2/3 Huawei Ascend P7 im Test : Schlanke Schönheit aus Alu und Glas

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Performance & Oberfläche

Nachdem Huawei seit 2012 für zahlreiche Produkte wie unter anderem das Ascend P6 auf den K3V2-SoC der eigenen Chipschmiede HiSilicon vertraute, kommt für das Ascend P7 eine aufgebohrte Variante des zum MWC 2014 für das MediaPad X1 und M1 vorgestellten Kirin 910 zum Einsatz. Dieser hört auf den Namen 910T und taktet 200 Megahertz höher als die Tablet-Variante. Der Prozessor nutzt weiterhin den ARMv7-Befehlssatz und vier vergleichsweise alte Cortex-A9-Kerne von ARM. Auch die Grafikeinheit Mali-450 MP4 zählt nicht zu den schnellsten Vertretern auf dem Markt. Positiv sind aber die Integration von LTE sowie der Umstieg auf die 28-nm-Fertigung.

Huawei Ascend P7 im Test
Huawei Ascend P7 im Test

Im Vorfeld der P7-Präsentation wurde gemunkelt, dass sich Kirin-910T-SoC in Benchmarks etwa auf Höhe des Qualcomm Snapdragon 600 einsortiert. Im Durchschnitt schafft es der Kirin 910T in unseren Tests jedoch nicht ganz, an den S600 heranzukommen, landet aber vor dem unter anderem im Google Nexus 4 verbauten Qualcomm Snapdragon S4 Pro. CPU- und GPU-Leistung liegen klar vor dem K3V2 aus dem Ascend P6, aber gleichzeitig weit hinter Apple A7 und Snapdragon 800/801.

Huawei Ascend P7: Rückseite mit feinem Muster
Huawei Ascend P7: Rückseite mit feinem Muster
Huawei Ascend P7: Rückseite mit feinem Muster
Huawei Ascend P7: Rückseite mit feinem Muster

Die Leistung ist aber nach wie vor schnell genug, um das Ascend P7 weitgehend frei von Rucklern durch den Alltag zu führen. Ein LG G2, Xperia Z1 Compact oder Galaxy Note 3 scrollt im direkten Vergleich allerdings weicher und lädt Anwendungen schneller, für sich alleine gestellt fühlt sich das Ascend P7 aber zügig an und fällt nicht mit unangenehm langen Wartezeiten auf. In die Multitasking-Bredouille kommt das P7 dank zwei Gigabyte Arbeitsspeicher ebenfalls nicht. Unterm Strich ist das Ascend P7 das derzeit schnellste Huawei-Smartphone. Das Aufschließen und Überholen der Snapdragon-Armada soll mit Hilfe des Kirin 920 erfolgen, der wie der Exynos 5 Octa von Samsung über jeweils vier Cortex-A15- und A7-Kerne mit Mali-T628-GPU verfügt. Bisher ist der SoC aber nur auf dem Papier in Erscheinung getreten, Smartphones mit Kirin 920 hat Huawei bisher nicht angekündigt.

Selbst nach Jahren mit dem Emotion UI bedarf es immer wieder etwas Eingewöhnung, um mit der angepassten Android-Oberfläche von Huawei zurechtzukommen. Nach wenigen Stunden hat man sich erneut darauf eingestellt, nicht nach einem App-Drawer für Anwendungen zu suchen, d.h. einer Gesamtansicht aller installierten Apps, sondern stattdessen über die verschiedenen Bildschirme zu wischen. Huawei verzichtet auf ein Kernelement von Android und legt alle App-Icons auf die Homescreens, wo üblicherweise Widgets ihren Platz finden. Diese Aufmachung erinnert stark an iOS, steht dem Ascend P7 aber gut.´

Weil Huawei die Android-Oberfläche zwar stark modifiziert, dabei aber ein stimmiges Erscheinungsbild abliefert, weiß das Emotion UI zu gefallen. Je nach gewähltem Theme zeigt sich das Emotion UI in einem neuen Design, das durch angepasste Icons, abweichende Farbtöne und andere Hintergrundbilder in Erscheinung tritt. Mit viel Liebe zum Detail hat Huawei zahlreiche eigene Icons in das System integriert, die wie der Verzicht auf den App-Drawer aber nicht ihre Quelle der Inspiration verbergen können. Schön sieht es trotzdem aus. Das gilt auch für den Lockscreen mit Schnellzugriff auf Wetter, Taschenlampe, Rechner und Co.

Trotz zahlreicher optischer Modifikationen wirkt das Emotion UI aber nicht überladen, was unter anderem daran liegt, dass Huawei darauf verzichtet hat, das System mit unzähligen Sonderfunktionen vollzustopfen. Der Funktionsumfang orientiert sich an Standard-Android, wird aber punktuell durch eigene Lösungen ergänzt. So bietet auch Huawei Apps, die sich als kleine Fenster über die Oberfläche legen lassen, und schwebende Schaltflächen, die am Bildschirmrand angedockt werden können. Der Auftritt von Android 4.4 in Verbindung mit Emotion UI 2.3 fällt überzeugend aus, ist aber nicht frei von kleineren Fehlern.

Neben teilweise skurrilen Abkürzungen oder Zeilenumbrüchen kommt es beim Herunterziehen der Statusleiste reproduzierbar zu Rucklern, die ohne aktive Anwendungen im Hintergrund auftreten. Dies geschieht teilweise auch beim Wischen über die Homescreens. Darüber hinaus hat Huawei Symbole respektive Beschriftungen im Desktop-Menü für Widgets, Hintergründe und Übergänge vertauscht. Die Icons „Einfacher Startbildschirm“ und „Startbildschirm bearbeiten“ führen jeweils zum entgegengesetzten Ziel, was selbst nach Tagen mit dem Smartphone für Verwirrung sorgt.

