Corsair Sabre Wireless im Test: 2.000 Hz sind auch zwei Jahre später 2 × 1.000 Hz

Fabian Vecellio del Monego
30 Kommentare
Corsair Sabre Wireless im Test: 2.000 Hz sind auch zwei Jahre später 2 × 1.000 Hz

Nach der 8.000-Hz-Shooter-Maus Sabre lässt Corsair eine Funkvariante folgen. Eigentlich hätte das sehr reibungslos vonstattengehen können, aber der Hersteller entschied sich abermals für Trickserei bei der USB-Abfragerate – und erneut ist das Ergebnis ernüchternd. Abseits dessen geht die Sabre Wireless allerdings in Ordnung.

Im Frühling 2021 brachte Corsair mit der Sabre RGB Pro eine der ersten Shooter-Mäuse mit nativer Unterstützung einer USB-Abfragerate von 8.000 Hz auf den Markt. Im Test bewies sich das Eingabegerät durchaus als gelungen und stellt seitdem eine gute Wahl für Interessenten auf der Suche nach einer ergonomischen Shooter-Maus für Rechtshänder mit Palm-Grip dar. Auch Anfang 2022 ist sie das einzige 8.000-Hz-Modell ebendieser Kategorie, andere Hersteller setzen auf Fingertip-Grip-Varianten.

Die im Spätsommer folgende Sabre RGB Pro Wireless indes wollte die erste funkende Shooter-Maus mit einer höheren USB-Abfragerate als den üblichen 1.000 Hz sein – abermals. Bereits rund eineinhalb Jahre zuvor, im Frühling 2020, wollte Corsair diesen Titel mit der Dark Core RGB Pro SE (Test) erobern. Das ging aufgrund einer kontra­produktiven Trickserei bei der Abfragerate in die Hose, aber auch sonst war die Dark Core keine gute Maus – im Gegensatz zur Sabre. Dieser Test soll nun klären, ob die seitens Corsair versprochene geringere Latenz und geschmeidigere Sensorik durch 2.000 Hz diesmal gegeben sind und die Sabre RGB Pro Wireless damit an den Erfolg der kabelgebundenen Schwester anknüpfen kann.

Corsair Sabre RGB Pro Wireless
Razer DeathAdder V2 Pro
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PAW-3399
Optisch
PixArt PAW-3399
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0–3,0 mm
Auflösung: 100–18.000 CPI
5 Stufen
100–20.000 CPI
5 Stufen
Geschwindigkeit: 16,5 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 2.000 Hz 1.000 Hz
Primärtaster: Omron Razer Optical, 70 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
8
Oberseite: 5 Unterseite: 1
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Mausrad
cpi-Umschalter, Profil-Umschalter
Software: 10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher
5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung: Farbe: RGB, 2 adressierbare Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
cpi-Indikator
Farbe: RGB, 1 adressierbare Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Gehäuse: 129 × 70 × 43 mm
Hartplastik, Beschichtung
Glanzelemente
127 × 72 × 43 mm
Hartplastik
Glanzelemente, Gummielemente
Gewicht: 79 Gramm (o. Kabel) 88 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A auf USB-C-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Funk: 2,4 GHz, Bluetooth
proprietärer Akku, 60 Stdn. Laufzeit
USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Funk: 2,4 GHz, Bluetooth
proprietärer Akku, 70 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Ladestation
Preis: ab 96 € ab 84 €

Preislich liegt die Sabre RGB Pro Wireless bei einem UVP von rund 100 Euro, mittlerweile ist die sie aber im Preisvergleich hin und wieder auch für unter 80 Euro erhältlich. Gegenspieler sind folglich Razers DeathAdder V2 Pro (Test), Roccats Kone Pro Air (Test) oder Glorious' Model D Wireless respektive Model D- Wireless. Allesamt arbeiten aber lediglich mit 1.000 Hz.

Palm-Grip-Gehäuse mit bewährter Formgebung

Gemeinsam hat die Sabre RGB Pro Wireless mit ihnen jedoch die allgemeine Konzeption als Palm-Grip-Shooter-Maus für Rechtshänder. Das bedeutet, dass sich die Form der Eingabegeräte am besten dazu eignet, von der gesamten Hand umschlossen zu werden, sodass Finger und Handinnenfläche mehr oder minder bündig auf dem Chassis aufliegen. Die konvex geformte linke Flanke und die eher konkave rechte Seite der Sabre unterstützen diese Griffvariante weiter. Auf der Seite des Daumens funktioniert das sehr gut, während es rechts potenziell zwei Probleme gibt: Einerseits ist das Chassis der Corsair-Maus nicht ausladend genug, um einem langen Ring- und einem kleinen Finger genügend Platz zu bieten, ohne dass diese mit ihren Kuppen über das Mauspad schleifen.

