C:\B_retro\Ausgabe_48\: Der Apple II. Der erste echte Personal Computer.

Sven Bauduin 77 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_48\: Der Apple II. Der erste echte Personal Computer.
Bild: Rocky Bergen

tl;dr: Der Apple II aus dem Jahre 1977 von Apple Computer – heute Apple – ist nicht nur einer der ersten 8-Bit-Computer überhaupt, sondern als erster echter Personal Computer auch eine echte Legende. Zudem ist der bis 1993 produzierte PC der letzte Computer, der von nur einer einzigen Person – Steve Wozniak – konzipiert wurde.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

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Der Apple II (1977)

Als Nachfolger des ebenfalls von Steve Wozniak entwickelten Apple I, der auf einem 1,02 MHz „schnellen“ 6502-Prozessor von MOS Technology sowie 4 kB erweiterbaren Arbeitsspeicher basierte und im April 1976 zum Preis von 666,66 US-Dollar von dem damals noch jungen Unternehmen Apple vorgestellt wurde, sollte der Apple II die Geschichte des Personal Computers schon ein Jahr später für immer verändern.

Der Apple I von 1976 ist heute ein begehrtes Sammlerstück
Der Apple I von 1976 ist heute ein begehrtes Sammlerstück (Bild: Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Anders als sein Vorgänger, der noch als Bausatz bestehend aus einer Hauptplatine, Tastatur und Gehäuse sowie einem Laufwerk für Kompaktkassetten bestand und vom Heimanwender selbst zusammengebaut werden musste, sollte der Apple II der voll funktionstüchtig ausgelieferte PC für Heimanwender und Profis werden.

Mit diesem Ziel angetreten, machten sich Steve Wozniak, welcher zuvor noch für den Computerhersteller Hewlett-Packard entwickelte, und der im Oktober 2011 verstorbene Steve Jobs daran, den Apple II für jedermann zu konzipieren und begründeten mit dieser Revolution eine neue Ära in der Informationstechnik, die sich noch bis in die heutige Zeit erstreckt.

Randnotiz: Gut erhaltene Modelle des lediglich 200 mal produzierten Apple I von 1976 sind bei Sammlern bis zu 1.000.000 US-Dollar wert und werden durchschnittlich mit 250.000 US-Dollar gehandelt, wenn sie denn überhaupt den Besitzer wechseln.

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Die Geschichte

Von Steve Wozniak ab 1976 entwickelt und ab 1977 von Steve Jobs überaus erfolgreich vermarktet, sollte der Apple II von Anfang an ein Computer für jedermann sowie jeden erdenklichen Einsatzbereich darstellen.

Neben der damals noch sehr kleinen Gruppe an Heimanwendern, die mit den vollständig funktionsfähig ausgelieferten Personal Computer ihren ersten „persönlichen“ Computer überhaupt erhalten sollten und damit neben der täglichen Arbeit auch die frühen Computerspiele spielen konnten, zielte der Apple II insbesondere auf Büros.

Als einen der ersten echten Heimcomputer für Privatanwender und einer der frühen Arbeitsplatzrechner, sieht die heutige Literatur den Apple II als einen Pionier in beiden Bereichen, der die Informationstechnik, den Umgang mit Daten und deren Verarbeitung bis in die heutige Zeit geprägt hat.

Über einen Zeitraum von mehr als 16 Jahren baute Apple zwischen 1977 und 1993 mehr als zwei Millionen Apple-II-Computer, deren Erfolg viele Nachahmer fand und auch dafür sorgte, dass der Apple II innerhalb und außerhalb der USA unzählige Male kopiert und gar geklont wurde.

Die bekanntesten Apple-II-Klone sind der Laser 128 sowie der Laser 3000 von VTech, der Microprofessor II sowie dessen Nachfolger, der Microprofessor III von Multitech, ein Unternehmen das heute weltweit unter dem Namen Acer firmiert, sowie der Blaupunkt Apple II aus Deutschland. Sie alle kopierten den Apple II teilweise 1:1 oder waren zumindest zu 100% mit ihm kompatibel.

Auch Creative Labs, später bekannt für seine Soundkarten, hatte mit dem CUBIC-88 und CUBIC-99 zwei waschechte Apple-II-Kopien im Angebot, die sich den weltweiten Erfolg des Originals aus Cupertino zu Nutze machten. Da Apple seine Firmware nicht für andere Unternehmen lizenzierte, waren die meisten Klone nach heute gültigen Maßstäben nicht legal.

Insgesamt sollen Mitte der 1980er mehr als 200 Klone des Apple II existiert haben, deren Firmware in mühseliger Kleinstarbeit im Reinraum-Verfahren mit Hilfe einer sogenannten Reinraum-Implementierung dem Original nachempfunden wurde, ohne dabei aber den Code der Apple-II-Firmware zu verwenden.

Im April 1977 ging das Original dann in den USA in den Verkauf und kostete in der Grundkonfiguration mit 4 kB Arbeitsspeicher 1.298 US-Dollar. In Deutschland war der Apple II je nach Ausstattungsvariante zu Preisen von 3.500 bis 5.000 DM erhältlich. Allein die 5,25-Zoll Diskettenlaufwerke kosteten jeweils über 1.000 DM.

