Sony Xperia XZ Premium im Test: 960-FPS-Zeitlupe für spektakuläre 184 ms

Mahir Kulalic et al. 85 Kommentare
Sony Xperia XZ Premium im Test: 960-FPS-Zeitlupe für spektakuläre 184 ms

tl;dr: Das Sony Xperia XZ Premium kommt als Topmodell mit Snapdragon 835, UHD-Display und einzigartiger 960-FPS-Zeitlupe daher. Im Test können Leistung, Verarbeitung sowie Oberfläche überzeugen und auch Fotos gelingen besser als von Sony bisher gewohnt. Die Superzeitlupe hingegen ist zwar spektakulär, aber nur 184 ms verfügbar.

Sony Xperia XZ Premium im Test

Das Xperia XZ Premium ist seit einer Woche das neue Topmodell von Sony im Handel. Gezeigt wurde es zwar bereits auf dem MWC 2017 Ende Februar, Gerüchten zufolge erhalten aber erst seit einigen Wochen auch Wettbewerber von Samsung das SoC Snapdragon 835 (Test) in großen Stückzahlen – zuvor hatten Galaxy S8 und S8+ (Test) Vorrang.

Das erste Smartphone mit 960-FPS-Zeitlupe

Doch nicht nur das SoC ist neu und modern, auch die Kamera bringt einige Veränderungen gegenüber den Vorgängermodellen mit. Die neue Motion Eye genannte Kamera löst mit 19 Megapixel auf und bietet dank dreilagigem CMOS-Sensor mit eigenem 125-MB-DRAM als erste Smartphone-Kamera die Option, Zeitlupenaufnahmen mit 960 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen.

Konnte der Vorgänger in Form des Xperia Z5 Premium (Test) trotz vielversprechenden Datenblatts keine Maßstäbe setzen, kann das neue Xperia XZ Premium vor allem bei Verarbeitung, Betriebssystem und Leistung punkten. Auch die Kamera macht einen großen Sprung nach vorne, deren Superzeitlupe ist zum aktuellen Zeitpunkt aber eine zum Teil noch sehr komplizierte Spielerei.

Sony Xperia XZ Premium Sony Xperia Z5 Premium Samsung Galaxy S8+ LG G6
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1 Android 5.1 Android 7.0
Display: 5,50 Zoll
2.160 × 3.840, 801 ppi
TFT, HDR, Gorilla Glass 5
5,50 Zoll
2.160 × 3.840, 801 ppi
6,20 Zoll
1.440 × 2.960, 531 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,70 Zoll
1.440 × 2.880, 565 ppi
IPS, HDR, Gorilla Glass 3
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
Touch
Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Status-LED
Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 810
4 × Cortex-A57, 2,00 GHz
4 × Cortex-A53, 1,55 GHz
20 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 8895
4 × Exynos M2, 2,31 GHz
4 × Cortex-A53, 1,69 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 821
2 × Kryo, 2,34 GHz
2 × Kryo, 2,19 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540 Adreno 430
650 MHz
Mali-G71 MP20
546 MHz
Adreno 530
653 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
3.072 MB
LPDDR4
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 GB (+microSD) 32 GB (+microSD) 64 GB (+microSD) 32 GB (+microSD)
Kamera: 19,0 MP, 2160p
LED, AF
23,0 MP, 2160p
LED, f/2,0, AF
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
13,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein 13,0 MP, f/2,4, AF
Frontkamera: 13,0 MP, 1080p
AF
5,0 MP, 1080p
AF
8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
5,0 MP, 1080p
f/2,2
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑50 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 4.1 5.0 LE 4.2 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC Micro-USB 2.0, MHL, NFC USB 3.1 Typ C, NFC USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 3.230 mAh
fest verbaut
3.430 mAh
fest verbaut
3.500 mAh (13,48 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.300 mAh (12,50 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 77,0 × 156,0 × 7,90 mm 76,0 × 154,4 × 7,80 mm 73,4 × 159,5 × 8,10 mm 71,9 × 148,9 × 7,90 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 195 g 180 g 173 g 163 g
Preis: 749 € ab 1.000 € ab 710 € ab 474 €

Große Ränder und viel Spiegelung

Beim Design des Xperia XZ Premium bleibt Sony bei seiner bekannten Linie, die seit dem allerersten Xperia Z aus dem Jahr 2013 genutzt wird. Anders als bei den anderen Modellen der Xperia-X-Reihe, setzt der Hersteller beim Topmodell erneut auf eine Rückseite aus Glas inklusive starker Spiegelung. Die Optik erinnert deutlich an den Vorgänger, das Xperia Z5 Premium.

