One Vision und Galaxy A50 im Test: 300-Euro-Mittelklasse von Motorola und Samsung

Mahir Kulalic 97 Kommentare
One Vision und Galaxy A50 im Test: 300-Euro-Mittelklasse von Motorola und Samsung

tl;dr: Für rund 300 Euro duellieren sich das Motorola One Vision und das Samsung Galaxy A50 in der umkämpften Mittelklasse. Auf den ersten Blick teilen sich die Smartphones viele Eigenschaften. Im Test zeigt sich aber, dass die Modelle unterschiedliche Prioritäten hinsichtlich Kamera, Updates und Akku setzen.

In Anbetracht steigender Smartphone-Preise in der Oberklasse und gleichzeitig günstiger Angebote von chinesischen Herstellern wie Xiaomi wird die Mittelklasse für viele Unternehmen ein immer wichtigeres Segment. Motorola bedient kleinere Budgets mit einer Vielzahl an Modellen quer durch die Reihen G, X und seit letztem Jahr auch One. Samsung hat seit 2018 zudem die Ambitionen der A-Reihe verstärkt und probiert viele moderne Features zuerst in der Mittelklasse aus. So fallen die Unterschiede zwischen Mittelklasse und High-End abseits des stärksten Prozessors oder am höchsten auflösenden Displays nicht mehr so eindeutig aus wie vor einigen Jahren.

Motorolas neuestes Mittelklasse-Angebot ist das One Vision, das neben der Update-Garantie dank Android One vor allem mit Display und Kamera überzeugen soll. Ein auf dem Papier sehr ähnliches Modell bietet Samsung in Form des Galaxy A50 an, das neben einer Triple-Kamera mit Ultraweitwinkel eines der größten AMOLED-Displays in Samsungs aktuellem Portfolio bietet. Beide Modelle sind im freien Handel für rund 300 Euro zu haben und damit nicht nur technisch, sondern auch preislich nahe beieinander.

Technische Daten im Vergleich

Motorola One Vision Samsung Galaxy A50
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0
Display: 6,30 Zoll
1.080 × 2.520, 435 ppi
LTPS
6,40 Zoll
1.080 × 2.340, 403 ppi
Super AMOLED
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor
SoC: Samsung Exynos 9609
4 × Cortex-A73, 2,20 GHz
4 × Cortex-A53
10 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 9610
4 × Cortex-A73, 2,30 GHz
4 × Cortex-A53, 1,70 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G72 MP3
RAM: 4.096 MB
Speicher: 128 GB (+microSD)
1. Kamera: 48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
25,0 MP, 1080p
Dual-LED, f/1,7, AF
2. Kamera: 5,0 MP, f/2,2 8,0 MP, f/2,2
3. Kamera: Nein 5,0 MP, f/2,2
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 25,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
25,0 MP, 1080p
f/2,0
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑11,52 Mbit/s
Ja
LTE: Ja
↓300 ↑50 Mbit/s
Ja
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 5.0 LE 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 3.500 mAh
fest verbaut
4.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 71,2 × 160,1 × 8,70 mm 74,7 × 158,5 × 7,70 mm
Schutzart: IP52
Gewicht: 180 g 166 g
Preis: ab 289 € ab 281 €

Auf den ersten Blick sehr ähnlich

Die optische Gestaltung beider Modelle offenbart einige Gemeinsamkeiten: Motorola und Samsung setzen auf eine Rückseite, die je nach Lichteinfall unterschiedlich schimmert und so stets eine etwas andere Nuance zeigt. Das bronzefarbene One Vision setzt allerdings weniger darauf als das schwarze Testmodell von Samsung. Bei beiden Smartphones ist zudem die Mehrfachkamera vertikal im linken, oberen Eck platziert. Neben der Kamera wird die Rückseite des One Vision vom Fingerabdrucksensor unterbrochen, während dieser im A50 unter dem Display steckt. Den größten Unterschied im Design offenbart die Front. Beide Modelle versuchen möglichst viel Bildschirmfläche auf der Front unterzubringen, gleichzeitig aber auch die Frontkamera zu integrieren. Motorola setzt auf einen Ausschnitt mit Loch, während Samsung eine kleine Notch in Wassertropfen-Form nutzt. Wie von vielen Smartphones gewohnt, fällt der untere Rahmen etwas größer aus als am oberen Ende, in erster Linie stechen aber beide Male die Bildschirme heraus.

