Razer DeathAdder V2 Mini im Test: Die kleine Todesotter mit griffigen Aufkleber-Schuppen

Fabian Vecellio del Monego 36 Kommentare
Razer DeathAdder V2 Mini im Test: Die kleine Todesotter mit griffigen Aufkleber-Schuppen

tl;dr: Die DeathAdder V2 Mini ist eine gelungene Maus. Das debütierende Grip-Tape kann Nutzern mit entsprechender Präferenz einen echten Mehrwert bieten, erhöht aber auch den Preis. Die große DeathAdder V2 kostet derweil kaum mehr, ist aber bei Sensorik und Speicher überlegen – und somit auch meistens die bessere Wahl.

Im Februar dieses Jahres konnte Razer mit der DeathAdder V2 überzeugen. Im Test bewies sich die asymmetrische Rechtshänder-Maus gegen Glorious' Model D und konnte ihren höheren Preis vor allem aufgrund der Software-Überlegenheit rechtfertigen. Einige Monate später erscheint nun die DeathAdder V2 Mini, während die kleine Version der Glorious-Maus, die Model D-, noch rund einen Monat auf sich warten lässt. Erwähnenswert ist dabei, dass die beiden kleinen Palm-Grip-Mäuse deutlich enger beieinanderliegen respektive konkurrieren, als zuvor die größeren Schwestern. Wie schon bei der Viper Mini (Test) muss die DeathAdder V2 Mini Abstriche bei der Ausstattung hinnehmen, kostet im Gegenzug aber auch weniger – und damit eben so viel, wie auch die kleine Model D: rund 60 Euro.

Eine Besonderheit der geschrumpften Todesotter findet sich derweil im beigelegten Grip-Tape. Insgesamt vier Aufkleber mit rauer, texturierter Gummierung verleihen der vollständig aus Hartplastik gefertigten Maus nach Belieben zusätzliche Griffsicherheit. Die weiteren Spezifikationen des Eingabegeräts decken sich hingegen weitgehend mit denen der in den letzten Monaten vorangegangenen Razer-Mäuse und werden dementsprechend im Verlauf dieses Tests nicht mehr unbedingt bis ins kleinste Detail erläutert. Stattdessen steht die Beantwortung zweier Fragen im Vordergrund: Kann das Grip-Tape dem Marketing als potentiell deutliche Verbesserung der Griffsicherheit gerecht werden? Und inwiefern teilt die DeathAdder V2 Mini die bekannten Problemen der Viper Mini?

Razer DeathAdder V2 Mini
Razer DeathAdder V2
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3359
Optisch
PixArt PMW-3399
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0 – 3,0 mm
Auflösung: 100 – 8.500 cpi
5 Stufen
100 – 20.000 cpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 7,6 m/s 16,5 m/s
Beschleunigung: 343 m/s² 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Razer Optical, 70 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
8
Oberseite: 5 Unterseite: 1
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Mausrad
cpi-Umschalter, Profil-Umschalter
Software: 5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung: Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Farbe: RGB, 2 Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Gehäuse: 114 × 56 × 39 mm
Hartplastik
Gummielemente
127 × 70 × 43 mm
Hartplastik
Gummielemente
Gewicht: 62 Gramm (o. Kabel) 82 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 2,10 m, umwickelt
Preis: ab 60 € ab 67 €

Deutlich kleineres Gehäuse mit optionalem Grip-Tape

Die DeathAdder V2 Mini folgt wenig überraschend eng der Form der DeathAdder V2 – sie ist eben nur kleiner, und das in allen Dimensionen. Am deutlichsten macht sich das beim mit 62 g rund 25 Prozent niedrigeren Gewicht bemerkbar, doch auch die Abmessungen schrumpfen. Razers neueste Maus ist sogar noch kleiner als die eingangs erwähnte Model D-, liegt aber beim Gewicht gleichauf. Der Größenunterschied zwischen großer und kleiner Todesotter fällt dabei ebenfalls größer aus, als zuvor bei den Vipern: Die Länge der Maus sinkt von 127 auf 114 mm, in der Breite verliert sie rund 6 mm und auch die Höhe fällt leicht. Falls die eigenen Gliedmaßen also nicht wirklich sehr klein ausfallen, wird die „normale“ DeathAdder V2 höchstwahrscheinlich besser in der Hand liegen.

