Roccat Kain 100 & 120 Aimo im Test: Sensorik, Software und Verarbeitung

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Fabian Vecellio del Monego 31 Kommentare

Kain 100 Aimo und Kain 120 Aimo gemein sind der interne ARM-Prozessor und die maximale USB-Abfragerate von 1.000 Hertz. Die minimale Latenz beträgt demgemäß eine Millisekunde, wobei eine mögliche Herabsetzung der Polling-Rate auf 500, 250 oder 125 Hertz die Verzögerung antiproportional steigen lässt. In beiden Eingabegeräten findet sich zudem ein interner Speicher mit 512 Kilobyte Größe. Mit Platz für bis zu fünf Profile fällt dieser im Vergleich zu anderen Mäusen groß aus.

PixArt-Sensorik in gut und sehr gut

Unterschiedlich gestaltet sich indes die Wahl des Sensors: Bei der günstigeren Kain 100 setzt Roccat auf den „Pro-Optic R8“, während in der Kain 120 der „Owl Eye“ arbeitet. Hinter den Namen verbergen sich wiederum mit PMW-3331 und PMW-3381 erwartungsgemäß zwei PixArt-Sensoren. Beim PMW-3381 handelt es sich indes schlicht und ergreifend um Roccats Adaption des PMW-3389. Schon der Nomenklatur nach wird deutlich, dass letzterer ersterem überlegen ist. Die höhere Auflösung ist dabei allerdings weniger relevant – ausschlaggebend sind die Vorteile bei der maximal messbaren Geschwindigkeit und Beschleunigung.

PixArt PMW-3331 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3381 PixArt PMW-3391 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 200–8.500 dpi 200–12.000 dpi 100–16.000 dpi 100–18.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 7,6 m/s 6,3 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 343 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 2,8 mm ~ 1,3 mm ~ 1 mm ~ 1,5 mm ~ 1 mm

Den PMW-3331 wiederum bezeichnet Roccat auf Nachfrage seitens ComputerBase als „kleinen Bruder“ des noch recht neuen PAW-3335. Jener kam erstmals in HPs Omen Photon Wireless (Test) zum Einsatz und erwies sich bei dieser als gut. Zwar sind im direkten Vergleich Unterschiede zu populären High-End-Sensoren messbar, eine qualitative Differenz bei der Bedienung ergibt sich im Rahmen menschlicher Wahrnehmung jedoch meist nicht. Interessant ist dabei, dass der PAW-3335 speziell für die Verwendung in kabellosen Mäusen entwickelt wurde, da er an die Präzision eines PMW-3360 oder PMW-3389 heranreicht, dabei aber weniger Energie verbraucht. Es ergibt folglich Sinn, dass die Kain 200 auf ebenjenen Sensor setzen wird.

Die Sensorik beider kabelgebundenen Kain-Modelle ist derweil erwartungsgemäß gut bis erstklassig: Beide Mäuse erlauben präzise Eingaben, verzichten im relevanten Auflösungsbereich auf störende Nachbearbeitung und kommen ohne Angle-Snapping daher. Erwähnenswert ist die mit 2,8 Millimetern hohe Lift-off-Distance der Kain 100. Dass diese nur maximal 8.500 Punkte pro Zoll erfassen kann, ist wiederum völlig unerheblich: Auflösungen im oberen vierstelligen oder gar fünfstelligen Bereich sollten zu Gunsten der Präzision ohnehin gemieden werden.

Roccat Swarm

Auch wenn Nutzer der Kain 100 Aimo oder Kain 120 Aimo zum Betrieb keine Treiber benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. Roccat bietet ein eigenes Programm an, um beispielsweise die Sensorauflösung oder Tastenbelegung der Maus nach eigenem Belieben zu konfigurieren. Der Download ist über die Website des Herstellers möglich.

Umfangreiche Software ist manchmal kompliziert

Hinsichtlich der Vielfalt an Optionen und Konfigurationsmöglichkeiten zeigt sich Roccats Swarm-Software vorbildlich: Sowohl die Sensorik als auch die Tasten lassen sich umfangreich kalibrieren und belegen. Im Falle letzterer ist dabei nicht nur eine vollständige Programmierbarkeit, sondern auch die Möglichkeit einer Sekundärbelegung gegeben – in diesem Fall muss der Nutzer eine Taste seiner Wahl als Shift-Taste festlegen. Und neben zahlreichen vordefinierten Tastenbelegungen für Windows oder Spiele findet sich auch ein Makro-Editor.

Die Nutzung der letztgenannten beiden Funktionen gestaltet sich jedoch oftmals umständlicher als nötig. Da sie im besten Fall aber nur einmal verwendet werden müssen, ist das nicht weiter tragisch. Gespeichert werden die Einstellungen auf bis zu fünf Profilen, die sich manuell oder im Zuge des Starts eines Spiels aufrufen lassen.

Selbstredend lässt sich die Beleuchtung beider Kain-Mäuse ebenfalls konfigurieren, bei der Kain 120 auch in den besagten zwei Zonen. Es finden sich als vordefinierte Modi eine RGB-Welle sowie „Atmend“, „Herzschlag“ und Blinken“. Alternativ lassen sich statische Farben oder Farbschemen auswählen. Darüber hinaus bietet Roccat mit Aimo eine reaktive und über mehrere Geräte hinweg synchronisierte Beleuchtung an, die sich „intelligent“, „dynamisch“ und „nuanciert“ an die „Bedürfnisse des Nutzers“ anpasse und seinem Spielstil folge. In der Praxis präsentierte sich Aimo jedoch lediglich als randomisierter RGB-Farbverlauf.

Nahezu vollständige Funktionalität bei beendeter Software

Standardmäßig minimiert sich Swarm beim Schließen in die Taskleiste und will im Zuge des Windows-Starts mitladen. Das ist aber einerseits deaktivierbar und andererseits gar nicht notwendig, denn die vollständige Funktionalität beider Mäuse ist auch ohne aktive Software gegeben. Ein laufendes Programm im Hintergrund bietet lediglich den – mit Verlaub ambivalenten – Mehrwert einer gesprochenen Mitteilung über erfolgte Auflösungs- oder Profilwechsel.

Gute Verarbeitung mit potentiell anfälligen Materialien

Hinsichtlich der Verarbeitung können beide Kain-Varianten überzeugen. Es finden sich Kritikpunkte – beispielsweise ein hörbares und nicht nur auf das Mausrad zurückzuführende Klackern beim Schütteln der Maus –, doch insgesamt machen sowohl Kain 100 Aimo als auch Kain 120 Aimo einen positiven Eindruck: Die Spaltmaße sind akkurat und eindellen lassen sich die Chassis nirgends. Es sei jedoch obligatorisch angemerkt, dass die partiell raue Textur der Kain 100 und insbesondere die Softtouch-Beschichtung der Kain 120 potentiell anfälliger für Abrieb oder Abnutzungserscheinungen sind, als es eine bloße Kunststoff-Oberfläche wäre.

Der Vollständigkeit halber ist zudem anzumerken, dass die ComputerBase zunächst geliehene Kain 120 Aimo einen Wackelkontakt besitzt, der einen alltäglichen Gebrauch durch regelmäßige Sensorik-Aussetzer unmöglich macht. Roccat verwies darauf, dass es sich um ein Produkt der ersten Fertigungsserie handele und die in Masse gefertigten Varianten nicht betroffen seien. Eine zweite, der Redaktion daraufhin bereitgestellte Kain 120 Aimo weist keinen Defekt auf.

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