HTC Vive Pro im Test: Auf dem Weg Richtung High‑End‑PC‑VR 2.0

David Pertzborn 98 Kommentare
HTC Vive Pro im Test: Auf dem Weg Richtung High‑End‑PC‑VR 2.0

tl;dr: Die HTC Vive Pro erweist sich im Test als in allen Belangen besser als die Vive. Sie ist schärfer, sitzt besser, klingt besser und kann AR sowie SteamVR Tracking 2.0. Sie ist damit das derzeit beste High-End-VR-Headset der 1. Generation. Echtes High-End-VR 2.0 wird aber nochmals deutlich weiter gehen.

HTC Vive und Vive Pro im Vergleich

HTC hat die Vive Pro gegenüber der Vive in quasi allen Aspekten weiterentwickelt. Es gibt mehr Pixel, mehr Kameras (für AR), mehr Komfort (trotz höherem Gewicht) und die Unterstützung von SteamVR Tracking 2.0 für bis zu vier Lighthouse-Stationen der 2. Generation und damit „bespielbare“ Flächen von bis zu 10 × 10 Metern (14,1 m Diagonale). Schon zwei der neuen Signalgeber unterstützen 6 × 6 Meter (8,5 m Diagonale), bei der ersten Generation sind es 5,0 Meter in der Diagonale.

Die Technischen Eckdaten im Vergleich
HTC Vive HTC Vive Pro
Display-Technologie OLED
Auflösung 2.160 × 1.200 (2 × 1.080 × 1.200) 2.880 × 1.600 (2 × 1.440 × 1.600)
Pixel insgesamt 2,59 Millionen 4,61 Millionen
Linsen Fresnel-Linsen
Kopfhörer integriert, On-Ear
Kamera 1 x Frontkamera 2 x Frontkamera
Tracking Tracking 1.0 Tracking 1.0 und 2.0
Gewicht
Headset exkl. Kabel 561 g 750 g (±20 g)
Headset inkl. Kabel 883 g 980 g (±20 g)
Kabel
PC zu Link Box HDMI/DP
USB 2.0
DP
USB 3.0
Link Box zum Headset HDMI
USB
Strom
Proprietäres Kabel

Noch deutlicher als bei den technischen Eckdaten fallen die Unterschiede beim Preis aus. Und auch die Variantenvielfalt, in der es die HTC Vive Pro in Bezug auf das Zubehör gibt, lassen aufhorchen. Das kurzfristig nachgeschobene Bundle mit altem Tracking für 1.178 Euro scheint es allerdings bereits nicht mehr zu geben, es wurde vom früher als erwartet verfügbaren Bundle mit Tracking 2.0 ersetzt.

Produkt Zubehör Preis
HTC Vive Pro 879 Euro
HTV Vive Pro Controller, Tracking 1.0 1.178 Euro
HTC Vive Pro Controller, Tracking 2.0 1.399 Euro
HTC Vive Controller, Tracking 1.0 599 Euro

(Industrielle) Kunden, die auf Tracking 2.0 setzen wollen, müssen also 1.399 Euro zahlen, wer die 10 × 10 Meter benötigt, der muss darüber hinaus noch zwei weitere Signalgeber kaufen.

Das Design fällt auf

Trotz all der Veränderungen im Inneren, der erste Unterschied lieg nach dem Auspacken in der Hand: Das Design. Schon im Vergleich von Oculus Rift und HTC Vive fiel das Design der Vive mit höherem Nerdfaktor auf. Mit der Vive Pro wird dieser Eindruck noch einmal verstärkt. Zwar wurde der Kabel- und Tragegurtwust entwirrt, aber das Headset ist dafür noch größer und noch klobiger geworden und mit den beiden Kameralinsen an der Front auch noch technischer als der Vorgänger.

Altes Tracking und alte Controller

In der von ComputerBase getesteten Ausführung wird das neue Headset mit den bekannten Controllern und Lighthouse-Stationen (SteamVR Tracking 1.0) kombiniert. In diesem Punkt gilt damit genau das, was auch schon für die erste Generation galt: Das Tracking ist ein absolutes Highlight. Die neue Version vergrößert in erster Linie die Fläche, am der Präzision dürfte sich hingegen nichts ändern. Die Neuerungen sind in erster Linie für VR-Arcade-Hallen und industrielle Anwendungen erforderlich, Privatkunden mangelt es in der Regel eher an der Fläche denn am Tracking.