Spieglein, schmutziges Spieglein in der Hand

Mehr Spiegeln als beim Testmodell in der Farbe Chrom geht nicht. Weil das bei dieser Variante nicht nur die Rückseite, sondern auch die Front betrifft, kann das sogar bei der Nutzung im Sonnenlicht richtig stören, wenn der falsche Winkel den Anwender blendet. Der Rahmen besteht aus Polycarbonat und verbindet mit seiner Rundung und Farbgebung angemessen die Vorder- mit der Rückseite. Die oberen und unteren Enden bestehen aus Metall.

Anders als Samsung Galaxy S8 und S8+ oder LG G6 (Test) setzt Sony durch das altbekannte Design aber erneut auf eine Gestaltung mit großen Rändern, die oben und unten zusammen 3,1 Zentimeter messen. Das gesamte Gehäuse des XZ Premium ist knapp über 15 Zentimeter lang. Das Design wirkt für sich stimmig, im Wettbewerb betrachtet aber mittlerweile altbacken.

Wasserdicht und sehr gut verarbeitet

Auch das XZ Premium ist nach IP65/68 gegen Staub und Wasser geschützt. Die Knöpfe platziert der Hersteller alle auf der rechten Seite. Sie verfügen über einen knackigen Druckpunkt und sind auch blind klar voneinander zu unterscheiden, da der Einschalter mit integriertem Fingerabdrucksensor in den Rahmen eingelassen ist. Die dedizierte Kamera-Taste ist ein weiterer Pluspunkt, auch wenn sie vergleichsweise klein ausgefallen und so etwas hakelig zu bedienen ist. Alle Anschlüsse sind präzise ausgearbeitet, und die Spaltmaße sind minimal und gleichmäßig.

UHD-Display mit HDR

Ein Alleinstellungsmerkmal des Xperia XZ Premium ist wie beim Vorgänger das Display: Das 5,5 Zoll große Panel löst mit 3.840 × 2.180 Bildpunkten in Ultra HD auf. Genutzt wird das aber nicht immer. Denn während das Smartphone das Betriebssystem und die Apps nur in Full HD rendert, kommt die höhere Auflösung nur bei entsprechendem Bildmaterial in Form von Apps und Videos automatisch zum Einsatz. So ist Sony bereits beim Z5 Premium verfahren, der Hintergrund sind ein geringerer Stromverbrauch und eine flüssigere Darstellung der UI.

HDR und UHD mit wenig Nutzen

Neben der hohen Auflösung, die im Alltag aber oft nur sekundär genutzt wird, beherrscht das Display auch HDR. Dies wird aber nicht grundsätzlich dazugeschaltet, sondern erfordert entsprechende Inhalte. Bei Streaming-Portalen ist dies auf mobilen Geräten etwa noch wenig verbreitet, Netflix unterstützt derzeit zum Beispiel nur das LG G6. Auch in der YouTube-App gibt es keine Unterstützung für HDR, dafür aber für UHD, das Sony etwas inkorrekt als 4K bezeichnet, obwohl das XZ Premium 3.840 statt 4.096 Pixel in der Höhe misst.

Unspektakuläre Messwerte

In den Messungen begeistert das erste Aushängeschild des Smartphones nur wenig: Die Helligkeit ist mit 484 cd/m² hoch, aber niedriger als bei anderen Modellen von Sony. Wesentlich schwächer fällt allerdings der Kontrast aus, der mit 968:1 deutlich unter dem Niveau anderer Flaggschiffe liegt. Die Farbdarstellung ist mit einem Weißpunkt von rund 7.100 Kelvin wie von Sony gewohnt kühl, kann aber in den Einstellungen angepasst werden. Die Blickwinkel sind stabil, auch aus seitlicher Betrachtung bleiben die Inhalte erkennbar.

Snapdragon 835 und Android 7.1.1

Zwar startet das Sony Xperia XZ Premium trotz der frühen Vorstellung auf dem MWC 2017 erst Mitte des Jahres auf dem deutschen Markt, dafür hat es aber mit dem Snapdragon 835 das aktuelle Topmodell von Qualcomm mit an Bord, das einigen Frühstartern wie dem LG G6 fehlt. Das System on a Chip verfügt über acht Kryo-Kerne in jeweils zwei Vierer-Clustern. Das Performance-Cluster taktet dabei mit bis zu 2,6 GHz, das Power-Cluster zum Energiesparen mit bis zu 1,9 GHz. Hinzu kommen 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte interner Speicher. Letztgenannter ist per microSD-Karte erweiterbar.

