C:\B_retro\Ausgabe_25\: Der perfekte Gaming-PC für das Jahr 2000

Sven Bauduin 218 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_25\: Der perfekte Gaming-PC für das Jahr 2000
Bild: Retro Gaming Museum

tl;dr: Wie sah der perfekte Gaming-PC im Jahr 2000 aus und welche Spiele wurden damit gespielt? C:\B_retro\ spricht in beiden Fällen entsprechende Empfehlungen aus und rückt sowohl Retro Hardware als auch Retro Games von vor 20 Jahren in den Fokus. Vom legendären AMD Athlon K7 bis zum Intel Pentium III ist alles dabei.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene.

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Der perfekte Gaming-PC für das Jahr 2000

Auch wenn der perfekte Gaming-PC vor rund 20 Jahren noch ein wenig anders aussah als heutzutage, wurden auch diese Konfigurationen nicht weniger akribisch geplant und jede Komponente auf ihre Spieletauglichkeit hin geprüft.

AMD oder Intel? ATi oder Nvidia? Auch diese Entscheidungen waren bereits damals mehr eine Art Glaubensfrage und sorgten mitunter für hitzige Diskussionen unter Enthusiasten und Spielern.

Schöne Impressionen aus dieser Zeit liefert auch das speziell auf Retro Hardware und Retro Games hin ausgerichtete Retro Gaming Museum, welches sein Pforte rund um die Uhr für Besucher geöffnet hat.

Ein IBM Aptiva mit einem Intel Pentium III 600 vom Typ Katmai
Ein IBM Aptiva mit einem Intel Pentium III 600 vom Typ Katmai (Bild: Retro Gaming Museum)

Aus welcher Hardware durften Spieler zu Beginn des neuen Jahrtausends wählen und wie sehen die Empfehlungen aus? Hauptprotagonisten waren damals AMD und Intel sowie ATi, Nvidia und auch noch 3dfx.

Den Kampf um den Platz im Case der Computerspieler fochten Athlon K7, Pentium III, GeForce 256 und deren Nachfolger die GeForce-2-Serie sowie die 3. und 4. Generation der 3dfx Voodoo und der Radeon-Vorläufer Rage 128 aus.

Prozessoren

Kämpfen Spieler und Spiele heutzutage gleichermaßen in der Regel eher mit einem GPU-Limit, konnte die Wahl der richtigen CPU vor 20 Jahren noch entscheidend sein und dem Prozessor samt Mainboard kam eine nicht unwesentlich größere Rolle zu als das heute der Fall ist.

Damals wie heute hießen die Anwärter auf den CPU-Thron AMD und Intel, nachdem sich mit Cyrix der dritte Wettbewerber kurz zuvor aus dem Rennen um den schnellsten Desktop-Prozessor zurückgezogen hatte.

Auch wenn der bis zu 733 MHz schnelle VIA Cyrix III nach der Übernahme durch VIA doch noch im Jahr 2000 erschien, konnte er auf Grund von Stabilitätsproblemen, hoher Wärmeentwicklung und niedriger Taktraten in Kombination mit einem deutlich zu hoch angesetzten P-Rating keine Rolle mehr spielen.

Das Duell hieß also AMD Athlon gegen Intel Pentium III und das hatte es Anfang des Jahrtausends durchaus in sich.

AMD Athlon
AMD Athlon (Bild: Wikipedia)
Intel Pentium III
Intel Pentium III (Bild: Wikipedia)

Am 23. Juni 1999 stellte AMD seine neue Prozessorserie Athlon auf Basis der völlig neu entwickelten K7-Mikroarchitektur vor, die zu Beginn aus drei Modellen mit 500, 550 und 600 MHz und einem L2-Cache mit halben Prozessortakt bestand.

Bereits am 9. August und 4. Oktober des Jahres 1999 folgten zwei weitere Modelle mit 650 und 700 MHz Taktfrequenz und AMD legte mit den Prozessoren vom Codenamen Argon die Grundlage für das Duell mit dem Intel Pentium III im Jahre 2000.

Intel hatte zu der Zeit gerade seinen Pentium III mit Katmai-Kern und bis zu 600 MHz am Markt und positionierte sich im März 2000 mit einem 900-MHz-Modell, welches bereits auf einen Coppermine-Kern setzte, gegenüber dem Athlon, den AMD zu diesem Zeitpunkt bereits auf einen Pluto-Kern im 180-nm-Fertigungsverfahren und bis zu 1.000 MHz umgestellt hatte.

AMD gewann damit nicht nur das Rennen um die erste Gigahertz-CPU, sondern konnte mit der Umstellung auf die legendären Thunderbird-Modelle mit einem L2-Cache mit vollem Prozessortakt Intel auch noch weiter distanzieren.