Während die Optik also viele Ähnlichkeiten aufweist, unterscheiden sich die Modelle bei der Materialwahl spürbar. Motorola setzt beim One Vision auf Glas für Front und Rückseite, während Samsung den hinteren Teil des Smartphones mit Kunststoff abdeckt. Dieser fühlt sich nicht ganz so glatt und fest an wie das Glas des One Vision, ein großer Unterschied ist aber bei der alltäglichen Nutzung kaum auszumachen. Im wahrsten Sinne des Wortes spürbar ist der Einsatz von Kunststoff allerdings beim Thema Gewicht, denn mit 166 Gramm wiegt das A50 12 Gramm weniger als das One Vision. Durch das breitere und schlankere Gehäuse wirkt Samsungs Smartphone auch subjektiv eine Ecke leichtfüßiger. Der Rahmen beider Smartphones besteht aus Kunststoff.

Zwei Mal fehlerfreie Verarbeitung

Die Verarbeitung ist in beiden Fällen fehlerfrei und dem Preis angemessen: Spaltmaße sind gleichmäßig und minimal, alle Anschlüsse und Aussparungen sind präzise. Beide Hersteller platzieren die Tasten auf der rechten Gehäuseseite. Hier überzeugt Samsung mehr: Zwar wirkt das Klacken der Tasten nicht übermäßig hochwertig, der Druckpunkt ist aber satt und eindeutig spürbar. Die Knöpfe des One Vision hingegen sind weich und geben daher wenig Feedback. Einziger kleiner Schwachpunkt des A50 ist die Größe des Einschalters: Dieser ist sehr schlank und klein und geht bei der ebenfalls schlanken Linie und den knapp 16 Zentimetern Länge unter.

Der klassische Fingerabdrucksensor gewinnt

Die Umsetzungen des Fingerabdrucksensors unterscheiden sich dahingehend, dass bei Motorola ein außenliegender Sensor zum Einsatz kommt, während Samsung auf ein Modell im Display setzt. Insofern hat das Galaxy A50 die durchaus modernere Methode, überzeugender ist aber Motorolas Umsetzung. Der einfache Grund: die Reaktionszeit. Samsungs Fingerabdrucksensor benötigt vergleichsweise viel Zeit, bis er den Finger akkurat erkennt und das Display entsperrt. Beim One Vision reicht eine leichte Berührung aus dem Standby heraus aus, um das Gerät fast unmittelbar zu entsperren. Zudem lässt sich der Sensor des One Vision problemlos ohne Hinsehen ertasten, während Samsungs Äquivalent eine feste Position hat, die abgedeckt werden muss.

Display-Technik im Kontrast

Wenngleich viele Merkmale der beiden Smartphones identisch oder ähnlich sind, liegt einer der elementaren Unterschiede in der verwendeten Bildschirmtechnik. Während Motorola auf ein LTPS-Panel setzt, stattet Samsung das A50 mit einem Super-AMOLED-Display aus. Die vom Papier bekannten Unterschiede zeigen sich im Direktvergleich mit bloßem Auge: Samsungs AMOLED-Bildschirm bietet sehr kräftige und satte Farben, gewohnt starke Kontraste und echtes Schwarz. Probleme gibt es aber mit der Darstellung von großflächigem Weiß, das eher gelblich wirkt. Hier punktet das Motorola durch ein reineres Weiß, das aber einen Blaustich aufgrund der Kalibrierung aufweist. Insbesondere im Direktvergleich sehen die Farben des One Vision matter und etwas tiefer aus, während sie auf dem A50 eher Richtung Neon gehen.

