8K-Fernseher angeschaut: Noch muss Samsung 4K in schönes 8K wandeln 2/2

Nicolas La Rocco 416 Kommentare

AI-Upscaling mit Filterdatenbank

Deshalb liegt es vorerst an Samsungs „Quantum Prozessor 8K“, Inhalte in geringerer Auflösung als 8K in guter Qualität auf das Panel zu zaubern. Samsung nennt das Verfahren AI-Upscaling, da nicht ein Filter respektive Algorithmus auf den gesamten Inhalt angewandt wird, sondern erst eine Klassifizierung des Inhalts mit anschließender Überarbeitung auf Basis einer durch maschinelles Lernen trainierten Filterdatenbank stattfindet. Wie dieser Upscaling-Prozess im Detail funktioniert, lässt sich dank entsprechender Dokumentation speziell für die testende Presse gut nachvollziehen.

Das Training bezeichnet Samsung als „Machine Learning Super Resolution“ (MLSR), da aus den Informationen von Millionen Videoquellen, darunter Clips, Videos und Filmen in geringer Auflösung bis hoch zu 8K, Datensatz-Paare in niedriger und hoher Auflösung gebildet werden, die entsprechend maschinell klassifiziert werden: Das ist ein niedrig aufgelöster Inhalt mit den Eigenschaften A, B oder C, der auszusehen hat wie dieser hoch aufgelöste Inhalt mit den Eigenschaften X, Y oder Z. Samsungs Machine-Learning-Server analysiert diese Klassifizierung, um den richtigen Filter für Strukturen, Bildrauschen und Kantenwiederherstellung zu finden. Im Endergebnis weiß der „Quantum Prozessor 8K“, welchen von Tausenden in der Datenbank abgelegten Filtern er anwenden muss, um den aktuellen Frame in hoher Qualität auf 8K zu skalieren. Das können im selben Frame auch mehrere Filter für unterschiedliche Bildbereiche sein.

4K sieht gut aus in 8K

Der Ersteindruck zum AI-Upscaling der Q900-Serie fällt innerhalb der von Samsung gesetzten Rahmenbedingungen positiv aus. Vor Ort wurde neben dem nativen 8K-Material vom USB-Stick Netflix in 4K mit HDR10 auf die höhere Auflösung gebracht. Netflix oder auch ein Dienst wie Amazon Prime Video sollte bei weitem nicht als 4K-Maßstab genommen werden, eine Ultra-HD-Blu-ray ist Streaming hinsichtlich Bild- und Tonqualität klar überlegen. Dennoch sahen von Netflix produzierte Serien wie Stranger Things und Narcos sowie Filme und Serien aus dem Marvel-Universum sehr gut auf dem 8K-Panel aus. Zugegeben: Ein Direktvergleich zwischen 4K, „4K auf 8K“ und echtem 8K auf dem gleichen Panel mit derselben Quelle war vor Ort nicht möglich. Dennoch erlaubte die Momentaufnahme des skalierten Materials eine erste positive Zwischenbilanz.

HDR mit bis zu 4.000 cd/m²

Im dynamischen Bildmodus erreichen Samsungs neue 8K-Fernseher eine punktuelle Helligkeit von bis zu 4.000 cd/m² in 75 und 85 Zoll respektive bis zu 3.000 cd/m² beim 65-Zoll-Modell. Samsung argumentiert, dass Filme und Serien mittlerweile zum Großteil auf Referenzmonitoren mit eben dieser Maximalhelligkeit das Postprocessing für HDR durchlaufen. Das sogenannte „Tone Mapping“ von HDR-Inhalten auf die Fähigkeiten des Fernsehers entfällt dadurch vollständig oder fällt zurückhaltend aus.

