Samsung Galaxy Book S im Test: Leistung und Software

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Nicolas La Rocco
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Richtig interessant wird es beim Galaxy Book S unter der Haube. Wo sonst Technik von AMD oder Intel zum Einsatz kommt, ist diesmal ein Chip von Qualcomm verbaut – und nicht irgendeiner, sondern mit dem Snapdragon 8cx das erste speziell für Notebooks konzipierte System on a Chip aus San Diego. Eine gewisse Verwandtschaft zum Snapdragon 855 lässt sich im Detail trotzdem erkennen, aber der Reihe nach.

Der Snapdragon 8cx folgt bei Notebooks auf den Snapdragon 835 und den Snapdragon 850. Der Snapdragon 835 für Windows-on-ARM-Geräte war im Prinzip ein Snapdragon 835 für Smartphones, der Chip durfte auf den Kryo-280-Kernen aber etwas höher takten. Das gleiche Spiel folgte mit dem Snapdragon 850, der auf dem Snapdragon 845 für Smartphones basiert. Erneut takten die Kryo 385 Gold 150 MHz höher und der Chip darf mehr Energie als im Smartphone verbrauchen.

Snapdragon 8cx mit Octa-Channel-RAM

Beim Snapdragon 8cx – das „cx“ steht für „Compute Extreme“ – sind zwar Parallelen zum Snapdragon 855 erkennbar (etwa bei den CPU-Kernen), der Chip wurde aber von vornherein mit 7 Watt TDP konzipiert, sodass vier der acht Kryo 495 mit bis zu 2,84 GHz takten dürfen. Beim Snapdragon 855 ist diese Eigenschaft auf den einzelnen Prime-Core beschränkt. Das Limit der vier weiteren Kryo 495 liegt bei 1,8 GHz. Das 128 Bit breite Octa-Channel-Speicherinterface für LPDDR4X-4266 kommt auf den doppelten Durchsatz im Vergleich zur Smartphone-Plattform und mit insgesamt 10 MB für L1, L2, L3 und System-Cache steht mehr Pufferspeicher als beim neueren Snapdragon 865 zur Verfügung. Detailangaben zu den Caches macht Qualcomm nicht.

Große Adreno-680-GPU

Auch zur Adreno-680-GPU hält sich Qualcomm bedeckt, doch sollen 1.840 GFLOPS in der Grafikeinheit stecken, was rund 93 Prozent mehr als bei der Adreno 640 des Snapdragon 855 und knapp 50 Prozent mehr als bei der Adreno 650 im Snapdragon 865 wären. Schneller ist nur die Adreno 685 im Microsoft SQ1, die auf 2.100 GFLOPS kommt. Der modifizierte Snapdragon 8cx ist im Surface Pro X verbaut.

Speziell für das PC-Segment gibt es neben der Unterstützung von UFS 3.0 Support für NVMe-SSDs, die über eine nicht genannte Anzahl von Lanes nach PCI Express 3.0 angebunden werden. USB 3.2 Gen 2 (früher USB 3.1 Gen 2) mit bis zu 10 Gbit/s ist ebenfalls dabei, davon bietet das Galaxy Book S zwei Anschlüsse.

Integriertes LTE-Modem

Damit das Galaxy Book S zum „Always Connected PC“ wird, steckt im Snapdragon 8cx das Snapdragon-X24-Modem für bis zu 2 Gbit/s schnelles LTE. Für 5G-Unterstützung müsste das etwas ältere Snapdragon-X50-Modem angebunden werden, was über zwei PCI-Express-Lanes möglich wäre. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass erste 5G-Notebooks entweder auf den Snapdragon 865 mit zusätzlichem Snapdragon X55 oder einen Nachfolger des Snapdragon 8cx setzen werden.

Intels 15-Watt-Klasse im Visier

Als Qualcomm den Snapdragon 8cx Ende 2018 vorgestellt hat, wurde für einen Leistungsvergleich ein namentlich nicht genannter 15-Watt-Prozessor der Konkurrenz herangezogen. Dass es sich um Intel handelt, war allen Anwesenden sofort klar. Dabei könnte es sich um Whiskey Lake-U gehandelt haben, wahrscheinlicher ist aber Kaby Lake Refresh-U. Bei gedeckelten 7 Watt TDP präsentierte Qualcomm die doppelte Leistung im Vergleich zum Konkurrenzprodukt. Tatsächlich lag Intels cTDP-down aber schon damals bei 10 Watt, sodass die Ergebnisse extrapoliert sein müssen.

Sustained Performance bei 7 Watt
Sustained Performance bei 7 Watt (Bild: Qualcomm)

Snapdragon 8cx im Benchmark

Am nächsten kommt diesem TDP-Vergleich der zuletzt im Asus ExpertBook B9450FA getestete Core i7-10510U, der ab Werk auf 10 Watt gedrosselt war. Nun ist Comet Lake-U aber mehrere Generationen neuer als Qualcomms Vergleichs-CPU, sodass der Snapdragon 8cx in den CPU-Benchmarks aktueller Prozessoren das Schlusslicht bildet. Ice Lake-U im Acer Swift 3 (Test) ist dank 15-Watt-Limit schneller als der Core i7-10510U im Asus-Notebook und damit ebenfalls flotter als der Snapdragon 8cx.

