Logitech Flow im Test: Eine Maus. Drei Rechner? Fast kein Problem.

Jan-Frederik Timm 59 Kommentare
Logitech Flow im Test: Eine Maus. Drei Rechner? Fast kein Problem.

tl;dr: Mit Logitech Flow können die Bluetooth-Mäuse MX Master 2S, MX Anywhere 2S und M590 Multi-Device bis zu drei gekoppelte PCs gleichzeitig bedienen, auch Tastaturen lassen sich einbinden. Der Wechsel zwischen den Systemen findet erstmals automatisch per Software statt. Das funktioniert im Test perfekt.

Das kann Logitech Flow

Update 02.06.2017 12:45 Uhr

Erst im Nachgang der Markteinführung hat ComputerBase eine abschließende Antwort von Logitech auf die Frage nach zu Flow kompatiblen Tastaturen erreicht. Demnach sind nicht alle „Multi-Device“-Tastaturen mit physischem Umschalter zwischen verschiedenen Bluetooth-Profilen kompatibel, sondern nur die Modelle K780, K380, K375s und MK850 (Kit). Neben den drei neu vorgestellten Mäusen arbeitet entgegen der zuvor getroffenen Aussage allerdings auch eine bereits verfügbare Maus mit Flow zusammen: die M720. Der Test wurde entsprechend aktualisiert.

Update 12.07.2017 10:21 Uhr

In der Zwischenzeit konnte die Redaktion auch die Kombination von Maus und Tastatur mit Flow ausführlich testen. Neben der MX Master S2 kam dafür das zu Flow kompatible Logitech K780 Wireless Multi-Device Quiet Desktop Keyboard zum Einsatz. Ist die Tastatur mit den gewünschten PCs über Bluetooth oder das Unifying-Dongle ebenfalls verbunden und wurde der PC daraufhin neu gestartet, steht sie anschließend zur Kopplung mit der Maus in Logitech Options bereit. Ohne Neustart bleibt das Drop-Down-Menü allerdings leer. Das verwirrt, weil Logitech diesen Schritt nur als Lösungsansatz bei Problemen beschreibt. Er scheint aktuell aber essentiell vonnöten zu sein.

Logitech Flow macht auch mit Maus und Tastatur eine gute Figur
Logitech Flow macht auch mit Maus und Tastatur eine gute Figur

Wechselt die Maus durch das Verlassen des aktiven Bildschirms nach erfolgreicher Einrichtung die Verbindung von einem Rechner zum anderen, ist das dann analog auch bei der Tastatur der Fall. Der Wechsel geht ebenso zügig vonstatten. Dass noch auf dem zuletzt genutzten System Eingaben über die Tastatur ankommen, trat im Test nicht einmal auf.

Weil die Auswahl der Profile bei der Tastatur über drei Knöpfe an der Oberseite erfolgt, geht der manuelle Wechsel von System zu System hier ebenfalls einfach von der Hand - die Maus muss dafür wiederum auf den Rücken gedreht werden.

Insgesamt hat sich die Steuerung von einem Desktop-PC und zwei Notebooks über einen Zeitraum von einer Woche mit dem Setup von Logitech als sehr komfortabel und platzsparend erwiesen.

Mit der MX Master 2S, der Anywhere 2S und der M590 Multi-Device Silent hat Logitech drei neue Mäuse für den professionellen Gebrauch vorgestellt. Deren entscheidende Neuerung findet sich für so manchen Anwender allerdings nicht in der Hard-, sondern in der Software und nennt sich Flow.

Flow ist eine Erweiterung für die Maus-Software Options, die es den drei neuen Mäusen ermöglicht, bis zu drei PCs über Bluetooth oder Unifying-Dongle gleichzeitig zu bedienen, ohne dass für den Wechsel der weiterhin vorhandene Umschalter an der Maus genutzt wird: Denn der Wechsel der Verbindung von einem Rechner zum anderen geschieht mit Flow über Software.

