Glorious Model D- im Test: Kleinere Maus mit größerer Konkurrenz

Fabian Vecellio del Monego 69 Kommentare
Glorious Model D- im Test: Kleinere Maus mit größerer Konkurrenz

tl;dr: Auf die Model D lässt Glorious die Model D- folgen. Die nur etwas kleinere Schwester ist kaum überraschend abermals gelungen, steht aber größerer Konkurrenz gegenüber als bisherige Glorious-Mäuse. Im Test tritt sie gegen zwei wetteifernde Nager an. Einen pauschal überlegenen Sieger gibt es am Ende aber nicht.

Im Februar testete ComputerBase mit der Model D die erste ergonomisch für Rechtshänder ausgelegte Maus des noch jungen Herstellers Glorious PC Gaming Race. Und wie zuvor schon bei der symmetrischen Model O (Test) ist einige Monate nach dem Marktstart auch eine „Minus-Version“ in geringerer Größe verfügbar, in diesem Fall also die Model D-. Da diese – wie auch zuvor die Model O- (Test) – auf ein identisches Innenleben setzt, fällt ein bloßer Leistungstest der geschrumpften Variante recht einfach: Sofern es keine überraschenden Probleme gibt, handelt es sich auch bei der kleinen Model D um eine sehr gute Maus.

Im Vordergrund dieses Artikels soll daher hauptsächlich der Vergleich zu zwei konkurrierenden Mäusen stehen: Einerseits zu Razers DeathAdder V2 Mini (Test) – die große Todesotter wetteiferte bereits im Test der Model D mit Glorious' Maus – und andererseits zu Roccats Kone Pure Ultra (Test). Alle drei Modelle sind ergonomisch für Rechtshänder geformt, ungefähr gleich schwer und gleich teuer – ein Vergleich drängt sich also geradezu auf.

Glorious PC Gaming Race Model D-
Razer DeathAdder V2 Mini
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 0,7 – 2,0 mm
PixArt PMW-3359
Optisch
Auflösung: 400 – 12.000 cpi
6 Stufen
100 – 8.500 cpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 6,3 m/s 7,6 m/s
Beschleunigung: 490 m/s² 343 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC, 20 mio. Klicks Razer Optical, 70 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Software: 10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
cpi-Indikator
Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Gehäuse: 120 × 61 × 40 mm
Hartplastik
114 × 56 × 39 mm
Hartplastik
Gummielemente
Gewicht: 61 Gramm (o. Kabel) 62 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 2,00 m, umwickelt USB-A-Kabel, 2,10 m, umwickelt
Preis: ab 58 € / ab 59 € ab 60 €

Es kommt auf die Größe an

Die Model D- ist von ihrerer größeren Schwester kaum zu unterscheiden, wenn keine Skala gegeben ist oder die einzelnen Hexagon-Löcher im Mausrücken gezählt werden. Beide Mäuse setzen auf die exakt gleiche Formgebung, nur eben mit dem maßgeblichen Unterschied der Abmessungen: Die kleinere Variante ist rund 8 mm kürzer und minimal schmaler sowie niedriger. Das von 68 auf 61 g gesunkene Gewicht liegt im Rahmen des Vernachlässigbaren. Damit wird direkt zu Beginn des Tests klar, dass die kleinere Model D deutlich größer ausfällt als die kleinere DeathAdder V2: Razers Minimaus ist in Relation zur Model D- ungefähr so viel kleiner wie letztere im Vergleich zur großen Model D.

Klein, kleiner, am kleinsten

Ungefähr dazwischen liegt wiederum die Kone Pure Ultra. Die deutlich schwungvolleren Kurven und die markantere Formgebung der Roccat-Maus bedingen zwar eine auf dem Papier weite Breite, tatsächlich spricht das mit einer glatten Soft-Touch-Beschichtung versehene Eingabegerät aber klar kleinere Hände an als die Model D-. Diese wiederum verfügt wahlweise über eine matte, unbeschichtete oder aber über eine glatte, glänzende Kunststoff-Oberfläche, während die DeathAdder V2 Mini mit einer deutlich raueren Oberflächenstruktur und optionalen Grip-Tapes daherkommt.

Sofern die Materialbeschaffenheit kein Kriterium darstellt, gilt also, dass die DeathAdder V2 Mini wahrlich nur kleine Hände anspricht, während sich die Model D- auch angenehm in mittelgroße Handflächen schmiegt. Die Kone Pure Ultra liegt näher an der Razer-Maus, grenzt sich aber aufgrund der tiefen Delle in der linken Flanke deutlich ab. Interessenten mit großen Händen sprechen jedoch alle drei Mäuse nicht an; Model D oder DeathAdder V2 ist in diesem Fall die deutlich passendere Wahl.

Die Konkurrenz bietet mehr Grip

Doch noch einmal zurück zu den Materialien: Grundsätzlich sind Präferenzen hier sehr subjektiv, dennoch lassen sich objektive Schlüsse ziehen. Razers Maus bietet mit aufgetragenem Grip-Tape eindeutig am meisten Haftung und den besten Halt. Sofern jedoch keine Gummi-Oberfläche gewünscht ist, geht der erste Platz an die Kone Pure Ultra, die zwar weniger Haftung, dank der markanten Form aber dennoch mehr Halt bietet. Doch auch ohne Grip-Tapes ist die Haut der kleinen Todesotter immer noch rutschfester als die der Model D-, deren matte Oberfläche kaum Halt bietet. Die glänzende Version kann hier potentiell Abhilfe schaffen, wird aber sehr rutschig, sobald Schweiß ins Spiel kommt.

