Noctua NH-U12A im Test: Kühler-Oberklasse trotz 120 mm zum Luxuspreis

Thomas Böhm 273 Kommentare
Noctua NH-U12A im Test: Kühler-Oberklasse trotz 120 mm zum Luxuspreis

tl;dr: Noctua bietet mit dem NH-U12A einen Exoten an: Zwar ist der Tower-Kühler im Grunde im Standardformat für 120-mm-Lüfter gehalten, doch hebt er sich messbar von der Konkurrenz in dieser Klasse ab. Der Kaufpreis von fast 100 Euro macht den sehr guten Kühler aber zum Nischenprodukt.

Darf es noch etwas mehr sein?

Hinter der Bezeichnung „U12“ verbergen sich bei Noctua Tower-Kühler für Axiallüfter mit 120 mm Rahmenbreite. Angefangen beim ursprünglichen NH-U12 (Test) mit vier Heatpipes, ist mittlerweile der NH-U12S der „Standard-U12“ im Portfolio von Noctua. Mit 120-mm-Lüfter und schlankem Radiator ist eine große Kompatibilität zu Gehäusen geboten und es gibt keine Einschränkungen beim Arbeitsspeicher. Eine Heatpipe mehr als beim „Ur-U12“, sodass es insgesamt derer fünf sind, gibt es schon beim NH-U12S (Test).

Um sich von diesem Kühler abzusetzen, greift Noctua in die Vollen: Aus fünf Heatpipes werden sieben, der Kühlturm ist nicht mehr so schlank und statt eines Lüfters verfügt der neue Tower-Kühler NH-U12A bereits im Serienzustand über zwei 120-mm-Axiallüfter. Dabei verwendet Noctua die im letzten Jahr eingeführten NF-A12x25 (Test), also Premiumlüfter, die zu einem Preis von knapp 30 Euro je Ventilator im Einzelhandel verkauft werden.

Jenseits des Flaggschiffs

Dass sich ein solcher Kühler nicht in der Budgetklasse tummelt, ist absehbar. Noctua ist seit jeher nicht für günstige Produkte bekannt, sondern peilt ein vertretbares Verhältnis aus Leistung und Lautstärke an, kombiniert mit umfangreichem Zubehör und langem kostenlosen Sockel-Support.

Trotz dieser Prämisse ist das Preisschild des NH-U12A mit fast 100 Euro für einen Singletower im 120-mm-Format happig. Er ist fast doppelt so teuer wie der „normale“ Noctua NH-U12S und immer noch 10 Euro teurer als der aktuell leistungsfähigste Luftkühler im ComputerBase-Testfeld, der Doppelturm-Luftkühler Noctua NH-D15 (Test). Das ist selbstbewusst. Im Test muss der NH-U12A zeigen, ob er seinem Kaufpreis gerecht wird.

Noctua NH-U12A
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 58 × 125 × 158 mm (ohne Lüfter)
112 × 125 × 158 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 760 g (ohne Lüfter)
1.220 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 7 × 6 mm (Ø)
(vernickelt)
Lamellen: Aluminium (vernickelt)
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 2 × 120 × 120 × 25,0 mm
Öldruck Lager
450 – 2.000 U/min
102,1 m³/h
2,3 H²O
22,6 dBA
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Lüfterrahmen
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2011/115x
Preis: ab 100 €

Noctua NH-U12A im Detail

Der NH-U12A kommt im klassischen Noctua-Stil: Zierelemente gibt es kaum, nur die oberste Lamelle des Kühlturms weist das Logo des Herstellers auf. Dafür gibt es die typische Noctua-Farbkombination bei den beiden Lüftern des CPU-Kühlers. Um Einschränkungen beim Arbeitsspeicher wegen hoher Kühlrippen aus dem Weg zu gehen, ist der Kühlturm leicht versetzt.

Sehr dicht gedrängt in der Bodenplatte sind sieben 6-mm-Heatpipes angeordnet. Neuer Rekord für Noctua: Selbst das Doppelturm-Flaggschiff NH-D15 (Test) hat nur sechs Heatpipes. Die Verarbeitung des Kühlers ist sehr gut, lediglich die untersten Lamellen des Radiators sind leicht verbogen. Die Bodenplatte glänzt hingegen makellos.

Noctua NH-U12A: Detailansicht des Kühlturms
Noctua NH-U12A: Detailansicht des Kühlturms
Noctua NH-U12A: Spiegelnde Bodenplatte
Noctua NH-U12A: Spiegelnde Bodenplatte

Der Lieferumfang des NH-U12A fällt gewohnt üppig aus, was angesichts des hohen Kaufpreises allerdings auch erwartet werden darf. Im Karton sind neben dem Montagematerial für alle gängigen Sockel (außer AMD TR4) ein Schraubendreher, eine Spritze mit Wärmeleitpaste sowie ein Y-Kabel und zwei Low-Noise-Adapter enthalten. Letztere begrenzen die maximale Drehzahl der Ventilatoren, sofern das Mainboard keine sinnvolle PWM-Steuerung ermöglicht. Noctua spendiert dem NH-U12A die Wärmeleitpaste NT-H1 – dem NH-U12A bleibt die Anfang des Jahres vorgestellte NT-H2 trotz hohen Kaufpreises verwehrt.

Noctua NH-U12A: Lieferumfang
Noctua NH-U12A: Lieferumfang

Als Serienlüfter kommen zwei NF-A12x25 PWM zum Einsatz, die bereits in separaten Tests auf einem CPU-Kühler sowie auf einem Radiator für Wasserkühlungen zeigen konnten, dass sie hervorragende, wenn auch sehr teure Lüfter sind.

Die Ventilatoren bieten ein sehr großes Drehzahlspektrum von gut 200 bis knapp 2.000 U/min und arbeiten im niedrigen Drehzahlbereich sehr laufruhig. Da diese Lüfter als aktuelle Referenz dienen, werden für den NH-U12A anstelle von zusätzlichen Messungen mit anderen Referenzlüftern weitere Messungen mit nur einem anstelle von zwei NF-A12x25 durchgeführt.

Montage im Testsystem

Noctua setzt auf sein bewährtes Montagekonzept. Für Intel-Prozessoren wird eine Backplate mitgeliefert. Im AMD-Testsystem bleibt hingegen die beim Mainboard mitgelieferte Backplate im Einsatz. Damit werden Metallbügel verschraubt, auf denen wiederum der Kühler fixiert wird. Drahtklammern. die im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten von allein am Ventilator halten, sorgen für die Fixierung der Lüfter. Die Schrauben am Kühler sind vorinstalliert und ein Schraubendreher wird mitgeliefert, sodass Noctua die Befestigung des Kühlers so einfach wie aktuell verfügbar gestaltet hat. Allerdings: Auf AMD-Systemen ist keine um 90° versetzte Montage des Kühlers mehr möglich. Die passenden kleinen Haltebügel sind nicht im Lieferumfang des NH-U12A enthalten.

In Sachen Kompatibilität gibt sich der NH-U12A vorbildlich: RAM bleibt bei Dual-Channel-Systemen unberührt, auch zu den Erweiterungs-Slots hin besteht keine Kollisionsgefahr. Mit einer Bauhöhe von unter 16 cm passt der Kühler zudem in die meisten ATX-Tower.

Auf der nächsten Seite: Testergebnisse und Fazit