Flow ist laut Hersteller die Antwort auf das zur Einführung der ersten MX Master für Logitech durchaus überraschende Feedback, das Umschalten zwischen den mit der Maus gekoppelten Rechnern sei zu umständlich. Der Hersteller hatte bei der Entwicklung allerdings weniger an die parallele als an die zeitversetzte Nutzung der Maus an mehreren PCs gedacht. Zum Beispiel zu Hause und auf der Arbeit: Auf der Arbeit ist die Bluetooth-Verbindung 1 aktiv, zu Hause Verbindung 2. Schalter umlegen. Fertig. Doch für den, der mit zwei oder drei Rechnern an einem Arbeitsplatz arbeitet und kontinuierlich wechseln will, ist das nichts. Anwendungen wie Synergy von Symless boten diesen Anwendern da mehr. Bis jetzt.

Kinderleicht eingerichtet, schnell beim Umschalten

Die Installation von Logitech Options mit Flow auf den verwendeten Systemen und die an jedem System gepaarte Maus vorausgesetzt, wird die Funktion mit einem Klick in den Einstellungen aktiviert. Die Suche nach einem weiteren Rechner mit Flow im selben Netzwerk dauert daraufhin nur einige Sekunden. Dass die Rechner im selben Netz angemeldet sind, ist Voraussetzung für die Funktion. Unterwegs kann das aber auch ein WLAN-Hotspot über ein Smartphone sein.

Verschiedene Setups sind konfigurierbar

Anschließend muss der Anwender die zwei oder drei verwendeten PCs in der Software nur noch in die gewünschte Reihenfolge bringen, das Prozedere ist vom Multi-Monitor-Betrieb von Windows bekannt. Steht das MacBook Pro links und der Monitor vom Windows-PC rechts auf dem Tisch, werden die Bildschirme in der Software ebenfalls so ausgerichtet. Kommt der Anwender daraufhin auf dem Windows-PC an den linken Bildschirmrand, wechselt die Maus die Bluetooth-Verbindung von dem PC auf den Mac, der Cursor erscheint an dessen rechtem Rand – sogar auf der Höhe, auf der er auf dem anderen verschwunden ist.

Weitere Einstellungen sind optional, im Alltag aber durchaus anzuraten. So kann Flow angewiesen werden, nur dann beim Berühren der Bildschirmkante auf den anderen Rechner zu wechseln, wenn gleichzeitig „STRG“ oder „CTRL“ gedrückt wird. Auf diese Weise lässt sich der unbeabsichtigte Wechsel vermeiden, der durchaus immer wieder vorkommt. Klassische Problemzonen wie der Startknopf von Windows in der unteren linken Ecke lassen sich allerdings auch über die alternative Berücksichtigung der Display-Ecken umschiffen: In dem Fall geschieht der Wechsel immer noch automatisch beim Erreichen der jeweiligen Kante, nicht aber, wenn der Mauszeiger sie in einer der vier Ecken berührt.

Auch Tastaturen lassen sich koppeln

Nicht nur der Mauszeiger, auch Tastatureingaben lassen sich von Rechner zu Rechner übertragen. Kompatibel sind alle Keyboards mit Multi-Device-Funktion. Auf Wunsch kann deren Wechsel des gekoppelten PCs an den Wechsel der Maus geknüpft werden.

Unterschiede zu Software wie ShareMouse oder Synergy

Logitech Flow ist keine Revolution, Programme wie Synergy oder ShareMouse ermöglichen die Nutzung einer Maus und einer Tastatur auf mehreren Systemen inklusive Copy & Paste schon länger – und diese Software gibt es im Fall von Synergy sogar für Linux und ist mit allen Eingabegeräten kompatibel.

Vorteile bietet Logi Flow immer dann, wenn nicht alle maximal parallel genutzten Systeme aktiv oder erreichbar sind. Denn Synergy oder ShareMouse brauchen einen PC, mit dem die Peripherie verbunden ist, der die Eingabesignale beim virtuellen Wechsel auf die anderen über das Netzwerk weiterreicht. Ist der nicht aktiv oder unterwegs verfügbar, muss umgesteckt oder neu gekoppelt werden. Mit Logi Flow gibt es dieses Problem nicht, weil die Maus eigenständig mit jedem Rechner in Kontakt treten kann, ohne neu gekoppelt zu werden.

