Oppo Reno2 im Test: Das Smartphone mit der Haifischflosse

Nicolas La Rocco 45 Kommentare
Oppo Reno2 im Test: Das Smartphone mit der Haifischflosse

tl;dr: Seit Kurzem ist der Smartphone-Hersteller Oppo in Deutschland aktiv. Das Reno2 ist neben dem schwächeren Reno2 Z eines der hierzulande ersten Geräte. Es verbindet ein schickes Design mit hochwertiger Verarbeitung, vier Kameras und Mittelklasse-Snapdragon. Die Android-Version ist jedoch alt und der Vibrationsmotor nervt.

Über viele Jahre war Huawei der chinesische Smartphone-Hersteller schlechthin in Europa. In den letzten Monaten sind jedoch zahlreiche neue Player offiziell auf den Markt gestoßen, nachdem die Smartphones bereits zuvor kräftig über Drittanbieter importiert wurden. Allen voran sind Xiaomi und das Unternehmen BBK Electronics zu nennen, zu dem neben Oppo die Marken OnePlus, Realme und Vivo zählen.

Reno2 für 450 Euro im Online-Handel

Erst vor Kurzem hat Oppo mit dem Find X2 das erste Flaggschiff für Deutschland angekündigt und tritt damit in Konkurrenz zu den ganz großen Herstellern wie Apple und Samsung. Heute liegt der Fokus hingegen auf dem Reno2, das neben dem schwächeren Reno2 Z über namhafte Vertriebspartner wie Amazon*, Cyberport, Expert, Media Markt, Mobilcom-Debitel, 1&1, Otto, Saturn und Yourfone angeboten wird. Der unverbindliche Preis liegt bei 499 Euro, seit mehreren Wochen ist das Mobilgerät im freien Online-Handel hingegen stabil bei 449 Euro angesiedelt. Auch das Reno2 Z kostet mit 319 Euro häufig 50 Euro weniger als die angesetzte Preisempfehlung von 369 Euro.

Oppo Reno2 Oppo Reno2 Z
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0
Display: 6,50 Zoll
1.080 × 2.400, 405 ppi
AMOLED
6,50 Zoll
1.080 × 2.340, 396 ppi
AMOLED
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 730G
2 × Kryo 470 Gold, 2,20 GHz
6 × Kryo 470 Silver, 1,80 GHz
8 nm, 64-Bit
MediaTek Helio P90
2 × Cortex-A75, 2,20 GHz
6 × Cortex-A55, 2,00 GHz
12 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 618 PowerVR GM9446
970 MHz
RAM: 8.192 MB
LPDDR4X
Speicher: 256 GB (+microSD) 128 GB (+microSD)
1. Kamera: 48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF
2. Kamera: 13,0 MP, f/2,4, AF 8,0 MP, f/2,2, AF
3. Kamera: 8,0 MP, f/2,2, AF 2,0 MP, f/2,4, AF
4. Kamera: 2,0 MP, f/2,4, AF
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 16,0 MP, 1080p
LED, f/2,0
16,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓800 ↑150 Mbit/s
Advanced
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC USB 2.0 Typ C
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 74,3 × 160,0 × 9,50 mm 75,8 × 161,8 × 9,35 mm
Schutzart: ?
Gewicht: 189 g 195 g
Preis: ab 429 € ab 299 €

Smartphone ohne Kamerabuckel

In puncto Design staunt man als Tester nicht schlecht, wenn man wie im Falle des Reno2 nach Jahren der immer größer werdenden Kamerabuckel ein Smartphone in den Händen halten darf, das ohne Ausbuchtung auf der Rückseite auskommt. Die vier untereinander angebrachten Kameralinsen schließen plan mit dem restlichen Gehäuse ab, das im Gegenzug auf eine Bautiefe von marginal dickeren 9,5 mm kommt.

Das Reno2 ist bestens verarbeitet, wenngleich Oppo in puncto Materialeinsatz keine Revolution ausruft und stattdessen auf Bewährtes wie Glas und Metall setzt. Interessant sind aber die beim schwarzen Gehäuse schimmernden Effekte in Blau sowie der kleine Puck unterhalb der Bokeh-Linse, der verhindert, dass die Kameras über den Tisch kratzen. Der Puck führt allerdings auch dazu, dass sich das Smartphone auf dem Tisch gerne wegdreht, anstatt seine Position zu halten. Die Idee ist grundsätzlich gut, wirkt aber nicht zu Ende gedacht.