Am 17. Oktober 2000 stellte AMD den AMD Athlon (Thunderbird) mit 1.200 MHz vor, während der Pentium III mit 1.000 und 1.100 MHz nur in homöopathischen Dosen verfügbar war und hinsichtlich Fließkomma- und Integer-Leistung nicht mit dem Athlon mithalten konnte. Den Pentium III mit 1,13 GHz für den Slot 1 musste Intel gar kurze Zeit nach dessen Einführung aufgrund gravierender Fehler vom Markt zurückziehen.

Empfehlung: AMD Athlon („T-Bird“) mit 1,2 GHz

  • AMD Athlon
  • Sockel: Sockel A
  • Architektur: AMD K7
  • Codename: Thunderbird
  • Taktfrequenz: 1.200 MHz
  • L1-Cache: 64 + 64 kB (Daten + Instruktionen)
  • L2-Cache: 256 kB mit vollem Prozessortakt
  • Befehlssätze: MMX, Extended 3DNow!
  • Fertigungstechnik: 180 Nanometer
  • Erscheinungsdatum: 5. Juni 2000
  • Händlerpreis: 612 US-Dollar
AMD Athlon mit 1,2 GHz
AMD Athlon mit 1,2 GHz (Bild: HW-Museum)
AMD Athlon mit 1,2 GHz
AMD Athlon mit 1,2 GHz (Bild: HW-Museum)

Weitere Details zum AMD Athlon „T-Bird“ mit 1.200 MHz liefert die umfangreiche Datenbank von CPU-World und das Hardware Museum.

Mainboards

Das Duell um das beste Mainboard für Sockel A (auch Sockel 462) lieferten sich seinerzeit Asus, Abit, EPoX und MSI, wobei Abit und EPoX zu dieser Zeit unter Spielern einen besonders guten Ruf besaßen.

Obwohl es für den Sockel A mit seinem PGA-Design und den 4,95 × 4,95 cm messenden AMD Athlon „T-Bird“ mit seinen 453 Pins viele gute Mainboards gab, konnten sich Anfang des neuen Jahrtausends die Modelle KT7 und KT7A (RAID) mit seinem VIA KT133A-Chipsatz hervortun.

Besonders das Abit KT7A-RAID sollte viele Freunde finden und sich abermals als erste Wahl für Übertakter erweisen, weshalb es sich auch die Empfehlung als bestes Mainboard für Gaming-PCs im Jahre 2000 verdient.

Empfehlung: Abit KT7A-RAID mit VIA KT133A-Chipsatz

  • Abit KT7A-RAID
  • Sockel: Sockel A
  • Chipsatz: VIA KT133A („Apollo“)
  • North Bridge: BGA VT8363A
  • South Bridge: BGA VT82C686B
  • Front Side Bus: 200/266 MHz
  • Besonderheit: HighPoint 370 Raid-Controller
Abit KT7A-RAID
Abit KT7A-RAID (Bild: ixbtlabs)
Abit KT7A-RAID
Abit KT7A-RAID (Bild: ixbtlabs)

Weiterführende Informationen zum Abit KT7A-RAID und dem VIA KT133A-Chipsatz lassen sich dem umfangreichen Review von Wilhelm Sassenberg aus dem Jahr 2002 und den offiziellen Spezifikationen auf der Website von VIA entnehmen.

Grafikkarten

Im Jahre 2000 warben mit ATi, Nvidia und 3dfx noch drei Hersteller um die Gunst der Käuferschaft und so begegneten sich Grafikkarten mit Grafikprozessoren vom Typ eines ATi Rage 128 (Pro), Nvidia GeForce 256 sowie 3dfx Voodoo 3 und VSA-100 („Napalm“) alias Voodoo 4 auf dem Spielfeld.

Die legendäre Grafikschmiede 3dfx war aber bereits nur noch ein Schatten seiner glorreichen Tage und so sollten ATi und Nvidia das Duell um die beste Grafikkarte für Computerspiele im Jahr 2000 unter sich ausmachen.

ATi entschloss sich im Jahre 1999, die Rage Fury MAXX mit zwei ATi Rage 128 Pro GL Grafikprozessoren und den folgenden Spezifikationen zum Preis von rund 600 DM auf den Markt zu bringen:

  • Grafikchip: 2× ATi Rage 128 Pro GL
  • Videospeicher: 2× 32 MB SDRAM mit 7ns Zugriffszeit
  • Chiptakt: 125 MHz
  • Speichertakt: 143 MHz
  • Speicherbandbreite: 4,6 GB/s
  • 350MHz RAMDAC
  • AGP 4×/2×
  • DirectX 7

Außerdem hatte ATi mit der Rage Fury Pro und der Rage Fury sowie der XPERT-Serie weitere Grafikkarten mit Rage 128 Pro und dem regulären Ableger Rage 128 am Markt. Zudem spielten auch Matrox Graphics mit der Millennium G400 und der Millennium G400 MAX sowie S3 (später VIA) mit der Savage 2000 eine untergeordnete Rolle.

