Thief in der Vorschau : Erste Schritte auf der Xbox One

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Thief in der Vorschau: Erste Schritte auf der Xbox One

Square Enix hatte für den PC in den letzten anderthalb Jahren einige Kracher parat: Dank „Sleeping Dogs“, „Hitman: Absolution“ und zuletzt „Tomb Raider“ reichte es über Monate hinweg für eine gehörige Präsenz, wobei alle Titel obendrein am Ende auch tatsächlich überzeugen konnten.

Seit dem besagten „Reboot“ der „Tomb-Raider“-Reihe ist es um den Publisher zumindest auf dem PC wieder ruhiger geworden, sodass sich hier zuletzt abgesehen vom MMORPG „Final Fantasy XIV: A Realm Reborn“ nicht viel getan hat.

Thief – Gesichter der Stadt Teil 1 (Bassos Spiel)

Doch diese Verschnaufpause hat bald ein Ende: Im Februar des kommenden Jahres steht mit „Thief“ der nächste potentielle Kracher aus dem Hause Square Enix an, der neben allen Konsolenplattformen auch für den PC erscheinen soll.

Wir haben den Titel auf der Xbox One angetestet und klären in einer ersten Vorschau, was es mit dem neuen „Thief“ auf sich hat.

Thief in der Vorschau

„Neustart“, das bedeutet im Falle des neuen „Thief“ einerseits, dass sich die Story von dem alten Konflikt zwischen den Hütern und den Hammeriten weitgehend löst. Andererseits bleibt das alte Setting allerdings erhalten: Nach wie vor spielt „Thief“ in einer namenlosen Stadt, die einen Meisterdieb wie den neuen alten Protagonisten Garrett mit ihren düsteren Schluchten und Winkeln nur so dazu einlädt, auf Raubzüge durch die feinen Häuser zu gehen.

Die alte Stadt hat sich allerdings, das muss der wiederkehrende Garrett schnell feststellen, verändert, und das nicht zum Guten: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Gesellschaft droht auseinanderzubrechen. Während eine kleine Oberschicht prunkvoll und egoistisch vor sich hinlebt, darbt die Mehrheit der Bevölkerung geplagt von einer mysteriösen Seuche in den zunehmend verwahrlosten Gassen vor sich hin.

Im Zentrum dieser Verhältnisse steht ein zwielichtiger Baron, der schnell als Tyrann und Antagonist aufgebaut wird. Klar, dass Garrett über kurz oder lang zum größten Widersacher des Barons wird – eine Charakterkonstruktion, die die eine oder andere Anleihe bei Robin Hood macht und in eine auf den ersten Blick coole, aber nicht besonders innovative Steampunk-Konzeption eingebunden ist: Es ist irgendwie fies, dass die Urmutter der Schleichspiele sich beim Neustart so sehr wie ein „Dishonored: Die Maske des Zorns“ anfühlt, obwohl letzteres eigentlich Anleihen bei den „Thief“-Originalen macht.

Thief in der Vorschau
Thief in der Vorschau

Zu Beginn der Handlung hat der spätere Rädelsführer Garrett allerdings erst mal nur das Handwerk eines jeden Meisterdiebs im Kopf: Möglichst viel schimmerndes Gold aus den Haushalten der Reichen abräumen. In diesem anfänglichen Kontext konnten wir gute anderthalb Stunden mit einer Beta der Xbox-One-Ausgabe von „Thief“ zubringen. Dabei stand noch keine Story-Mission zur Verfügung, sondern nur ein sogenannter Hub-Abschnitt. Das Vorhandensein dieser Abschnitte macht sofort deutlich, dass der Titel von Eidos Montreal entwickelt wird, und damit von jenem Team, das ein ähnliches Prinzip bereits für das überaus gelungene „Deus Ex: Human Revolution“ verwendete.

Bei den Hubs handelt es sich um frei begehbare Stadtabschnitte, die zwischen den Story-Missionen zur Erkundung und Erledigung von kleinen Nebenaufträgen einladen. Diese erhält Garrett von einem bärtigen Kontaktmann namens Basso. Ausgangspunkt ist dabei immer ein riesiger, die Stadt überragender Glockenturm, in dem Garrett haust, und der im Verlauf des Spiels auch als Ausstellungsfläche für die besonderen Gegenstände dient, die der Meisterdieb hat mitgehen lassen.