Super AMOLED bei Samsung siegt

Im Hinblick auf die Messungen setzt sich das Samsung Galaxy A50 vom One Vision ab. Neben dem aufgrund des AMOLED-Displays überlegenen Kontrast punktet das Modell mit einer höheren Maximalhelligkeit und einem natürlicheren Weißpunkt. Die höchstmögliche Leuchtkraft erreicht das A50, wie von vielen OLED-Smartphones gewohnt, nur im Automatikmodus. Dann liegen rund 515 cd/m² an, der Weißpunkt ist mit circa 7.100 Kelvin für heutige Smartphone-Verhältnisse vergleichsweise neutral. Das One Vision erreicht mit 510 cd/m² nur minimal weniger, hat aber einen Weißpunkt von circa 8.000 Kelvin, was deutlich mehr in Richtung Blau geht. Der Kontrast ist mit 1.045:1 aufgrund des vergleichsweise hohen Schwarzwertes mittlerweile nicht mehr als Durchschnitt.

Die Nase vorn hat das One Vision hingegen bei den Blickwinkeln. Zwar gibt auch das Galaxy A50 keine schlechte Figur ab, die Farben neigen aber sichtbarer zum Verblassen, als es beim One Vision der Fall ist, das die Farben deutlich stabiler hält. Bei textlastigen Inhalten fällt dies beim A50 spürbar weniger auf.

Das Loch beim One Vision kostet nutzbare Fläche

Doch nicht nur die eingesetzte Technik steht sich bei den Smartphones gegenüber, auch die Unterbringung der Frontkamera geht in sehr unterschiedliche Richtungen. Das Galaxy A50 nutzt ein von Samsung „Infinity-U“ genanntes Display, das die Frontkamera in einer kleinen, rundlichen Form beherbergt. Das Motorola One Vision hingegen setzt auf ein „Cut-out“, also einen Ausschnitt im Display, der die Frontkamera beinhaltet. So verfährt Samsung mit den Infinity-O-Displays in der Galaxy-S10-Reihe (Test). Anders als die Notch des A50 sitzt das Loch des One Vision nicht mittig, sondern nahe an der linken, oberen Ecke des Bildschirms. Neben der Kamera ist zu jeder Zeit ein schwarzer Rand drumherum sichtbar, der je nach Inhalt wie ein Fremdkörper wirkt, während sich beim A50 die Inhalte zumindest symmetrisch entlang des oberen Randes und der Statusleiste verteilen.

Das Loch des One Vision im Alltag
Das Loch des One Vision im Alltag
Eingenommene Fläche des Lochs gegenüber der Notch
Eingenommene Fläche des Lochs gegenüber der Notch

21:9 beim One Vision und trotzdem nicht wie im Kino

Doch während beide Lösungen Vor- und Nachteile bieten, ist im Direktvergleich der beiden Smartphones aus praktischer Sicht die Notch die bessere Lösung. Die Frontkamera des One Vision kostet im oberen Teil des Displays mehr Platz als die Notch, entsprechend sind Inhalte auf dem One Vision im Vergleich zum A50 leicht nach unten versetzt. Gleichzeitig ist das Display des Motorola-Smartphones sichtbar schmaler, die Kamera aber großflächiger, sodass der beanspruchte Raum größer ausfällt. Zudem widerspricht die Frontkamera zum Teil dem Zweck des gewählten Seitenverhältnisses von 21:9. In Anlehnung an das im Kino genutzte Format nennt Motorola das Display „CinemaVision“, und dort liegt auch schon der Widerspruch zwischen Frontkamera und Marketing-Name.

Ein YouTube-Video in 21:9 in „Originalgröße“
Ein YouTube-Video in 21:9 in „Originalgröße“
Ein Youtube-Video in 21:9 in Vollbild
Ein Youtube-Video in 21:9 in Vollbild

Werden Filme und Serien im Vollbild angezeigt, ist die Frontkamera stets im Bild und verdeckt, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, Inhalte beziehungsweise schneidet sie aus. Auch Sony setzt bei den zum MWC 2019 gezeigten Neuvorstellungen Xperia 10 (Plus) sowie Xperia 1 auf 21:9, verzichtet aber auf jegliche Einschnitte oder Kerben und nutzt das Seitenverhältnis in den vorgesehenen Verwendungszwecken besser. Insgesamt fällt das längliche Verhältnis im Alltag nicht negativ auf, aufgrund des Formfaktors ist das Display aber sehr schmal, sodass trotz der Länge nicht unbedingt mehr Inhalt auf einen Blick zu sehen ist. Dafür lässt sich das Smartphone sehr gut mit einer Hand halten, bedienen aber nicht – ebenso wie das breitere A50.

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