AMD Epyc mit 64 Kernen: Rome vor Marktstart gegen Intel Xeon im Benchmark

Sven Bauduin 227 Kommentare
AMD Epyc mit 64 Kernen: Rome vor Marktstart gegen Intel Xeon im Benchmark
Bild: AMD

Heute enthüllt Dr. Lisa Su die neue Generation Epyc-CPUs, die mit Rome an der Spitze 64 Kerne bieten wird. Bereits im Juni waren Taktraten und Preise, aber bisher keine Benchmarks des Topmodells durchgesickert. Kurz vor dem Marktstart zeigt sich das Spitzenmodell Epyc 7742 im Vergleich mit Intel Xeon in Benchmarks.

Inoffizielle Benchmarks zum Epyc 7452 gab es schon

Im Juni tauchten erstmals Benchmarks der neuen Generation Server-CPUs aus der Epyc-7002-Produktfamilie in der Datenbank von Phoronix auf, wo ein Epyc 7452 mit 32 Kernen und 2,35 GHz mehrfach aufgeführt wurde.

Zwei Epyc 7572 „Rome“ schlugen zwei Epyc 7551 „Naples“ im Mittel aller geometrischen Benchmarks um 44 Prozent. Im Vergleich zu zwei Intel Xeon Gold 6148 mit jeweils 20 Kernen und 40 Threads bei einer Taktfrequenz von 2,4 GHz, rechnete die neue AMD Server-CPU doppelt so schnell.

Die Leistungssteigerung zum Epyc 7551 der Vorgängergeneration in den aufgeführten Benchmarks war bereits zu dem Zeitpunkt nicht allein durch die Taktsteigerung zu erklären, weshalb mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden durfte, dass der gesichtete Epyc 7452 auf der Zen-2-Mikroarchitektur basieren musste.

Epyc 7742 taucht in Benchmark-Datenbank auf

Eine anonyme Quelle hat auf der öffentlich zugänglichen Datenbank von OpenBenchmarking.com erste Benchmarks von AMDs mutmaßlichem neuen Spitzenmodell Epyc 7742 mit 64 Kernen und 128 Threads veröffentlicht. Die entsprechenden Einträge wurden zwar inzwischen wieder entfernt, TomsHardware.com ist es jedoch gelungen, die Testergebnisse des Epyc 7742 zu sichern.

Wenn sich die durchgesickerten Informationen bestätigen sollten, arbeiten die 64 Kerne mit einem Basistakt von 2,25 GHz und einem Boost-Takt von 3,40 GHz. Den noch unbestätigten Angaben zufolge greift der Epyc 7742 auf insgesamt 256 Megabyte Cache zurück und besitzt eine TDP von 225 Watt.

In den Benchmarks trat der Epyc 7742 gegen AMDs aktuelles Spitzenmodell der Vorgängergeneration, den Epyc 7601 mit 32 Kernen und 64 Threads bei 2,2 GHz bis 3,2 GHz, an und bekam es zudem mit der Server-Konkurrenz aus dem Hause Intel in Form des Platinum 8280 (28K/56T, 2,7 - 4,0 GHz, 205 W TDP) und des Xeon Gold 6138 (20K/40T, 2,0 - 3,7 GHz, 125 W TDP) zu tun.

Den Testnotizen zufolge wurden die oben genannten Prozessoren sowohl in Single-Socket- als auch in Dual-Socket-Konfigurationen auf Ubuntu 19.04 mit dem neuesten Linux-Kernel 5.2 getestet. Die Speichergeschwindigkeiten zwischen den Testsystemen waren nicht konsistent und variierten entsprechend der Spezifikationen von DDR4-2666 bis DDR4-2933.

Da die Quelle nicht zweifellos überprüft werden kann und die neue Epyc-Produktfamilie noch nicht offiziell von AMD präsentiert wurde, sollten die Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht behandelt und nicht als endgültig angesehen werden.

Obwohl SVT stark auf Intel-CPUs hin optimiert ist, gibt es bereits hier eine erste kleine Überraschung: Der Epyc 7742 ist mit SVT-AV1-Codec rund 59 Prozent schneller als der Xeon Platinum 8280. Auch im x264- und x265-Benchmark übertrifft der Epyc 7742 die Konkurrenz von Intel deutlich. Nur im SVT-VP9-Benchmark verbucht wiederum der Xeon Platinum 8280 einen deutlichen Sieg für sich.

