Anthem im Test: Sehr schöne Grafik, extreme GPU-Anforderungen 2/4

Wolfgang Andermahr 255 Kommentare

Testreihen, Testsystem und Grafik-Einstellungen

Die nachfolgenden Grafikkarten-Benchmarks sind mit einem auf 4,7 GHz übertakteten Core i7-8700K durchgeführt worden, der auf insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (16-16-16-38, Dual-Rank) zugreifen kann. „Windows 10 Oktober Update“ (1809) inklusive aller derzeit verfügbaren Patches ist installiert. Als Treiber werden der Adrenalin 19.2.2 beziehungsweise der GeForce 418.91 genutzt. Weder AMD, noch Nvidia sprechen bei den aktuellen Software-Versionen von Anthem.

Die 25 Sekunden lange Testszene zeigt einen Sprint durch die Open World von Anthem mit hoher Weitsicht, viel Vegetation und zahlreichen weiteren Objekten. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Sequenz, vor allem da das Streaming ordentlich arbeiten muss – wenn auch nicht so sehr wie im Flug. Es ist kein Worst-Case-Szenario, die Performance zeigt sich aber oft im Spiel. Für die Benchmarks wird auf Tageslicht bei gutem Wetter gewartet. Bei Nacht und Regen fällt die Framerate leicht unterschiedlich aus.

In den Auflösungen 1.920 × 1.080 wird das Ultra-Preset genutzt, damit ist die Umgebungsverdeckung nicht maximiert. Für 2.560 × 1.440 wird auf Hoch und für 3.840 × 2.160 auf die mittlere Einstellung zurückgeschaltet.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Ultra-Preset
2.560 × 1.440 Hoch-Preset
3.840 × 2.160 Mittel-Preset

Grafikkarten-Benchmarks von Full HD bis Ultra HD

Da Origin nach fünf Änderungen am System das jeweilige Spiel für 24 Stunden sperrt, sind Benchmarks mit weiteren Grafikkarten zur Zeit nicht möglich. Dasselbe gilt für Prozessor-Tests, die am Mittwoch nachgeholt werden.

Im Testfeld ist die GeForce RTX 2080 die schnellste Grafikkarte für Anthem. Die Radeon VII kommt vor allem in niedrigen Auflösungen nicht hinterher. So ist der Nvidia-Beschleuniger in 1.920 × 1.080 um 17 Prozent schneller, bei den Frametimes sind es 18 Prozent. Wie die Ergebnisse in höheren Auflösungen zeigen, kommt die Radeon VII auch dann nicht an die GeForce RTX 2080 heran, funktioniert ab 2.560 × 1.440 aber deutlich besser. So liegen die Abstände in der höheren Auflösungen bei geringeren neun und zwölf Prozent. Die AMD-Grafikkarte gerät in Full HD in ein CPU-Limit. Der Abstand zwischen dem neuen Radeon-Flaggschiff und der Radeon RX Vega 64 beträgt bis zu 26 Prozent. Damit liegt die Skalierung innerhalb des Lagers ziemlich genau im gewohnten Schnitt.

Interessant ist das Duell Radeon RX Vega 64 gegen GeForce GTX 1080 und GeForce RTX 2070. Die Radeon liefert gleich viele FPS wie die GeForce GTX 1080, die Frametimes sind leicht besser (Full HD, Ultra HD) bis leicht schlechter (WQHD). Das zeigt, dass AMD- und Nvidia-Grafikkarten in Anthem generell gleich gut funktionieren. Die GeForce RTX 2070 ist dem Pascal-Modell sieben bis zwölf Prozent voraus. Damit scheint Turing in Anthem gegenüber Pascal keine Vorteile zu haben.

Im Duell der Mittelklasse gibt es einen kleinen Sieg für Nvidia. Die GeForce GTX 1060 bringt drei Prozent mehr FPS und elf Prozent bessere Frametimes auf die Waage als die Radeon RX 580. Mit der Radeon RX 590 ist die Framerate noch einmal neun Prozent besser, die Frametimes sind gleich gut.

Die Frametimes auf der RTX 2070, GTX 1080 und RX Vega 64

Die Testsequenz in Anthem findet im Sprinten statt und dessen Tempo ist in Anthem sehr hoch – offenbar ein wenig zu hoch für das Streaming der Engine. Denn das Spiel kommt mit dem Nachladen der Spielabschnitte nicht gänzlich nach und stockt unabhängig der Grafikkarte ab und zu immer mal wieder kurz – das ist etwas, was auch im Fliegen geschieht, nicht aber beim Kämpfen oder normalen Gehen.