Palm-Grip-Maus für sehr kleine Hände

Diese Erkenntnis steht freilich unter der Annahme eines Palm-Grips. Aber für eben jene Griffvariante, bei der Finger und Handballen möglichst gänzlich auf dem Rücken der Maus aufliegen, eignen sich DeathAdder-Modelle seit jeher am besten. Der kleine Neuzugang kommt nun wiederum aufgrund der geringeren Größe und des niedrigeren Gewichts zwar besser für den Claw- oder Fingertip-Grip infrage, doch ist dafür schlichtweg nicht gedacht und auch nicht optimal: Eben hier wäre eine symmetrische Viper (Test), Viper Ultimate (Test) oder Viper Mini die richtige Wahl. Die primäre Zielgruppe der DeathAdder V2 fällt daher recht klein aus.

Bei der Materialwahl unterscheiden sich die beiden Todesottern dann schließlich deutlich. Den Rücken kleidet Razer zwar bei beiden Mäusen mit einem recht rauen Hartplastik – wobei die Oberfläche der DeathAdder V2 Mini etwas weniger rau ausfällt, als bei der großen Variante –, hier enden die Gemeinsamkeiten aber bereits. Die große DeathAdder V2 verfügt an beiden Flanken über eine Gummierung, die wiederum im unteren Bereich über eine seichte Riffelung verfügt. Die Seiten der kleinen Schwester hingegen bestehen vollends aus hartem Kunststoff.

Griffiges Grip-Tape gefällt gut

Damit folgt Razer der gleichen Strategie wie zuvor bei den Vipern: Viper und Viper Ultimate versah der Hersteller an beiden Flanken mit einer griffigen Gummierung, um den Halt im Fingertip-Grip zu verbessern. Bei der kleineren Viper Mini verzichtete das Unternehmen darauf – nicht nur, um den Preis zu drücken, sondern auch, weil viele Nutzer schlichtweg eine glatte Hartplastik-Oberfläche bevorzugen. Gummierungen gehen zudem immer mit einer höheren Gefahr für Abnutzungs­erscheinungen und Verunreinigungen einher. Folglich war die Viper Mini aber gar nicht per se eine kleinere Viper, sondern für eben jene Nutzer, die eine Gummierung präferieren, eine weniger sicher in der Hand liegende – und damit auch weniger gute – Maus.

Bei der kleinen DeathAdder V2 löst Razer dieses Dilemma nun geschickt mit beigelegten, optionalen Grip-Tapes. Diese rund 0,5 mm dicken, selbstklebenden Gummifolien können Nutzer wahlweise an linker und rechter Flanke sowie auf der linken und rechten Primärtasten-Abdeckung anbringen und die DeathAdder V2 Mini somit individuell anpassen. Dieses Konzept geht auf: Die einfach und je nach Belieben anzubringenden Grip-Tapes verleihen der Maus dank der rautenförmigen Textur deutlich mehr Griffigkeit, besonders bei schwitzigen Händen.

Problemlos justierbar, rückstandslos entfernbar und sicher haftend

Für die Tapes hat Razer mit 3M zusammengearbeitet und gab gegenüber ComputerBase zudem zu verstehen, dass „während des ersten Beklebens ein Entfernen und Justieren problemlos möglich“ seien – und im Test bestätigte sich diese Aussage: Auch nach mehrmaligem Auftragen und Entfernen der Grip-Tapes haften die Streifen noch sicher auf der Maus-Oberfläche.

Doch das Justieren geschah binnen weniger Minuten – wie sieht es Monate oder Jahre später aus? Razer selbst gab auf Nachfrage zu, dass die tatsächliche Haltbarkeit der Aufkleber von zahlreichen Faktoren abhänge, darunter beispielsweise die Sauberkeit der Maus-Oberfläche oder die Umgebungstemperatur. Zumindest nach knapp zwei Wochen der alltäglichen Mausverwendung unter Juli-Temperaturen kleben die Streifen – auch nach erneutem Entfernen und Justieren – noch einwandfrei, aber Rückschlüsse auf den Zustand in einem Jahr lassen sich daraus freilich nicht ziehen.

