Zaunkoenig M1K im Test: Maximal minimal und in ihrer Nische ausgesprochen gut

Fabian Vecellio del Monego 128 Kommentare
Zaunkoenig M1K im Test: Maximal minimal und in ihrer Nische ausgesprochen gut

tl;dr: Zaunkoenigs M1K erweist sich im Test als gelungene Maus für eine spezielle Zielgruppe: Shooter- oder RTS-Spieler, die ihre Maus im Fingertip-Grip halten und keine Zusatztasten benötigen, finden derzeit kein besser auf sie zugeschnittenes Eingabegerät. Die Maus ist jedoch sehr teuer und für andere Zwecke kaum geeignet.

Die Maus-Neuvorstellungen der letzten Monate folgten nahezu konsequent dem Trend der Gewichtsreduzierung. Dis bisherige Spitze stellt die Cooler Master MM710 (Test) dar: Mit nur 53 Gramm ist die kleine Maus im Vergleich zu herkömmlichen Gaming-Modellen oftmals nur halb so schwer. Wiederum weniger als die Hälfte der MM710 wiegt mit 23 Gramm Zaunkoenigs M1K. Das deutsche Startup bietet den puristischen Kohlenstofffaser-Nager derzeit auf Kickstarter an, finanziert wurde die Entwicklung jedoch bereits binnen weniger Minuten. Auch die erste Charge der auf 333 Stück limitierten ersten Auflage ist bereits ausverkauft, sodass Interessenten nunmehr mindestens 170 statt 150 Euro für eine M1K zahlen müssen.

Ursache der Kosten ist abseits der teils besonderen Bestandteile und der Kohlenstofffaser-verstärkten Hülle die Fertigung in Handarbeit und Deutschland. Angesichts der offensichtlichen Besonderheiten stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Zielgruppe: Diese bilden primär Ego-Shooter- oder RTS-Spieler mit einer Präferenz für niedrige Sensor­auflösungen und den Fingertip-Grip, bei dem das Eingabegerät ausschließlich mit den Fingerspitzen berührt wird. Der spezielle Anwendungsbereich legt es nahe, die M1K mehr in der Funktion eines Gamepads für maximal präzise Zeigerbewegungen denn einer klassischen Maus zu betrachten: Für den alltäglichen Gebrauch wurde das Eingabegerät nicht entworfen.

Zaunkoenig M1K
Cooler Master MM710
Ergonomie: Symmetrisch (Beidhändig) Symmetrisch (Rechtshändig)
Sensor: PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 2,0 – 3,0 mm
PixArt PMW-3389
Optisch
Auflösung: 100 – 12.000 dpi
1 Stufen
100 – 16.000 dpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 6,3 m/s 11,4 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2F-01F Omron, 20 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 2
Oberseite: 2
6
Oberseite: 4
Linkseitig: 2
Sondertasten: Mausrad, dpi-Umschalter
Software: Angle-Snapping deaktivierbar
Interner Speicher: 1 Profil
5 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme, Angle-Snapping deaktivierbar
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung:
Variante
Farbe: RGB, 2 Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Gehäuse: 79 × 60 × 30 mm
Hartplastik, Kohlenstofffasern
117 × 63 × 38 mm
Hartplastik
Glanzelemente
Gewicht: 23 Gramm (o. Kabel)
53 Gramm (o. Kabel)
Variante
57 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 1,80 m USB-A-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Preis: 249 € ab 50 € / 50 € / 60 $

Ausgeliefert werden sollen die Mäuse im März 2020, anschließend soll die M1K auch regulär im Handel verfügbar sein. Der Preis steigt dann jedoch erneut: Derzeit rechnet Zaunkoenig mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro. Die leichteste Gaming-Maus der Welt ist damit auch die teuerste.

Abgestimmt für genau eine spezielle Anwendung

Bei bloßer Betrachtung der M1K fallen die geringe Größe und die eigenartige Form am ehesten ins Auge. Selbst gemeinhin als klein geltende Gaming-Mäuse sind deutlich länger, nicht aber sonderlich breiter. Die M1K erscheint annähernd quadratisch und erinnert ohne ergonomisch angepasste Formgebung des Chassis an alte Quadermäuse. Weiter verstärkt wird dieser Eindruck durch das fehlende Mausrad. Zumindest Ersteres ist jedoch völlig irrelevant, da die Maus ohnehin nur mit den Fingerspitzen gehalten werden soll. Andere Griffvarianten erlaubt sie nicht: Keine Hand wäre klein genug, um die M1K im Palm-Grip oder Claw-Grip zu bedienen.

Konkave Flächen besitzt das Gehäuse lediglich an der Oberseite, die – nicht zuletzt aufgrund des fehlenden Mausrades – fast ausschließlich aus den Abdeckungen der Primärtaster besteht. Ein sicherer Griff ist dennoch problemlos möglich: Die M1K ist schlichtweg zu leicht, als dass sie aus den Fingern rutschen könnte. Die glänzend glatte Oberfläche bietet zusätzliche Haftung, solange kein Schweiß ins Spiel kommt – in dem Fall wird die Maus ein wenig rutschig.