Das wiederum regt Nutzer dazu an, besagte Gliedmaßen anzuwinkeln. Und je nachdem, auf welcher Höhe die Fingerkuppen auf der Maus aufliegen, kann die Haftung maßgeblich beeinträchtigt werden: Corsair verbaut – mutmaßlich aus Designgründen – ein Band aus glänzendem Kunststoff, das einmal um die Sabre Wireless herum verläuft. Und ebendieses ist deutlich weniger griffig als die leicht angeraute matte Oberfläche, die abseits des Bandes vorzufinden ist. Das kann recht schnell störend werden – insbesondere, wenn Schweiß ins Spiel kommt.

Davon abgesehen gefällt die Formgebung der Sabre jedoch. Nicht zuletzt, weil Corsair das Rad keineswegs neu erfunden hat, sondern auf eine bewährte Formgebung setzt, wie sie in ähnlicher Art und Weise von Zowies EC-Serie, Razers Mamba-Reihe oder Glorious' Model D (Test) bekannt ist. Vor allem angesichts des Trends der letzten Jahre wird Shooter-Spielern zwar zur Steigerung der Präzision vermehrt zum Fingertip- und Claw-Grip sowie entsprechenden Mäusen geraten, die Priorität des gewünschten Komforts ist allerdings letztlich subjektiv.

Niedriges Gewicht, gute Gleitfüße, starres Kabel

Corsair selbst bescheinigt der Sabre Wireless ein Gewicht von 79 g – nur 5 g mehr als bei der kabelgebundenen Variante. Das ist Anfang 2022 zwar auch für eine asymmetrische Maus kein atemberaubend niedriger Wert mehr, leicht ist die Sabre RGB Pro aber dennoch. Razers DeathAdder V2 Pro wiegt mit 88 g gar spürbar mehr, während Roccats Kone Pro Air und die Model D Wireless mit 73 respektive 69 g ein Stück leichter sind.

Als Gleitfüße kommen derweil fünf schwarz lackierte PTFE-Elemente zum Einsatz, wobei eines als Ring um den Sensor konzipiert ist. Corsair selbst spricht abermals von „100 Prozent PTFE“, was so aber offensichtlich nicht sein kann: Reines PTFE ist hellgrau bis weiß, die verbauten Gleitelemente sind jedoch tiefschwarz. Dementsprechend kann davon ausgegangen werden, dass es sich bloß um Füße auf PTFE-Basis und mit zugesetzten Farbstoffen und Klebern handelt, wie sie seit vielen Jahren unter Gaming-Mäusen verbaut werden. Die Variante unter der Sabre RGB Pro ist dabei keineswegs unzureichend, zumindest im direkten Vergleich ist aber ein Unterschied zu Gleitelementen aus reinem PTFE spürbar. Gravierend ist das bei einer Palm-Grip-Maus jedoch nicht: Insgesamt gleitet die Sabre Wireless ungefähr auf einem Niveau mit der DeathAdder V2 Pro und der Model D Wireless, nur die Kone Pro Air bleibt darüber erhaben.

Abgeschlagen wird die Corsair-Maus allerdings, falls doch einmal das Kabel genutzt werden muss: Anders als bei der kabelgebundenen Sabre ist die Sabre Wireless nicht mit einem flexibel mit Nylon umwickelten Kabel ausgestattet, sondern setzt auf einen recht starren gummierten Draht. Sämtliche Mitbewerber sind an dieser Stelle mindestens eine Stufe weiter und lassen die Sabre bei der Verwendung beim Laden alt aussehen. Vermeintlich ärgerlich ist überdies, dass mit dem Kabel maximal 1.000 Hz zur Wahl stehen, aber dazu später mehr. Immerhin gibt es einen USB-C-Anschluss am Maus-Ende des Kabels.

