Ryzen-7-Prozessor besteht aus zwei dieser CCX, gepaart mit dem Speicher-Controller, der Northbridge, insgesamt 24 PCIe-3.0-Lanes sowie I/O-Funktionen wie USB und SATA. Er bringt damit 4,8 Milliarden Transistoren auf die Waage und klassifiziert sich nahezu als komplettes SoC. Lediglich die integrierte Grafikeinheit fehlt (noch).

Auch Ryzen 5 basiert auf dem Die von Ryzen 7, der acht Kerne und volle 16 MByte L3-Cache bietet – das hat AMD gegenüber ComputerBase bestätigt. Und die beiden Sechskern-Modelle nutzen immer drei Kerne aus jedem Cluster (3+3), die beiden Vierkern-Modelle immer jeweils zwei (2+2). Varianten mit 4+2, 3+1 oder 4+0 sind damit offiziell vom Tisch, und der Grund liegt auf der Hand: In Tests haben sich verschiedene Konfigurationen der Vier– und Sechskern-CPUs als unterschiedlich schnell erwiesen. Mit der Festlegung auf eine symmetrische Verteilung der aktiven Kerne vermeidet AMD eine inkonsistente Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig maximierter Ausbeute.

Für vier Kerne braucht es offensichtlich einen neuen Die

Bereits beim kleinsten Ryzen 5 mit vier Kernen und halbiertem L3-Cache bietet sich ein neuer Die mit nur einem CCX an, der genau den vier Kernen mit 8 MByte L3-Cache entspricht. Den Schritt scheint sich AMD aber für Ryzen 3 aufzuheben, der im 2. Halbjahr des Jahres 2017 erscheinen und auch Zweikern-Konfigurationen bieten soll. Ein halber Ryzen 7 dürfte Kosten sparen und CPUs für unter 100 Euro erst wirtschaftlich machen. Denn einen großen Die derart zu beschneiden, wäre nur dann wirtschaftlich, wenn dessen Ausbeute niedrig wäre – und das wiederum wäre für Ryzen in Summe schlecht. Die späte Einführung von Ryzen 3 mit deutlichem Abstand zu den jetzigen Modellen deutet aber an, dass AMD dort auf einen neuen Die setzen wird.

Mit diesem DDR4-Speicher arbeitet Ryzen 5

Die Zen-Architektur bietet einen völlig neuen Speicher-Controller, über den AMD aber in der Vergangenheit und auch zum Start von Ryzen 5 kaum erklärende oder tiefer ins Detail gehende Worte verloren hat. AMD hat alle offiziellen Testsysteme von Ryzen 5 zwar erstmals mit DDR4-2.933 betrieben (Ryzen 7 mit DDR4-2.667), was den Anschein erweckte, Ryzen 5 würde mit schnellerem Speicher arbeiten. Doch dem ist nicht so: Auch bei Ryzen 5 fällt das unter „OC“.

AMD Ryzen 5 für AM4 ist im Vergleich zu Core i5 im Sockel 1151 deutlich größer
AMD Ryzen 5 für AM4 ist im Vergleich zu Core i5 im Sockel 1151 deutlich größer

Die BIOS-Unterstützung ist zwar besser geworden und soll bis zum Mai 2017 noch weiter optimiert werden, doch unterm Strich gelten dieselben Regeln wie bei Ryzen 7 in Bezug auf Single Rank, Dual Rank, Single Channel und Dual Channel. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick.

Maximaler Takt in Abhängigkeit von Modulanzahl und Rank
Anzahl Module Modul-Typ maximaler Takt
1 oder 2 Single Rank DDR4-2.666
1 oder 2 Dual Rank DDR4-2.400
3 oder 4 Single Rank DDR4-2.133
3 oder 4 Dual Rank DDR4-1.866
Die maximal möglichen Speicher-Taktraten von Ryzen
Die maximal möglichen Speicher-Taktraten von Ryzen (Bild: AMD)

Das Problem für den Endkunden bleibt das alte: Wie sind die Module im Handel zu erkennen? Wenn man Glück hat, findet sich in der Bezeichnung des Moduls die Bezeichnung „1R“ für Single Rank oder „2R“ für Dual Rank. Meistens ist das aber nicht der Fall. Die technischen Datenblätter zum Speichermodul helfen teilweise weiter, aber nicht immer. Und selbst wenn der richtige Speicher erworben wurde, ist das Thema Arbeitsspeicher bei Ryzen aktuell noch problembehaftet. Weil mit jedem neuen Mainboard-BIOS zurzeit auch die Speicherunterstützung verbessert wird, werden sich viele Probleme in Zukunft in Luft auflösen. Derzeit ist das aber noch nicht der Fall.

Ryzen unterstützt offiziell DDR4-2.666, mit dem richtigen Speicher geht DDR4-3.600
Ryzen unterstützt offiziell DDR4-2.666, mit dem richtigen Speicher geht DDR4-3.600

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