23 Gramm fühlen sich nach nichts an

Die bemerkenswerteste Eigenheit der M1K ist jedoch nicht ihr ungewohnt kleines Gehäuse, sondern das unter anderem damit einhergehende Gewicht von lediglich 23 Gramm. Die erwähnte MM710 oder eine Model O- (Test) wiegt folglich mehr als das Doppelte, während beispielsweise Razers Viper (Test) gar dreimal so schwer ist. Entsprechend ungewohnt ist das Gewicht der M1K, doch die Gewöhnung fällt leicht. Beim Spielen bleibt das Leichtgewicht anschließend nahezu unbemerkt, obwohl die Bewegung der Maus allein durch die Finger getragen wird. Auch beim Zielen ist entsprechend eine kurze Eingewöhnung nötig. Im Umkehrschluss fühlen sich beim direkten Wechsel von der M1K zu anderen Mäusen selbst herkömmliche Leichtgewichte zunächst schwer an.

Der Sinn des niedrigen Gewichts liegt dabei darin, die Masseträgheit der Maus möglichst weit zu senken. Folglich wird weniger Kraft benötigt, um eine leichte Maus in gleicher Zeit um die gleiche Strecke zu bewegen, als bei einem schwereren Exemplar. Auch das Abbremsen fällt leichter, wodurch gerade bei niedrigen Sensorauflösungen, die weit ausufernde Mausbewegungen implizieren, präzisere Flickshots möglich werden. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Belastung für die Hand, die langsamer müde und weniger strapaziert wird. Tatsächlich erfolgt die Verwendung der M1K im Fingertip-Grip deutlich angenehmer als eine Bedienung herkömmlicher Mäuse mit der gleichen Griffvariante.

Von Relevanz sind neben dem Gewicht aber auch weitere Faktoren: Zum einen das Kabel, das nicht zu steif sein darf, da es die Bewegungen der Maus sonst beeinflusst. Im Falle der M1K gelingt das nur fast, obwohl das Kabel selbst zu den besten gehört, die Nutzer mit einer Maus erwerben können: Das Zaunkoenig-Eingabegerät ist so leicht, dass es trotzdem einfach durch bloße Bewegung des gummierten Kabels verschoben werden kann. In der Praxis macht das jedoch keine Schwierigkeiten, weil der Widerstand der eigenen Finger stets größer ausfällt. Andererseits sind auch die Gleitfüße relevant, rücken bei der M1K jedoch in den Hintergrund, weil die Reibung schon auf Grund des geringen Gewichts nicht hoch sein kann. Die vier kleinen weißen Hyperglides erlauben somit wenig überraschend eine präzise Bewegung.

Zwei hervorragend gute Tasten

Zu Gunsten der Gewichtsreduzierung besitzt die M1K lediglich zwei Schalter. Abseits der linken und rechten Maustaste und des Sensors findet sich folglich keine weitere Eingabemöglichkeit – ein Mausrad und Zusatztasten entfallen. Bei den beiden vorhandenen Tastern geht Zaunkoenig jedoch in die Vollen: Während das Gros an Gaming-Mäusen auf chinesische Omron-Schalter – meist vom Typ D2FC-F – setzt, arbeiten in der kleinen Karbonmaus zwei japanische Omron-Taster vom Typ D2F-01F. Abseits einer haptisch angenehmeren Charakteristik verspricht das Modell dank vergoldeter Kontakte auch eine höhere Haltbarkeit.

Um eben diese weiterhin zu verbessern, nutzt Zaunkoenig nicht nur – wie bei Mäusen üblich – zwei Kontakte des Wechselschalters, sondern alle drei verfügbaren. Folglich geht eine Betätigung der Tasten der M1K gleichzeitig mit dem Schließen und Öffnen eines Stromkreises einher, wodurch der erfolgte Klick doppelt und sicher verifiziert werden kann: Eine Entprellzeit entfällt vollständig. Normalerweise wird eine solche Debounce-Zeit benötigt, um das temporäre Abfedern des Schalters am Kontakt zeitlich zu überbrücken, da andernfalls ungewollte Doppelklicks die Folge sind.

Zaunkoenig springt somit nicht nur auf den Trend direktere Taster auf, sondern setzt ihn auch derzeit am besten um. So kommt beispielsweise Razers Viper dank optomechanischer Taster ebenfalls komplett ohne Entprellzeit aus und bietet direktere Tasten als herkömmliche Mäuse. Die notwendige Umwandlung des Signals sorgt jedoch offenbar für eine – sehr geringe, aber vorhandene – Latenz. Und Roccats in der Kain 100 und Kain 120 (Test) verwendete Titan-Klick-Taster sowie Endgame Gears XM1 (Test) liegen im direkten Vergleich ebenso wenige Millisekunden hinter der M1K.