Jederzeit flüssig und schnell

Im Alltag läuft das Xperia XZ Premium jederzeit flüssig, Apps öffnen in sehr kurzer Zeit, und zu Rucklern oder längeren Wartezeiten kommt es nicht. Das Smartphone zeigt sich immer reaktionsfreudig und zuverlässig. Auch das RAM-Management gelingt Sony gut, Inhalte wie Browser-Tabs können oftmals auch nach langer Zeit ohne Neuladen weiterverwendet werden. Einfluss auf die hohe Leistungsfähigkeit nimmt auch der schnelle Speicher nach UFS-Standard.

Leistung hält nicht konstant an

Dank des neuen Snapdragon 835 fällt die Hitzeentwicklung niedriger aus, als noch beim Vorgänger mit dem Snapdragon 810. Um den Leistungslevel nach längerer Belastung zu überprüfen, hat ComputerBase 20 Durchläufe des GFXBench Manhattan durchgeführt.

FPS-Entwicklung GFXBench Manhattan 1080p Offscreen OpenGL ES 3.0
Sony
Xperia XZ Premium
Samsung
Galaxy S8/S8+
OnePlus
3T
Huawei
Mate 9
Google
Pixel XL
Apple
iPhone 7 Plus
Durchgang FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
1 59 – 0,0 % 64 – 0,0 % 50 – 0,0 % 40 – 0,0 % 48 – 0,0 % 63 – 0,0 %
2 56 – 5,0 % 64 – 0,0 % 49 – 2,0 % 37 – 7,5 % 48 – 0,0 % 60 – 4,8 %
3 54 – 8,4 % 54 – 15,6 % 49 – 2,0 % 35 – 12,5 % 48 – 0,0 % 56 – 11,1 %
4 51 – 13,5 % 51 – 20,3 % 49 – 2,0 % 32 – 20,0 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 %
5 52 – 11,8 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 32 – 20,0 % 48 – 0,0 % 47 – 25,4 %
6 52 – 11,8 % 52 – 18,8 % 47 – 6,0 % 31 – 22,5 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 %
7 45 – 23,7 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 30 – 25,0 % 47 – 2,1 % 48 – 23,8 %
8 45 – 23,7 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 30 – 25,0 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 %
9 45 – 23,7 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 %
10 45 – 23,7 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 49 – 22,2 %
11 45 – 23,7 % 52 – 18,8 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 42 – 33,3 %
12 43 – 27,1 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 %
13 44 – 25,4 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 %
14 41 – 30,5 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 48 – 23,8 %
15 42 – 28,8 % 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 %
16 42 – 28,8 % 38 – 40,6 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 %
17 40 – 32,2 % 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 %
18 40 – 32,2 % 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 27 – 32,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 %
19 39 – 33,8 % 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 %
20 40 – 32,2 % 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 %

Dabei zeigt sich, dass das Xperia XZ Premium bereits zu Beginn ein paar FPS verliert, das Niveau dann aber erst einmal halten kann. Nach rund einem Drittel der Wiederholungen sinken die FPS dann immer deutlicher, bis sich die Leistung bei ca. 70 Prozent des Anfangswertes einpendelt. Das aktuelle Samsung Galaxy S8/S8+ zeigt allerdings einen noch deutlicheren Leistungsverlust und ist nach dem 20. Durchlauf etwas langsamer als das Xperia XZ Premium, obwohl es am Anfang schneller rendert.

Aktuelles Android mit veraltetem Patch

Auf dem von Sony zur Verfügung gestellten Modell kommt Android in Version 7.1.1 zum Einsatz. Die Version ist aktueller als das Android 7.0 auf dem Galaxy S8, kommt aber nur mit dem Sicherheits-Patch von April 2017. Das war auch am 8. Juni und damit nach dem Verkaufsstart der Fall.

Die Oberfläche von Sony zeigt sich in gewohnter Manier, große Änderungen gibt es im Vergleich zu der X-Reihe nicht. Dies ist grundsätzlich auch angenehm, da die Oberfläche von Sony sehr zurückhaltend und schlank ist, Android in vielen Bereichen unangetastet lässt und zum Teil mit sinnvollen Ergänzungen schmückt. Dabei handelt es sich beispielsweise um den Stamina-Modus oder ein via Themes anpassbares Design der Oberfläche.