Natürlich wollte das ganze auch entsprechend beworben werden, wie die archivierten Werbeprospekte des 8-Bit-Museums zeigen.

Die Spezifikationen

Für den Apple II nutze Apple erneut den bereits vom Apple I bekannten 8-Bit-Prozessor MOS Technology 6502 mit 1,02 MHz sowie 4 kB bis 64 kB Arbeitsspeicher vom Typ DRAM, der von einem digitalen Grafik- und Zeichengenerator mitgenutzt wurde.

An einen Monitor oder TV angeschlossen, bot der Apple II neben dem bei jeder Speichergröße möglichen Textmodus und der groben „LoRes“-Farbgrafik mit 40 × 48 Pixeln und 16 Farben ab einer Speicherkonfiguration von 16 kB einen hochauflösenden „HiRes“-Grafikmodus mit 280 × 192 Pixeln.

Als Tastatur kam eine Schreibmaschinentastatur zum Einsatz, die nur Großbuchstaben abbilden konnte, was den Entwickler Steve Wozniak später zu der Aussage bewegte, dass diese Tastatur mit Großbuchstaben die einzige Tastatur gewesen sei, die sich Apple zu diesem Zeitpunkt habe leisten können.

Das 8-Bit-Apple-Bus-System auf der Hauptplatine des Apple II besaß insgesamt acht Erweiterungssteckplätze und erschien in mehreren Revisionen, die allesamt aus der Feder von Steve Wozniak stammen.

Die vollständigen Spezifikationen des Apple II lesen sich wie folgt:

  • 6502-Prozessor von MOS Technology mit 1,02 MHz
  • 4 kB Arbeitsspeicher vom Typ DRAM (erweiterbar bis 64 kB)
  • Grafik- und Zeichengenerator
    • mit 40 × 48 Pixeln und 16 Farben (LowRes)
    • mit 280 × 192 Pixel und 4 Farben (HighRes)
  • 8-Bit-Apple-Bus mit 8 Erweiterungssteckplätzen
  • BASIC in ROM
  • Apple ProDOS
  • Apple DOS

Der auf Retro und moderne Klassiker spezialisierte YouTube-Kanal Modern Classic beleuchtet den Apple II in seinem Video noch einmal in all seinen Facetten.

Randnotiz: Mit dem offenen Aufbau und dem erweiterbaren 8-Bit-Bus-System mit acht Erweiterungssteckplätzen setzte sich Steve Wozniak schlussendlich gegen Steve Jobs durch, der den Apple II mit nur zwei Steckplätzen für Drucker und Modem plante.

Die Spiele

Auch als Spielkonsole stand der Apple II bei vielen Heimanwendern hoch im Kurs und nicht wenige Klassiker wie Frogger, Ultima, Wolfenstein und die Summer, Winter sowie California Games des US-Entwicklerstudios Epyx fanden ihren Weg auf die Plattform.

Das Internet Archiv hat eine Sammlung von über 2.200 Spielen für den Apple II zusammengestellt, die sich per Emulation zum Teil direkt im Browser spielen lassen. Später auch auf anderen Plattformen erfolgreiche Titel wie Prince of Persia dürften Spielern auch heute noch ein Begriff sein.

Mit Cytron Masters von Danielle „Dan“ Bunten gab es auf dem Apple II zudem das erste Multiplayer-Echtzeit-Strategie-Spiel, welches über die sogenannten „Paddle“ bedient wurde. Die Redaktion dankt Community-Mitglied „foofoobar“ für dessen Hinweis zu dieser Ergänzung der heutigen Ausgabe von C:\B_retro\.

Neben den Spielen, die vor allem in heimischen Gefilden sehr beliebt waren, machte vor allem die Tabellenkalkulation VisiCalc den Apple II im Büroumfeld erfolgreich, während Applesoft, eine Version der Programmiersprache BASIC, stark von Programmierern nachgefragt wurde.

Randnotiz: Die Programmiersprache Applesoft BASIC wurde von Microsoft für Apple geschrieben und erhielt ihren Produktnamen durch eine Kombination der beiden Firmennamen.

Im Jahre 2013, 35 Jahre nachdem der erste Apple II auf den Markt gekommen war, wurde der dazugehörige Quelltext des Betriebssystems Apple DOS, welchen Steve Wozniak innerhalb von nur 7 Wochen geschrieben haben soll, durch das Computer History Museum auf dessen Website veröffentlicht und kann dort noch immer eingesehen werden.

Randnotiz: Auch in der Community aus dem ComputerBase-Forum finden sich einige Pioniere, die ihre Retro-PCs in C:\B_retro\Ausgabe_26\: Die ersten PCs der Community zu sehen sind.

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An dieser Stelle finden sich die letzten fünf Themen der vorangegangenen Ausgaben von C:\B_retro\:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase als auch in den Themenbereichen C:\B_retro\ und Retro.