Radeon RX 5500 XT im Test: Die Taktraten sowie Benchmarks in Full HD

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Wolfgang Andermahr 568 Kommentare

Für diesen Artikel hat ComputerBase einen kleinen Übergangs-Testparcours erstellt, denn der normale wird derzeit umgebaut und aktualisiert. Auch die GeForce GTX 1650 Super (Test) hat diesen Parcours schon genutzt. Letzterer hat ohnehin seinen Vorteil, denn es werden bewusst nicht nur AAA-, sondern auch beliebte Online-Titel genutzt.

Die Spieleauswahl geht querbeet durch das Angebot, von großen AAA-Produktionen über kleinere Spiele bis hin zu beliebten Online-only-Titeln ist alles vertreten. Mit Borderlands 3, Call of Duty: Modern Warfare, Fortnite, Overwatch, Planet Zoo und Star Wars Jedi: Fallen Order ist für jeden Geschmack etwas dabei. Als Auflösung wird durchweg 1.920 × 1.080 genutzt, die Presets werden stellenweise angepasst. Die genauen Einstellungen zeigt die folgende Tabelle.

Grafik-Einstellungen
Borderlands 3 Mittel-Preset, DX11
CoD: Modern Warfare Maximale Details
Fortnite Hoch-Preset, DX11
Overwatch Episch-Preset
Planet Zoo Ultra-Preset
SW Jedi: Fallen Order Mittel-Preset

Als Treiber werden der Adrenalin 19.11.3 beziehungsweise der GeForce 441.20 verwendet. Einzig bei der Radeon RX 5500 XT kommt der Adrenalin 19.12.2 zum Einsatz. Ein frisches Windows 10 in der neuen Version 1909 ist installiert. Sowohl das Testsystem als auch die Messungen abseits der Benchmarks wie zum Beispiel zur Lautstärke sowie Leistungsaufnahme werden wie gewohnt durchgeführt und sind damit zu älteren Artikeln vergleichbar. Wie die sonstigen Messungen genau durchgeführt werden, lässt sich im alten Benchmark-&-Methodik-Artikel nachlesen.

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Bei den Taktraten lassen sich zwei interessante Eigenschaften beobachten. Eine betrifft das Verhältnis aus Takt und Powerlimit, die andere die Taktraten auf beiden Partnerkarten.

Zum einen hat AMD die Radeon RX 5500 XT offenbar so konfiguriert, dass sie bei den im BIOS angesetzten Taktraten überhaupt nicht oder allenfalls nur ganz minimal ins Powerlimit der GPU läuft – anders als beim größeren Navi auf der Radeon RX 5700 (XT), die durchweg ins Powerlimit gelaufen ist.

Entsprechend takten sowohl die Sapphire Radeon RX 5500 XT Pulse als auch die PowerColor Radeon RX 5500 XT Red Dragon nahe am maximal möglichen Takt. Und selbst wenn die Leistungsaufnahme der gesamten Grafikkarte manuell auf das Niveau von AMDs Referenzangaben gebracht wird, ändert sich an den Taktraten absolut nichts, da das Powerlimit schon zuvor nicht eingreifen musste. Entsprechend verpufft auch das höhere Powerlimit der PowerColor Radeon RX 5500 XT Red Dragon, denn die Grafikkarte benötigt dieses ohne manuelle Übertaktung gar nicht.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (1.920 × 1.080) Sapphire RX 5500 XT Pulse PowerColor RX 5500 XT Red Dragon
Maximaler Takt in Spielen 1.855 MHz 1.812 MHz
Borderlands 3 1.835–1.848 MHz 1.803–1.812 MHz
CoD: Modern Warfare 1.805–1.855 MHz 1.758–1.792 MHz
Fortnite 1.801–1.837 MHz 1.767–1.801 MHz
Overwatch 1.840–1.846 MHz 1.786–1.796 MHz
Planet Zoo 1.821–1.844 MHz 1.800–1.810 MHz
SW Jedi: Fallen Order 1.835–1.846 MHz 1.791–1.812 MHz
[P] = Power-Target limitiert, [T] = Temperature-Target limitiert

Die andere Beobachtung ist, dass die auf der Grafikkarte von PowerColor eingesetzte GPU entweder etwas weniger effizient ist oder der Rechenkern schlicht nicht ganz so hoch takten darf, denn die Frequenzen sind durchweg etwas niedriger als auf dem Konkurrenzmodell. Eine Aussage zum Verhältnis der Taktraten von 4- und 8-GB-Modell lässt sich daraus aber noch nicht ableiten.

