herman munster schrieb:
gemäß der Definition : Droge = Rauschgift , hat es mit Drogen rein gar nichts zu tun , es fehlt das Merkmal 'giftig' .
Das wird allerdings durch den in Deutschland stark verbreiteten Mischkonsum mit Tabak relativiert.
Nikotin ist definitiv ein Rauschgift (wer mit dem Rauchen gerade erst anfängt, der merkt das auch noch).
THC selbst ist eher eine Stimulantie ... es regt Drüsen im Hirn an. Der Rausch ist also (anders als bei Alkohol oder Nikotin) nicht Teil des Abwehrmechanismus und des Substanzabbaus, sondern eine direkte Wirkung der Einnahme.
Allerdings besteht bei solchen Sachen auch die Gefahr, dass der Körper sich an die Zuführung gewöhnt ... und dann Stoffe, die dadurch ersetzt werden können, nicht mehr in ausreichendem Maße produziert.
Wenn eine Substanz dafür sorgt, dass Dopamine ausgeschüttet werden, diese über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, sodass der Körper die eigene Dopaminproduktion drosselt, dann wird der Konsum mit einer längeren Phase "belohnt", in der man sich halt "down" fühlt, und einen irgendwie nichts mehr so richtig "kickt". Man kommt da wieder raus, aber der Körper muss die Dopaminproduktion halt auch erstmal wieder ankurbeln ... was halt länger dauert, als die Substanz einfach nochmal zu besorgen.
Cannabinoide sind auch Substanzen, welche der Körper produziert und braucht und deren Produktion durchs kiffen gedrosselt werden kann. Gefahrlos ist Cannabis also keinesfalls und ein zu früher Konsum kann nach den geltenden Erkenntnissen entwicklungshemmend wirken.
Ist aber bei den legalen Drogen auch so ... und dennoch hat die Gesellschaft das einigermaßen im Griff und betreibt eine ganze Menge Gesetzgebung und Aufklärung, um junge Menschen vor eben diesen Gefahren zu schützen.
Und bei Cannabis funktioniert das auch ... allerdings (bisher) nur innerhalb einer leider kriminalisierten Gruppe. Die meisten kiffenden Eltern, die ich so kennen gelernt habe, hätten nicht gewollt, dass ihre Kinder das Kiffen heimlich anfangen. Die wollten das mitbekommen, um ihre Kinder von ihren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen profitieren lassen zu können (so gut das bei den eigenen Kindern eben klappt).
Die hatten alle mehr Angst davor, dass das Kind mit dem Saufen anfangen würde.
In meiner Jugend mussten wir das fast unter uns ausmachen. Meine Eltern waren zwar beide "68er", aber in den 1970ern, 80ern und 90ern wurde mit den eigenen Kindern allgemein sehr wenig über Drogen geredet.
Natürlich merkt man, was Drogen anrichten können, wenn man regelmäßig bei einem Dealer vorbeischaut und dort feiert, wo eben auch mal Drogen im Spiel sind.
Ich habe nie Heroin, Kokain, Extacy oder Speed genommen (und habe auch lange zu allem anderen als Alkohol und Zigarretten Nein gesagt), aber ich habe schon recht früh (mit 16 oder so) einige Negativbeispiele Mitte 20 erlebt und genau das hat mich wohl weit effektiver von diesen Drogen ferngehalten, als jedes Verbot. Ich habe sie aber auch nicht nur gesehen (beim Schnorren, oder halt breit in der Ecke), sondern mich mit ihnen in verschiedensten Bewusstseinszuständen (von breit bis affig) auch unterhalten. Das IST krass, was Drogen aus einem machen können ... und auch Cannabis ist da nicht ungefährlich ... auch das musste ich früh lernen (Hasch-Psychose bei einem Freund).
Ich nehme Drogen, um die Welt anders wahrzunehmen als nüchtern. Nicht, um mich "cooler", "energiegeladener", "lustiger", "geiler" oder einfach "partytauglicher" zu fühlen.
Alk ist halt in diesem Bezug ziemlich langweilig.
Historisch betrachtet ist Alkohol übrigens auch nicht
primär Rauschmittel.
Der Rausch ist Nebenwirkung des Konservierungsmittels Alkohol. Bier (auch mit deutlich unter 3% alc) bleibt länger Keimfrei als abgekochtes Wasser - vor allem, wenn man Behälter noch nicht luftdicht verschließen kann. Genau deswegen war Bier das häufigste Getränk in Mesopotamien ... nicht weil das so schön duselig macht, sondern weil abgestandenes Bier meist noch gesünder war, als abgestandenes Wasser.
Die meisten Drogen (egal ob legal oder illegal) begleiten die Menschheit in Pflanzenform seit Jahrtausenden, und wurden tatsächlich die ganze Zeit über genutzt. Rituell, Medizinisch und immer auch von einigen "missbräuchlich" als Rauschmittel.
Die meisten Gesellschaften fanden damit einen einigermaßen gesunden Umgang, ohne diese Drogen zu dämonisieren.
Allein die Geschichte führt die Erklärung "das gehört halt zu unserer Kultur" bei der Frage "warum ist Alkohol legal?" ad absurdum. Denn im Grunde gilt das für alle bewusstseinsverändernden Substanzen, die man in der Natur so finden kann. Die gehören alle irgendwie zu unserer Kultur dazu.
Der ganze Chemokram ist da was komplett anderes ... das ist wirklich noch keine 100 Jahre alt.
Alkohol, Koka, Kath, Ephedrakraut, Mohn (Opiate), Cannabis und viele andere nutzen Menschen seit Jahrtausenden, da kann man schlecht behaupten, es gehöre nicht zu unserer Kultur.
Sorry für die Wall of Text.
Jungbulle schrieb:
Außerdem wird immer unterschwellig von der Gesellschaft ein/e Kiffer/in mit was Negativen assoziiert.
DAS ist nur eine Frage der Zeit (soll heißen: dieses Problem wird irgendwann aussterben).
Und genauso wird es irgendwann auch egal sein, ob jemand nun nach Feierabend lieber kifft oder säuft.
Morgens um 8:00 schon das erste Bier genehmigen, ist zwar nicht illegal, wird deinem Chef aber auch nicht gefallen.
Dass ein Arbeitgeber jemanden für den Job haben will, der bei klarem Verstand ist und sich gut konzentrieren kann, ist doch logisch. Ich bin überzeugter Kiffer und auch Befürworter der Legalisierung, aber für mich ist ganz klar, dass ich mir keinen rauche, so lange ich noch was zu tun habe. Vor oder gar auf der Arbeit zu kiffen, ist einfach nur saudumm.
Aber das gleiche gilt halt auch für das Saufen.
Ein bisschen Hirn sollte das verhindern können.