Crucial MX500 im Test: Die beste MX-SSD seit der MX100

Michael Günsch 130 Kommentare
Crucial MX500 im Test: Die beste MX-SSD seit der MX100

tl;dr: Crucial präsentiert den Nachfolger der beliebten MX300-SSD. Die MX500 bietet mehr Leistung ohne große Schwächen, eine gewohnt gute Ausstattung und zwei Jahre mehr Garantie. Da der Fortschritt schon zum Start nicht mehr kostet, hat die MX500 das Potenzial für einen Verkaufsschlager.

Auf MX300 folgt MX500

Update 20.12.2017 11:03 Uhr

Der Artikel wurde durch weitere Testergebnisse ergänzt. Im Abschnitt Leistungsbeständigkeit sind nun die Resultate aus dem langwierigen Consistency Test zu finden. Im Abschnitt zum AS-SSD-Benchmark wurde ein Beleg dafür, dass die MX500 ihre hohen 4K-Read-Werte nicht durch Komprimierung erreicht, hinzugefügt.

Crucial schickt den Nachfolger der MX300 auf den Markt, der allerdings nicht MX400 sondern MX500 heißt – der Tetraphobie sei Dank. Die Serie steht inzwischen für die Mainstream-SSDs des Herstellers.

Mit neuem 64-Layer-3D-NAND bestückt, werden mehr Leistung und eine höhere Haltbarkeit versprochen. Die MX500 wird mit 250 GByte bis 2 TByte Speicherplatz in den Formfaktoren 2,5 Zoll und M.2 angeboten. Einen Frühstart legt heute die 1-TB-Variante hin, der Rest folgt später.

ComputerBase testet genau dieses Modell, darf die Details zu den anderen aber ebenfalls schon verraten. Das Testmuster in der versiegelten Retail-Verpackung wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Technik im Überblick

Im herkömmlichen 2,5-Zoll-Gehäuse stehen 250 GB, 500 GB, 1.000 GB oder 2.000 GB zur Auswahl. Die M.2-Versionen gibt es mit 250 GB, 500 GB oder 1.000 GB – eine 2-TB-M.2-Version ist (vorerst?) nicht vorgesehen. Den Vorgänger MX300 (Test) gibt es ebenso mit maximal 2.000 GByte in 2,5 Zoll und bis zu 1.000 GB als M.2.

250 GB 500 GB 1.000 GB 2.000 GB
MX500 2,5 Zoll
MX500 M.2

Bei beiden Formfaktoren kommt die SATA-Schnittstelle in der aktuellen Revision mit 6 Gbit/s zum Einsatz, um NVMe-SSDs mit PCIe-Schnittstelle handelt es sich also nicht.

SMI-Controller und 64-Layer-3D-NAND

Bisher hat Crucial bei der MX-Serie durchweg SSD-Controller von Marvell eingesetzt. Mit der MX500 bricht der Hersteller mit dieser Tradition und verwendet ein Modell von Silicon Motion. Der SM2258 mit vier Speicherkanälen ist dabei kein Unbekannter und kommt in vielen Mainstream-SSDs verschiedener Hersteller zum Einsatz. Dass er zu hoher Leistung fähig ist, hat sich beim Schwestermodell Crucial BX300 (Test) gezeigt.

Bei der BX300 konnte der SM2258 allerdings auf Microns MLC-3D-NAND zurückgreifen. Bei der MX500 kommt dagegen der günstigere TLC-3D-NAND zum Einsatz. Beim Speicher handelt es sich konkret um die zweite Generation des 3D-NAND von IMFT (Intel/Micron). Diese besitzt 64 übereinander liegende Zellschichten, während es bei Generation 1 noch 32 Layer waren. Konkret kommen Speicherchips mit 256 Gigabit und TLC-Technik (3 Bit pro Zelle) zum Einsatz. Micron rühmt sich mit den kleinsten 256-Gbit-NAND-Chips am Markt, ihre Fläche beträgt nur 59 mm².

Von diesen Speicherchips stecken je zwei in jedem der 16 Chip-Gehäuse (Packages) der 1-TB-Version. Ein Package kommt so auf 64 GByte.

