AMD Ryzen 9 4900HS im Test: Testergebnisse

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Volker Rißka
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Leistungsprofile machen den Unterschied

Asus legt auch diesem Notebook eine Software bei, mit der sich die Leistungsfähigkeit und die Geräuschkulisse an die eigenen Wünsche anpassen lassen sollen: „Armoury Crate“ nennt sich dieses bereits seit einiger Zeit genutzte Tool. In dem Programm kann auf drei vordefinierte Leistungsprofile zurückgegriffen werden. Neben „Leise“ stehen „Leistung“ und „Turbo“ zur Auswahl, die Einfluss auf das Taktverhalten, den Verbrauch und die Lautstärke haben.

Diese Einstellungen gelten nur für den Betrieb am Netzstecker. Wird das Notebook getrennt und im Akku-Modus gefahren, treten zwei weitere Profile vor. Insgesamt stehen folgende Profile zur Auswahl:

Modus CPU Package Power
(dauerhaft)
CPU Package Power
(Spitzenlast)
Takt
(dauerhaft, ca.)
Lautstärke
Asus Zephyrus G14 „Leise“ 25 Watt 50 Watt 2,95 GHz 31–38 dB
Asus Zephyrus G14 „Leise“ (Akku) 15 Watt 20 Watt 2,40 GHz 31–33 dB
Asus Zephyrus G14 „Leistung“ 35 Watt 65 Watt 3,25 GHz 31–44 dB
Asus Zephyrus G14 „Leistung“ (Akku) 20 Watt 25 Watt 2,90 GHz 31–37 dB
Asus Zephyrus G14 „Turbo“ 35 Watt 65 Watt 3,25 GHz 37–45 dB

Dauerhaft sehen die Profile maximal die von AMD für den HS definierten 35 Watt TDP vor, kurzfristig können Turbo sowie Leistung mit 65 Watt und Leise mit 50 Watt aber auch deutlich höher gehen.

Selbst in der Einstellung „Leise“ ist das System in anspruchsvollen Tests wie Blender hörbar und dass, obwohl die durchschnittliche Taktrate für alle 16 Threads mit 2,95 GHz sogar ganz knapp unter 3,0 GHz und damit auf den ersten Blick unter der TDP liegt. Weil die CPU in diesem Profil aber dauerhaft nur 25 Watt zieht und AMDs Wert für 35 Watt ausgelegt ist, ist der Takt sogar als sehr gut zu bezeichnen.

In den Profilen Leistung und Turbo darf der Ryzen 9 dann zeigen, was er kann. Mit 35 Watt lotet er auf Dauer die TDP exakt aus, das System wird nun jedoch im Extremfall deutlich lauter. Das kommt nicht von ungefähr: Die CPU-Temperatur steigt zwischenzeitlich bis auf 90 Grad an und wird erst durch schneller drehende Lüfter abgefangen, die die CPU auf rund 73 Grad einpendeln lassen und das Geräusch danach wieder von maximal 44 auf 35 dB zurück drehen.

Der Turbo-Modus überrascht insofern, als dass er kaum einen Unterschied macht. Eventuell bekommt eine H-CPU hier in Zukunft noch einmal 10 Watt mehr TDP, beim HS bleiben die Grenzen hingegen gleich. Lediglich der Lüfter dreht von Haus aus etwas höher, weshalb die Temperatur mit durchschnittlich 71 Grad etwas geringer ist.

Die Taktraten unter Dauerlast

Werden die durchschnittlich anliegenden Taktraten im Blender Benchmark über die Zeit aufgetragen, gibt es quasi keinen Unterschied zwischen Leistung und Turbo, während Leise ca. 300 MHz zurückfällt. Selbst in diesem Modus und damit bei 25 Watt TDP bleibt der Takt aber höher als auf dem Core i7-9750H bei 45 Watt im Razer Blade 15 (Base Model). Weil der nur sechs Kerne und eine niedrigere IPC bietet, dürfte der Ausgang im Benchmark eindeutig sein.

Der Core i7-9750H ist Intels aktuelle Brot- und Butter-CPU im Performance-Notebook. Fast 300 Notebooks werden im ComputerBase-Preisvergleich allein mit diesem Prozessor aufgeführt. Der Vergleich bietet sich also sowohl inhaltlich als auch aufgrund der Tatsache, dass ein solches Notebook noch in der Redaktion vorlag, an.

