GeForce GTX 1650 Super im Test: Schneller als eine GTX 1060, aber nur mit 4 GB Speicher

Wolfgang Andermahr 245 Kommentare
GeForce GTX 1650 Super im Test: Schneller als eine GTX 1060, aber nur mit 4 GB Speicher

tl;dr: Nvidias Einstiegs-Turing GeForce GTX 1650 wird deutlich schneller. Die neue GeForce GTX 1650 Super ist somit bereit für die Radeon RX 5500, die aber immer noch auf sich warten lässt. Derzeit ist die Super damit ohne Konkurrenz. Einen Schwachpunkt gibt es allerdings: Der Speicher ist nur 4 GB groß.

Die GeForce GTX 1650 (Test) war seit Mai 2019 Nvidias Einstiegsmodell in die Welt der Turing-Grafikkarten ohne Raytracing und KI-Beschleunigung. Allzu viel Leistung stellte die TU117-GPU allerdings nicht zur Verfügung, die auch preislich konkurrierende Radeon RX 570 mit Polaris arbeitete ein gutes Stück schneller. Ein Dorn im Auge war das Nvidia allerdings nicht.

Doch nun, da AMD in Kürze mit der Radeon RX 5500 auf Basis von RDNA nicht nur eine neue, sondern auch eine noch stärkere Konkurrenz veröffentlichen wird, legt Nvidia das Einstiegsmodell mit wesentlich mehr Leistung neu auf. Die GeForce GTX 1650 Super soll der Radeon RX 5500 so noch vor dem Start den Wind aus den Segeln nehmen.

Die GeForce GTX 1650 Super bekommt die GPU der GTX 1660

Weil mehr Rohleistung mit dem bereits voll aktivierten TU117 nicht möglich war, auch von mehr Speicherbandbreite hätte der relativ kleine Chip kaum profitiert, setzt Nvidia auf der GeForce GTX 1650 Super den größeren TU116 ein, der sonst unter anderem auf der ebenso neuen GeForce GTX 1660 Super für die Rechenleistung sorgt. Darüber hinaus zieht Nvidia die Taktraten an und anstatt GDDR5- wird wesentlich schnellerer GDDR6-Speicher verbaut. Damit liegt die GeForce GTX 1650 Super deutlich näher an der GeForce GTX 1660 als an der GeForce GTX 1650.

Im Test: Die MSI GeForce GTX 1650 Super Gaming X

Um zu überprüfen, was die neue Grafikkarte wirklich zu leisten vermag, hat sich die MSI GeForce GTX 1650 Super Gaming X für einen Test in der Redaktion eingefunden. Das neue Turing-Modell muss unter anderem in Borderlands 3 und Fortnite beweisen, wie groß der Fortschritt in der Praxis ist.

MSI GTX 1650, GTX 1650 Super und GTX 1660 Gaming X (von links)
MSI GTX 1650, GTX 1650 Super und GTX 1660 Gaming X (von links)

Der TU116 ist deutlich gestutzt

Auch die GeForce GTX 1650 Super basiert also auf dem 6,6 Milliarden Transistoren schweren TU116. Von den verfügbaren 1.536 Shader-Einheiten (24 SM) sind aber nur deren 1.280 (20 SM) aktiviert. Auch davon abgesehen gibt es noch größere Unterschiede zum Modell eine Stufe höher in der Nahrungskette, sodass die GeForce-GTX-1660-Serie weiter die Nase vorn haben wird.

So lässt Nvidia bei der GeForce GTX 1650 Super einen Speichercontroller deaktiviert. Damit bleibt es auf dem Super-Modell bei einem 128 Bit breiten Interface, obwohl die GPU eigentlich 192 Bit bietet. Damit reduziert sich automatisch auch der Speicherausbau auf 4.096 MB. Gleich bleiben dagegen Speichertyp und Speichertakt. Die Frequenz des GDDR6-Speichers beträgt 6.000 MHz.

Die TU116-GPU auf der GeForce GTX 1650 Super
Die TU116-GPU auf der GeForce GTX 1650 Super

Die Mehrleistung benötigt einen PCIe-Stromanschluss

Nvidia gibt für die GeForce GTX 1650 Super einen Basis-Takt von 1.530 MHz und einen durchschnittlichen Turbo von 1.725 MHz an. Die Grafikkarte darf sich dafür maximal 100 Watt genehmigen, weswegen es auf jedem Modell mindestens einen Sechs-Pin-Stromanschluss geben wird. Die GeForce GTX 1650 hat sich noch mit 75 Watt zufriedengegeben.

Die GTX 1650 Super ist quasi eine GTX 1060 mit Turing statt Pascal

Wer die Spezifikationen der GeForce GTX 1650 Super mit der der GeForce GTX 1060 vergleicht, stellt schnell fest, dass beide Grafikkarten sehr ähnlich sind, denn beide haben 1.280 ALUs und und trotz eines unterschiedlich konfigurierten Speicherinterfaces auch dieselbe Speicherbandbreite. Der einzige wirkliche Unterschied ist der 2 GB größere Speicher der GeForce GTX 1060 mit 6 GB (es gibt auch Varianten mit 3 GB), der aber auf die Performance keinen Einfluss hat, solange dieser nicht zur Neige geht. Wäre auch die maximale Leistungsaufnahme gleich – hier muss sich die GeForce GTX 1650 Super mit 100 Watt und damit 20 Watt weniger begnügen –, wäre dies ein Duell Turing gegen Pascal. Denn die unterschiedliche Architektur ist der mit Abstand größte Unterschied zwischen den zwei Modellen.