Oppo zieht die Tasten nach unten

Die Tasten hat Oppo aus ergonomischer Sicht an perfekter Stelle in den Rahmen integriert, da sie eher im Bereich der Mitte des Smartphones sitzen und so trotz des 6,5-Zoll-Displays und Gehäuseabmessungen von 74,3 × 160,0 × 9,50 mm (B × H × T) gut und ohne Fingerverrenkungen erreichbar sind. Sattes Klicken und die Passgenauigkeit der Tasten tragen zum insgesamt positiven Qualitätseindruck bei.

Display erfüllt die Herstellerangabe

Das Display kommt im 20:9-Format daher und nutzt ein AMOLED-Panel mit für die Technik üblich perfektem Schwarzwert für einen sehr hohen Kontrast. Oppo gibt eine Helligkeit von 500 cd/m² für den Bildschirm an, die im Test mit 521 cd/m² knapp übertroffen wird. Das ist bei bedecktem Himmel oder leichtem Sonnenschein völlig ausreichend, könnte im Sommer aber hier und da zu Problemen bei der Ablesbarkeit führen. Apple und Samsung schaffen im Automatikmodus jeweils deutlich mehr. Einen Boost im Automatikmodus bietet Oppo hingegen nicht. An der Auflösung gibt es mit 1.080 × 2.400 Pixeln aber nichts zu meckern, trotz 6,5 Zoll wirkt das Schriftbild scharf genug. Den Weißpunkt hat der Hersteller mit 8.000 Kelvin jedoch viel zu kühl und mit Blaustich eingestellt. Selbst manuelles Nachjustieren erlaubt minimal nur 6.900 Kelvin.

Der Bildschirm nimmt beinahe die gesamte Front ein, da der Fingerabdrucksensor hinter dem Panel sitzt und Oppo die Selfie-Kamera in einem ausfahrbaren Mechanismus versteckt hat. Der Fingerabdrucksensor reagiert im Alltag schnell genug, könnte aber etwas höher sitzen, um ihn einfacher mit dem Daumen zu erreichen.

Snapdragon 730G trifft auf altes Android 9.0 Pie

In puncto Leistung vertraut Oppo auf Qualcomm, genauer gesagt den Snapdragon 730G, der mit 8 GB RAM und 256 GB erweiterbarem Speicher kombiniert wird. Das ist selbst für die obere Mittelklasse eine üppige Ausstattung und soll laut Oppo dafür sorgen, dass das Smartphone nach mehreren Jahren der Nutzung und aufgespielten Updates noch flüssig läuft.

Dass das Reno2 definitiv ein Update benötigt, zeigt die veraltete Android-Version 9.0 Pie, die bereits anderthalb Jahre auf dem Buckel hat. Oppo legt darüber sein eigenes ColorOS in Version 6.1 bei, das ganz dem Namen entsprechend viel Farbe in Googles eher schlichtes Betriebssystem bringt. Der Aufsatz wirkt aber nicht zu verspielt und zeichnet sich insgesamt durch sauber aufgebaute Menüs und schicke Grafiken aus. Manche Menüpunkte und Symbole, etwa bei den Schnelleinstellungen und Benachrichtigungen, fallen allerdings ziemlich groß aus und nehmen dadurch viel Display-Fläche ein.

Vibrationsmotor beeinträchtigt Bedienung

Ganz und gar nicht will hingegen das haptische Feedback gefallen. Der Vibrationsmotor wirkt träge und verhaspelt sich immer wieder, sodass mehrere Vibrationen hintereinander oder in einer starken Vibration auslösen. Vor allem beim schnellen Tippen kommt das System nicht hinterher. Die gesamte Bedienung des Smartphones wird dadurch negativ beeinträchtigt. Oppo hätte hier zu einem hochwertigeren Bauteil greifen müssen, denn das Reno2 wirkt dadurch deutlich langsamer, als es eigentlich ist.

ColorOS 6.1 auf Basis von Android 9.0 Pie
ColorOS 6.1 auf Basis von Android 9.0 Pie

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