Benchmarks in 1.920 × 1.080

Punktlandung: Im Übergangsparcours liefert die Radeon RX 5500 XT mit 8 GB 1 Prozent mehr FPS als das direkte Konkurrenzmodell GeForce GTX 1650 Super. Damit ist die neue Grafikkarte 9 Prozent schneller als die Radeon RX 580 und nur ein knappes Prozent langsamer als die Radeon RX 590, obwohl letztere über 63 Prozent mehr Shader-Einheiten verfügt. Der Abstand zur Radeon RX 5700 derselben Generation beträgt 46 Prozent. Das nächst schnellere Modell von Nvidia, die GeForce GTX 1660, ist um 11 Prozent voraus.

4 GB werden zweimal zur Bremse

Die Radeon RX 5500 XT mit 4 GB ist im Schnitt 9 Prozent langsamer als der mit 8 GB bestückte Bruder, und das liegt ganz konkret an zwei Titeln, in denen ihr der Speicher ausgeht – Details dazu etwas weiter unten. Der 3D-Beschleuniger liegt dann nicht mehr gleichauf mit der Radeon RX 590, sondern mit der Radeon RX 580.

Die zwei getesteten Custom-Designs in Form der Sapphire Radeon RX 5500 XT Pulse und der PowerColor Radeon RX 5500 XT Red Dragon zeigen im Test keine bessere Leistung als ein nach AMDs Vorgaben konfiguriertes Modell. Es ist bei der Radeon RX 5500 XT nicht ausreichend, nur das Powerlimit der GPU anzuheben. Für einen Leistungsunterschied müssen die Taktraten angehoben werden.

Bei den Frametimes prescht AMD voran

Bei der Framerate gibt es ein Kopf-an-Kopf-Duell zwischen der Radeon RX 5500 XT und der GeForce GTX 1650 Super, bei den Frametimes zeigt sich dagegen ein klareres Bild. Hier schneidet die Radeon-Grafikkarte 8 Prozent besser als das Konkurrenzmodell ab. Das liegt nicht an einer expliziten Stärke der Radeon RX 5500 XT, sondern an einer generellen Stärke von AMD in diesem Bereich. Sämtliche Radeons performen in dem angepassten Testparcours im Vergleich zu den FPS in diesem Bereich besser als die Nvidia-Modelle. Damit rückt die Radeon RX 5500 XT bei den Frametimes auf bis zu 4 Prozent an die GeForce GTX 1660 heran. Die Radeon RX 5500 XT mit 4 GB liegt 8 Prozent hinter dem 8-GB-Modell zurück.

4 GB reichen bei AMD in zwei Spielen nicht

Schaut man sich die einzelnen Spielen im Detail an, fallen zwei Titel aus dem Rahmen. In den meisten Fällen herrscht zwischen der Radeon RX 5500 XT mit 4 GB und jener mit 8 GB ein Gleichstand, doch nicht so in Call of Duty: Modern Warfare und Planet Zoo, wo das 8-GB-Modell große Vorteile zeigt.

So liefert die 8-GB-Karte in Planet Zoo 24 Prozent mehr FPS als die 4-GB-Variante und 21 Prozent bessere Frametimes. Interessanterweise zeigt die GeForce GTX 1650 Super mit ebenso nur 4 GB dieses Problem nicht, die Grafikkarte ist in dem Spiel leicht schneller als die 8-GB-Version der Radeon RX 5500 XT. Eine große Überraschung ist das aber nicht: Es hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass Nvidia das Speichermanagement besser im Griff hat als AMD, wenn Spiele eigentlich mehr als den physisch vorhandenen Grafikkartenspeicher verlangen.

Das zweite Spiel ist Call of Duty: Modern Warfare. Hier erreicht die 8-GB-Karte von AMDs neuem Einstiegsmodell 47 Prozent mehr Bilder in der Sekunde und 42 Prozent bessere Frametimes. Und in dem Spiel hilft dann auch Nvidias besseres Speichermanagement nicht mehr. Die GeForce GTX 1650 Super bricht ebenfalls ein, wenn auch nicht ganz so intensiv wie die Radeon. Die GeForce GTX 1660 ist in dem Spiel 27 beziehungsweise 39 Prozent flotter als die GeForce GTX 1650 Super, gewöhnlich liegt der Abstand bei rund 10 Prozent.

Da die Frameraten auf beiden Grafikkarten in beiden Spielen ausreichend hoch sind, sind dies realistische Fälle, wo ein größerer Speicher konkret Vorteile bringt, weil er mehr Texturdetails ermöglicht, die die GPU bei ausreichend hohen FPS darstellen kann.

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