Fake News zur Wahl 2017: Klassische Medien streuen am weitesten, AfD am häufigsten

Peter Bellmann 128 Kommentare
Fake News zur Wahl 2017: Klassische Medien streuen am weitesten, AfD am häufigsten
Bild: Facebook

Die Stiftung Neue Verantwortung (Stiftung-nv) stellt in einer Studie fest, dass Fake News im Bundestagswahlkampf 2017 keine tragende Rolle gespielt haben. Aber es gab sie. Klassischen deutschen Medien kam bei der Verbreitung von Fake News dabei eine ganz besondere Rolle zuteil. Die AfD war hingegen am aktivsten.

Untersuchung während des Wahlkampfs 2017

Die Stiftung wollte mit der Studie herausfinden, wie und in welchem Umfang Falschinformationen im Zeitraum des Bundestagswahlkampfes 2017 verbreitet wurden. Hierfür beleuchtete Stiftung-nv elf Nachrichten, welche faktisch teilweise oder ganz unwahr dargestellt wurden. Darunter:

  • Polizist erblindet durch Böllerwurf bei G20-Demo
  • 1.000 Migranten randalieren auf Volksfest in Schorndorf
  • Polizei weist an Straftaten von Migranten zu vertuschen
  • Flüchtlinge machen Urlaub in ihren Heimatländern
  • 63.000 Euro vom Staat für syrischen Geschäftsmann
  • Flüchtlinge bekommen in Deutschland kostenlos Führerschein

Die 17 Mitarbeiter der Stiftung untersuchten die Verbreitung aller betreffenden Nachrichten über verschiedene Plattformen hinweg, darunter Twitter, YouTube, Facebook, Blogs, Foren und Online-Nachrichtenseiten.

Gründe für Desinformation unterteilt die Stiftung in zwei Kategorien: Falschinformationen aufgrund schlechter Recherche von Journalisten und die gezielte Verbreitung falscher Nachrichten. Um den Weg von Fake-News nachvollziehen zu können, nutzte das Team das Analyse-Tool Talkwater, das es möglich macht eingegebene Stichwörter über mehrere Medien hinweg zu verfolgen.

Keine wesentliche Beeinflussung im Wahlkampf

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Fake-News in Deutschland nur eine „überschaubare Reichweite“ erreichen, es sei denn große Medienhäuser unterstützen deren Verbreitung. Das Vertrauen der Bevölkerung in die deutschen Medien sei sehr „groß“ und soziale Netzwerke hätten hierzulande einen niedrigeren Stellenwert als in den USA. Eine gezielte Einflussnahme anderer Staaten sei nicht ersichtlich gewesen.

Die höchste Verbreitung hätte die falsche Nachricht über das Volksfest in Schorndorf erfahren, auf die eine halbe Millionen Nutzer durch Teilen, Tweets und Ähnliches reagiert hätten.

Studie über die Verbreitung von Fake-News (Ausschnitt)
Studie über die Verbreitung von Fake-News (Ausschnitt) (Bild: Stiftung-NV.de, CC BY-SA 4.0)

Am Beispiel der Meldung zum Volksfest in Schorndorf macht die Stiftung auch die Auswirkungen einer „Fake News“ deutlich. In dem Fall war der Inhalt nicht frei erfunden, sondern ein Fehler bei der Presseagentur dpa die Ursache. Sie hatte aus der Polizeimeldung, dass sich 1.000 Jugendliche auf dem Dorffest versammelt hatten, darunter „ein großer Teil mit Migrationshintergrund“, pauschal randalierende Jugendliche gemacht. Insbesondere rechtsorientierte Gruppierungen sprangen auf diese Meldung auf, die AfD nutzte die sogar für ein Wahlplakat. Die größte Verbreitung fand die falsche Meldung aber über die klassischen Nachrichtenportale.

Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von Rechten, Rechtspopulist:innen und Rechtsextremen verbreitet.

Wahlplakat, welches eine Fake-News direkt nutzt
Wahlplakat, welches eine Fake-News direkt nutzt (Bild: Stiftung-NV.de, CC BY-SA 4.0)

Welt.de, die Deutsche Presse-Agentur (DPA) sowie Bild.de nennt die Studie als Negativbeispiele, wiederholt hätten diese Plattformen falsche Informationen weiter gestreut. Süddeutsche.de oder der Faktenfinder der ARD werden hingegen als besonders positiv hervorgehoben. Das Problem: Ist eine Fake News erst einmal in der Welt, erreicht sie in der Regel mehr Personen als die Richtigstellung.

Klassische Medien waren also seltener an der Verbreitung von Fake News beteiligt, griffen sie solche Meldungen auf, erreichten sie aber mehr Nutzer in einem breiteren Publikum. Das gilt auch auf Facebook.

AfD „die Speerspitze der Verbreitung“

Am aktivsten beteiligt war an der Verbreitung der verfolgten Fake News zum Bundestageswahlkampf hingegen die AfD. Die Stiftung bezeichnet sie als „die Speerspitze der Verbreitung“. Die Partei war dabei zwar nicht in der Lage, die Botschaft wie klassische, breiter gestreute Medien weiten Teilen der Bevölkerung zu präsentieren, in der „Echo-Kammer“, der überwiegend Sympathisanten der Partei angehören, waren die Auswirkungen aber nicht minder gewichtig. Sie wurden dadurch verstärkt, dass Richtigstellungen diese Zielgruppen kaum erreichen. Die Stiftung stellt fest: „Doch wer den Fake News der AfD oder der Epoch Times bei Facebook aufgesessen ist, wird freilich nicht parallel dazu die Seiten des Faktenfinders konsultieren, um herauszufinden, ob das eben gelesene Richtigkeit angesichts der Fakten behält.

Die komplette Studie steht auf der Internetseite der Stiftung (PDF) zur Verfügung.