C:\B_retro\Ausgabe_51\: Das erste IBM ThinkPad

Sven Bauduin 128 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_51\: Das erste IBM ThinkPad
Bild: IBM

tl;dr: Seit 2005 im Portfolio von Lenovo zuhause, etablierte IBM mit dem ThinkPad 700C bereits 1992 den noch heute gültigen Standard für Businessnotebooks. Mit dem ersten echten ThinkPad rettete sich die am 16. Juni 1911 gegründete International Business Machines Corporation zudem aus einer der größten Krisen ihrer Geschichte.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

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Das erste IBM ThinkPad

Nachdem sich IBM bereits Anfang der 1980er mit dem IBM Personal Computer, kurzum IBM PC, sowie dem gemeinhin gültigen Gütesiegel IBM-PC-kompatible Computer etabliert und den allgemeinen Standard für Computersysteme definiert hatte, geriet das Unternehmen zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Der IBM PC
Der IBM PC (Bild: IBM)

Als Anfang der 1990er eine neue Kategorie von Computern, die mobilen PCs, langsam in Mode kamen, geriet IBM gegenüber der Konkurrenz von Compaq und später auch Hewlett-Packard immer mehr ins Hintertreffen.

Nachdem der IBM PS/2 L40SX, ein klobiger Portable-PC im Clamshell-Formfaktor, am Markt scheiterte, musste eine weitere Innovation her, die IBM schlussendlich retten sollte.

Unter dem Namen ThinkPad, der auf ein kleines, ledernes Notizbuch (Notepad) mit dem Aufdruck „Think“ zurückzuführen ist, wurde das ThinkPad geboren und sollte das Segment der Businessnotebooks ab 1992 neu definieren.

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Geschichte

Diese Innovation sollte letztendlich das ThinkPad 700C darstellen, das am 5. Oktober 1992 erschien und alle innovativen technischen Entwicklungen der damaligen Zeit zusammenführte.

Anders als die damals üblichen Notebooks am Markt, die auf ein maximal 9,5 Zoll großes Monochrom-Display setzten, war das ThinkPad 700C bereits mit einem 10,4 Zoll großen Farbdisplay mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln ausgestattet, welches 256 Farben gleichzeitig anzeigen konnte und besaß vergleichsweise potente Hardware.

IBM ThinkPad 700C
IBM ThinkPad 700C (Bild: Richard Sapper)

Das Design des ersten ThinkPad 700C und weiterer erfolgreicher Modelle wurde im Wesentlichen vom deutschen Industriedesigner Richard Sapper entworfen, der heute als einer der wichtigsten Designer seiner Generation gilt und am IBM-Designcenter in Yamato in Japan erarbeitet.

Das ThinkPad 700C sollte von den Proportionen her an eine traditionelle Zigarrenkiste erinnern, eine einfache, rechteckige Schachtel, die erst beim Öffnen ihren Inhalt enthüllt.

Mit seinem kantigen Design und der für die damalige Zeit ungewöhnlichen schwarzen Farbgebung, die zum einen „mysteriös“ wirken und zum anderen das Display des ThinkPad 700C heller erscheinen lassen sollte, setzte Richard Sapper neue Maßstäbe und bestimmt das Aussehen von Notebooks bis heute.

Der deutsche Designer selbst gibt an, sich bei der Formensprache des ThinkPad 700C von der japanischen Bentōbox, einer in der japanischen Küche weit verbreiteten Darreichungsform von Speisen, inspiriert worden zu sein.

IBM ThinkPad 700C
IBM ThinkPad 700C (Bild: Richard Sapper)

Neben der bereits damals hervorragenden IBM-typischen Tastatur besaß das ThinkPad 700C ein weiteres, heute ikonisches Design-Feature, den TrackPoint.

Vom IBM-Entwickler Ted Selker Mitte der 1980er entwickelt, ermöglichte der TrackPoint die Bedienung des Mauszeigers, ohne dabei die Hände von der Tastatur nehmen zu müssen.

