Sony Xperia XZ1 Compact im Test: Ergonomie-Kraftpaket mit Android 8.0

Nicolas La Rocco 234 Kommentare
Sony Xperia XZ1 Compact im Test: Ergonomie-Kraftpaket mit Android 8.0

tl;dr: Das Xperia XZ1 Compact ist genau das Android-Smartphone, nach dem viele häufig schreien: ein kompaktes Gerät mit der Ausstattung eines High-End-Smartphones. Sony setzt diesen Ansatz gelungen um und liefert das XZ1 Compact sogar schon mit Android 8.0 Oreo aus. Das verdient im ComputerBase-Test einen Award.

Xperia XZ1 Compact im Vergleich

Update 28.09.2017 14:26 Uhr

Wie Sony heute bekannt gegeben hat, sind Xperia XZ1 und Xperia XZ1 Compact ab sofort im deutschen Handel erhältlich. Das Xperia XZ1 wird in den Farben Black, Warm Silver sowie Moonlit Blue angeboten und kostet 699 Euro. Das Xperia XZ1 Compact gibt es in Black, White Silver, Horizon Blue sowie Twilight Pink und kostet 599 Euro.

Nach zwei Jahren Pause ist Sony zurück mit einem kompakten High-End-Smartphone unter 5 Zoll. Das Xperia XZ1 Compact ist der kleinere, aber keinesfalls schwächere Ableger des Xperia XZ1. Beide Smartphones sind vor wenigen Wochen zur IFA 2017 vorgestellt worden. Im Test fokussiert sich ComputerBase auf das Xperia XZ1 Compact, Messwerte des Xperia XZ1 finden sich aber ebenfalls in den Diagrammen.

Die beiden Modelle unterscheiden sich in erster Linie in puncto Display: 4,6 Zoll stehen 5,2 Zoll gegenüber. Wie bei früheren Compact-Modellen hat Sony die Auflösung des kleineren Modells von 1.080p auf 720p reduziert. Darüber hinaus sind im Xperia XZ1 Compact weniger Speicher und eine andere Frontkamera verbaut. Einfluss auf den Akku hat das Downsizing nicht: Beide Smartphones kommen mit 2.700 mAh.

Davon abgesehen stecken auch im Xperia Z1 Compact der starke Snapdragon 835 von Qualcomm (Test) sowie die erstmals im Xperia XZ Premium (Test) gezeigte 960-FPS-Kamera, die in der neuen XZ1-Serie um eine 3D-Scan-Funktion erweitert wurde.

Sony Xperia XZ1 Compact Sony Xperia XZ1
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.0
Display: 4,60 Zoll
720 × 1.280, 319 ppi
TFT, Gorilla Glass 5
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
TFT, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540
710 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 32 GB (+microSD) 64 GB (+microSD)
Kamera: 19,0 MP, 2160p
LED, f/2,0, AF
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
13,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓800 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 4.2 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 2.700 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 64,0 × 129,0 × 9,30 mm 73,4 × 148,0 × 7,40 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 140 g 155 g
Preis: ab 524 € ab 580 €

Design und Verarbeitung

Mit Abmessungen von 64 × 129 × 9,3 Millimetern (B×H×T) positioniert sich das Xperia XZ1 Compact zwischen iPhone SE (Test) und iPhone 7 (Test). Für ein Android-Smartphone ist das vor allem im High-End-Segment unfassbar klein. Die Bautiefe ist zwar spürbar dicker als beim normalen XZ1, die Ergonomie sucht dennoch ihresgleichen. Das Smartphone lässt sich aufgrund seiner kantigen Bauweise sehr gut greifen und liegt dank der geringen Abmessungen sehr gut in der Hand. Weil das Display nur 4,6 Zoll misst, lässt sich selbst die entlegenste Bildschirmecke ohne Umgreifen mit dem Daumen erreichen.