Kamera

Huawei macht das Selfie-Smartphone Ascend P6 zum sogenannten Groufie-Smartphone (Huawei-Marketing-Kofferwort aus Selfie und Group), indem nun auch die vordere Kamera Panorama-Aufnahmen unterstützt. Hochkant gestellt macht das Ascend P7 optional drei Aufnahmen (Mitte, links, rechts), sodass weitere Personen Platz auf dem Foto finden. Dies geschieht mit bis zu fünf Megapixel, was in puncto Auflösung dem P6 gleichkommt. Im Standardmodus löst die vordere Kamera sogar mit bis zu acht Megapixel auf, was ungewöhnlich hochauflösend ist und je nach Motiv für ansprechende Selbstportraits sorgt.

Doch nicht nur auf der Vorderseite gibt es Veränderungen, auch rückseitig hat Huawei von acht beim Ascend P6 auf aktuell 13 Megapixel beim Ascend P7 aufgerüstet. Zur Produktvorstellung rückte Huawei vor allem das schnelle Starten und Auslösen der Kamera in den Fokus. Nach etwa eineinhalb Sekunden ist die Kamera einsatzbereit und auch das erste Foto ist nach kurzer Wartezeit für das Fokussieren im Kasten. Dass es aber noch schneller geht, zeigen Samsung Galaxy S5 und HTC One (M8). Vor allem das M8 löst sehr schnell aus.

Huawei Ascend P7 im Test – Kamera

Auch bei schlechten Lichtbedingungen soll das Ascend P7 laut Huawei für gute Fotos sorgen. Das können wir allerdings nur für die Rahmenbedingung Tageslicht unterschreiben. In diesem Szenario punktet die Kamera mit realitätsgetreuer Abbildung des Motivs und hohem Detailgrad dank 13-Megapixel-Sensor. Bildausschnitte wirken bei genauerer Betrachtung aber etwas matschig und verrauscht. Bei Dämmerlicht gehen die Fotos des Ascend P7 noch in Ordnung, doch spätestens bei richtiger Dunkelheit kann Huawei sein Versprechen nicht länger halten.

Huawei Ascend P7 im Test – Kamera-Testvideo

Bei Dunkelheit benötigt das Smartphone längere Zeit zum Fokussieren, was ohne Stativ zu Schlierenbildung durch Wackler führt. Vom guten Auflösungsvermögen ist bei Nacht wortwörtlich nichts mehr zu erkennen. Die P7-Kamera schneidet bei Tageslicht besser als der Vorgänger und auch als Kontrahenten wie das HTC One (M8) ab. Mit Apples oder Samsungs Flaggschiffen kann Huawei indes noch nicht gleichziehen. Foto- und Videoqualität liegen insgesamt aber auf einem guten Niveau, wenn das Fazit auf Aufnahmen bei Tageslicht beschränkt wird.

Konnektivität

Schneller und mehr lautet das Kurzfazit für den Bereich Konnektivität. Nicht nur HSPA+ wurde von maximal 21,6 auf nunmehr 42,2 Mbit/s beschleunigt, Huawei hat für das Ascend P7 auch LTE mit bis zu 150 Mbit/s auf die Ausstattungsliste gesetzt, was wir beim P6 noch vermisst hatten. Huawei hat aber auch an anderer Stelle nachgebessert: Bluetooth 4.0 LE und NFC sind nun ebenfalls mit an Bord, was das Paket als fast komplett durchgehen lässt. Der Verbindungsaufbau und Datenaustausch klappte mit einem Google Nexus 5 problemlos. Unangetastet bleibt hingegen der WLAN-Sektor, auf dem mit 802.11 b/g/n die selben Standards wie vor einem Jahr abgedeckt werden.

Fächer für Micro-SIM- und microSD-Karte
Fächer für Micro-SIM- und microSD-Karte

Telefonqualität und Verbindungsstabilität geben keinen Anlass zur Kritik. Das P7 punktet im Berliner Netz von O2 mit einer guten Sprachqualität und stabilen Datenanbindung.

Laufzeiten

Kritikpunkt im Test des Ascend P6 war die kurze Laufzeit im Alltag, die bei rund acht Stunden lag. Im Video-Dauertest schnitt das P6 besser ab und landete im Mittelfeld. Das Ascend P7 dreht den Spieß um und zeigt sich mit deutlich besserer, wenn auch mittelmäßiger Laufzeit im Alltag und schneidet im Video- und Browser-Dauertest schlechter gegenüber dem aktuellen Umfeld ab als das P6 im Vergleich zur Konkurrenz des Vorjahres.

Statt acht stehen im Alltag nun durchschnittlich 24 Stunden auf der Uhr. Bei moderater Nutzung sind auch circa 28 Stunden möglich. Hierzu zählt jeweils eine Nachtphase von von etwa acht bis neun Stunden ohne Nutzung. Das erstmals in einem Huawei-Smartphone verbaute Full-HD-Display entpuppt sich als energiehungrig, was sich in der raschen Talfahrt des Android-Akku-Diagramms bei eingeschaltetem Bildschirm widerspiegelt.

Das Ascend P7 kann deshalb trotz des größeren Akkus nicht an seinem Vorgänger P6 im Video-Dauertest vorbeiziehen und sortiert sich mit sechs Stunden im hinteren Feld zwischen Google Nexus 5 und BlackBerry Z30 ein. Im Browser-Dauertest schaltet sich das P7 eine halbe Stunde nach dem Nexus 5 und rund 20 Minuten vor dem Apple iPhone 5C oder HTC One (M8) ab. Das P7 schneidet insgesamt besser als das P6 ab, kommt aber nicht über ein „befriedigend“ hinaus.

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