Das charakteristische rote Design erhielt der TrackPoint wiederum ebenfalls von Richard Sapper, IBM bestand zuvor auf einer blauen Farbgebung in den eigenen Firmenfarben. Richard Sapper aber, der sich beim Design des ThinkPad 700C weitreichende Freiheiten hatte zusichern lassen, bestand strikt auf einen roten TrackPoint, um ein möglichst starkes Kontrastverhältnis zum schwarzen Gehäuse zu erzielen.

Spezifikationen

Das rund 3,5 Kilogramm schwere und 297 × 210 × 55 mm (B×T×H) messende ThinkPad 700C sowie dessen Schwestermodell ThinkPad 700 mit Monochrom-Display zeichneten sich vor allem durch eine für Notebooks aus dieser Zeit vergleichbar gute Aufrüstbarkeit aus, die ein CPU-, RAM- und HDD-Upgrade nach dem Kauf durch den Anwender ermöglichte und die Notebooks vergleichbar langlebig machte.

Die vollständigen offiziellen Spezifikationen des ThinkPad 700C und 700 sahen wie folgt aus:

  • Intel i486 SCL mit 25 MHz
    • 8 kB L1-Cache
    • PGA 168-Pin
  • Intel i486 SLC2 mit 50 MHz
    • 8 kB L1-Cache
    • PGA 168-Pin
  • 4 MB IC-DRAM (erweiterbar bis maximal 16 MB)
  • 122 MB Fesplatte (erweiterbar bis maximal 340 MB)
  • 10,4" TFT-Display mit 640 × 480 Pixeln und 256 Farben
    • Modell 700: 9,5" STN-Display mit 640 × 480 Pixeln und 64 Graustufen
  • 3,5" Diskettenlaufwerk
  • Anschlüsse:
    • seriell
    • parallel
    • PS/2
    • VGA
    • Portreplikator
    • externer Microchannel-Anschluss (700, 700C)
    • externes Diskettenlaufwerk (optional)
    • Modem (optional)

Als Betriebssystem kam Windows 3.1 zum Einsatz, das später optional gegen Windows 3.11 für Workgroups mit erweiterter Netzwerkfunktionalität ausgetauscht werden konnte.

IBM ThinkPad 700C
IBM ThinkPad 700C (Bild: Richard Sapper)
IBM ThinkPad 700C
IBM ThinkPad 700C (Bild: Richard Sapper)

Randnotiz: Die ersten Serien des IBM ThinkPad, die erstmals auf der Computerbörse Comdex im Jahr 1992 vorgestellt wurden, sind in Anlehnung an die Modellbezeichnung der Fahrzeuge von BMW in die Serien 3xx, 5xx und 7xx eingeteilt, wobei 3xx die Einstiegsklasse, 5xx die Mittelklasse und 7xx die Luxusklasse bezeichnet.

Empfehlenswerte Videos und Reviews

Zum 25. Geburtstag des ThinkPad veröffentlichte Lenovo das folgende Video unter dem Titel „The ThinkPad That Started It All“ und zeigte einige schöne Impressionen zum ThinkPad 700C.

Außerdem veröffentlichte der Tech-Channel „At Tech“ ein äußerst sehenswertes Retro-Review zum ersten ThinkPad der Unternehmensgeschichte von IBM und stellt das Notebook in allen Facetten vor.

Sollten die ComputerBase-Leser im Besitz historischer ThinkPad-Modelle sein, würde sich die Redaktion über entsprechende Fotos und Anekdoten in den Kommentaren zu dieser Ausgabe von C:\B_retro\ sehr freuen.

Weitere interessante Informationen sowie Erfahrungsberichte zum ThinkPad 700C und dessen Schwestermodellen hält das ThinkPad-Wiki bereit.

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Feedback ist jederzeit willkommen

Die Redaktion freut sich über konstruktive Kritik, Lob, aber auch Vorschläge, um die Serie zukünftig noch stärker an den Wünschen der Leserschaft ausrichten zu können. Mit diesem Lesestoff im Gepäck wünscht die Redaktion einen erholsamen Sonntag.

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