Crucial MX500 1.000 GB
Controller Silicon Motion SM2258
4 NAND-Channel
Cache 1.024 MB DDR3 (2 × 512 MB)
NAND-Packages 16 × Micron 7TA22 NW925
NAND-Dies/Package 2 (Micron 3D-TLC-NAND, 64 Layer, 256 Gbit)
Schnittstelle SATA 6 Gb/s

Dynamic Write Acceleration heißt dynamischer SLC-Cache

Mit der zunehmenden Verbreitung von TLC-NAND-Flash geht der Einsatz eines sogenannten Pseudo-SLC-Cache einher. Da das Speichern von Daten im TLC-Modus in der Regel langsamer als bei MLC-NAND vonstatten geht, werden die Daten in dem schnelleren SLC-Modus mit nur einem Bit pro Zelle zwischengespeichert. Hierfür wird meist ein fester Bereich aus dem Reserverspeicher (Spare Area) der SSD reserviert. Micron geht wie auch schon bei der MX300 einen anderen Weg und setzt auf eine dynamische Form des SLC-Cache.

Das Prinzip nennt der Hersteller Dynamic Write Acceleration. Hierfür wird der nicht mit Nutzerdaten belegte Teil des Nutzspeichers verwendet, die Größe richtet sich entsprechend danach, wie viel Speicherplatz auf dem Laufwerk zur Verfügung steht. Details zur maximalen Größe des SLC-Cache der MX500 hat Micron nicht verraten. Da ein Wechsel von TLC (3 Bit) auf SLC (1 Bit) den Speicherplatz auf ein Drittel reduziert, könnte der dynamische SLC-Cache theoretisch rund ein Drittel der Nutzkapazität umfassen, sofern die SSD völlig leer ist. Dies wären beim 1-TB-Modell also rund 330 GByte.

DWA arbeitet inzwischen anders als früher

Allerdings hat Crucial die ursprüngliche Funktionsweise des SLC-Cache schon bei der MX300 verändert. So wird schon ab einer Transfergröße von rund 30 GByte wieder in den TLC-Modus geschaltet. Das Resultat ist ein Diagrammverlauf im HD Tach, der an SSDs mit festem SLC-Cache erinnert. Dies gilt auch für die neue MX500.

Crucial MX500 im HD Tach (Full Bench)
Crucial MX500 im HD Tach (Full Bench)

Garantie, Lieferumfang und Eckdaten

Der Lieferumfang geht mit der Zeit, in der im harten Preiskampf an Zubehör gespart wird. Neben der SSD liegt lediglich ein Abstandshalter für einen 9,5-mm-Einbauschacht in Notebooks bei. Statt der früher gedruckten Installationsanleitung verweist ein Flyer auf die Webseiten des Herstellers. Hier gibt es dann neben den Support-Seiten und einer detaillierten Installationsanleitung doch noch einige von Crucial gewohnte Dreingaben in Form von Software: Acronis True Image zur Datenübertragung und das Tool Crucial Storage Executive zur SSD-Verwaltung inklusive Firmware-Updates und Secure Erase.

Erstmals 5 Jahre Garantie in der MX-Serie

Für MX100, MX200 und MX300 hat Crucial einen Garantiezeitraum von drei Jahren vorgesehen. Bei der MX500 gibt es zwei Jahre mehr, was Vertrauen in den laut Micron haltbareren 3D-NAND der zweiten Generation wecken soll.

Die Total Bytes Written (TBW) als garantierte Mindestschreibmenge gibt Crucial wie folgt an:

TBW und Garantie von Crucial MX500 und MX300 im Vergleich
MX500
Speicherplatz 250 GB 500 GB 1.000 GB 2.000 GB
TBW 100 TB 180 TB 360 TB 700 TB
Garantie 5 Jahre
MX300
Speicherplatz 275 GB 525 GB 1.050 GB 2.100 GB
TBW 80 TB 160 TB 360 TB 400 TB
Garantie 3 Jahre

Somit weist die MX500-Serie eine insgesamt höhere TBW-Spezifizierung auf. In der 1-TB-Klasse herrscht aber Gleichstand.

Die TBW-Angaben sind generell nur ein grober Richtwert und eine Absicherung der Hersteller. SSDs sind meist sogar noch weitaus haltbarer, wie unabhängige Stichproben bewiesen haben.