Inhaltlich sind die vier spielbaren Nebenmissionen zunächst nicht der Rede wert. Immerhin versehen mit einer netten kleinen Geschichte, ging es in jedem der Fälle einfach darum, bestimmte wertvolle Gegenstände aus Wohnungen zu entwenden, was hoffen lässt, dass die Entwickler in der finalen Fassung mehr Varianz anbieten und die Inhalte eventuell sogar teilweise mit der Haupthandlung verzahnen werden.

Aufs Schleichen kommt es an

Die wichtigste Erkenntnis aus der Verfolgung der vier Nebenmissionen: Unsere schlimmste Befürchtung, dass das neue „Thief“ wie so viele andere Remakes verstärkt auf den Faktor Action setzt, bestätigt sich überhaupt nicht. Stattdessen geht Eidos Montreal umsichtig mit dem Erbe der Reihe um und fordert deswegen vom Spieler ein überwiegend cleveres, lautloses Vorgehen.

Thief in der Vorschau
Thief in der Vorschau

Dies schlägt sich vor allem darin nieder, dass Garrett nach wie vor ein mieser Nahkämpfer ist. Zwar kann man mit einem Knüppel und etwas Glück durchaus eine oder zwei Wachen in einer direkten Auseinandersetzung erledigen; weitaus effektiver ist Garrett aber, wenn er aus den Schatten heraus agiert und seine Ziele auf leisen Sohlen verfolgt. Die Königsdisziplin ist dabei wie gehabt immer dann absolviert, wenn Garrett ungesehen oder aber zumindest ohne Morde von A nach B gelangt.

Passend dazu wertet das Spiel die Vorgehensweise am Ende eines jeden Abschnitts aus und klassifiziert den Spieler je nach Aggressivität in drei unterschiedliche Kategorien – klar, dass die „Geist“-Kategorie für einen Meisterdieb stets die erstrebenswerte ist.

Um ein „Geist“-Vorgehen zu ermöglichen, stehen Garrett wieder die bekannten Utensilien eines Meisterdiebs zur Verfügung. Neben dem erwähnten Knüppel gehören ein Dietrich, eine Zange und ein Stemmeisen zum Standard-Inventar. Und auch die unterschiedlichen Pfeilgattungen sind wieder mit von der Partie, sodass beispielsweise eine Flamme mit einem Wasserpfeil gelöscht, ein Pulverfass mit einem Feuerpfeil entzündet und eine Wache mit einem konventionellen Bolzen traktiert werden kann. Auf die aus den Vorgängern bekannten legendären Moospfeile zur lautlosen Fortbewegung muss zwar verzichtet werden, dafür kann Garrett entlegene Winkel mit einem Seilgeschoss zugänglich machen.

Dieses Inventar und die regelmäßige Neubestückung durch Käufe bei einem Händler sind auch bitter nötig. Denn nicht nur beim Schleichen an sich, sondern auch bei der Verfolgung der Ziele wehrt sich Eidos Montreal wacker gegen die typischen Vereinfachungen unserer Zeit. Vom Autopilot-Charakter eines „Assassin's Creed: Black Flag“ ist „Thief“ deswegen meilenweit entfernt. Zwar kann Garrett per Tastendruck vergleichsweise geschickt Kisten und Vorsprünge erreichen – einfach Durchdrücken und im Bruchteil einer Sekunde von einer Gasse auf die höchsten Dächer gelangen, ist mit diesem Helden aber nicht möglich.

Thief – 1. Gameplay Trailer

Dadurch, dass man nicht mal eben eine Fassade erklimmen oder einen riesigen Abgrund überspringen kann, werden Überlegungen zur Vorgehensweise an sich zentraler. In einem ersten Schritt ist es notwendig, zunächst überhaupt die möglichen Wege zum Ziel zu identifizieren. Dabei hilft der sogenannte Fokusmodus, der auf Tastendruck interaktive Gegenstände dezent hervorhebt. Dadurch werden neben den offensichtlichen, aber meistens bestens beleuchteten direkten Wegen auch Fährten sichtbar, die beispielsweise über die Dächer oder in die Tiefe der Stadt führen. Löblich: Wem dieser Quasi-Cheat zu stark vereinfacht, der kann ihn im Menü einfach abstellen.