Blender (Takt, Multi-Core) 01.0002.0003.0004.0005.000MHz 1285582109136163190217244271298325352379406433460487514541568595622649676700Sekunden  Ryzen 9 4900HS Leise  Ryzen 9 4900HS Leistung  Ryzen 9 4900HS Turbo  Core i7-9750H (Razer Blade 15)

Wird der Takt im Cinebench R15 im Single-Core-Durchlauf über die Zeit betrachtet, behält der Core i7-9750H knapp die Oberhand, braucht dafür aber auch 33 zu 25 Watt CPU Package Power (lt. HWiNFO). Die höhere IPC dank Zen 2 sollte Renoir aber auch hier den Sieg bringen.

Auffällig ist der extrem niedrige Single-Core-Turbo-Takt im Profil „Leise“ mit resultierenden 70 statt 196 Punkten in den anderen Modi. Nach Fehlersuche und Rücksprache mit AMD und Asus lag die Ursache aber auf der Hand: Es handelt sich um einen Fehler in der Software. Auch in Spielen wie Tomb Raider und Overwatch zeigt sich der Bug. Zum Fall des NDA lag ein Update noch nicht vor, AMD erklärte, dass der Fehler im Silent-Profil der Asus-Software liege, Asus diesen mit einem zukünftigen Update beseitigen würde. Dieser soll das Silent-Profil mit dem Balanced-Profil aus Windows verknüpfen. Aktuell orientiert es sich laut AMD am Stromsparmodus, was den deutlichen Einbruch beim Takt erklären würde.

Lower than expected CPU performance in silent mode is a bug, we are aware of it and once we have a solution we will let you know.

Asus
Cinebench R15 (Takt, Single-Core) 01.0002.0003.0004.0005.000MHz 17131925313743495561677379859197103109115121127133139145150Sekunden  Ryzen 9 4900HS Leise  Ryzen 9 4900HS Leistung  Ryzen 9 4900HS Turbo  Core i7-9750H (Razer Blade 15)

Die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass es zwischen den Profilen Leistung und Turbo gar keine Unterschiede gibt. Doch dem ist nicht so, wie der Durchlauf des Cinebench R15 (Multi-Core) in zehnfacher Abfolge zeigt. Hier ergibt sich am Ende doch noch ein Unterschied, denn Turbo darf einen höheren Takt einige Sekunden länger halten, fällt dann letztlich aber in ähnliche Regionen ab. Im langen Blender-Benchmark geht dieser Bonus letztlich unter.

Cinebench R15 (Punkte, Multi-Core) 04008001.2001.6002.000Punkte 12345678910  Ryzen 9 4900HS Leise (Akku)  Ryzen 9 4900HS Leistung (Akku)  Ryzen 9 4900HS Leise  Ryzen 9 4900HS Leistung  Ryzen 9 4900HS Turbo  Core i7-9750H (Razer Blade 15)

AMD vs. Intel: 8 Kerne vs. 8 Kerne

Die Vorlaufzeit für diesen Test war zu gering und das Umfeld nicht das richtige, um kurzfristig noch Notebooks mit Intels aktuellen 8-Kern-CPUs Core i9-9980H und Core i9-9980HK zu organisieren. Darüber hinaus wird Comet Lake-H Gerüchten zufolge schon in dieser Woche vorgestellt und die 8-Kern-CPUs vom Exoten zur Standard-High-End-Wahl machen. Allerdings hatte ComputerBase im vergangenen Jahr bereits zwei Notebooks mit entsprechenden Acht-Kern-CPUs im Gigabyte Aero 17 HDR sowie dem Apple MacBook Pro 16 Zoll im Test. Für einen ersten Eindruck reicht das.

Acht-Kern-Notebooks im Vergleich
Modell (mit CPU) Cinebench R20 Multi / Single Blender Benchmark Leistungsaufnahme
Apple MacBook Pro, i9-9880H 3.386 / 468 19:37 Minuten max. 88 Watt
Gigabyte Aero 17 HDR, i9-9980HK 3.152 / 469 20:46 Minuten max. 80 Watt
Asus Zephyrus G14, R9-4900HS 4.323 / 495 20:38 Minuten max. 65 Watt

Der Vergleich zeigt: AMDs neuer Prozessor ist bei der Leistung absolut konkurrenzfähig. Cinebench als Paradedisziplin gewinnt das Flaggschiff in allen Bereichen deutlich. In Blender ist es ähnlich schnell, wobei hier der Blick unweigerlich zur Leistungsaufnahme führen muss: Die Mitbewerber lassen dem Core i9-9980H(K) mit bis zu dauerhaft 88 Watt deutlich mehr Spielraum bei der TDP zu.

