Schnellere Alexa: Amazon soll an eigenen AI-Chips arbeiten

Frank Hüber 5 Kommentare
Schnellere Alexa: Amazon soll an eigenen AI-Chips arbeiten
Bild: Amazon

Amazon soll mit der Entwicklung eines eigenen AI-Chips begonnen haben, der zukünftig in den hauseigenen Echo-Geräten eingesetzt werden könnte, um die Reaktionszeit der Antworten zu reduzieren, indem nicht jede Anfrage ausschließlich in der Cloud bearbeitet werden muss.

Mit diesem Schritt würde Amazon sich Apple und Google anschließen, die bereits eigene AI-Chips entwickelt haben und in ihren Geräten einsetzen – etwa Apple im A11 Bionic für das iPhone 8 und iPhone X oder dem Zusatzchip Pixel Visual Core im Google Pixel 2. Auch Huawei nutzt einen eigenen AI-Chip im Kirin 970 des Mate 10 Pro (Test). Amazons Echo-Geräte nutzen ebenso wie Google Home die Cloud, um Anfragen zu bearbeiten, was dazu führt, dass der Nutzer kurz auf eine Antwort warten muss. Im Umkehrschluss ermöglicht dies jedoch kostengünstige Endgeräte, da sie selbst ohne Cloud-Anbindung keine rechenintensiven Aufgaben erledigen können und müssen. Ein leistungsfähiger, speziell entwickelter AI-Chip könnte jedoch dazu genutzt werden, einige Anfragen direkt auf dem Gerät zu verarbeiten, ohne Umweg über die Cloud. Das Stellen eines Timers oder Weckers ließen sich so beispielsweise auch ohne Cloud-Anfrage realisieren.

Zukäufe deuten Eigenentwicklung an

Amazon hat 2015 den israelischen SoC-Hersteller Annapurna Labs für 350 Millionen US-Dollar übernommen, dessen ARM-SoCs unter anderem in zahlreichen NAS-Systemen eingesetzt werden, und erst im letzten Jahr den Hersteller von Sicherheitskameras Blink. Zudem hat Amazon in den letzten Jahren rund 450 Mitarbeiter aus der Chip-Entwicklung eingestellt. Die Fertigung eines AI-Chips würde Amazon voraussichtlich mangels eigener Fertigungskapazitäten weiterhin in Auftrag geben, das Chipdesign jedoch selbst übernehmen.

Konkurrenzfähigkeit mit Google und Apple sicherstellen

Durch ein eigenes Design könnte Amazon im Konkurrenzkampf mit Google und Apple sicherstellen, dass man nicht von der Chip-Entwicklung anderer Hersteller abhängig ist, deren Produkte eventuell hinter denen der beiden Konkurrenten zurückbleiben, sondern hätte die Leistungsfähigkeit und Optimierung an das eigene Ökosystem selbst in der Hand.

Schlechte Nachrichten für Intel und Nvidia

Für Intel und Nvidia, die bislang AI-Chips an Amazon liefern, wäre die Entwicklung eines eigenen Chipdesigns von Amazon hingegen keine gute Nachricht, da so ein wichtiger Abnehmer wegfallen würde. Nachdem Apple sich für eine Eigenentwicklung der GPU im SoC des iPhone und iPad entschlossen hatte, verlor Imagination Technologies nicht nur den wichtigsten Abnehmer, sondern auch viel Wert und wurde schlussendlich verkauft.