Oppo A91 im Test: Kamera, Akkulaufzeiten und Fazit

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Nicolas La Rocco
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Käufer eines A91 erhalten insgesamt fünf Kameras, davon eine vorne in der Tropfen-Notch für Selfies mit 16 Megapixeln und vier auf der Rückseite. Die Hauptkamera mit Weitwinkelobjektiv und f/1.7-Blende bietet 48 Megapixel, hinter dem Ultraweitwinkelobjektiv mit 119-Grad-Sichtfeld und f/2.2-Blende sitzt ein Sensor mit 8 Megapixeln. Darauf folgen zwei 2-MP-Linsen für die Tiefenberechnung bei Porträtaufnahmen und für Schwarz-Weiß-Fotos. Der Blitz besteht aus zwei LEDs.

Mit der Hauptkamera und dem Ultraweitwinkelobjektiv geschossene Aufnahmen eint als auffälligstes Merkmal, dass sie häufig wie mit Ölfarben gemalt wirken. Auf manchen Fotos scheint man geradezu die Pinselstriche verfolgen zu können, etwa bei der Aufnahme des Wasserhahns, der Baustelle oder des Altglascontainers. Die Aufnahmen bieten prächtige Farben, sind meistens dank guter HDR-Automatik korrekt belichtet und weisen einen zuverlässigen Weißabgleich auf. Bildschärfe und eine klare Detailabbildung lassen die Fotos aber vermissen.

Pixelbrei mit dem Ultraweitwinkelobjektiv

Das Ultraweitwinkelobjektiv ist davon besonders betroffen, am deutlichsten sichtbar ist das bei der Aufnahme der Baustelle mit der Schaufel im Vorder- und dem Bagger rechts im Hintergrund. Geht man dort in die Detailansicht des Bürgersteigs, des Bodens neben der Schaufel oder des Erdhügels daneben, ist nicht mehr als Pixelbrei zu erkennen.

Oppo A91 im Test – Kamera

Makroaufnahmen sind gut umgesetzt

Besser schlägt sich das Ultraweitwinkelobjektiv bei der Nutzung für Makroaufnahmen. Denn im extremen Nahbereich wechselt die Kamera-App automatisch in den Makromodus, der selbst bei wenigen Zentimetern Abstand noch fokussiert. Beispielaufnahmen dafür ist die Blüte, das Stickmuster der Mütze oder die Naht des Baseballs. Zwar muss dem Autofokus hin und wieder manuell nachgeholfen werden, die Ergebnisse sind dann aber sehenswert. Insbesondere die Kombination aus einer Makroaufnahme mit einem Ultraweitwinkelobjektiv führt zu interessanten Fotos.

Bei Selfies wiederum ist es wichtig, nicht zu viel Gegenlicht auf die Linse treffen zu lassen. Zwar bietet auch die vordere Kamera eine HDR-Automatik, diese kommt mit Gegenlicht aber nicht besonders gut zurecht. Doch auch hier wirken die Fotos zu oft wie gemalt. Negatives Paradebeispiel ist die Aufnahme vor dem Tempo-30-Zone-Schild.

Akku mit schneller Ladetechnik

Oppo setzt beim A91 auf einen Akku mit 4.025 mAh, der für Laufzeiten im Mittelfeld ausgelegt ist. Beim YouTube-Streaming mit kalibrierter Helligkeit waren mit 14:40 Stunden Laufzeiten auf dem Niveau eines LG G8s (Test) oder Samsung Galaxy A50 (Test) möglich. Im PCMark, der vor Kurzem auf Version 2.0 umgestellt wurde, weshalb bisher nur wenige Vergleichswerte vorliegen, kommt das A91 auf etwas über 8 Stunden. Der Test hätte ohne den Sportmodus für Benchmarks potenziell besser ausfallen können. Überprüfen ließ sich das nicht, da der Entwickler UL im Testzeitraum keine anonymisierte Version der App zur Verfügung stellen konnte.

Als Schnellladetechnik kommt das eigene VOOC 3.0 zum Einsatz, das den Akku mit bis zu 20 Watt (5 V/4 A) innerhalb von knapp über 70 Minuten vollständig lädt. Im unteren Bereich geht das Laden mit 50 Prozent in unter einer halben Stunde schneller vonstatten. VOOC 3.0 findet bei Oppos Mittelklasse-Smartphones Verwendung, während das Flaggschiff Find X2 Pro (Test) auf SuperVOOC 2.0 mit bis zu 65 Watt setzt. Die unterschiedlichen Bezeichnungen und Versionsnummern sind kaum durchschaubar und sagen nichts über die Leistung aus. Das macht OnePlus mit Warp Charge 30T besser.

Fazit

Oppo ist es mit dem A91 gelungen, innerhalb kürzester Zeit ein vollständiges Smartphone-Portfolio aus Einsteiger-, Mittel- und Oberklasse in Deutschland aufzubauen. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 299 Euro ist das A91 aber bei Weitem kein Preiskracher. Derzeit fällt der Gegenwert eher ernüchternd aus, obwohl das Smartphone in gewissen Punkten durchaus zu gefallen weiß. Vor allem mit dem üppig bemessenen RAM und Festspeicher setzt sich Oppo von der Masse ab. Auch an der Verarbeitung gibt es nicht auszusetzen.

Eher mittelmäßig ist hingegen die Kamera, die bis auf wenige Ausnahmen wie den Makromodus durchwachsen abschneidet. Das OLED-Display hat einen tollen Kontrast, bietet insgesamt betrachtet aber nicht mehr als Standardkost. Dass der Prozessor von MediaTek stammt, ist eigentlich erst einmal nicht negativ zu sehen, doch auch das A91 läuft im Schummelmodus und noch dazu mit veraltetem Android. Oppo will Android 10 erst dann liefern, wenn Google bereits mit Android 11 an der Tür klopft. Die COVID-19-Pandemie ist eine schlechte Ausrede für das stark veraltete Betriebssystem.

Es gibt nicht wenig Konkurrenz

Doch wie ist es um die Konkurrenz bestellt? Im Preisbereich bis 300 Euro steht das A91 mit 8 GB RAM und 128 GB Festspeicher tatsächlich ziemlich alleine da, nur das Realme 5 Pro bietet diese Ausstattung ebenfalls. Weitere Konkurrenzgeräte, die zudem bereits mit Android 10 laufen, sind das Honor 20 und Huawei Nova 5T (beide mit Google-Apps), Motorola One Vision, Samsung Galaxy A51 und Xiaomi Redmi Note 8 Pro. Den langfristig gesehen besten Software-Support dürfte aber das Nokia 7.2 bieten.

Oppo A91
Produktgruppe Smartphones, 28.04.2020
  • Display
    O
  • Leistung Produktiv
    +
  • Leistung Unterhaltung
    O
  • Laufzeit
    O
  • Verarbeitung
    ++
  • Makromodus des Ultraweitwinkels
  • Sehr gute Verarbeitung
  • OLED-Display mit hohem Kontrast
  • Gute Alltags-Performance
  • Viel RAM und Speicher ab Werk
  • 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
  • Speicher erweiterbar
  • Schnelles Aufladen
  • Kameras mit Ölfarbeneffekt
  • Veraltete Android-Version
  • Späte Updates
  • MediaTek-SoC mit Schummelmodus

ComputerBase wurde das A91 leihweise von Oppo zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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