Die Verarbeitung des Smartphones ist ausgezeichnet, in puncto Materialwahl schneidet das normale XZ1 aber etwas besser ab. Beim XZ1 Compact bestehen nur Oberteil und Unterteil aus Aluminium, die Seiten und Rückseite fertigt Sony aus Polycarbonat. Die Vorderseite schützt Gorilla Glass 5. Die Hardware des XZ1 steckt hingegen in einem Unibody aus Aluminium. Die IP68-Zertifizierung, um das Innere vor Wasser und Staub zu schützen, tragen aber beide Smartphones. Fummelige Abdeckungen für Buchsen und Kartenfächer gibt es anders als früher nicht mehr bei Sonys Smartphones.

Den Fingerabdrucksensor integriert Sony in den An-und-aus-Schalter im Rahmen. Der lässt sich entweder mit dem linken Zeigefinger oder dem rechten Daumen gut erreichen. Der Sensor arbeitet schnell und mit hoher Trefferquote. Ein Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite bleibt jedoch nach wie vor das Maß aller Dinge, wobei das mehr Platz benötigt, den Sony angesichts der weiterhin dicken Ränder rein äußerlich durchaus hätte. Auf dem Tisch liegend ist solch eine Variante noch am besten erreichbar. Nicht vollends überzeugt die relativ kleine und ungenaue Lautstärkewippe, die bei der Konkurrenz bis zu doppelt so groß ausfällt.

Kleines Display leuchtet hell

Wer im Preisvergleich nach High-End-Smartphones mit maximal 4,7 Zoll filtert, bekommt abseits der Smartphones von Apple nur das Xperia XZ1 Compact und das alte Xperia Z5 Compact angezeigt. Das verdeutlicht, wie einzigartig das Xperia XZ1 derzeit auf dem Markt ist. Dass Sony bei 4,6 Zoll die Auflösung wie bisher bei 1.280 × 720 Bildpunkten belässt und nicht auf Full HD umgestiegen ist, ist absolut vertretbar. Aus normalem Sichtabstand von 40 bis 50 Zentimetern ergibt sich daraus kein Qualitätsverlust, nur wer sehr genau hinschaut, erkennt, dass es sich nicht um ein Full-HD-Panel handelt.

Display mit 4,6 Zoll und 5,2 Zoll
Display mit 4,6 Zoll und 5,2 Zoll

An die Brillanz eines aktuellen OLED-Displays von Samsung oder die Darstellungsqualität des sehr guten IPS-Displays des iPhone 7 (Test) kommt Sony mit dem XZ1 Compact nicht heran, die Bildqualität fällt aber durch die Bank gut aus, wenngleich die Darstellung etwas zu kühl abgestimmt ist. Das bekommt das große Xperia XZ1 besser hin. In den Android-Einstellungen lässt sich diesbezüglich aber gegensteuern. Außerdem gibt es neuerdings auch bei Sony Bildprofile, die eine besonders kräftige oder natürliche Einstellung der Farben erlauben.

Dennoch schneidet das kleine Display insgesamt betrachtet gut ab, was vor allem an der immensen Helligkeit liegt, die zudem nicht erst bei einem Boost der automatischen Regulierung aktiviert wird. Jederzeit lassen sich über die manuelle Steuerung auf Wunsch über 630 cd/m² abrufen. Das Xperia XZ1 Compact eignet sich damit auch an sommerlichen Tagen sehr gut für den Außeneinsatz. Das Kontrastverhältnis von über 1.300:1 ist zwar mittlerweile nur noch mittelprächtiger Standard, für sich alleine betrachtet ist der Wert aber nach wie vor ein gutes Ergebnis. Die gesamte Smartphone-Branche hat sich in diesem Punkt in den letzten Jahren deutlich zum Positiven entwickelt.