Eindrücke zur Bildschärfe

Die von 2,59 auf 4,61 Millionen Pixel und somit um 77 Prozent gestiegene Auflösung der neuen Vive Pro ist in allen getesteten Titeln deutlich zu erkennen. Zwei Aspekte machen das deutlich. Zum einen wirkt das gesamte Bild schärfer und ruhiger: Kahle dünne Äste in Fallout 4 VR flimmern weniger und sind aus größerer Entfernung zu erkennen und weit entfernte Hintergründe wirken deutlich weniger matschig. Das ergibt zwar noch kein realistisches Bild, aber das Ergebnis ist gut genug, um jetzt seltener Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es nicht real ist. Wer die fehlende Auflösung sucht, wird sie an vielen Stellen weiterhin finden, aber wer einfach nur spielt, wird seltener direkt darauf aufmerksam gemacht. Dies liegt vor allem auch am zweiten Aspekt: Schrift zu lesen ist ein viel geringeres Problem als noch mit dem Vorgänger oder mit der Oculus Rift.

Am Sichtfeld von 110 Grad und an den Fresnel-Linsen hat sich hingegen nichts geändert. Damit bleiben auch die bekannten Probleme mit Ringbildung um helle Objekte bestehen. Im Allgemeinen sehen zum Beispiel helle Schriften auf dunklem Untergrund, wie bei der Ladesequenz von Google Earth VR, nicht gut aus. Weil das bekannt ist, vermeiden die meisten Entwickler solche Szenarien aber.

Eindrücke zum Sound

Eine weitere Veränderung an der Vive Pro sind die Kopfhörer und ein zweites Mikrofon für die Geräuschunterdrückung. Der Vorgänger hatte gar keine Audioausgabe, der Einsatz separater Kabel-Kopfhörer über den Klinke-Anschluss am Headset machte dessen Auf- und Absetzen aber noch komplizierter.

Sehr guter Klang mit der HTC Vive Pro

HTC hatte zur Präsentation des Headsets behauptet, besonders hochwertige Kopfhörer verbaut zu haben. Mit dieser Aussage hat sich HTC nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, denn für einen zusätzlichen Kopfhörer gibt es jetzt tatsächlich keinen Grund mehr. Von Außengeräuschen wird der Spieler gut abgeschottet und die Klangkulisse war während aller getesteten Spiele hervorragend. Auch das integrierte Mikrofon lässt den Spieler jederzeit verständlich klingen und filtern Außengeräusche tatsächlich sehr gut heraus. Hintergrundmusik in Zimmerlautstärke war für den Gesprächspartner in einem Discord-Gespräch nicht wahrnehmbar.

Eindrücke zum Tragekomfort

Eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger gibt es beim Tragekomfort und beim Auf- und Absetzen des Headsets.

Endlich auch für Brillenträger

Über ein Rädchen auf der Rückseite wird das Gurtsystem wie bei einem Fahrradhelm gelöst, bevor das HMD dann mit den Augen zuerst und schließlich wie eine Kappe angezogen wird. Über das Drehrädchen auf der Rückseite lässt sich schnell ein fester aber noch angenehmer Anpressdruck finden, der kein Licht mehr in das HMD lässt.

Brillenträger werden nach dem Aufsetzen den nächsten Unterschied feststellen: Das HMD bietet großen Brillen mehr Platz. Sie passen jetzt problemlos in das HMD und bleibt nach dem Ausziehen auch nicht mehr darin stecken.

Blick auf die Fresnel-Linsen, die dickeren Polster und den Drehverschluss
Blick auf die Fresnel-Linsen, die dickeren Polster und den Drehverschluss

Eine bessere Gewichtsverteilung und dickere Polsterung tragen ebenso zum gestiegenen Komfort bei. Die Vive Pro drückt weniger auf den Bereich um die Augen und wirkt insgesamt betrachtet weniger schwer, obwohl sie das nicht ist. Inklusive der integrierten Kopfhörer ist das Headset sogar ungefähr 200 g schwerer als der Vorgänger, schafft es aber dies zu verschleiern, was unter anderem dadurch gelingt, dass das Kabel deutlich leichter ist, weniger am Hinterkopf zieht und die Immersion insgesamt etwas weniger stört.

Schneller rein und raus

Die integrierten Kopfhörer überzeugen nicht nur beim Klang, sondern erhöhen auch den Tragekomfort weiter und erleichtern den Prozess des Auf- und Absetzens. Der Koordinationsaufwand, um mit Headset nach den eigenen Kopfhörern zu suchen, entfällt und das Entfallen des Kabelgewirrs sticht positiv hervor. Höhe und Abstand der Kopfhörer zu den Ohren lassen sich einfach einstellen, ohne dass es aufgrund der einfachen Justierung anschließend an Anpressdruck mangelt. Die Kopfhörer sind als On-Ear und nicht als Over-Ear ausgeführt, schließen die Ohrmuschel aber dennoch gut genug ab.

Die neue HTC Vive Pro mit integrierten Kopfhörern
Die neue HTC Vive Pro mit integrierten Kopfhörern

Zusammen mit Drehrädchen an der Rückseite lässt sich damit auch ein Nutzerwechsel viel schneller realisieren und HTC schließt damit im Allgemeinen fast komplett zum Tragekomfort der Oculus Rift auf. Nur das höhere Gewicht bleibt bei längerer Nutzung oder schnellen Kopfbewegungen ein Nachteil.

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