Assistent ohne Google

Anstelle des Google Assistant setzt Sony auf einen eigenen Assistenten, der Tipps und Tricks zum Smartphone bereithält und auch eigene Aktionen mitbringt. Mit sogenannten „Xperia Actions“ lassen sich zu bestimmten Uhrzeiten und/oder Standorten bestimmte Aktionen automatisch ausführen. Dazu zählen die Aktivierung des Nicht-stören- oder des Flugmodus oder das Deaktivieren der Benachrichtigungsleuchte. Die im Assistent von Sony integrierte Batteriepflege soll den Akku schützen, indem Ladegewohnheiten des Nutzers genutzt werden. Das Smartphone merkt sich die Zeiten, in denen es für längere Zeit mit dem Strom verbunden wird, und wann es wieder abgestöpselt wird. Damit soll das Smartphone kurz vor dem geschätzten Abstöpseln zu 100 Prozent aufgeladen sein.

Wie von Sony gewohnt, installiert der Hersteller auch einige Zusatz-Apps ab Werk, die auch beim XZ Premium nicht deinstalliert werden können – nur eine Deaktivierung ist möglich. Dies ist ärgerlich, aber bei 64 GByte internem Speicher weniger gravierend als auf anderen Geräten. Im Einschalter des XZ Premium steckt wie seit der Z5-Reihe ein Fingerabdrucksensor. Dieser funktioniert zuverlässig und komfortabel und entsperrt das Smartphone fast sofort mit dem Drücken des Knopfes; im Standby ist er hingegen nicht aktiv. Probleme hat der Sensor, wie bei den meisten Herstellern, insbesondere mit feuchten Fingern. Optional kann nach zweifachem Druck auch die Kamera mit den zuletzt gewählten Einstellungen aufgerufen werden. Der Schnellstart über die Kamera-Taste startet automatisch den Modus „überlegene Automatik“.

19 Megapixel und extreme Zeitlupe mit 960 FPS

Neben dem Display legt Sony das Augenmerk auf die Kamera, die der Hersteller erstmals Motion Eye nennt. Die Auflösung des neuen dreilagigen Kamerasensors beträgt 19 Megapixel. Die Offenblende besitzt eine Lichtstärke von f/2.0 und ist damit etwas lichtschwächer als die Konkurrenz von Samsung oder LG. Die Kamera bietet einen Hybrid-Autofokus, der auf eine Mischung aus Phasenerkennung, Kontrastmessung und Laser setzt. Neben der LED des Smartphone-Blitzes sitzt ein separater RGB-Sensor, der für den Weißabgleich zuständig ist.

Neue 19-Megapixel-Kamera mit DRAM im Sensor
Neue 19-Megapixel-Kamera mit DRAM im Sensor

Bedeutet viel Technik gleich bessere Resultate?

Doch mit Technik vollgepackt waren Kameras von Sony-Smartphones schon immer. Gleichzeitig wurden sie aber auch immer und immer wieder von Einbußen begleitet. Insbesondere Unschärfe am Bildrand sowie ein vergleichsweise hohes Rauschen waren seit langer Zeit Kritikpunkte; Smartphones anderer Hersteller mit der von Sony eingekauften Technik lieferten oft bessere Ergebnisse ab. Beim Xperia XZ Premium verbessert Sony beide Punkte, wenn auch nur einen entscheidend: Die Bildschärfe verteilt sich nun gleichmäßig über das gesamte Bild, was für scharfe Aufnahmen auch in den Ecken des Bildes sorgt. Das Problem mit dem hohem Grundrauschen besteht auch beim Sony Xperia XZ Premium weiterhin und ist besonders in der 100-Prozent-Ansicht sehr deutlich erkennbar.

Am Tag überzeugt das Sony Xperia XZ Premium durch eine lebendige Farbgebung trotzdem weitestgehend, der Kontrast wirkt auf manchen Fotos allerdings etwas zu kräftig gewählt. Um eine Überbelichtung zu heller Bildbereiche zu vermeiden, werden Fotos von der automatischen Belichtungsmessung oftmals lichtbetont gemessen. Auf Motiven mit starkem Dynamikumfang führt dies jedoch oft dazu, dass dunkle Bildpartien unterbelichtet werden. Allerdings werden diese zu dunklen Bereiche per Software nachträglich aufgehellt, was theoretisch eine Steigerung des Dynamikumfangs mit sich bringt, dem Xperia XZ Premium aber nicht überzeugend gelingt.

