OnePlus 6 im Test: Sehr viel Smartphone zum fairen Preis

Nicolas La Rocco 213 Kommentare
OnePlus 6 im Test: Sehr viel Smartphone zum fairen Preis

tl;dr: OnePlus aus Shenzhen sieht sich mit seiner Never-Settle-Mentalität nach wie vor als das Establishment aufmischender Smartphone-Hersteller. Mit dem OnePlus 6 sind die Preise zwar erneut leicht gestiegen, unterm Strich steht aber nach wie vor ein äußerst kompetitives Smartphone, das vor allem eines ist: extrem schnell.

OnePlus 6 im Überblick

Jedes Jahr aufs Neue prescht der ehemalige Underdog OnePlus mit einem neuen High-End-Smartphone auf den Markt, das zum vergleichsweise niedrigen Preis für Schweißperlen auf der Stirn der Konkurrenz und Freude bei der Kundschaft sorgen soll. Doch genauso wie OnePlus schon lange kein Underdog mehr ist, liegen auch die Preise spätestens mit dem neuen OnePlus 6 nicht mehr auf dem Niveau, das Fans der Marke noch von 2014 oder 2015 kennen. Mit Preisen ab 519 Euro ist nun erstmals die psychologische Schwelle von 500 Euro überschritten worden. Mehr RAM und mehr Nutzerspeicher in zwei Stufen von 128 und 256 GB kosten jeweils 50 Euro Aufpreis.

OnePlus 6
OnePlus 5T
OnePlus 5
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.1 Android 7.1
Display: 6,28 Zoll
1.080 × 2.280, 402 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
6,01 Zoll
1.080 × 2.160, 402 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,80 GHz
4 × Kryo 385, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 630 Adreno 540
710 MHz
RAM:
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 / 256 GB 64 / 128 GB
Kamera: 16,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
16,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF
Sekundär-Kamera: 20,0 MP, f/1,7, AF 20,0 MP, f/2,6, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Frontkamera: 16,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 3.300 mAh (12,35 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 75,4 × 155,7 × 7,75 mm 75,0 × 156,1 × 7,30 mm 74,1 × 154,2 × 7,25 mm
Schutzart:
Gewicht: 177 g 162 g 153 g
Preis: ab 519 € / ab 569 € / ab 619 € 499 € / 559 €

Hochwertige Verarbeitung

OnePlus lässt sich in keinster Weise vorwerfen, dass das Unternehmen für den aufgerufenen Preis nicht ein ausgezeichnet verarbeitetes Smartphone anbieten würde. Was das Unternehmen für 519 Euro mit dem OnePlus 6 auf die Beine stellt, kostet bei anderen Smartphone-Herstellern 800 Euro und mehr. Die aktuelle Generation des Mobilgeräts ist nicht mehr vollständig aus Aluminium gefertigt, sondern setzt dem aktuellen Trend folgend auf eine Rückseite aus Glas. Die bietet OnePlus in Schwarz oder Weiß sowie unterschiedlichen Oberflächen-Finishes an. Das Testgerät kommt in Midnight Black, wie der Hersteller die Farbe nennt. Dahinter verbirgt sich die matte der zwei schwarzen Ausführungen, die andere heißt dementsprechend Mirror Black. Mit Silk White hat OnePlus auch ein weißes Modell mit ähnlicher matter Ausführung im Angebot. Hier sind die restlichen Bereiche des Chassis allerdings in Roségold statt Schwarz ausgeführt.

Mit Abmessungen von 75,4 × 155,7 × 7,75 mm (B×H×T) ist das OnePlus 6 das größte Smartphone, das der Hersteller je angeboten hat. Unter Berücksichtigung des von 6,01 auf 6,28 Zoll angewachsenen Displays ist der marginale Zuwachs gegenüber dem 75,0 × 156,1 × 7,30 mm großen OnePlus 5T aber zu verschmerzen. Auf die Fläche der Vorderseite bezogen, steht das 4,5 Prozent größere Display einer nur 0,3 Prozent größeren Vorderseite gegenüber. Im Hinblick auf das Volumen ist das OnePlus 6 allerdings 6,5 Prozent größer als das OnePlus 5T. Und 15 Gramm schwerer noch dazu.