3D-Scan-Kamera mit 960 FPS

Sonys Hardware-Highlight im Xperia XZ Premium (Test) und XZs war ein neuer Kamerasensor mit integriertem Zwischenspeicher, der Aufnahmen in Zeitlupe mit 960 FPS ermöglicht. Das Problem: Nur 125 MByte sitzen direkt im Sensor, sodass bei einer Zeitlupe mit 960 FPS nur 184 Millisekunden gespeichert werden können. Was besonders schnell passiert und dementsprechend eine solche Zeitlupe benötigt, lässt sich damit nicht besser einfangen. Spektakulär sehen die Ergebnisse bei Gelingen dennoch aus.

Für das Xperia XZ1 (Compact) ist eine 3D-Scan-Funktion hinzugekommen, die über Sonys Android-App „3D Creator“ gestartet wird. Ein zweites Objektiv oder eine Time-of-Flight-Kamera benötigt Sony dafür nicht. Über die neue Funktion lassen sich Gesichter, Köpfe, ganze Personen und andere Objekte dreidimensional erfassen und als OBJ-Datei für die Verarbeitung in 3D-Programmen oder fürs Ausdrucken per 3D-Drucker speichern.

Das Objekt muss dafür aus mehreren Perspektiven fotografiert werden, wobei die App den korrekten Winkel für jede Aufnahme vorgibt, sodass kaum etwas schiefgehen kann. Nach zahlreichen Aufnahmen, die automatisch geschossen werden, ist der Prozess abgeschlossen und eine 3D-Ansicht wird gerendert und in der Galerie angezeigt.

Die Kamera ist in beiden Modellen identisch und stammt aus dem XZ Premium
Die Kamera ist in beiden Modellen identisch und stammt aus dem XZ Premium

Das Feature funktioniert bei sehr guter Ausleuchtung, einem stillen Händchen und einer über längere Zeit fest in Position verharrenden Person am besten. Bei ungleichmäßiger Ausleuchtung des Objekts oder zu schnellen Bewegungen mit der Kamera beschwert sich die App, erlaubt aber eine Neuausrichtung und das Fortsetzen des Scanvorgangs. Mit Köpfen kommt der 3D Creator gut zurecht, mit der auf den Tisch gestellten Grafikkarte oder dem auf einem Stativ befestigten Nintendo Mini Classic wollte das Ganze aber nicht sonderlich gut klappen. Eine kurzzeitig spaßige Angelegenheit ist das Feature dennoch allemal. Ausschlaggebend für den Kauf des XZ1 sollte es jedoch nicht sein.

Denn im Alltag ist die Bildqualität der Kamera bei normalen Fotos wichtiger. Hier erweist sich Sonys RGB-Sensor erneut als zuverlässig beim Weißabgleich und kommt gut zurecht mit verschiedenen Lichtsituationen. Auch die Farbabbildung gelingt dem Smartphone wieder auf eine lebendige Art und Weise. Die XZ1-Kamera ist aber nicht frei von Schwächen, wie bereits das Xperia XZ Premium (Test) im Juni gezeigt hat.

Sony Xperia XZ1 Compact im Test – Kamera

Sony hat erneut mit einem relativ hohen Grundrauschen zu kämpfen, das auf dem Smartphone-Bildschirm betrachtet noch nicht auffällig, aber vor allem am PC in der 100-Prozent-Ansicht erkennbar ist. Außerdem ist der Dynamikumfang nicht sonderlich hoch; oftmals fallen Bildbereiche zu dunkel aus, weil Sony auf eine nachträgliche Aufhellung verzichtet oder diesen Prozess schlicht nicht gut genug hinbekommt.

Die Kamera des Xperia XZ1 (Compact) ist trotzdem die beste Smartphone-Kamera, die Sony bisher abgeliefert hat. Als Marktführer im Bereich der Kamerasensoren für Smartphones erwartet man von Sony allerdings mehr. Die Konkurrenz holt aus ähnlichen Lösungen von Sony oft eine bessere Qualität. Die neue Kamera ist gut, mehr allerdings auch nicht.

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