Beruhigend kann an dieser Stelle lediglich hinzugefügt werden, dass Razers stets rückstandslos entfernbare Grip-Tapes einerseits einen wertigen Eindruck machen – soweit das eben für nach Plastik riechende Gummifetzen möglich ist – und andererseits für rund 12 Euro separat erhältlich sind. Im Fall der Fälle wäre Ersatz also problemlos zu beschaffen. Ohnehin stellt sich abgesehen von der Klebefähigkeit die Frage nach einer Oberflächen-Abnutzung durch Abrieb: Diese ist bei weicher Gummierung stets höher als bei Hartplastik, lässt sich aber nach zwei Wochen Gebrauch weder feststellen noch beurteilen.

Niedriges Gewicht, geschmeidiges Kabel, gute Gleiteigenschaften

Zu den Gleiteigenschaften der DeathAdder V2 Mini lässt sich wenig sagen – sie sind eben, wie in den letzten Monaten von den meisten neuen Razer-Mäusen gewohnt, gut. Dazu tragen ein mit 62 g niedriges Gewicht, vier unlackierte PTFE-Gleitfüße und ein flexibel umwickeltes USB-A-Kabel bei. Zu letzterem kann zwar angemerkt werden, dass es beim ComputerBase vorliegenden Testgerät tatsächlich ein wenig steifer und im Durchmesser breiter ausfällt als von Vipern Basilisken und der großen DeathAdder zuletzt gewohnt, aber der Unterschied ist marginal.

Bezüglich der Masse des kleinen Eingabegeräts ist am Rande erwähnenswert, dass sie gleichmäßig ausbalanciert ist, aber auch das fällt bei einer Pam-Grip-Maus ohnehin nicht sonderlich ins Gewicht. Die vier Grip-Tapes bringen übrigens insgesamt rund 2 g auf die Waage – absolut vernachlässigbar.

Nur noch das Razer-Logo leuchtet

Die DeathAdder V2 Mini verfügt über ein – auf Wunsch – bunt leuchtendes Razer-Logo auf dem Mausrücken, muss aber in Relation zur großen Schwester auf die RGB-LEDs im Inneren des Mausrads verzichten. Die vorhandene Leuchtdiode wiederum ist ausreichend hell, um das Logo ganz auszuleuchten, und gibt Farben treu wieder. LEDs zur Indikation der gewählten Sensorauflösung gibt es nicht.

Optomechanische Primär- und weniger Sekundärtasten

Wie nahezu sämtliche in den letzten Monaten neu erschienenen Razer-Mäuse setzt auch die DeathAdder V2 Mini bei den Primärtasten – also der linken und rechten Maustaste – auf optomechanische Schalter. Was das im Detail bedeutet, kann dem entsprechenden Abschnitt aus dem Test der großen Schwester entnommen werden. An dieser Stelle nur so viel: Die Tasten sind gut und potentiell langlebiger als herkömmliche Schalter. Ein Geschwindigkeitsvorteil existiert aber im Rahmen menschlicher Wahrnehmung nicht. Der Pre-Travel liegt bei der kleinen Todesotter bei recht guten 0,9 mm links und akzeptablen 1,3 mm rechts.

Razer DeathAdder V2 Mini

Auf der Oberseite verfügt die Maus über eine Zusatztaste, die für das sequentielle Durchschalten der Sensorauflösung gedacht ist, aber auch frei umprogrammiert werden kann. Zwei weitere Zusatztasten finden sich an der linken Flanke. Damit fehlen der kleinen DeathAdder V2 im Vergleich zur großen Variante leider zwei Knöpfe – einmal oben und einmal unten. Das Mausrad ist klar und deutlich gerastert und gefällt damit haptisch, aber weniger akustisch: Gerade beim schnellen Drehen wird es sehr laut, aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

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