Sinnvoll positionierte Tasten

Wer den „Alert Slide“ – zu Deutsch Alarm-Schieberegler – sucht, findet diesen nun auf der rechten statt linken Seite. Neben dem iPhone ist das OnePlus 6 eines der wenigen Smartphones, das eine physische Taste für den Wechsel des Tonmodus besitzt. Wer sich einmal an den „Alert Slider“ eines OnePlus-Smartphones gewöhnt hat, wird ihn bei Geräten anderer Hersteller ohne diese Ausstattung sofort vermissen. Durch die weiter unten im Rahmen positionierten Tasten punktet das OnePlus 6 auch an anderer Stelle in Sachen Ergonomie. Zwar ist es klar ein Zwei-Hand-Gerät, Lautstärkewippe und An-aus-Schalter sind aber gut mit dem Daumen und Zeigefinger erreichbar.

Display mit Notch

Wie OnePlus das größere Display in ein fast gleich großes Gehäuse integrieren konnte, erklären die dünnen Ränder des Bildschirms. Unten ist der Rand mit 6 mm noch am breitesten, oben sind es nur noch 3 mm und zum linken und rechten Rand etwa 2 mm. Damit der Rand oben so schmal ausfallen kann und dennoch Ohrhörer, Kamera, Helligkeitssensor und Status-LED auf die Vorderseite passen, musste auch bei OnePlus eine Notch her. Also eine Kerbe im Display, die die genannte Hardware aufnimmt. Die Notch von OnePlus ist kleiner als die des iPhone X (Test), in ihr steckt aber weniger Technik. Einen Punktprojektor, eine Infrarotkamera oder einen Infrarotbeleuchter für Face ID gibt es nicht, das Entsperren des Smartphones ist aber dennoch über das Gesicht möglich.

Sehr helles OLED-Panel

OnePlus hat das Seitenverhältnis des OLED-Displays leicht gegenüber dem OnePlus 5T verändert. 1.080 × 2.280 Pixel sorgen für das Format 19:9 statt 18:9. Die Pixeldichte liegt schon seit dem ersten OnePlus-Smartphone bei unverändert leicht über 400 ppi. Die Darstellung ist scharf, letztlich aber nicht ganz auf dem Niveau eines Galaxy-S8- oder Galaxy-S9-Displays. Dafür kann aber die maximale Helligkeit mit den OLED-Displays von Samsung mithalten. Bis zu 607 cd/m² sind bei Nutzung der adaptiven Helligkeit möglich. Erfreulich ist zudem die äußerst ausgewogene Helligkeitsverteilung, die selbst bei OLED-Displays nicht selbstverständlich ist. Beim OnePlus 6 konnten im schlechtesten Fall lediglich Unterschiede von 2 Prozent gemessen werden.

Das Display des OnePlus 6 ist ab Werk mit einer poppigen Farbabstimmung und einem kühlen Weißpunkt von 7.900 Kelvin abgestimmt. Damit bringt der Hersteller die Fähigkeiten von OLED-Displays voll zur Geltung, setzt dabei aber auf eine wenig realistische Abstimmung. Denjenigen, die das Panel zurückhaltender betreiben möchten und Wert auf eine authentische Darstellung legen, bietet OnePlus in den Einstellungen zum einen Profile für sRGB und DCI-P3, die beide gut umgesetzt wurden. Zusätzlich gibt es einen adaptiven Modus, der inhaltsbasiert und unter Berücksichtigung des Umgebungslichts arbeitet, sowie einen manuellen Modus, in dem Anwender zumindest den Weißpunkt zwischen 6.000 und 9.000 Kelvin selbst definieren können.

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