Flow für MX Master 2S, Anywhere 2S und M590

Flow ist zum Start mit den neuen Mäusen MX Master 2S, MX Anywhere 2S und M590 Multi-Device kompatibel. Die bisher verfügbaren Mäuse mit Umschalter sind mit Ausnahme der M720 außen vor – eine Frage der Firmware, sagt Logitech. Bei den Tastaturen sind hingegen bereits mehrere verfügbare Modelle bereit für Flow: K780, K380, K375s und MK850 (Kit) können an die Bewegung des Mauszeigers gekoppelt werden und damit zusammen mit der Maus die Verbindung zum System wechseln.

Die Logitech MX Master 2S im Test

Die im Test genutzte Maus vom Typ MX Master 2S unterscheidet sich von der ersten Variante im Wesentlichen durch den neuen Sensor, der mit 4.000 statt vormals 1.400 dpi auflöst und auch auf Glas funktionieren soll, sofern das Material mindesten 6 mm dick ist. Mit einer vollen Ladung des integrierten Akkus sollen in Zukunft bis zu 70 statt 40 Tage Laufzeit möglich sein. Drei Minuten Laden soll für acht Stunden oder einen Arbeitstag ausreichen. Das zum Laden benötigte Micro-USB-Kabel wird wie das Kabel einer kabelgebundenen Maus am Kopf des Eingabegerätes angesteckt, die Maus ist deshalb weiterhin nutzbar. Das Mausrad kann zwischen freiem und getaktetem Lauf umgeschaltet werden. Wird es stark beschleunigt, schaltet es automatisch in den freien Lauf.

Die neuen Mäuse werden voraussichtlich im Juni beim Hersteller und im freien Handel erhältlich sein. Die Logitech Maus MX Master 2S ist zum UVP von 109,99 Euro und die Logitech Maus MX Anywhere 2S zum UVP von 89,99 Euro geplant. Die Logitech M590 Multi-Device Silent wird 49,99 Euro kosten, bietet allerdings nur zwei statt maximal drei Verbindungen.

Fazit

Logitech Flow für Options ist eine sinnvolle Software-Erweiterung für die per Hardware zur parallelen Kopplung mit mehreren Rechnern fähigen Mäuse und Tastaturen. Ursprünglich von Logitech für Anwender gedacht, die eine Maus an mehreren Geräten aber nicht unbedingt gleichzeitig verwenden wollen, macht die Wechsel-Automatik den Einsatz einer Maus an zwei oder drei nebeneinander betriebenen PCs ohne manuellen Eingriff möglich. Verschlüsseltes Copy und Paste über das eigene Netzwerk gibt es als Bonus dazu.

Systemwechsel fast ohne Verzögerung

Der von der Software angestoßene Wechsel der Bluetooth-Verbindung geschieht im Test mit sehr geringer Verzögerung, wobei der Wechsel auf ein System mit Unifying-Schnittstelle fast verzögerungsfrei gelingt; mit Bluetooth ist es etwas langsamer. Ohne jeglichen Hänger, wie im Video von Logitech dargestellt, funktioniert es aber nicht. In der Redaktion hat die MX Master 2S mit Flow die zuvor parallel betriebenen zwei Mäuse an einem gemischten Mac-PC-Arbeitsplatz trotzdem schon nach drei Tagen ersetzt.

Mac und PC mit einer Maus im fließenden Übergang bedienen
Mac und PC mit einer Maus im fließenden Übergang bedienen (Bild: Logitech)

Linux ist außen vor

Gegenüber der Drittanbieter-Software Synergy von Symless fehlt es Flow noch an der Unterstützung von Linux, und nur ausgewählte Peripherie ist dazu kompatibel. Dafür sind Maus und Tastatur bei Flow auch dann verfügbar, wenn nur einer der im Verbund betriebenen Rechner läuft – bei Synergy muss immer der Rechner mit der verbundenen Peripherie und der Server-App aktiv sein, um die Eingabesignale über das Netzwerk an einen anderen Rechner zu senden. An einem Arbeitsplatz wie dem in der Redaktion, an dem ein Notebook und ein stationärer PC betrieben werden, war das bisher keine Option.

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