Schnell aber keine Empfehlung: Die Dual-GPU ATi Rage Fury MAXX
Schnell aber keine Empfehlung: Die Dual-GPU ATi Rage Fury MAXX

Eine Empfehlung für die schnellste Grafikkarte des Jahres 2000 können aber weder die Exoten noch die ATi Rage-Beschleuniger für sich verbuchen. Die schnellste Grafikkarte des Jahres 2000 kam aus dem Hause Nvidia.

Mit der GeForce-2-Serie samt der Grafikprozessoren NV11 und NV15 stellte Nvidia im Verlaufe des Jahres 2000 die bis dahin leistungsstärkste Grafikkartenserie überhaupt vor.

Die GeForce2 GTS wurde am 26. April 2000 veröffentlicht und war dabei die erste Grafikkarte für private Endanwender überhaupt, die eine Füllrate von mehr als einer Milliarde Texel pro Sekunde erreichte, weshalb der Namenszusatz „GTS“ auch für „Giga-Texel-Shader“ stand.

Die GeForce2 GTS hätte durchaus die Empfehlung des Jahres 2000 sein können, hätte Nvidia nicht am 14. August 2000 mit der GeForce2 Ultra das neue Flaggschiff der Serie vorgestellt, welches die GTS-Variante noch einmal in allen Bereichen übertreffen konnte.

Empfehlung: Nvidia GeForce 2 Ultra

  • Nvidia GeForce2 Ultra
  • Grafikchip: NV15 in 180 nm
  • Videospeicher: 64 MB DDR-RAM
  • Chiptakt: 250 MHz
  • Speichertakt: 230 MHz
  • Speicherbandbreite: 7,4 GB/s
  • Speicherinterface: 128 Bit
  • OpenGL 1.2
  • DirectX 7
  • AGP 4×
Nvidia GeForce2 Ultra
Nvidia GeForce2 Ultra (Bild: VideoCardz)

Spiele

Wer im Jahre 2000 einen AMD Athlon T-Bird mit 1,2 GHz und 256 MB SDRAM auf einem Abit KT7A-RAID sein Eigen nannte und dazu über eine Nvidia GeForce2 Ultra verfügen konnte, durfte sich mit dem leistungsstärksten Gaming-PC seiner Zeit rühmen. Doch welche Spiele wurden zu der Zeit gespielt? Nachfolgend einige der Highlights unter den Veröffentlichungen des Jahres 2000:

  • Quake III Arena, id Software*
  • Unreal Tournament, GT Interactive*
  • Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2, EA
  • Flucht von Monkey Island, LucasArts
  • Tomb Raider V, Eidos Interactive
  • Age of Empires II, Microsoft*
  • Deus Ex, Eidos Interactive
  • Diablo II, Blizzard North
  • Baldurs Gate 2, Bioware
  • Dino Crisis 2, Capcom
  • Counter-Strike, Valve
  • Die Sims, EA

*bereits Ende 1999 erschienen.

C:\B_retro\Feedback\

Feedback ist jederzeit willkommen

Die Redaktion freut sich über konstruktive Kritik, Lob, aber auch Vorschläge, um die Serie zukünftig noch stärker an den Wünschen der Leserschaft ausrichten zu können. Mit diesem Lesestoff im Gepäck wünscht die Redaktion einen erholsamen Sonntag unter den Mottos #froheostern und #wirbleibenzuhause

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Die letzten fünf Ausgaben in der Übersicht

An dieser Stelle finden sich die letzten fünf Themen der vorangegangenen Ausgaben von C:\B_retro\:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase als auch in den Themenbereichen C:\B_retro\ und Retro.

Community-Notes

Hinweise und Ergänzungen aus unserer Community

Hier finden sich die besten Hinweise und Ergänzungen aus der ComputerBase Community.

VRAM der GeForce2 Ultra lief mit 230 MHz

Wie Community-Mitglied andi_sco vollkommen richtig angemerkt hat, besaß die Nvidia GeForce2 Ultra einen Speichertakt von 230 MHz. Im Artikel wurde anfänglich der Speichertakt der GeForce2 Pro von 200 MHz angegeben.

Quake III und Unreal Tournament dürfen nicht fehlen

Wenngleich bereits 1999 erschienen, dürfen Quake III Arena und Unreal Tournament in der Übersicht für der meistgespielten Spiele 2000 nicht fehlen. Community-Mitglied Hayda Ministral teilte dies freundlicherweise in seinem Post mit.

GeForce2 Ultra besaß NV15-Chip in 180 nm

Wie Community-Mitglied BAR86 richtig bemerkt hat, wurde der NV15 der GeForce2 Ultra noch in 180 nm gefertigt, erst die spätere und etwas langsamere GeForce2 Ti wurde in 150 nm hergestellt. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

Age of Empires II erschien bereits 1999

Wie Community-Mitglied 3dfx_Voodoo5 richtig ergänzt hat, erschien der Strategiemeilenstein Age of Empires II ebenfalls bereits 1999, dürfte aber auch im Jahr 2000 zu dem am meisten gespielten Titeln gehört haben.