Kleine Karte, viele Wege

Die Vielfalt bei den Wegen zum Ziel überzeugt auf den ersten Blick, wobei sie auch durch die Kartengestaltung ermöglicht wird. Zwar könnte der erste Hub-Bereich gerne größer ausfallen, doch ermöglichte das erste Areal bereits, die Stadt sowohl horizontal als auch vertikal umfassend nach den besten Wegen zu den jeweiligen Zielen abzusuchen. Dabei müssen natürlich auch immer die Laufwege der Wachen, aber auch die der vereinzelt auftauchenden Passanten miteinberechnet werden.

Thief in der Vorschau
Thief in der Vorschau
Thief in der Vorschau
Thief in der Vorschau

Gelungen ist in diesem Zusammenhang, dass die Passanten unterschiedlich auf Garrett reagieren. Während die Ärmsten der Armen den Meisterdieb nach ein wenig Geld anbetteln, reagieren die wohlhabenderen Zeitgenossen hysterisch und rufen sofort nach den Wachen. Damit ist die Aufgabenstellung vom neuen „Thief“ grob umrissen: Den idealen Weg zum Ziel finden und sich dabei am besten von niemandem entdecken lassen.

Passable, aber ausbaufähige Technik

Gut gefallen hat uns auch die KI der Wachen – ein Punkt, der für ein „Thief“ stets ein wichtiger Faktor war. Bei unseren ersten Erkundungszügen durch die Stadt erwiesen sich die Wachen als aufmerksame Zeitgenossen, die sofort auf Geräusche und Ungereimtheiten reagierten und mit ihren Fackeln auch mal hinter Kisten und Verschlägen nach dem Rechten sahen. Ein kleiner Einschnitt ist allerdings, dass sich die Schergen des Barons viel zu leicht abschütteln lassen: Verlässt Garrett erst einmal die Gassen und spurtet auf die Dächer, tun sich die Wachen mit der Verfolgung übertrieben schwer.

Etwas skeptisch sind wir auch mit Blick auf die Grafik. Zwar sieht „Thief“ auf der Xbox One für Next-Gen-Verhältnisse passabel aus; für die PC-Portierung darf man aber doch hoffen, dass Eidos Montreal ein etwas größeres visuelles Feuerwerk abfackeln wird. Die Verwendung der angestaubten Unreal Engine 3 lässt zwar auf keine Wunder hoffen – etwas mehr als auf der Xbox One dürfte es aber schon sein.

In puncto Sound gibt es dagegen nichts zu meckern. Zumindest die englischen Synchronsprecher überzeugen in hohem Maße (die deutsche Synchronisierung liegt noch nicht vor). Die musikalische Untermalung ist noch sehr dezent eingestreut, was dem Titel aber nicht schadet: Die Stille in den Spielabschnitten passt sehr gut zum Setting und Anspruch von „Thief“.

Zusammenfassung

Der erste Eindruck zu „Thief“ fällt unterm Strich sehr positiv aus. Zwar lässt sich aktuell noch nichts zu den für den Gesamteindruck entscheidenden Story-Missionen sagen, bei den Grundlagen hat Eidos Montreal aber eindeutig an den richtigen Stellen investiert.

Dementsprechend verkommt der Neustart der Marke nicht zu einem lauen Action-Adventure, bei dem man mehr meuchelt und prügelt, als umsichtig und clever durch die Gassen zu schleichen. Unterstützt wird diese Eigenschaft von einem guten Kartendesign, das sowohl horizontal als auch vertikal zur Erkundung einlädt und dem Spieler dabei durchaus Köpfchen abfordert.

Damit gelingt es den Entwicklern, wichtige Kerneigenschaften von „Thief“ zu konservieren, ohne dass sich das Spiel im Jahr 2013 irgendwie altbacken anfühlen würde. Wenn zu dieser grundlegenden Kompetenz nun noch eine gute Story samt ebenso feinen Arealen sowie eine saubere PC-Portierung hinzukommt, hat das neue „Thief“ gehöriges Potential. Erscheinen wird der Titel im März 2014.

Thief – The Bank Heist

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