Apple iPhone 4S im Test: „S“ wie sanfte Überarbeitung

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Sasan Abdi (+1)
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Sprachsteuerung Siri

Es wird als eines der bahnbrechenden Features des iPhone 4S beworben – und entpuppt sich in der Realität tatsächlich als solide weiterentwickeltes Element zur Bedienung von und der Interaktion mit mobilen Geräten. Die Rede ist von Apples neuer, 2010 aufgekaufter und weiterentwickelter Sprachsteuerung Siri, die erstmalig mit dem neuen iPhone verfügbar ist.

Beim Stichwort „Sprachsteuerung“ denken nicht wenige Zeitgenossen automatisch an durchschnittlich kompetente und nützliche Varianten, mit denen sich beispielsweise ein Anruf starten lässt. Siri kann mehr.

Die Idee hinter Siri ist, dem Nutzer einen Assistenten zur Seite zu stellen, der flexibel auf allerlei Fragen reagieren kann. Um dies realisieren zu können, ist das Programm nicht als rein lokale Funktion konzipiert, sondern telefoniert für die Verarbeitung der Spracheingabe – ein im Kontext des „gläsernen Nutzers“ durchaus diskussionswürdiger Punkt – nach Hause („zu Apple“). Um Siri nutzen zu können, muss also eine Datenverbindung verfügbar sein. Bemerkbar macht sich dies in der Regel aber nicht: Die Arbeitsgeschwindigkeit ist mit Antworten in rund einer Sekunde hervorragend.

Siri: Offizielles Vorstellungsvideo von Apple

Aktiviert wird die Sprachsteuerung über das Gedrückthalten des zentralen Home-Buttons (aus Sicherheitsgründen sollte ein Start bei gelocktem Screen in den Einstellungen deaktiviert werden). Sodann kann das über eine relativ angenehme, weibliche Computerstimme kommunizierende Siri zunächst mit einfachen Aufgaben konfrontiert werden: Es startet Anrufe, erstellt Erinnerungen und Termine und wechselt auf Wunsch den Song in der aktuellen Playlist.

Doch auch über derlei Standard-Aufgaben hinaus kann das Feature durch die Anbindung an unterschiedliche Webdienste nützlich sein – zumindest theoretisch. Wer sich in einer fremden Stadt verlaufen hat, kann sich von Siri beispielsweise zurück zum Hotel führen lassen. Wer nach Sehenswürdigkeiten, Restaurants und anderen „Hot Spots“ in der Umgebung sucht, kann ebenfalls Siri zu Rate ziehen. Bedauerlich: Diese Funktionalität ist bisher nur für den US-Markt verfügbar, soll aber im kommenden Jahr auch hierzulande freigeschaltet werden. Bis es so weit ist, müssen sich deutsche Nutzer mit anderen Antworten wie jener nach dem aktuellen Wetter, der lokalen Uhrzeit in Indien und dem Namen der deutschen Hauptstadt zufrieden geben, denn diese weiß das Programm schon jetzt durch die Verbindung mit entsprechenden Web- und Lexika-Diensten wie Wikipedia oder der semantischen Suchmaschine Wolfram Alpha zu beantworten

Beim überwiegenden Teil dieser Aufgaben schlägt sich Siri erstaunlich gut, sodass man auf die meisten der im beschriebenen Schema gestellten Fragen eine passable Antwort erhält (dass die Frage nach dem „besten IT-Magazin“ trotz aller Offensichtlichkeit nicht beantwortet werden konnte, haben wir schnell verziehen). Dieser gute Eindruck wird nur selten getrübt, wenn Siri einen eigentlich eindeutigen Befehl mal nicht erkennt – oder aber nicht versteht. Letzteres kann über eine undeutliche Eingabe hinaus immer dann passieren, wenn ein Wort eine doppelte Bedeutung hat und zudem auch noch ohne einen ordentlichen Satz hingeschleudert wird.

iOS 5 - Siri
iOS 5 - Siri

Wunder sollte man also nicht erwarten. Ob Bedingungssätze, Witze oder Ironie: Siri ist kein Mensch, sodass völlig klar ist, dass die Probleme und Hindernisse, die die Forschung um die Kommunikation von Mensch und Maschine seit Jahrzehnten beschäftigen, auch hier für eindeutige Einschränkungen sorgen. Dazu gehört nicht zuletzt auch, dass es in lauten Umgebungen und bei Stimmengewirr zu Problemen mit der Erkennung kommen kann, sodass sich Siri nur bedingt zur Anwendung in einem vorweihnachtlich lauten und vollen Fußgängerbereich anbietet.

Wer des Englischen mächtig ist, sollte übrigens unbedingt die Original-Variante nutzen, denn diese ist der deutschen Beta deutlich voraus. Zum einen umgeht man dadurch altbekannte Probleme wie die Musiksteuerung, bei der man englische Interpreten deutsch aussprechen muss, damit sie erkannt werden; zum anderen erweist sich Siri in der Muttersprache als wesentlich kompetenter und schlauer.

Ein damit verbundener, sehr diskussionswürdiger Aspekt ist schließlich bei den mit der Funktionsweise verbundenen Dienste zu finden. In Deutschland sind diese längst nicht so ausgebaut wie in den USA (weswegen einige zentrale Funktionen noch deaktiviert sind). Allerdings zeichnet sich in den USA wohl ab, dass Apple für Siri exklusive Partnerschaften schustert, was sich auf die Präsentation von Ergebnissen auswirken kann. Hier ist gerade beim Blick auf das auch an anderer Stelle restriktive Vorgehen potentiell die Gefahr vorhanden, dass der Nutzer über kurz oder lang Ergebnisse nicht primär aufgrund der Güte, sondern aufgrund von bestimmten Partnerschaften geliefert bekommt. Ein entsprechender Effekt ist in Deutschland aber bisher aufgrund der noch dünnen Partnerschaften noch nicht zu beobachten, sodass wir keinerlei konkrete Aussagen zu dem Thema machen können; beobachtenswert bleibt es aber definitiv.

Unterm Strich lässt sich nach aktueller Lage der Dinge trotz dieser Einschränkungen festhalten, dass das Debüt von Siri alles in allem geglückt ist. Abzuwarten bleibt aber, wie sich die Geschichte um die Partnerschaften entwickeln wird, wann die deutsche Version sich auf dem Niveau der US-Beta bewegen wird und wie sich die überarbeitete Sprachsteuerung von Android 4.0 schlagen wird.