Minimale RGB-Beleuchtung und zwei Indikatoren

Bei der kabellosen Variante unterscheidet Corsair nicht mehr zwischen Sabre Pro und Sabre RGB Pro, sodass alle funkenden Sabre-Mäuse über eine RGB-Beleuchtung am Corsair-Logo auf dem Mausrücken verfügen. Hinzu kommt eine visuelle Indikation der gewählten Sensorauflösung mit einer RGB-LED hinter dem Mausrad. Auf der Unterseite des Modells wird auf gleiche Weise über das gewählte Software-Profil informiert.

Schnelle Primär- und übliche Zusatztasten

Die linke und die rechte Maustaste stellen potenziell die ersten Bestandteile der Sabre RGB Pro dar, die von einer erhöhten USB-Abfragerate profitieren könnten. Der Konjunktiv ist an dieser Stelle jedoch Programm, denn bereits der diesbezüglich ausführliche Test der Viper 8KHz offenbarte, dass der Sprung von 1.000 auf 8.000 Hz keine spürbaren Unterschiede beim Klickverhalten mit sich bringt. Messbar ist die geringe Latenz zwar durchaus, allerdings sind die Differenzen einerseits sehr gering und andererseits wesentlich maßgeblicher von anderen Faktoren abhängig: Bei 1.000 Hz bereits sehr responsive Schalter werden durch eine weitere Reduktion der Polling-Rate im Rahmen menschlicher Wahrnehmung nicht mehr direkter, während schlechte Taster auch durch 8.000 Hz nicht gerettet werden können. Für lediglich 2.000 Hz gilt das umso mehr.

Auch der Testbericht der Sabre Wireless wird daher erst im nachfolgenden Kapitel zur Sensorik näher auf Corsairs Umsetzung der 2.000 Hz eingehen. Zu den Tastern lässt sich diesbezüglich lediglich anmerken, dass sie – wie schon bei der kabelgebundenen Sabre – sehr direkt auslösen. In der Praxis ist es dabei jedoch so gut wie egal, ob ein Mausklick nach 0,4 ms oder erst nach 4 ms registriert wird. Spürbar sind solche zeitlichen Differenzen nämlich nicht, wenn nur einzelne Messpunkte und keine kontinuierliche Bewegung gegeben ist.

Approximierte Klick-Latenz der Primärtaster
    • Razer Viper 8KHz
      0,2
    • Corsair Sabre RGB Pro
      0,4
    • Razer Viper Ultimate (mit Kabel)
      1,3
    • Corsair Sabre RGB Pro Wireless
      1,4
      kabellos
    • Logitech G Pro X Superlight (mit Kabel)
      1,7
    • Razer Viper Ultimate (ohne Kabel)
      2,1
      kabellos
    • Logitech G Pro X Superlight (ohne Kabel)
      2,6
      kabellos
    • Endgame Gear XM1
      4,8
    • SteelSeries Sensei Ten
      5,7
    • Cooler Master MM720
      6,7
    • Corsair M65 Elite
      7,6
    • Glorious Model O-
      8,1
    • Zowie EC1
      8,2
    • Glorious Model O Wireless
      9,5
      kabellos
    • Bluetooth-Office-Maus
      26,8
      kabellos
Einheit: Millisekunden

Ein relevanterer Unterschied zwischen High-End-Shooter-Mäusen findet sich daher mittlerweile im bloßen Klickgefühl: Ein Tastendruck sollte nicht nur technisch direkt sein, sondern sich auch mechanisch direkt anfühlen. Vor allem sogenannter Pre-Travel ist unerwünscht. Das bedeutet, dass die Tastenabdeckungen der linken und rechten Maustaste möglichst direkt auf den darunter liegenden Mikroschaltern aufliegen sollten, sodass letztere ausgelöst werden können, ohne dass die Finger eine hohe vertikale Distanz zurücklegen müssen.

Bei den Primärtastern entscheidet das Klickgefühl

Bauartbedingt ist ein wenig Pre-Travel bei asymmetrischen Ergo-Mäusen meist nicht zu vermeiden, vor allem, wenn die Tastenabdeckungen fließend in die Oberschale übergehen. Beim Test der Sabre RGB Pro war darüber hinaus eine besonders differenzierte Betrachtung notwendig: Bei den verbauten „Quickstrike-Buttons“ handelt sich um „per Feder abwärts vorgespannte Schalter“, wobei letztlich nur gewöhnliche Omron-Schalter verbaut werden. Die genauen Spezifikationen verschweigt der Hersteller, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass es sich – wie üblich – um ein Modell der D2FC-Serie handelt. Auch bei der Sabre RGB Pro Wireless sind diese Taster verbaut.