Am Ende der Helligkeitsskala ist für den hohen Dynamikumfang eine LED-Hintergrundbeleuchtung mit „Full Array Local Dimming“ verantwortlich, die sich bei der Q900-Serie aus 480 LEDs zusammensetzt. Das Verdunkeln und Abschalten einzelner LEDs sorgten vor Ort für tiefes Schwarz ohne Blooming-Effekte um einzelne helle Bildbereiche auf schwarzem Hintergrund. Das zu Recht gelobte perfekte Schwarz von OLED-Fernsehern sieht zwar noch einen Hauch besser aus, dafür fehlt dieser Technologie nach oben hin aber die Strahlkraft einer LED-Hintergrundbeleuchtung.

Unabhängig vom gewählten Modell gibt es eine Abdeckung des DCI-P3-Farbraums zu 100 Prozent. Den noch mal deutlich größeren Farbraum der ITU-R-Empfehlung BT.2020 deckt die Q900-Serie zwischen 75 und 76 Prozent ab. Ebenfalls bei allen Varianten vorhanden ist eine spezielle Beschichtung mit dem Namen „Ultra Black“, die Reflexionen durch Licht von außen reduzieren soll. Immun gegenüber Reflexionen sind die Fernseher damit aber nicht. „Ultra Black Elite“ nennt Samsung eine andere Technologie, die innere Reflexionen im Panel etwa durch die Hintergrundbeleuchtung reduzieren soll. Die kommt neben der Q900- auch bei der Q9FN-Serie zum Einsatz.

Spielen auf der Q900-Serie

Die positive Erstbilanz gilt auch für Spiele auf der Xbox One X, die als derzeit stärkste Konsole im konkreten Fall „Forza Horizon 4“ in gestochen scharfem 4K-HDR 8K-skaliert auf die Q900-Serie zaubert. Bei einer angeschlossenen Spielkonsole oder einem PC wechseln Samsungs neue 8K-Fernseher automatisch in den Game-Modus, der abgesehen von der Skalierung auf 8K sämtliche Bildverbesserer deaktiviert und dadurch den Input-Lag von 112 ms im TV-Modus auf nur noch 15 ms reduziert. Darüber hinaus lässt sich dieser durch Nutzung einer Variable-Refresh-Rate-Technologie auf 6,8 ms drücken. Die Q900 sind die ersten Fernseher mit Unterstützung für AMD FreeSync.

Tunlichst nicht bei Spielen aktivieren sollte man Samsungs SDR-zu-HDR-Konverter mit dem Namen „HDR+“, was nicht mit HDR10+ zu verwechseln ist. Während Letzteres ein offizieller Standard für dynamisches HDR ist, das Szene für Szene individuelle Parameter bereithält, sorgt HDR+ in Verbindung mit einer Xbox One X für deutliche Ruckler und einen Input-Lag, der eine präzise Steuerung in „Forza Horizon 4“ unmöglich macht.

Was passiert 2019 bei 8K?

Im kommenden Jahr sollen laut IHS Markit insgesamt 226 Millionen Fernseher abgesetzt werden. Erstmals soll mehr als die Hälfte davon mit 4K-Panels ausgerüstet sein. Das Geschäft mit 8K-TVs soll rasant wachsen, es wird vorerst aber dennoch eine Marktnische bleiben. Von weniger als 20.000 Einheiten in diesem Jahr wird ein Sprung auf mehr als 430.000 8K-Fernseher im kommenden Jahr erwartet. Bis 2020 soll das Wachstum auf zwei Millionen Geräte pro Jahr zunehmen. Der Zugewinn soll ausschließlich im Bereich über 60 Zoll stattfinden. Mehr als die Hälfte der 8K-Fernseher wird laut IHS Markit mindestens 65 Zoll haben – genau das, was Samsung anbietet.

Bei den externen Zuspielern ist für 2019 keine größere Veränderung zu erwarten, da bei der Ultra-HD-Blu-ray und DVB-Receivern kein Upgrade auf 8K ansteht. Einzig der PC könnte sich 2019 zum adäquaten 8K-Zuspieler wandeln – für Spiele in 8K dürfte aber auch im kommenden Jahr noch die GPU-Leistung fehlen. Bei Streaming-Quellen wie Amazon, Netflix oder YouTube ist noch am ehesten mit 8K-Experimenten zu rechnen.

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