Das zeigte vor allem der Test des Gigabyte-Notebooks mit Core i9-9980HK: Wird dieses auf dauerhaft 38 Watt TDP für die CPU eingebremst, benötigt Blender 25:38 Minuten. Der AMD Ryzen 9-4900HS ist dann selbst im Akku-Betrieb mit 20 bis 25 Watt TDP schneller unterwegs.

AMD Ryzen 9 4900HS
AMD Ryzen 9 4900HS

Wie üblich sind die Ergebnisse in Notebooks nicht in Stein gemeißelt, da es sehr auf die Kühlung und die Konfiguration (per Profil) im jeweiligen Notebook ankommt.

Leistung der integrierten und diskreten Grafiklösung

Der Test der Grafik erfolgt zweigeteilt, denn die APU besitzt eine integrierte Vega-Einheit, Asus stellt aber noch eine diskrete Nvidia-Lösung zur Verfügung – im Testmodell ist es die GeForce RTX 2060 Max-Q. Im Alltag arbeiten sie immer zusammen, zu Testzwecken und um einen Eindruck von der Leistung der schnelleren integrierten AMD-Grafik zu erhalten, so wie sie in den U-Modellen zum Einsatz kommt, wurde die dGPU aber deaktiviert.

Mit integrierter Vega8-Grafikeinheit

Die Vega8 wird deshalb mit bisherigen U-Modellen und deren integrierter Grafik verglichen, in Full-HD-Auflösung bei niedrigster Detailstufe. Wenngleich auch dies nicht ganz fair ist, weil die TDP deutlich höher liegt, ist es dennoch ein Fingerzeig auf die zur Verfügung stehende Leistung, wenn keine diskrete Grafikeinheit verbaut ist.

AMD versprach eine rund 60 Prozent höhere Leistung pro CU mit den neuen Vega-GPUs gegenüber bisherigen 12-nm-Modellen, und das zeigen die Tests auch. Im Test fallen sie aufgrund des TDP-Gefälles und durch Nutzung von schnellem DDR4-3200 statt DDR4-2400 beim Ryzen 7 3700U sogar noch etwas größer aus. Da aber selbst das Leise-Profil mit rund 25 Watt auf der CPU sehr gut abschneidet, wird auch eine U-CPU im Leistungs-Modus in sehr ähnlichen Regionen liegen.

Hinweis vom 3. April: Im Artikel AMD Ryzen 9 4900HS iGPU im Test hat ComputerBase mittlerweile weitere Spiele-Benchmarks mit Renoir veröffentlicht, die auch einen Vergleich zu den bisherigen 65-Watt-APUs der Picasso-Generation ermöglichen. Die Diagramme finden sich im Nachgang auch an dieser Stelle.

Mit RTX 2060 in die Oberliga

Mit diskreter Nvidia GeForce RTX 2060 Max-Q wird dann noch einmal eine ganz andere Liga zugänglich. Die Leistung kann sich ebenfalls sehen lassen, zumal das Testfeld oft mit stärkeren GPUs bestückt ist, das neue Asus-Notebook mitunter aber trotzdem sehr nah herankommt. Die nachfolgenden Benchmarks zeigen die Messwerte inklusive Frametimes im Detail. Neben Shadow of the Tomb Raider kam erneut auch F1 2019 zum Einsatz. Beide Spiele wurden in Full HD getestet, VSync war deaktiviert. Es kam jeweils das Preset „Ultrahoch“ zum Einsatz, bei Tomb Raider war zudem SMAAT2x aktiviert.

Modell CPU GPU
Asus ROG Zephyrus G15 Ryzen 9 4900HS GeForce RTX 2060 Max-Q
Razer Blade Stealth Core i7-1065G7 GeForce GTX 1650 Max-Q
Razer Blade 15 Base Core i7-9750H GeForce GTX 1660 Ti
Razer Blade 15 Core i7-8750H GeForce GTX 1070 Max-Q
Razer Blade Pro 17 Core i7-9750H GeForce RTX 2080 Max-Q
Gigabyte Aero 17 HDR Core i9-9980HK GeForce RTX 2070 Max-Q
XMG Fusion 15 Core i7-9750H GeForce RTX 2070 Max-Q
Asus Zephyrus S GX701 Core i7-8750H GeForce RTX 2080 Max-Q
Lenovo Legion Y740 15 Zoll Core i7-9750H GeForce RTX 2080 Max-Q

Auch bei Tomb Raider schlägt sich der Bug im Leise-Profil deutlich nieder. Asus nennt an der Stelle überraschend auch den Grafikchiphersteller Nvidia, der gemeinsam mit ins Boot geholt werden soll, um das Problem zu beheben.

