Hörerlebnis: KEF Instant Theater (KIT100)

Morgoth

Captain
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Hallo zusammen,

heute hatte ich die Gelegenheit, das neue KEF Instant Theater probezuhören. Es dürfte für einige von euch sicherlich von Interesse sein, deshalb beschreibe ich hier mal meinen Eindruck davon.

Doch zu allererst: Stop! Das System kostet 2000€ (UVP), wem das zu viel ist, der braucht nicht weiterzulesen. Aber manche möchten ja trotzdem träumen...

Die Technik

Das KEF Instant Theater besteht aus einem DVD-Preceiver (DVD-Player + Dekoder, aber ohne Endstufe), einem Subwoofer mit 5 Endstufen mit insgesamt 500W Leistung und 2 Satelliten. Und die sind das Besondere.

In diesen Satelliten stecken ein Uni-Q-Treiber und ein NXT-Panel.

Uni-Q ist ein Markenzeichen von KEF für ein koaxial aufgebautes Lautsprecherchassis. Koaxial heißt dabei, dass der Hochtöner vor dem Zentrum des Tiefmitteltonchassis sitzt. Das ist nichts außergewöhnliches, die Technik existiert schon seit etlichen Jahren. Es steckt sogar ein wirklich triftiger technischer Grund dahinter: durch die gleiche Abstrahlachse gibt es keine Auslöschungen infolge von Laufzeitdifferenzen, wenn man sich von der Achse entfernt.
Das Besondere bei Uni-Q ist nun, dass die Schwingspule des Hochtöners auf gleicher Höhe mit der des Tiefmitteltöners sitzt. Der Vorteil: Signale des Hochtöners und des Tieftöners treffen gleichzeitig beim Hörer ein, die Addition beider Signale ist nahezu perfekt. Eine exzellente Räumlichkeit ist die Folge, was die gesamte KEF-Palette auszeichnet.

Das NXT-Panel ist ein sogenannter Flächenstrahler. Eine relativ weiche, plane Membran wird - leicht von der Mitte versetzt - von einer Schwingspule in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen breiten sich auf der Membran aus und geben dabei Energie an die angrenzende Luft ab; es entsteht Schall. Die untere Grenzfrequenz des Panels ist dabei abhängig von der Größe. Im KEF KIT100 ist die nicht besonders, seht tief kommt dieses Panel also nicht hinab. Das soll es auch nicht.
Denn dieses seitlich angebrachte und nach außen strahlende Panel soll über Wandreflexionen einen Surround-Sound erzeugen. Ob das gut funktioniert, berichte ich weiter hinten.

Der DVD-Receiver kann sowohl Dolby Digital als auch DTS dekodieren. Weiterführende Formate wie DD-EX oder DTS-ES beherrscht er nicht. Da diese beiden noch einen zusätzlichen Kanal bringen, macht es auch bei diesem System keinen Sinn. Dafür beherrscht er Dolby Pro Logic II.
Er besitzt alle nötigen Anschlüsse: 3 analoge und digitale (optisch) Audio-Eingänge, einen digitalen (optisch) Ausgang, 2 Videoeingänge in jeweils Composite oder S-Video, und 4 Video-Ausgänge: SCART, Component, S-Video und Composite. Über den Component-Ausgang beherrscht er Progressive Scan.
Das DVD-Laufwerk ist zwar sehr leise, kann aber keine SVCD lesen (laut Vertreter, VCD soll es aber können). Dafür kann es sowohl DVD+ als auch DVD- Medien und MP3-CDs lesen. Wer unbedingt SVCD braucht, der kann einen dazu fähigen Player an einen der digitalen Eingänge anschließen.

Der Subwoofer ist, abgesehen von der mehrkanaligen Endstufe, Standardware, mit 25cm Tieftöner in Bassreflexbauweise.

Die Bedienung

Da kann ich leider noch nicht viel zu sagen. Das Gerät war ein reines Demo-System, die Schublade war gesperrt und innen drin lag eine spezielle Demo-DVD. Viel konnte ich also nicht einstellen.
Die Front ist aber trotzdem sehr aufgeräumt und man sieht auf den ersten Blick alles nötige. Die Fernbedienung ist kein Meisterwerk, aber besser als das was man da teilweise für DVD-Player in die Hand gedrückt bekommt.