Schlimm ist das wiederum nicht unbedingt: Bei Palm-Grip-Mäusen – und alle genannten Exemplare sind ebensolche – ist eine rutschfeste Oberfläche weit weniger wichtig als beispielsweise bei Fingertip-Grip-Modellen, weil einerseits die Kontaktfläche deutlich größer ist und andererseits die ergonomische Form einem beständigen Verrutschen vorbeugt. Für ein regelmäßiges Hochheben und Umsetzen der Maus, wie es etwa bei sehr niedrigen Sensorauflösungen notwendig wird, eignet sich Glorious' neueste Maus dennoch nicht sonderlich gut.

Abermals erstklassige Gleiteigenschaften

Eine nahezu perfekte Leistung liefert die Model D- hinsichtlich ihrer Gleiteigenschaften. Die Kombination aus niedrigem Gewicht und vier kleinen PTFE-Gleitfüßen lässt die Maus geschmeidig dahergleiten. Alternativ befinden sich im Lieferumfang zwei weitere, deutlich größere PTFE-Elemente, mit denen sich nach Wunsch aus besagten vier Füßen zwei große Gruppierungen machen lassen.

Das flexibel mit Nylon umwickelte, 200 cm lange Kabel indes schränkt die Mausbewegungen in keinster Weise ein – Glorious hat die Schnur offenbar abermals überarbeitet, sodass die Model D- nun nahezu gleichauf mit Endgame Gears XM1 (Test) liegt, die in dieser Disziplin als Referenz herangezogen werden kann. Die DeathAdder V2 Mini liegt derweil knapp dahinter, während die kleine Kone ohne PTFE-Elemente auskommen muss und daher spürbar schlechter, aber immer noch gut gleitet.

Eine RGB-Zone in drei Bereichen

Die Model D- bietet die gleiche Ausstattung mit RGB-Leuchtdioden, die auch schon bei den drei vorherigen Glorious-Mäusen verbaut wurde: Es leuchten das Mausrad und je ein Streifen zwischen Rücken und linker und rechter Flanke. Angesteuert werden können die LEDs jedoch nur gemeinsam, sodass eine Auswahl an Effekten zwar gegeben, aber beschränkt ist. Bei Razers und Roccats Konkurrenzprodukt leuchtet jedoch ohnehin nur das Logo auf dem Mausrücken, sodass die Model D- dennoch die Nase vorne hat. Überdies verfügt sie auf der Unterseite über eine LED zur Indikation der aktuell gewählten Sensorauflösung.

Gute, aber keine sehr guten Tasten

Abermals setzt Glorious auf zwei Omron D2FC als Primärtaster, die auf dem Papier mit einer Lebenszeit von bis zu 20 Millionen Klicks spezifiziert sind. Hinzu gesellen sich zwei Zusatztasten an der linken Seite, das Mausrad und ein weiterer Knopf auf dem Mausrücken. Roccats Kone Pure Ultra bietet gar Omron D2FC-F-K, die mit einer Ausdauer von bis zu 50 Millionen Klicks beworben werden. In der Praxis sind diese Angaben aber meist nicht von Relevanz, da die Mikroschalter in Gaming-Mäusen normalerweise ohnehin außerhalb ihrer Spezifikationen betrieben werden, um eine möglichst geringe Latenz zu erziehlen. Das dabei häufig entstehende Problem sind ungewollte Doppelklicks, weil die Entprellzeiten der einzelnen Schalter minimiert wurden, um Verzögerungen möglichst aus dem Weg zu räumen.

Razer hingegen bewältigt dieses Ziel mit optomechanischen Tastern, die nach derzeitigem Kenntnisstand – Langzeiterfahrungen liegen rund ein Jahr nach dem Marktstart nur bedingt vor – die klar überlegene Alternative darstellen. In der DeathAdder V2 Mini werkeln die gleichen Schalter, die auch in der großen DeathAdder V2 zum Einsatz kamen und sich im Test gegen die Omron D2FC der Model D beweisen mussten. Die entsprechenden Details sind also eben jenem Abschnitt zu entnehmen. An dieser Stelle nur so viel: Die Schalter der Glorious- und Roccat-Maus sind nicht schlecht, aber die der DeathAdder V2 Mini sind besser.

Glorious Model D-
Razer DeathAdder V2 Mini
Roccat Kone Pure Ultra

Geringfügig überlegen ist die Model D- hingegen beim Pre-Travel, also der Distanz, die die Tastenabdeckungen zurücklegen müssen, bevor sie auf den darunter befindlichen, tatsächlichen Schalter treffen. Hier gilt, dass kürzere Abstände die Verzögerung minimieren und zumindest den Eindruck direkterer Eingaben entstehen lassen. Die Unterschiede sind jedoch marginal; alle drei Mäuse kommen mit spürbarem Pre-Travel daher, schlimm ist dieser allerdings nie.

Beim Vergleich der Mausräder obsiegt die Kone Pure Ultra, die sowohl eine sehr präzise Rasterung als auch eine niedrige Lautstärke beim Drehen bietet. Razers Konkurrentin bietet eine ähnliche Genauigkeit bei geringerem Widerstand, das Rad wird beim schnellen Drehen jedoch deutlich lauter. Sehr leise wiederum bleibt das Mausrad der Model D-, dies aber auf Kosten der Rasterung, die sich schwammig und lasch anfühlt. Letztendlich entscheiden hier subjektive Vorlieben.

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