Im Rahmen menschlicher Wahrnehmung ergeben sich unter den genannten Modellen allerdings kaum Unterschiede. Da Nutzer die Tastenabdeckungen an unterschiedlichen Stellen aus verschiedenen Winkeln herabdrücken, ist das Geschehen vor dem Auslösen oftmals relevanter als die anschließende Signalverzögerung. Darüber hinaus variiert der Widerstand je nach Kontaktstelle der Finger zu den Abdeckungen, da bei weit nach vorne verlagertem Kontakt beispielsweise eine Hebelwirkung eintreten kann. Die allein durch diese Variablen entstehenden Unterschiede können eine Reaktionszeit­steigerung von mehreren Millisekunden nach sich ziehen.

Nichtsdestoweniger lassen sich die Taster der M1K insgesamt als hervorragend bewerten, was allerdings mehr dem gleichmäßigen und präzisen Druckpunkt, der ansprechenden haptischen Rückmeldung sowie den unbeweglichen und direkt aufliegenden Tastenabdeckungen zuzuschreiben ist, denn der niedrigen Reaktionszeit.

Bewährte Präzision und funktionale Firmware

Angesichts der anderweitigen Spezifikationen der M1K erscheint der verbaute Sensor recht unscheinbar: PixArts PMW-3360 bietet nach wie vor erstklassige Präzision, die im Rahmen menschlicher Wahrnehmung auch von der Nomenklatur nach überlegenen Modellen wie dem PMW-3389 oder Logitechs Hero-Sensor nicht übertroffen wird.

PixArt PMW-3331 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3389 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 100–8.500 dpi 200–12.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 7,6 m/s 6,3 m/s 11,4 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 343 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 2,8 mm ~ 1,2 mm ~ 1,5 mm ~ 1 mm

Zaunkoenig platziert den Sensor von der Mitte der M1K ausgehend ein wenig nach hinten versetzt, womit er entweder genau auf der Höhe der die Maus greifenden Fingerspitzen oder aber leicht dahinter liegt. Letzteres ergibt insofern Sinn, als dass der Sensor bei Betrachtung der gesamten Hand eher unterhalb deren Mitte und folglich auf halbem Weg zwischen Mausspitze und Drehpunkt liegt, sofern dieser durch den Handballen dargestellt wird. Wird die M1K jedoch bei starrer Hand bewegt, wäre eine weiter nach vorne verlagerte Positionierung mitunter hilfreich. Die Maus ist allerdings so klein, dass hier kaum relevanter Spielraum besteht. Folglich lässt sich die Präzision erwartungsgemäß als erstklassig bezeichnen.

Die Anpassung der Sensorparameter geschieht derweil über die ab Werk auf der Maus aufgespielte Open-Source-Firmware; eine Software mit graphischer Oberfläche gibt es nicht. Stattdessen führt eine Kombination von Tasteneingaben und dem Anheben der Maus zum Erfolg: Wenn beide Maustasten der M1K für fünf Sekunden gedrückt werden, während der Nager keinen Bodenkontakt hat, wird in den dpi-Einstellungsmodus gewechselt. Kurze Bewegungen des Mauszeigers symbolisieren anschließend die aktuelle Sensorauflösung, dabei stehen nach oben gerichtete Bewegungen für 100 Punkte pro Zoll und nach rechts gerichtete Zeigerbewegungen für 1.000 dpi.

Über die linke und rechte Maustaste kann die Auflösung schließlich um 100 Punkte herauf- oder herabgesetzt werden, visualisiert wird das erneut über die Bewegungen des Mauszeigers. Auf ähnliche Weise lässt sich auch die Lift-off-Distance ändern und das ab Werk deaktivierte Angle-Snapping einschalten. Eine Möglichkeit, die Sensorauflösung schnell umzuschalten, existiert nicht.

Verarbeitung in Handarbeit

Bei dem ComputerBase vorliegenden Modell der M1K handelt es sich um einen späten Prototyp, der allerdings laut Zaunkoenig schon sehr nahe am finalen Produkt liege. Dennoch finden sich Spuren des unzählige Male vonstatten gegangenen Auseinander- und Zusammenbauens und auch einige Oberflächen weisen geringfügige Makel oder Unreinheiten auf. Der Hersteller verweist obligatorisch darauf, dass eben diese bei den an Kunden ausgelieferten Mäusen nicht vorliegen werden, doch bereits der Prototyp macht hinsichtlich der Qualität einen guten Eindruck: Beim Schütteln der M1K wackelt nichts und auch ein Klappern ist nicht zu vernehmen. Ebenso lässt sich das Chassis selbst bei hohem Kraftaufwand nur bedingt temporär eindellen.

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