Nvidia GeForce GTX 1650 Nvidia GeForce GTX 1650 Super Nvidia GeForce GTX 1660 Nvidia GeForce GTX 1060
Chip: TU117 TU116 GP106
Transistoren: ca. 4,7 Mrd. ca. 6,6 Mrd. ca. 4,4 Mrd.
Fertigung: TSMC 12 nm TSMC 16 nm FF+
Shader-Einheiten: 896 1.280 1.408 1.280
Basis-Chiptakt: 1.485 MHz 1.530 MHz 1.506 MHz
Maximaler Chiptakt: 1.815 MHz 1.725 MHz 1.890 MHz 1.848 MHz
TFLOPs (FP32): 3,3 TFLOPs ? 5,3 TFLOPs 4,7 TFLOPs
TFLOPs (FP16): 6,5 TFLOPs ? 10,6 TFLOPs 4,7 TFLOPs
KI-Kerne: Keine
TFLOPs (FP16) mit KI: Nein
Raytracing: Nein
ROPs: 32 48
Pixelfüllrate: 58 GPix/s ? 91 GPix/s 89 GPix/s
TMUs: 56 80 88 80
Texelfüllrate: 102 GTex/s ? 166 GTex/s 148 GTex/s
DirectX (Feature-Level): 12_1 ? 12_1
Speichergröße: 4 GB GDDR5 4 GB GDDR6 6 GB GDDR5
Speichertakt: 4.000 MHz 6.000 MHz 4.000 MHz
Speicherinterface: 128 Bit 192 Bit
Speicherbandbreite: 128 GB/s 192 GB/s
Leistungsaufnahme Typisch/Maximal: ?/75 Watt ?/100 Watt ?/120 Watt

Die MSI GeForce GTX 1650 Super Gaming X im Detail

MSI bietet mehrere Modelle der neuen Grafikkarte im eigenen Portfolio an und die GeForce GTX 1650 Super Gaming X ist die höchste Ausbaustufe. Das lässt sich alleine schnell am Kühlsystem erkennen, denn dieses kommt im bekannten und hochwertigen Twin-Frozr-Design daher. Entsprechend ist die Grafikkarte aber auch etwas teurer als die einfacheren Varianten. Im Handel werden aktuell 213 Euro verlangt, die günstigste von MSI und anderen Herstellern gibt es ab 170 Euro – mit zwei Ausnahmen handelt es sich aber nur um Listungen.

Für eine Einsteiger-Grafikkarte ist die MSI GeForce GTX 1650 Super Gaming OC mit knapp 25 cm ziemlich lang. Das PCB inklusive der 3+1 Spannungswandlerkreise ist dafür nicht der Grund, das PCB bietet noch viel freie Fläche. Der eingesetzte Twin-Frozr-7-Kühler benötigt aber nun mal seinen Platz, auch wenn es sich nur um eine kleine Ausbaustufe handelt.

Der Dual-Slot-Kühler belegt die gesamte Vorderseite der Grafikkarte und ist zudem mit 12,5 cm ziemlich hoch. Dadurch gibt es genügend Platz für einen einzelnen, ziemlich großen Kühlkörper aus Aluminium. Direkt über der TU116-GPU ist ein Kühlblock aus Kupfer platziert. Drei im Durchmesser bis zu 6 mm breite Kupfer-Heatpipes sorgen für eine zusätzliche Wärmeabfuhr. Darüber hinaus gibt es eine Backplate.

Auf dem Windows-Desktop werden die Lüfter abgeschaltet

Für die Frischluft sind auf der GeForce GTX 1650 Super Gaming OC zwei im Durchmesser 85 mm breite Axiallüfter zuständig. Bei Temperaturen von weniger als 60 Grad Celsius, wie zum Beispiel auf dem Windows-Desktop, schalten sich diese für einen lautlosen Betrieb ab. Die Grafikkarte bietet eine rudimentäre RGB-Beleuchtung.

Die Übertaktung fällt minimal aus

MSI hat die Grafikkarte minimal übertaktet, die Basisfrequenz ist mit 1.530 MHz sogar gleich hoch wie Nvidias Referenzwert. Der durchschnittliche Turbo fällt mit 1.755 MHz aber um 30 MHz höher aus. Die maximale Leistungsaufnahme ist mit 100 Watt hingegen wiederum identisch – maximal 110 Watt sind einstellbar. Der 4 GB große GDDR6-Speicher arbeitet mit den normalen 6.000 MHz. Monitore können an drei DisplayPort-1.4- oder an einem HDMI-2.0b-Anschluss betrieben werden.

Merkmal MSI GeForce GTX 1650 Super Gaming OC
Karte PCB-Design Nvidia
Länge, Höhe 24,5 cm, 12,5 cm
Stromversorgung 1 × 6 Pin
Kühler Design Twin Frozr 7, 2,0 Slots
Kühlkörper Alu-Kern/Radiator
3 Heatpipes
Lüfter 2 × 85 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 1.100 Umdrehungen
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.530 (300) MHz
GPU-Durchschnitt 1.755 MHz
GPU-Maximum 1.995 MHz
Speicher 6.000 (810) MHz
Speichergröße 4.096 MB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TDP 100 Watt
Maximale TDP 110 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4
1 x HDMI 2.0b

Der Systemintegrator Mifcom hat ComputerBase für diesen Test die MSI GeForce GTX 1650 Gaming X und die MSI GeForce GTX 1660 Gaming X leihweise zur Verfügung gestellt. Der Redaktion lagen die beiden für einen sinnvollen Vergleich benötigten Modelle ansonsten nicht mehr vor.

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