SOTTR has some know bug in silent mod, we are currently in discussion with nvidia to fix it.

Asus

Vergleich zum Desktop-Prozessor

Notebook- und Desktop-CPUs lassen sich heute so gut vergleichen wie nie zuvor, denn abseits der Leistungsaufnahme gibt es so gut wie keinen Unterschied mehr. Es wird deutlich: Der Ryzen 9 4900HS rangiert nur knapp unterhalb des Ryzen 7 3700X, der mit 65 Watt im Markt zugegen ist.

Der Blick auf die versammelte Konkurrenz zeigt, dass altbekannte und beliebte Desktop-CPUs wie der Acht-Kern-Prozessor Ryzen 7 2700X oder der lange Zeit schnellsten Sechs-Kerner Core i7-8700K für den neuen Notebook-Prozessor kein Problem sind – und das bei 35 statt rund 100 Watt bei den alten Desktop-Lösungen.

Das macht deutlich, wie große der Sprung im Notebook für AMD hier und heute ist. Das liegt auch daran, dass AMD die Vorteile von Zen 2 mit Renoir quasi 1:1 ins Notebook übertragen konnte, obwohl kein I/O-Die-Chiplet-Design zum Einsatz kommt.

RAM und Latenzen

Im Speicherbenchmark von AIDA zeigen der L1- und auch der L2-Cache die gleiche Latzenz wie bei allen anderen Zen-2-Prozessoren, beim L3-Cache liegt eine minimal Abweichung vor. Als bestes Vergleichsmodell sind jedoch nicht die schnellsten Desktop-Lösungen von Vorteil, sondern der 3700X mit gleicher Kern- und Thread-Anzahl bei ähnlichem maximalen Takt. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass eine Änderung wie die Halbierung des L3-Caches keine gravierenden Auswirkungen mitbringt.

Vorteil Zen 2 zu Zen+ zu Zen (ermittelt in AIDA64)
Speicher 3950X (16K/32T) 3900X (12K/24T) 4900HS (8K/16T) 3700X (8K/16T) 2700X (8K/16T) 1800X (8K/16T)
Durchsatz L1-Cache (Lesen) 4.200 3.180 2.127 2.122 1.011 917
Durchsatz L2-Cache (Lesen) 2.068 1.592 1.070 1.066 941 831
Durchsatz L3-Cache (Lesen) 1.076 1.072 628 626 419 384
alle Angaben in Gigabyte pro Sekunde
Ryzen 9 3900X und 3950X gemessen mit AGESA 1.0.0.4, Rest Stand Juli 2019

Die reinen Speichertests sind aufgrund der Timings mit CL22 deutlich schlechter als auf einer Desktop-Plattform mit CL14, aber immer noch mehr als ausreichend. Zwei mal 8 GByte DDR4-3200 in Dual-Channel-Konfiguration erweisen sich als das reguläre Optimum für die neue Renoir-Plattform. Darüber könnte nur noch LPDDR4 angesetzt werden, dies wird jedoch vornehmlich für noch dünnere Notebooks mit U-Prozessor zum Einsatz gebracht.

Vorteil Zen 2 zu Zen+ zu Zen (ermittelt in AIDA64)
Speicher 3950X (16K/32T) 3900X (12K/24T) 4900HS (8K/16T) 3700X (8K/16T) 2700X (8K/16T) 1800X (8K/16T)
Latenz L1-Cache 0,9 0,9 0,9 0,9 0,9 1,0
Latenz L2-Cache 2,5 2,6 2,7 2,7 2,8 4,4
Latenz L3-Cache 9,3 9,4 10,1 9,9 8,7 11,6
Latenz RAM 73 72 82 73 69 83
Ryzen 9 3900X und 3950X gemessen mit AGESA 1.0.0.4, Rest Stand Juli 2019
AMD Ryzen 9 4900HS im Cache- und Speichertest
AMD Ryzen 9 4900HS im Cache- und Speichertest

Leistung der SSD im Asus Zephyrus G14

Die SSD-Leistung wird im ROG Zephyrus G14 durch den M.2-Steckplatz limitiert. Der ist laut offizieller Spezifikation nur mit zwei Lanes nach PCIe-3.0-Standard angebunden. PCIe 3.0 mit vier Lanes wäre bei dem im Muster eingesetzten Modell allerdings auch gar nicht nötig, weil die verbaute Intel SSD 660p kaum mehr als die genannten Transferraten aufbieten könnte. NVMe-SSDs mit PCI Express 4.0 wären aber Verschwendung im G14.

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