Das legt einerseits die Frage nahe, inwiefern die Primärtaster früher oder später von ungewollten Doppelklicks geplagt sein werden, wie sie bei mechanischen Mikroschaltern durch Korrosion der Kontakte oder Verschmutzungen langfristig wahrscheinlich sind. Dass Corsair die Quickstrike-Buttons mit einer geringen Entprellzeit bewirbt und zur berüchtigten Doppelklick-Problematik gänzlich schweigt, lässt Böses erahnen. Doch handfeste Ergebnisse liegen diesbezüglich noch nicht vor – hier wird nur die Zeit Aufschluss geben können. Razers und Roccats aktuelle Mäuse sind derweil dank optomechanischer Schalter davor gefeit.

Corsair hat im Vergleich zur kabelgebundenen Sabre nachgebessert

Aber zurück zum Klickgefühl: Es unterschied sich beim Test der kabelgebundenen Sabre RGB Pro, je nachdem, wie bündig respektive fest Nutzer ihre Fingerkuppen auf den Tastenabdeckungen ruhen ließen. Denn letztere besaßen nach unten hin tatsächlich nahezu kein Spiel, wohl aber nach oben: Ein Pre-Travel war nicht spürbar, die Abdeckungen federten aber leicht nach oben – egal ob zuvor ein Klick erfolgt war oder die Schalter nur bis kurz vor den Druckpunkt gebracht worden waren. Ein solcher „inverser“ Post-Travel ist nicht unüblich, doch selten so stark ausgeprägt wie bei der Sabre RGB Pro. Klassischer Post-Travel existierte derweil nicht. Nach erfolgtem Klick ließen sich die Tastenabdeckungen also nicht weiter nach unten drücken.

Beschriebene Besonderheit führte nun jedoch dazu, dass sich die Tasten der kabelgebundenen Sabre schnell indirekt oder zumindest schwammig anfühlten, wenn die Finger nicht stets mit einer gewissen Kraft auflagen. Bei großen Händen und entsprechend schweren Gliedmaßen war das im Palm-Grip zumeist kein Problem, aber ohne ausreichend Druck erschienen die Tastenabdeckungen lose und federten bei leichtester Berührung nach oben – womöglich eine Nebenwirkung der besonderen Aufhängung. Funktional machte das keinen Unterschied, störend war es aber allemal. Auch weil sich das Problem nicht nur haptisch, sondern überdies akustisch bemerkbar machte.

Corsair Sabre RGB Pro Wireless
Razer DeathAdder V2 Pro
Roccat Kone Pro (Air)

Und ja, auch die kabellose Sabre leidet nun unter der beschriebenen Problematik, allerdings in drastisch reduziertem Umfang – hier hat Corsair ordentlich nachgebessert. Zwar verfügt das vorliegende Muster der Sabre RGB Pro Wireless im direkten Vergleich zur kabelgebundenen Schwester über minimal mehr Pre-Travel, der Post-Travel ist aber kaum noch spürbar und äußert sich akustisch gar nicht mehr. Und auch abseits dieser Spitzfindigkeit hinterlassen die Tasten einen guten Eindruck.

Das gilt abermals auch für die insgesamt drei Zusatztasten. Anzumerken ist lediglich, dass der einzelne Knopf auf dem Mausrücken umständlich zu drücken ist, weil er plan mit der umliegenden Oberfläche abschließt. Das wiederum ist aber gewollt, um versehentlichen Änderungen der Sensorauflösung vorzubeugen. Zu ebendiesem Zweck ist der besagte Schalter nämlich vorgesehen. Das Mausrad allerdings gefällt ein Stück weit weniger gut als bei der kabelgebundenen Sabre. Diese kompensierte eine gering akzentuierte Rasterung immerhin mit einer recht geringen Lautstärke. Das Rad der Sabre Wireless ist nun aber – vor allem beim schnellen Drehen – lauter, wenngleich nicht taktiler. So kann es bei hektischer Betätigung noch immer vorkommen, dass Klicks im vorderen Bereich des Rads mit einer ungewollten Mausrad-Drehung einhergehen.