Roccat Kone Pure Ultra im Test: Präzise, asymmetrisch und auch ohne Löcher leicht

Fabian Vecellio del Monego 82 Kommentare
Roccat Kone Pure Ultra im Test: Präzise, asymmetrisch und auch ohne Löcher leicht

tl;dr: Roccats Kone Pure Ultra bietet ein geringes Gewicht ohne Löcher im Palm-Grip-Chassis. Unstimmigkeiten finden sich nur im kleinsten Detail, sodass die Maus grundsätzlich eine gute Wahl darstellt. Die oftmals günstigere Konkurrenz macht dem jedoch mitunter einen Strich durch die Rechnung.

Der größte Maus-Trend im Jahr 2019 war das Streben nach einem immer geringeren Gewicht. Einige Hersteller scheuten dabei auch vor Löchern im Gehäuse nicht zurück, andere blieben bei einer geschlossenen Hülle. So auch Roccat mit der Kone Pure Ultra, die äußerlich nahezu identisch zur Kone Pure (SE) erscheint, aber dank geändertem Innenaufbau nur 66 Gramm statt 88 Gramm auf die Waage bringt. Dabei steigt jedoch auch die unverbindliche Preisempfehlung auf rund 70 Euro, womit die ultraleichte Kone de facto mit dem beinahe doppelt so schweren Kone-Flaggschiff Aimo gleichauf liegt. Diese wiederum bietet im Gegenzug eine weitere Taste an der linken Flanke und mehr RGB-Leuchtdioden.

Ergonomisch spricht die Kone Pure Ultra dementsprechend Rechtshänder mit Palm-Grip-Affinität an, wenngleich das Chassis des Eingabegerätes – so viel sei vorweg genommen – recht klein ausfällt und sehr große Hände ins leere greifen. Nachdem Xtrfys M4 RGB im Test unnötige Schwächen zeigte und die meisten anderen besonders leichten Mäuse symmetrisch geformt sind, stellt die zeitnah erscheinende Glorious Model D den mutmaßlich größten Konkurrenten dar. Die Kone Pure Ultra ist derweil bereits durchweg verfügbar, sowohl in Schwarz als auch in Weiß.

Roccat Kone Pure Ultra
Glorious PC Gaming Race Model D
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3381
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0
PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,5 – 3,0 mm
Auflösung: 100 – 16.000 cpi
50 Stufen
400 – 12.000 cpi
6 Stufen
Geschwindigkeit: 10,2 m/s 6,3 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC-F-K, 50 mio. Klicks Omron D2FC, 20 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 7
Oberseite: 5
Linksseitig: 2
6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Software: 5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme, Angle-Snapping deaktivierbar
Interner Speicher: 5 Profile, 512 kB
10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv
Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
cpi-Indikator
Gehäuse: 115 × 70 × 39 mm
Hartplastik, Beschichtung
128 × 67 × 42 mm
Hartplastik
Variante
128 × 67 × 42 mm
Hartplastik
Glanzelemente
Gewicht: 66 Gramm (o. Kabel)
68 Gramm (o. Kabel)
Variante
69 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 1,80 m USB-A-Kabel, 2,00 m, umwickelt
Preis: ab 69 € / ab 65 € ab 55 € / ab 55 € / ab 60 € / ab 60 €

Gehäuse und Materialien

Nutzer älterer Kone-Pure-Mäuse wissen bereits exakt, wie der Neuzugang in der Hand liegt: Hinsichtlich der Formgebung hat Roccat nichts verändert. Das bedeutet, dass die Kone Pure Ultra auf beiden Seiten eine deutlich konkave Mitte besitzt, während der breiteste Punkt im hinteren Drittel der Maus erreicht wird. Die Delle der linken Flanke fällt derweil deutlich tiefer aus und bildet folglich ein Bett für den Daumen direkt unterhalb der beiden Zusatztasten. Sofern Nutzer den Daumen jedoch tatsächlich ablegen, bleiben eben diese beiden Knöpfe außer Reichweite; zu groß ist der Abstand.

Palm-Grip-Maus mit Fingertip-Grip-Charakteristika

Doch auch bei weiter oben anliegendem Daumen gerät die Kone Pure Ultra bei Bewegungen oder auch beim Anheben nie außer Kontrolle, was neben der rutschfesten Softtouch-Beschichtung schlussendlich auch dem verringerten Gewicht geschuldet ist. Mit 66 Gramm ordnet sich das Eingabegerät zwischen den leichtesten verfügbaren Mäusen ein, nur noch kleinere Modelle wie Glorious' Model O- (Test) oder Cooler Masters MM710 (Test) sind mit je weniger als 60 Gramm gerade noch spürbar leichter. Eine Ausnahme bildet wie immer nur Zaunkoenigs Nischen-Produkt M1K (Test). Asymmetrisch geformt ist jedoch keine dieser Mäuse, sodass die Kone Pure Ultra ebenfalls eine Nische für sich beanspruchen kann.

Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang lediglich, dass vor allem Fingertip-Grip-Nutzer von besonders leichten Mäusen profitieren, während eine höhere Masse beim Palm-Grip auf Grund der größeren Kontaktfläche zwischen Hand und Maus minder ins Gewicht fällt. Fingertip-Grip-Mäuse sind derweil klassischerweise symmetrisch geformt, da die Ergonomie ohnehin nicht zur Geltung kommt, wenn das Gehäuse nur mit den Fingerspitzen berührt wird. Die Kone Pure Ultra stellt aufgrund der geringen Größe auch für diesen Griff eine gute Option dar, doch beim Palm-Grip dürfte eben diese Eigenheit oftmals kontraproduktiv wirken, da größeren Händen entweder die Fingerspitzen oder der Handballen keinen Platz mehr auf der Maus finden.

Flexibles Kabel ermöglicht gute Gleiteigenschaften

Für die Gleiteigenschaften relevant sind abseits des Gewichts der entsprechenden Maus auch deren Gleitfüße und – falls es sich nicht um eine drahtlose Maus handelt – das verbaute Kabel. Im Falle der Kone Pure Ultra verzichtet Roccat auf eine Nylon-Umwicklung und belässt es bei einer einfachen und an den beiden Enden des Kabels verstärkten Gummierung. Bei einer derart leichten Maus ist das nur konsequent, da herkömmliche Umwicklungen stets die Flexibilität beeinträchtigen, wie es beispielsweise zuletzt bei Roccats Kain 120 (Test) der Fall war.

Ganz an das Niveau der Gleiteigenschaften einer Glorious Model O (Test) reicht die Kone Pure Ultra indes nicht heran: Erstens ist deren lose umwickeltes Kabel noch biegsamer und zweitens verwendet GPCGR vier unbeschichtete PTFE-Gleitfüße, während Roccat klassisch auf zwei große, schwarz lackierte Gleitflächen zurückgreift. Das ist einerseits relevant, weil auch die eingangs erwähnte Model D auf diese Kombination zurückgreift, andererseits handelt es sich um Kritik auf hohem Niveau. Zur Gewichtsverteilung der Kone Pure Ultra sei indes noch angemerkt, dass der Schwerpunkt ein wenig nach vorne verschoben ist.

Der exzessive Einsatz von RGB-Leuchtdioden lässt sich auch bei intendiert leichten Mäusen noch durch den Flair rechtfertigen, funktional ist er bei entsprechenden Eingabegeräten jedoch noch weniger als ohnehin schon. Dem gemäß lässt Roccat bei der Kone Pure Ultra lediglich das Markenlogo auf dem Mausrücken wahlweise bunt leuchten. GPCGR hingegen betrachtet eine ausladende RGB-Beleuchtung als obligatorisch und bestückt auch die Model D reichlich mit RGB-LEDs, obgleich die Maus mit 68 Gramm nur unmerklich schwerer ist.

Bekannte Primär- und Sekundärtasten

Nachdem Roccat mit der Kain-Serie zuletzt besonders ausgefeilte Taster in den Fokus rückte und mit geringerer Reaktionszeit sowie angenehmerer Haptik warb – zumindest letzteres kann ComputerBase bestätigen –, setzt der Hersteller bei der Kone Pure Ultra wieder auf bekannten Standard. Als Primärtaster kommen die von Omron in China gefertigten D2FC-F-K zum Einsatz; die lediglich auf dem Papier existente Lebenszeit liegt dementsprechend bei bis zu 50 Millionen Klicks. Da jedoch nahezu sämtliche Konkurrenz auf die gleichen Schalter setzt, steht Kritik diesbezüglich auf schwerem Stand. Gleiches gilt bezüglich der Tatsache, dass sich die rechte Maustaste geringfügig anders klickt als die linke, was dem asymmetrischen Gehäuse geschuldet ist.

Roccat Kone Pure Ultra

Lob und Tadel gibt es derweil beim gummierten Mausrad: Haptisch gefällt es dank präziser, aber nicht zu steifer Rasterung gut; akustisch ist die beim schnellen Drehen recht hohe Lautstärke jedoch potentiell störend. Die ebenfalls auf Omron-Schaltern basierenden Zusatztasten verhalten sich derweil unauffällig und erledigen ihre Aufgabe ohne Beanstandungen. Schön ist hier, dass es Roccat bei zwei einzelnen Tasten zum Herauf- und Herabsetzen der Sensorauflösung belässt, während ein Gros der Konkurrenz lediglich sequentielles Umschalten über einen Knopf erlaubt.

Auf der nächsten Seite: Sensorik, Software und Verarbeitung