Der Epyc 7742 kompiliert den Linux-Kernel laut durchgesickerten Benchmarks bis zu 54 Prozent schneller als ein Xeon Platinum 8280 und bis zu 6 Prozent schneller als zwei Xeon Platinum 8280. Auch in OpenSSL, Tensorflow und Sysbench macht der Epyc auf Basis der Zen-2-Mikroarchitektur eine gute Figur, in Tensorflow fährt der Xeon nichtsdestoweniger noch einen deutlichen Sieg ein.

Die Dominanz des Epyc 7742 setzt sich beim Rendering fort. Der 64-Kerner setzt sich auch in C-Ray und POV-Ray mit gut 19 Prozent und 7 Prozent gegenüber dem Intel Xeon Platinum 8280 durch.

Intel hatte am Dienstag angekündigt, dass es Xeon auf Basis von Cooper Lake im kommenden Jahr auch mit 56 Kernen geben wird. Die TDP der 14-nm-CPUs dürfte allerdings deutlich höher liegen als bei Epyc, denn Intel selbst spricht bisher nur davon, zu erwarten, dass sie niedriger als bei den Xeon Platinum 9200 ausfallen wird – und dort liegt sie aktuell bei bis zu 400 Watt.

Update 07.08.2019 13:27 Uhr

Bisher galten zwar die inoffiziell gehandelten maximalen Turbo-Taktraten für Epyc mit Rome als gesichert, verlässliche Angaben zum Basistakt gab es aber noch nicht. Der in der Regel gut informierte Twitter-Account @momomo_us hat sie nur Stunden vor der erwarteten offiziellen Bestätigung jetzt veröffentlicht. In Benchmarks zuvor vereinzelt aufgetauchte Basistaktraten sowie die bisher kolportierten maximalen Turbo-Taktraten werden in der Regel, aber nicht in allen Punkten bestätigt.

Epyc mit Rome (nicht offiziell bestätigt)
CPU Kerne/Threads Turbotakt Basistakt Cache TDP Euro*
Epyc 7742 64/128 3,40 GHz 2,20 GHz 256 MB 225 W 8.266 €
Epyc 7702P 64/128 3,35 GHz 2,00 GHz 256 MB 200 W 5.269 €
Epyc 7702 64/128 3,35 GHz 2,00 GHz 256 MB 200 W 7.673 €
Epyc 7642 48/96 3,40 GHz 2,40 GHz 192 MB 225 W 5.723 €
Epyc 7552 48/96 3,35 GHz 2,20 GHz 192 MB 200 W 4.794 €
Epyc 7542 48/96 3,40 GHz 2,90 GHz 192128 MB 225 W 4.079 €
Epyc 7502P 32/64 3,35 GHz 2,50 GHz 128 MB 180 W 2.764 €
Epyc 7502 32/64 3,35 GHz 2,50 GHz 128 MB 180 W 3.123 €
Epyc 7452 32/64 3,35 GHz 2,20 GHz 128 MB 155 W 2.420 €
Epyc 7402P 24/48 3,35 GHz 2,80 GHz 128 MB 180 W 1.493 €
Epyc 7402 24/48 3,35 GHz 2,80 GHz 128 MB 180 W 2.146 €
Epyc 7352 24/48 3,230 GHz 2,40 GHz 128 MB 155 W 1.622 €
Epyc 7302P 16/32 3,30 GHz 2,80 GHz 128 MB 155 W 995 €
Epyc 7302 16/32 3,30 GHz 2,80 GHz 128 MB 155 W 1.169 €
Epyc 7282 16/32 3,20 GHz 2,00 GHz 64 MB 120 W 786 €
Epyc 7272 12/24 3,20 GHz 2,60 GHz 64 MB 120 W 756 €
Epyc 7262 8/16 3,430 GHz 3,10 GHz 64128 MB 155 W 692 €
Epyc 7252P 8/16 3,20 GHz 2,80 GHz 64 MB 120 W 546 €
Epyc 7252 8/16 3,20 GHz 2,80 GHz 64 MB 120 W 577 €
* Laut Händler 2Compute (Belgien), inklusive 21 % Mehrwertsteuer

Abschließend informiert hat AMD alle Partner hinter den Kulissen allerdings wohl auch noch nicht, denn derselbe Account zeigt technische Details ausgewählter CPUs aus anderer Quelle, die zumindest für den Epyc 7262 um 100 MHz abweichende Taktraten aufweisen.

Die Redaktion dankt Community-Mitglied „icemanspirit“ für seinen Hinweis zum Update.