Die Spezifikationen der Crucial MX500 im Überblick

Eine Tradition in der MX-Familie ist die Unterstützung von Standards zur Hardware-basierten Datenverschlüsselung. Somit kann auch die MX500 mit Support für AES-256, TCG Opal 2.0 und Microsoft eDrive aufwarten. Ein weiteres Ausstattungsmerkmal ist eine abgespeckte Form der „Power-Loss Protection“. Hier handelt es sich aber nicht um eine vollwertige Lösung mit Stützkondensatoren wie bei manchen Server-SSDs, sondern vielmehr sollen bereits im NAND-Flash hinterlegte Daten (data at rest) vor Korruption bei einem plötzlichen Stromausfall geschützt werden. Die dafür erforderliche Technik steckt jetzt aber im NAND selber, externe Stützkondensatoren sind nicht mehr notwendig. Daten im Cache gehen dennoch verloren, an der Wirkungsweise hat sich also nichts geändert.

Crucial MX500 Crucial MX300 Crucial BX300
Controller: Silicon Motion SM2258, 4 NAND-Channel Marvell 88SS1074, 4 NAND-Channel Silicon Motion SM2258, 4 NAND-Channel
DRAM-Cache:
256 MB DDR3
Variante
512 MB DDR3
Variante
1.024 MB DDR3
Variante
2.048 MB DDR3
512 MB LPDDR3
Variante
LPDDR3
256 MB DDR3
Variante
512 MB DDR3
Speicherkapazität: 250 / 500 / 1.000 / 2.000 GB 750 / 275 / 525 / 1.050 / 2.100 GB 120 / 240 / 480 GB
Speicherchips: Micron ? ONFi 4.0 TLC (3D, 64 Lagen) NAND, 256 Gbit Micron ? ONFi 4.0 TLC (3D, 32 Lagen) NAND, 384 Gbit Micron ? ? MLC (3D, 32 Lagen) NAND, 256 Gbit
Formfaktor: 2,5 Zoll (7 mm)
Interface: SATA 6 Gb/s SATA 6 Gb/s (Rev. 3.2) SATA 6 Gb/s
seq. Lesen: 560 MB/s 530 MB/s 555 MB/s
seq. Schreiben: 510 MB/s
510 MB/s
Variante
500 MB/s
510 MB/s
4K Random Read: 95.000 IOPS
92.000 IOPS
Variante
55.000 IOPS
45.000 IOPS
Variante
84.000 IOPS
Variante
95.000 IOPS
4K Random Write: 90.000 IOPS 83.000 IOPS 90.000 IOPS
Leistungsaufnahme Aktivität (typ.):
0,1 W
Variante
0,1 W
Variante
0,2 W
0,1 W
Variante
k. A.
?
Leistungsaufnahme Aktivität (max.):
3,00 W
Variante
4,00 W
Variante
5,00 W
Variante
6,00 W
5,20 W
Variante
k. A.
?
Leistungsaufnahme Leerlauf:
55,0 mW
Variante
65,0 mW
Variante
110,0 mW
45,0 mW
Variante
k. A.
?
Leistungsaufnahme DevSleep:
2,00 mW
Variante
4,00 mW
Variante
25,00 mW
4,00 mW ?
Leistungsaufnahme L1.2: kein L1.2
Funktionen: AHCI, NCQ, TRIM, SMART, Garbage Collection, DevSleep AHCI, NCQ, TRIM, SMART, Garbage Collection, DevSleep, Power-Loss Protection AHCI, NCQ, TRIM, SMART, Garbage Collection, DevSleep
Verschlüsselung: AES 256, TCG Opal 2.0, Windows eDrive AES 256, IEEE-1667, TCG Opal 2.0, Windows eDrive keine
Total Bytes Written (TBW):
100 Terabyte
Variante
180 Terabyte
Variante
360 Terabyte
Variante
700 Terabyte
220 Terabyte
Variante
80 Terabyte
Variante
160 Terabyte
Variante
360 Terabyte
Variante
400 Terabyte
55 Terabyte
Variante
80 Terabyte
Variante
160 Terabyte
Garantie: 5 Jahre 3 Jahre
Preis: ab 45 € / ab 70 € / ab 139 € / ab 310 € 199,99 $ / ab 80 € / ab 80 € / ab 153 € / ab 329 € 60,90 € / 90,90 € / 152,90 €
Preis je GB: € 0,18 / € 0,14 / € 0,15 $ 0,27 / € 0,29 / € 0,15 / $ 0,16 € 0,51 / € 0,38 / € 0,32

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