Radeon RX 5500 XT im Test: Leistung pro Euro und Fazit

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Wolfgang Andermahr 568 Kommentare

Preis-Performance-Verhältnis

Das Preissegment von 150 bis 250 Euro ist hart umkämpft, auch weil alte Architekturen hier noch um die Gunst der Käufer buhlen. AMD und Nvidia belauern sich hier, der Preis ist ein Politikum. Wer zuerst zuckt, fühlt sich oft schon als Verlierer. Entsprechend spät hat AMD für die neuen Modelle Preise genannt.

Die Radeon RX 5500 XT hat demzufolge eine unverbindliche Preisempfehlung von 180 Euro, die der 8-GB-Variante liegt bei 210 Euro. AMD nennt diese Preise explizit auch für die Partnerkarten von Sapphire und PowerColor.

Dennoch ist die Situation um den Preis zum Marktstart konfus. So nennt zum Beispiel Sapphire 189 Euro UVP (+10 Euro ggü. AMD) für die Radeon RX 5500 XT Pulse 4 GB und 225 Euro UVP für die Radeon RX 5500 XT Pulse 8 GB. Das wäre selbst vor der in dieser Woche erfolgten Preissenkung der GeForce GTX 1660 deutlich zu hoch.

Möglich, dass der zum Start vergleichsweise hohe Preis auch weiterhin den Vorgängern mit Polaris eine Chance zum Abverkauf geben soll, denn, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, die Lager sind hier noch stark gefüllt.

Erst in den nächsten Tagen wird sich endgültig klären lassen, wie die Preise für die Radeon RX 5500 XT im Handel aussehen werden. Mit Werten deutlich unter der Preisempfehlung sollte aber nicht gerechnet werden. Im Laufe des Tages sollten die ersten Exemplare im Handel auftauchen.

Fazit

Mit der Radeon RX 5500 XT hat AMD technisch endlich die alte Mittelklasse der Polaris-Generation abgelöst und die moderne RDNA-Architektur erfolgreich in die nun neue Einsteigerklasse gebracht. Das funktioniert in den Benchmarks so weit ordentlich, denn die Radeon RX 5500 XT liefert im Schnitt die Performance der Radeon RX 590 und ist damit der Radeon RX 580 voraus. Nichtsdestoweniger bleibt es auch dieses Mal beim zuletzt zu beobachtenden Trend: Einen Leistungssprung gibt es nicht. Wer mehr Leistung will, muss eine Klasse höher zugreifen – zum höheren Preis.

AMD Radeon RX 5500 XT mit 4 und 8 GB im Test
AMD Radeon RX 5500 XT mit 4 und 8 GB im Test

Nvidia wusste vermutlich im Voraus ziemlich genau, wo die Radeon RX 5500 XT landen würde. Und so ist es kein Wunder, dass die neue GeForce GTX 1650 Super (Test) quasi gleich schnell arbeitet. AMD hatte die Chance, mit einer voll aktivierten Navi-14-GPU vorbeizuziehen, hat diese aber nicht genutzt. Der Grund dafür ist nicht bekannt. So geht die Radeon RX 5500 XT im Parcours der Redaktion nur mit einem Wimpernschlag Vorsprung ins Ziel.

Für manche Spiele müssen es mehr als 4 GB sein

Einen durchaus handfesten Vorteil bringt die erste Navi-14-Serie allerdings mit sich: AMD setzt die Radeon RX 5500 XT sowohl mit 4 GB als auch mit 8 GB um. Und es gibt mittlerweile Spiele, bei denen selbst bei ordentlichen Frameraten 4 GB für die vollen Texturdetails nicht ausreichend sind. Im Test hatten Call of Duty: Modern Warfare und Planet Zoo größere Probleme auf der 4-GB-Version, die sich mit der 8-GB-Karte nicht gezeigt haben.

Auch wenn viele Spiele nicht mehr als 4 GB in Full HD verlangen: Auf der sicheren Seite ist man mit dem kleinen Speicherausbau nicht mehr. Das gilt auch für die GeForce GTX 1650 Super, die es ausschließlich mit 4 GB gibt. Wenn es eng wird, kann sich die Grafikkarte zwar durch Nvidias offenbar besseres Speichermanagement teilweise selbst aus der Bredouille ziehen, immer klappt das aber auch nicht, wie zum Beispiel beim neuesten CoD.

Bei der Energieeffizienz hat AMD auf der Radeon RX 5500 XT mit RDNA und 7-nm-Fertigung gegenüber Polaris große Fortschritte gemacht. Nvidia ist in dieser Disziplin mit Turing trotz einer älteren Fertigung aber immer noch voraus. AMD konnte den Rückstand in dieser Disziplin also verringern, aber nicht egalisieren.

Der Preis wird für die Radeon RX 5500 XT zum Problem

Ist die Radeon RX 5500 XT mit 8 GB also die neue Wahl in der Einstiegsklasse? Unter Berücksichtigung der von AMD und Partnern im Vorfeld publizierten Preise lautet die Antwort aktuell nein. Sollte die Radeon RX 5500 XT mit 4 GB tatsächlich 180 Euro und die 8-GB-Version 210 Euro kosten, wären beide zu teuer. Nicht nur, weil es eine vergleichbar schnelle Radeon RX 590 mit 8 GB ab 180 Euro gibt – wenn auch mit alter Technik und schlechter Effizienz.

Das eigentliche Problem ist Nvidia. Die GeForce GTX 1650 Super wird aktuell ab 170 Euro verkauft. Die Grafikkarte ist ein Gegenspieler zur 4-GB-Version der Radeon RX 5500 XT, bietet dieselbe Performance, eine bessere Effizienz und ein besseres Speichermanagement, was bei einem 4-GB-Modell wichtig ist. Zum niedrigeren Preis ist das Super-Modell definitiv vorzuziehen. Und bei der Radeon RX 5500 XT mit 8 GB ist die GeForce GTX 1660 das Problem, die zwar 2 GB weniger, aber in der Regel immer ausreichend Speicher bietet, dafür aber etwas schneller ist und mit 200 Euro trotzdem weniger kostet. Auch hier sollte zur Nvidia-Grafikkarte gegriffen werden.

AMD fährt mit der Radeon-RX-5700-Serie derzeit eine aggressive und für den Spieler positive Preisstrategie, bei der Radeon RX 5500 XT macht man jedoch das genaue Gegenteil. Damit zeigt sich die Radeon RX 5500 XT als technisch guter Navi-Einstieg und würdiger Ersatz von Polaris. Zum Start sind die Preise aber zu hoch. Gut möglich, dass Polaris noch in zu hohen Stückzahlen in der Supply Chain hängt.

Die Custom-Designs von PowerColor und Sapphire sind sehr gut

Von der Radeon RX 5500 XT wird es ausschließlich Custom-Designs geben. Die getestete Sapphire Radeon RX 5500 XT Pulse sowie die PowerColor Radeon RX 5500 XT Red Dragon schneiden sehr gut ab. Die Temperaturentwicklung ist gering und trotzdem arbeiten beide Grafikkarten leise. Vor allem das Sapphire-Modell weiß diesbezüglich zu gefallen, hat im Test aber mit dem nur 4 GB großen Speicher zu kämpfen – das Modell wird es jedoch genauso mit 8 GB geben. Wer eine Radeon RX 5500 XT kaufen möchte, sollte daher den Fokus auf die Radeon RX 5500 XT Pulse mit 8 GB richten.

ComputerBase hat die Radeon RX 5500 XT Pulse von Sapphire und die Radeon RX 5500 XT Red Dragon von PowerColor zum Testen erhalten. Die Grafikkarten wurden unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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