Das Blatt wendet sich allerdings, wenn zum 3DMark gewechselt wird. Die Adreno-680-GPU hat leichtes Spiel mit der mickrigen UHD Graphics 620 des Core i7-10510U und hält zu diesem Prozessor einen größeren Abstand als zur Iris Plus Graphics des Core i7-1065G7. Dessen integrierte G7-Grafikeinheit mit 64 EUs ist im 3DMark Sky Diver allerdings 48 Prozent schneller. Casual-Games aus dem Microsoft Store, darunter Asphalt 9 und World of Tanks Blitz, liefen aber reibungslos auf dem Galaxy Book S.

Diese Apps laufen auf ARM

Vielmehr sind es ohnehin die Anwendungen und nicht die Hardware, die je nach spezifischem Nutzerverhalten eine Barriere darstellen können. Da es sich beim Snapdragon 8cx um einen ARM-Prozessor handelt, läuft nur entsprechend optimierte Software – oder sie muss emuliert werden. Konkret bedeutet das, dass auf dem Galaxy Book S 64-Bit-ARM64-Apps und 32-Bit-ARM32-Apps nativ laufen und 32-Bit-x86-Apps emuliert werden können. Für 64-Bit-x64-Apps ist Letzteres nicht möglich, wenngleich sich seit Jahren hartnäckig das Gerücht hält, dass Microsoft dies ermöglichen wolle. Bisher dazu gekommen ist es aber nicht und es gibt auch keinen offiziellen Termin dafür.

Liegt eine Anwendung also nur als 64-Bit-x64-App vor, kann sie nicht auf dem Galaxy Book S ausgeführt werden, wie unter anderem das Fehlen zahlreicher Benchmarks zeigt, die ComputerBase normalerweise verwendet. Aber Anwender sollten nicht nur bei ihren im Alltag unerlässlichen Anwendungen prüfen, ob sie auf einem ARM-Notebook lauffähig sind, sondern auch beachten, dass davon ebenso Treiber betroffen sind. Sie müssen ebenfalls explizit für ARM-basierte PCs entwickelt worden sein, andernfalls können gewisse Peripheriegeräte oder Drucker nicht genutzt werden. Das funktioniert nur dann, wenn die Treiber, von denen sie abhängig sind, in Windows 10 integriert sind oder der Hardware-Entwickler ARM64-Treiber für das Gerät veröffentlicht hat. Die Funktion „Windows-Fax und Scan“ steht bei Windows on ARM erst gar nicht zur Verfügung.

Fehlermeldung bei inkompatiblen Apps
Fehlermeldung bei inkompatiblen Apps

Bei den Browsern gibt es Auswahl

Im Redaktionsalltag war das Fehlen gewisser Benchmarks die einzige Hürde, doch dürfte das fast ausschließliche Arbeiten im Browser und CMS für eher wenige Anwender die Regel sein. Aufgrund der Gewohnheiten vom Desktop-PC kamen auf dem Galaxy Book S die Anwendungen Google Chrome, Slack und GIMP für leichte Bildbearbeitung zum Einsatz. Chrome und GIMP müssen in ihrer 32-Bit-Version vom Betriebssystem emuliert werden, da sie nicht als ARM-Anwendungen vorliegen. Microsofts Edge-Browser auf Chromium-Basis gibt es seit Anfang Februar für ARM.

Wer auf die Office-365-Anwendungen angewiesen ist, kann Apps wie Outlook, Word, Excel und PowerPoint ebenfalls in ARM-optimierten Varianten nutzen. Auch Microsoft Teams läuft nativ auf dem Galaxy Book S. Nutzt man stattdessen Versionen ohne Abomodell, etwa Office 2019, ist dies zwar ebenfalls möglich, dann aber nur in emulierter x86-Variante. Selbiges trifft auf kostenlose Alternativen wie LibreOffice zu.

Apps aus dem Profisegment bleiben außen vor

Im professionellen Umfeld sieht es dagegen nicht so gut aus. Die Adobe Creative Cloud ist zum Beispiel nicht verfügbar. Lediglich die Fresco-App zum Zeichnen und Malen mit Stylus steht zum Download bereit und lässt sich auf Geräten wie dem Surface Pro X nutzen. Das Galaxy Book S ist hingegen nicht für die Nutzung eines Stylus ausgelegt. Doch auch das Umwandeln von Videodateien über beliebte Apps wie Handbrake will nicht funktionieren, da diese Anwendung nur in einer 64-Bit-Version vorliegt. Selbiges gilt für die Rendering-Software von Maxon, wenngleich sich hier die Frage stellt, inwiefern das Galaxy Book S dafür selbst bei gegebener Kompatibilität das richtige Gerät wäre.

Der Microsoft Store funktioniert

Was nicht mehr passieren kann, ist das Kaufen inkompatibler Anwendungen im Microsoft Store. Zum Marktstart des Surface Pro X war es möglich, zu ARM inkompatible Apps zu kaufen, die sich dann nicht installieren ließen. Mittlerweile zeigt der Store nur noch passende Apps an, wie ein Vergleich von Galaxy Book S und Desktop-PC offenbarte.

Top-Spiele im Microsoft Store für Arm
Top-Spiele im Microsoft Store für Arm
Top-Spiele im Microsoft Store für x86
Top-Spiele im Microsoft Store für x86

Wer das Galaxy Book S primär als Office-Notebook nutzen möchte, wird also kaum in Schwierigkeiten bei der alltäglichen Nutzung geraten, sofern man nicht auf spezielle Treiber für die Peripherie angewiesen ist. Spielen im Alltag aber mehr und mehr eher exotische Anwendungen oder solche aus dem kreativen Umfeld eine Rolle, muss vorab die Kompatibilität geprüft oder nach alternativen Apps Ausschau gehalten werden.

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