Der Klang

Jetzt zum wichtigsten. Wie schon erwähnt, es lag nur eine Demo-DVD drin, die Aussagen sind deshalb nur vorläufig.
Auf der DVD befindet sich eine gesprochene Einführung zu dem System, zwei Dolby-Digital-Trailer (Hubschrauberflug durch Stadt und ein mir vorher nicht bekannter mit entgegenkommenden Wassertropfen) sowie ein Ausschnitt aus "The Fast and the Furious" (ich habe den Film nie gesehen *ascheaufmeinhaupt", es fährt jemand in einer grünen Flunder mit sehr unvernünftiger Geschwindigkeit und dreht sich am Ende).

Die Stimme (männlich) klingt sehr klar und voll, wobei mich letzteres überrascht hat, denn andere Systeme mit Satelliten vergleichbarer Größe haben da einige Schwächen. Gegen Ende der Einführung wird die Stimme auf das NXT-Panel des rechten Lautsprechers gelegt. Der räumliche Effekt ist erstaunlich: der Sprecher scheint wirklich von ganz weit rechts zu kommen. Allerdings wird hier wohl auch ein großer Nachteil des Systems deutlich, denn die Stimme klang sehr kehlig und hohl, ganz anders wie vorher, was ich auf das NXT-Panel schiebe.

Kurz darauf der erste DD-Trailer (Hubschrauber). Der Raumeindruck ist weit davon entfernt, ein gutes 5.1-System zu ersetzen. Klang von hinten findet praktisch nicht statt. Es wird aber eine sehr breite Stereobasis erzeugt, die sogar - so scheint es - ein wenig um den Hörer herum reicht. Zur Ehrenrettung muss aber auch gesagt werden, dass der Aufbau nur provisorisch mit einer Pi-mal-Daumen-Ausrichtung der Satelliten war. Da lässt sich mit etwas Feintuning wohl noch etwas machen.

Dann kam die Filmsequenz. Auch hier wieder das gleiche Verhalten wie bei dem Trailer. Jedoch konnte ich hier erstmal so richtig die Qualität des Subwoofers einschätzen. Und da bin ich von KEF besseres gewöhnt. Er ging zwar tief in den Keller und entwickelte auch eine Menge Druck, war mir aber zu unpräzise. Und hier gebe ich ihm nicht noch eine zweite Chance mit einer besseren Aufstellung, denn er stand vollkommen frei, und eine wandnahe oder Eckaufstellung macht den Bass in der Regel nur noch schwammiger. Sehr schön war aber das nachdrückliche Klicken des Schalthebels.

Der darauffolgende Trailer (Wassertropfen) zeigte dann wieder eine der Stärken des Sytems, seine Präzision in mittleren Tonlagen.

Erwähnen muss ich noch die erstaunliche Pegelfestigkeit. Das Demogerät war da zwar auch beschränkt (man konnte es nicht vollkommen leise stellen bzw. die absolute Lautstärke herausholen), aber was mir da bei einem Abstand von einem Meter um die Ohren wehte war schon erstaunlich. Und das sehr klar und unverzerrt. Nichts für die Nachbarschaft ;).

Ach ja, die Bildqualität: sehr gut, nichts zu beanstanden.

Fazit

KEF sieht sein Instant Theater nicht als vollwertigen Ersatz für eine richtige 5.1-Anlage. Dazu ist es auch nicht in der Lage.
Ich bin aber sehr positiv überrascht. Nachdem mir schon mehrere Systeme mit ähnlichem Ansatz (Wandreflexionen sollen Surround-Effekt erzeugen) z. B. von Quadral, die mit dem Anspruch aufgetreten sind, eine große Anlage zu ersetzen, vor die Ohren gekommen sind und enttäuscht haben, bin ich sehr skeptisch an die Sache herangegangen. Die Verbreiterung der Stereobasis funktioniert ausgezeichnet und man erhält einen viel besseren Raumeindruck als bei normalen Stereosystemen. Von echtem Surround weit entfernt, aber näher dran als alles andere.

Mehr kann ich noch nicht schreiben. Ich werde aber in Kürze die sich mir bietende Möglichkeit ausnutzen, und dann ein echtes System - keine Demo - mit verschiedensten Sachen quälen. Besonders bei Stereomusik bin ich gespannt, wie sich die Basisverbreiterung auswirkt. Gerade Live-Aufnahmen könnten ein sehr interessantes Erlebnis werden.

Das werde ich aber zu gegebener Zeit posten.

Gruß
Morgoth
 
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