Sony Xperia XZ Premium im Test – Kamera

RGB-Sensor sorgt für korrekten Weißabgleich

Der RGB-Sensor erweist sich beim automatischen Weißabgleich auch bei Kunstlicht als sehr gut, verschiedene Lichtsituationen sind für das neue Smartphone kein Problem. Zwar geht im Kunstlicht aufgrund der erhöhten Sensorempfindlichkeit das eine oder andere Detail verloren, doch bleiben die Aufnahmen verhältnismäßig rauscharm.

In der Nacht bringen höhere Empfindlichkeiten hingegen ein verstärktes und sichtbares Sensorrauschen zum Vorschein. Aber auch dieses Rauschmuster ist trotz der kleinen Pixelgröße nur moderat ausgeprägt. Dafür leidet der Dynamikumfang nun sichtbar unter den hohen ISO-Werten. Hier hinkt Sony der Konkurrenz nach wie vor hinterher.

960-FPS-Zeitlupen mit großen Einschränkungen

Das eigentliche Highlight der Kamera ist aber die extreme Zeitlupe mit 960 FPS. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis wiegen die aktuell noch vorhandenen Einschränkungen schwer. Eine ist mehr oder weniger physikalischer Natur: Aufnahmen mit 1/960 Sekunde Belichtungszeit brauchen viel Licht, um sie bei niedriger Empfindlichkeit des Sensors (ISO) einzufangen. Darauf weist das Xperia XZ beim ersten Start eindeutig hin. Aufnahmen bei Sonnenschein sind kein Problem (Beispiel im Video: Wasserbombe), Bildrauschen ist kaum wahrnehmbar. Ist der Himmel bewölkt oder kommt Kunstlicht zum Einsatz, muss die Kamera aber die Empfindlichkeit ans Maximum treiben – stark rauschende und oftmals immer noch zu dunkle Videos sind die Folge (Beispiel im Video: Luftballon).

Die zweite Einschränkung ist technischer Natur und kommt immer dann zum Tragen, wenn kein kontinuierlich ablaufendes Ereignis in Zeitlupe eingefangen werden soll, sondern ein punktuelles – wie etwa ein platzender Luftballon. Und so richtig kommuniziert hat Sony diese Einschränkung auch nicht. So wundert sich der Kameramann, dass der Zeitpunkt, zu dem der Ballon platzt, wiederholt nicht im Video festgehalten ist.

960 FPS nur für den Bruchteil einer Sekunde

Der Grund: Der 125 MB große DRAM-Cache direkt im Sensor hält bei effektiv 960 FPS nur für den Bruchteil einer Sekunde. Wie Sony im „Haftungsausschluss“ zum Sony Xperia XZ Premium verrät, ist das bereits nach 184 Millisekunden der Fall – also nach weniger als zwei Zehntelsekunden oder 176 Frames. Abgespielt wird diese Aufnahme anschließend mit 30 FPS, was einer Dauer von 5,9 Sekunden und einem Zeitlupenfaktor von 1:32 entspricht.

In einer Super Slow Motion-Sequenz fängt diese Kamera jedes Mal 0,184 Sekunden mit 960 BpS für eine 5,9-sekündige Wiedergabe ein.

Sony zur Superzeitlupe

Videoaufnahmen der Stoppuhr bestätigen die knapp 200 ms Aufnahmedauer annähernd, auch wenn das 60-Hz-Display die genaue Analyse verwehrt.

Die Herausforderung: Das Zeitfenster, in dem der richtige Moment eingefangen werden muss, ist mit 184 Millisekunden extrem kurz. Und es kann nicht nachträglich wie bei den weniger fordernden 120-FPS-Zeitlupen auf Basis eines längeren Videos manuell festgelegt werden. Das macht es schwer, punktuelle Ereignisse extrem kurzer Dauer wie einen platzenden Luftballon oder längere Sequenzen wie den Sprung ins Wasser vom Dreimeterbrett aufzunehmen. Für die nachfolgenden exemplarischen Aufnahmen bedurfte es deshalb jeweils mehrerer Anläufe, um das gewünschte Resultat festhalten zu können. Sonys eigene Beispiele zur Präsentation des Sensors sind da schon besser geeignet, auch wenn es ebenfalls mehrere Versuche benötigen dürfte, bis der Abschlag des Baseballspielers perfekt getroffen ist.

Eine weitere Einschränkung ist da lediglich eine Randbemerkung wert: Obwohl der Sensor 960 FPS mit Full HD kann, nutzt Sony beim Xperia XZ Premium nur HD. Stimmen die Lichtverhältnisse, reicht das aber aus.

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