Omen Photon & Outpost im Test: Sensorik, Software und Verarbeitung

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Fabian Vecellio del Monego 28 Kommentare

Die Omen Photon verfügt über einen ARM-Prozessor und einen internen Speicher, um erstellte Konfigurationsprofile autark sichern und anwenden zu können. Die Latenz beträgt bei einer maximalen USB-Abtastrate von 1.000 Hertz eine Millisekunde, optional werden zudem Polling-Raten von 500, 250 und 125 Hertz unterstützt. Die Verzögerung steigt dabei reziprok proportional.

Sensorik zwischen High End und Energieffizienz

HP setzt auch bei der Omen Photon auf PixArt-Sensorik, wenngleich sich der Hersteller eines neuen und bisher unbekannten Modells bedient: Der PAW-3335 rangiert gemäß der Namensgebung unter den bekannten High-End-Modellen in Form des PMW-3360 und dessen Derivaten, wartet aber mit überraschend hohen Spezifikationen auf. Laut PixArt vereine der optische Sensor einen niedrigen Stromverbrauch mit hoher Präzision und ist somit zumindest ein Stück weit als Pendant zu Logitechs Hero-Sensor zu verstehen, der die Genauigkeit von PixArts High-End-Riege bei nur rund 10 Prozent des Energiebedarfs bietet – eine für kabellose Mäuse äußerst bedeutsame Eigenschaft, da bei gleicher Laufzeit ein kleinerer Akku verwendet werden kann.

PixArt PAW-3335 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3389 PixArt PMW-3391 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 100–16.000 dpi 200–12.000 dpi 100–16.000 dpi 100–18.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 10,2 m/s 6,3 m/s 11,4 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 392 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 1,3 mm ~ 1,5 mm ~ 1 mm

Dem PAW-3335 gelingt die Gratwanderung zwischen Präzision und Stromverbrauch zufriedenstellend. Erstere bleibt jedoch minimal hinter den Flaggschiffen zurück und letzerer fällt dennoch deutlich höher aus, als bei Logitechs Hero-Modellen. Die leicht geringere Genauigkeit kann bei menschlicher Anwendung allerdings im Grunde genommen vernachlässigt werden, während sich die höhere Leistungsaufnahme im größeren Akku und damit höheren Gewicht widerspiegelt.

Ebenfalls sensorisch relevant ist die Position des Sensors selbst. Normalerweise sitzt jener ungefähr mittig, bei der Omen Photon findet er sich jedoch ein gutes Stück nach vorne versetzt. Das kann der Verwendung im reinen Fingertip-Grip mitunter zuträglich sein, weil der Sensor dann genau auf der Höhe der die Maus greifenden Finger liegt, bringt bei nach hinten verlagerten Kontaktpunkten aber potentiell einen Nachteil: Da das Eingabegerät bei seitlichen Bewegungen aus dem Handgelenk stets einer Drehung unterliegt und folglich mit der Spitze eine Kurve zeichnet, folgt auch der nach vorne verlagerte Sensor dieser Kurve, während die Mitte weniger betroffen ist.

Somit werden mit der Omen Photon intendiert gerade waagerecht gezeichnete Linien oftmals zur leicht nach unten geöffneten Kurve. Vor allem betroffen sind davon Nutzer, die geringe Sensorauflösungen bevorzugen und das Eingabegerät über weite Strecken bewegen müssen. Insgesamt fällt die Präzision der Photon dennoch gut aus – auch, weil auf Nachbearbeitung und Angle-Snapping im Rahmen menschlicher Wahrnehmung verzichtet wird.

PixArt PAW-3335 (1.000 Hertz, Mikrofaseruntergrund)
PixArt PAW-3335 (1.000 Hertz, Mikrofaseruntergrund)

Anschluss und Stromversorgung

Da der Sensor der Omen Photon nicht an die Energieeffizienz des Logitech-Pendants heranreicht, beläuft sich die Akkulaufzeit der Maus trotz hohen Gewichtes auf rund 50 Stunden – das entspricht ungefähr dem Wert, den Logitech der G Pro Wireless mit aktivierter RGB-Beleuchtung bescheinigt. HP differenziert jedoch nicht zwischen verschiedenen Beleuchtungskonfigurationen und verweist lediglich darauf, dass die tatsächliche Akkulaufzeit „je nach Verwendung und Umgebungsbedingungen“ variiere.

In der Realität schafft es die Photon nicht ganz, den 50 Stunden gerecht zu werden, sofern die Beleuchtung dauerhaft aktiv ist, bietet aber dennoch ausreichend Spielraum. Dazu trägt auch das gelungene Energiesparsystem bei: Sobald die Maus drei Minuten nicht verwendet wurde, geht sie in den Ruhezustand über, aus dem sie ohne störende Verzögerung durch Bewegung oder Klicks wieder aufgeweckt werden kann. Eine Latenz zwischen kabelgebundener und -loser Verwendung ist indes im Rahmen menschlicher Wahrnehmung kaum spürbar, wenngleich sie somit leicht höher ausfällt, als bei Logitechs Lightspeed- oder Corsairs Slipstream-Technologie. Störend ist das aber nicht zwingend: Ohne direkten Vergleich dürften die meisten Nutzer keinen qualitativen Unterschied spüren.