In der Testsequenz sind die Frametimes damit sowohl auf einer GeForce GTX 1080 als auch einer GeForce RTX 2070 und Radeon RX Vega 64 unregelmäßig. Immerhin – die Ausschläge, die es gibt, sind nicht allzu hoch. Die AMD-Grafikkarte zeigt das Verhalten ein wenig öfter, schlussendlich sind aber alle drei Grafikkarten davon betroffen. Das wird vermutlich auch nur ein Update seitens Biowares ändern können.

Gute Texturen bei mittelmäßigem Speicherbedarf

Anthem hat gute, wenn auch keine spektakuläre Texturen. Wenn man sich die Oberflächen nicht aus kurzer Distanz anschaut, wirken sämtliche Oberflächen deshalb detailliert. Echte Aussetzer sind beim Testen keine aufgefallen. Wer einen genauen Blick aus kurzer Distanz auf die Oberflächen wirft, stellt dann aber schon fest, dass die Auflösung höher sein könnte. Beim eigentlichen Spielen stört das aber nicht.

Der Speicherverbrauch hält sich dafür in Grenzen. Wessen Grafikkarte über 8 GB verfügt, bleibt selbst in Ultra HD weit vom Maximum entfernt. Selbst mit 6.144 MB gibt es keine Probleme. Für niedrigere Auflösungen wie Full HD sind auch 4.096 MB jederzeit ausreichend.

Grafikkarten-Empfehlungen für Anthem

Ein Großteil des Spiels läuft besser als die Testsequenz. Als Minimum sollten daher im Benchmark 45 FPS anvisiert werden. Damit ist Anthem spielbar, wenn auch nicht gänzlich flüssig. Ab durchschnittlich 60 FPS gibt es keine Probleme mehr. Höhere Frameraten bei einer entsprechend hohen Bildwiederholfrequenz sorgen für ein noch runderes Spielgefühl.

Empfehlungen anhand FPS & Frametimes für die genutzten Einstellungen
gut spielbar annehmbar spielbar
1.920 × 1.080
AMD ab Radeon RX Vega 56 ab Radeon RX 590
Nvidia ab GeForce RTX 2060
ab GeForce GTX 1080
ab GeForce RTX 2060
ab GeForce GTX 1070
2.560 × 1.440
AMD Radeon VII ab Radeon RX Vega 56
Nvidia ab GeForce RTX 2070
GeForce GTX 1080 Ti
ab GeForce RTX 2060
ab GeForce GTX 1070
3.840 × 2.160
AMD nicht möglich ab Radeon RX Vega 64
Nvidia ab GeForce RTX 2080 ab GeForce RTX 2070
GeForce GTX 1080 Ti

Mit einer Grafikkarte der Mittelklasse hat man in Anthem einige Probleme – und das bereits in Full HD. 60 FPS sind zum Beispiel selbst mit einer Radeon RX 590 und dem zweithöchsten Grafik-Preset Hoch nicht zu erreichen – geschweige denn mit den maximalen Ultra-Details. Erst mit der deutlich weniger schönen mittleren Grafikeinstellung erreichen GeForce GTX 1060, Radeon RX 580 und Radeon RX 590 in 1.920 × 1.080 in der Testsequenz 60 FPS. Das ist wenig.

Für 2.560 × 1.440 muss es dann schon ein Performance- bis High-End-Modell sein. Bei AMD schafft das sogar nur die Radeon VII bei maximaler Grafik oder dem Hoch-Preset. Letzteres reicht für die Radeon RX Vega 64 immer noch knapp nicht aus. Bei Nvidia ist dies ab einer GeForce RTX 2070 bei Hoch-Preset (Ultra erst ab RTX 2080) oder einer GeForce GTX 1080 Ti möglich. Und mit dem Hoch-Preset in Ultra HD hat dann selbst eine GeForce RTX 2080 Ti zu kämpfen. In 3.840 × 2.160 ist die mittlere Detailstufe damit das Quasi-Maximum.

Auf der nächsten Seite: CPU-Benchmarks auf einer Titan RTX (Update)