Laden per Kabel oder induktiv nach Qi-Standard

Geladen werden kann die Omen Photon klassisch über das USB-A-auf-Micro-USB-B-Kabel. Die entsprechende Buchse findet sich ein wenig nach innen versetzt am vorderen Ende der Maus, sodass Drittanbieterkabel mitunter nicht passen, sofern der Stecker dick ummantelt wurde. Alternativ lässt sich das Eingabegerät aber auch induktiv nach Qi-Standard laden, beispielsweise über handelsübliche und meist von Smartphones bekannte Ladematten.

Eine solche Ladefläche bietet auch das Omen Outpost, darüber hinaus aber kein Mehr an Funktionalität: Während Logitechs PowerPlay-Mauspad Mäuse während der Verwendung über fast die gesamte Fläche proprietär lädt, lässt sich die Omen Photon nicht gleichzeitig benutzen und drahtlos aufladen.

Die Stromversorgung des Omen Outpost ist unausgereift

Im Grunde genommen erhalten Kunden mit dem Omen Outpost also nicht mehr als ein normales steifes Stoffmauspad und eine 5 Watt starke Qi-Ladematte – zum Preis von weit über 100 Euro. Die RGB-Beleuchtung des Logos geht damit zwar ebenso einher wie eine USB-Buchse am oberen Rahmen, diese ist beim klassischen Anschluss des Mauspads aber nur ein Passthrough: Am Ende des mit rund 1,10 Metern zu kurzen Kabels befindet sich sogar ein USB-C-Anschluss, doch die wenigsten Nutzer dürften Willen und Kapazität haben, den noch selten vertretenen Steckplatz für ihr Mauspad zu reservieren.

HP ist dies bewusst, weswegen dem Outpost ein rund 15 Zentimeter langer Adapter von USB-C auf zwei USB-A-Stecker beiliegt, mit dessen Verwendung aber einerseits der USB-Hub des Mauspads zum Passthrough degradiert wird und andererseits der Verzicht auf die komplette RGB-Beleuchtung des Mauspad-Rahmens einhergeht: Jene benötigt mehr Strom, als die beiden USB-A-Anschlüsse verlässlich (ca. 10 Watt) stemmen können. Andere Hersteller bekommen das bei ähnlich opulenter Leuchtkraft besser hin. USB Typ C liefert mindestens 15 Watt.

Omen Command Center

Auch wenn Nutzer der Omen Photon zum Betrieb keine Treiber benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. HP bietet mit dem Omen Command Center ein eigenes Programm an, um beispielsweise die Sensorauflösung oder Tastenbelegung der Maus nach eigenem Belieben zu konfigurieren und in einem einzigen Profil zu sichern. Der Download ist via Microsoft Store möglich.

Kompakte und übersichtliche Software

Das Omen Command Center kommt deutlich kompakter daher, als beispielsweise Corsairs iCUE oder Razers Viper, was letztlich aber ausreicht und der Bedienbarkeit zuträglich ist. Die Sensorauflösung lässt sich in acht Stufen konfigurieren und farblich kodieren, die Lift-off-Distance auf rund 2 Millimeter steigern. Ebenfalls verfügbar sind ein Makro-Editor und die Möglichkeit, sämtliche Maustasten nach Belieben zu belegen. Die Software zwingt lediglich dazu, den linken und rechten Mausklick stets zugewiesen zu haben.

Selbstredend ebenfalls konfigurierbar ist die Beleuchtung der Omen Photon und des Omen Outpost: Neben statischer Farbgebung und permanenter dpi-Indikation – ab Werk geschieht diese nur kurz beim Wechsel der Auflösung – sind die Modi „Farbzyklus“, „Pulsierend“ und „Blinkt“ verfügbar. Für diese stehen wiederum vorgefertigte „Designs“ zur Verfügung: „Spectrum“ bietet Regenbogenfarben, während sich „Volcano“, „Jungle“ und „Ocean“ auf entsprechend reduzierte Farbräume beschränken. Alternativ lassen sich letztere selbst definieren.

Vollständige Funktionalität ohne Software

Vorbildlich ist die Software hinsichtlich der veranschlagten Leistung: Sie beansprucht maximal einen im Taskmanager aufgelisteten Prozess. Beim Schließen wird das Programm auch nicht in die Taskleiste minimiert, sondern tatsächlich beendet. Sämtliche Einstellungen speichern die Omen Photon und das Omen Outpost autark. Sobald das Programm einmal zur Konfiguration der individuellen Profile genutzt wurde, benötigen Anwender es folglich in der Regel nicht mehr.

Verarbeitung auf gutem Niveau

Insgesamt machen sowohl Omen Photon als auch Omen Outpost einen guten qualitativen Eindruck: Die Spaltmaße sind abseits der modularen Ergänzungen der Maus durchweg akkurat und temporär eindellen lässt sich das Chassis nur mit größerem Kraftaufwand. Beim Schütteln des Eingabegerätes ist ein Klappern zu vernehmen, das sowohl auf das Mausrad als auch auf die Zusatztasten zurückzuführen ist. Aufgefallen ist zudem ein hoher horizontaler Spielraum der Primär­tasten­abdeckungen, der zudem bei der rechten Maustaste deutlich größer als bei der linken ausfällt. Generell erscheinen die beiden Tasten­abdeckungen recht lose.

Darüber hinaus geht mit gummierten Oberflächen stets ein potentiell höheres Risiko für Abrieb einher. Im Falle der beiden Fingerauflagen lässt sich zudem kritisieren, dass bereits mit wenig Kraft eingedrückte Fingernägel­spitzen permanente Rillen hinterlassen.

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