3/4 Borderlands: The Pre-Sequel im Test : Spaß mit Claptrap auf dem Mond zum Vollpreis

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Claptrap!

Der Nachschub dieses Rohstoffes wird zu Anfang zu einem weiteren Element der Kämpfe. Mit zunehmendem Spielverlauf ist Sauerstoff dann allerdings so reichlich vorhanden, dass der angedeutete Überlebensaspekt klugerweise stark zurücktritt. Ausgenommen von diesem Teil des Spiels wird lediglich Claptrap, der als Mechanoid auch ohne Frischluft uneingeschränkt überlebensfähig bleibt. Die tollpatschigen Claptrap-Roboter, die erneut in einer Vielzahl von Rollen auftauchen, sind nicht nur ein Star der Serie, sie sind als spielbarer Charakter ein absoluter Volltreffer.

Gegner sind wie die Spieler mobiler geworden
Gegner sind wie die Spieler mobiler geworden

Aus der Perspektive eines kleinen Claptraps sieht die Welt zunächst anders aus und wird chaotischer. Ein ganzes Drittel des Fragtrap-Fähigkeitenbaums funktioniert zufallsbasiert und tauscht Boni regelmäßig aus: Während eine Waffengattung etwa schneller schießt und mehr Schaden verursacht, verkehrt sich der Effekt dafür bei anderen Gattungen ins Gegenteil. Besonders der „Action Skill“ hat es in sich. „VaultHunter.exe“ analysiert die Situation auf dem Bildschirm und lädt anschließend einen passende Fertigkeit eines anderen Charakters aus dem Borderlands-Universums anhand der festgestellten Merkmale.

Die kleinen Roboter sind  wie viele Charaktere alte Bekannte
Die kleinen Roboter sind wie viele Charaktere alte Bekannte

Was man nach Aktivierung bekommt, ist unmöglich vorherzusehen und nicht immer nützlich. Wie ein Gummiball unkontrolliert herumzuspringen und Kugeln zu reflektieren sorgt immerhin für Erheiterung wie die Transformation in ein Piratenschiff. Exakt reproduziert wird jedoch keine Fähigkeit. Das beidhändige Schießen des Gunzerkers aus Borderlands 2 zwingt in den Händen von Claptrap unter der Bezeichnung „Funzerker“ zu einem halbminütigen Dauerfeuer-Marathon. Weil der Skill aber Malware ist, wird davon auch noch das gesamte Team infiziert – ein herrlich chaotischer Spaß. Und wenn Claptrap mit der bei Elementarschaden ausgelösten Fähigkeit „manisches Lachen“ akustisch prägnant Lebenspunkte regeneriert, regiert erst Recht der Wahnsinn.

Das „Meat Unicycle“ der VaultHunter.exe beschränkt auf Nahkampfangriffe
Das „Meat Unicycle“ der VaultHunter.exe beschränkt auf Nahkampfangriffe

Koop-Stärken

Der durch zusätzliche Spieler stark ansteigende Schwierigkeitsgrad zwingt zu kooperativem Vorgehen. Stärker unterstützend ausgelegte Fähigkeiten wie Claptraps „High Five“, der für maximale Effizienz tatsächlich Interaktion mit einem Partner voraussetzt, stärken Teams und die Gemeinsamkeit der Unterhaltung, die auch aufgrund der nach wie vor offenkundig unnötigen Laufwege und gelegentlichen Längen den Kern einer positiven Spielerfahrung stellt. Abgestimmte Charaktere mit Gruppenboni zu basteln wird nun wesentlich wichtiger. Selbst mit zwei Spielern leidet die Übersicht auf dem Monitor aber schnell unter einem Effekt-Overkill.

Zur Anpassung des Schwierigkeitsgrades können lediglich Nebenaufgaben absolviert werden, die weniger hinsichtlich ihres Inhalts als vielmehr durch die Präsentation und die zahllosen Anspielungen begeistern. Da die Ziele meist in der Nähe der primären Missionen liegen, empfiehlt sich deren Bewältigung weiterhin im Vorbeigehen. Borderlands neigt nach wie vor dazu, Spielzeit durch sinnlose Laufwege zu strecken. Nötig hätte der Shooter das nicht, wenngleich er mit rund 14 Stunden für einen einfachen, geruhsamen Durchgang spürbar kürzer gerät als sein Vorläufer. Wirklich jede Nebenaufgabe wird aufgrund der wenigen Schnellreisestationen kaum ein Spieler ernsthaft absolvieren wollen.

Mit dem Hoovercraft kommt die niedrige Schwerkraft gut zur Geltung
Mit dem Hoovercraft kommt die niedrige Schwerkraft gut zur Geltung

Ein wenig Neues winkt durch Hoovercrafts, die neue Elementarklasse Eis und überaus vielseitige Laserwaffen, die zwischen Schrotflinte und Repetiergewehr so ziemlich alles sein können. Nach wie vor greift das Stein-Schere-Papier-Prinzip, sodass mitdenkende, taktisch vorgehende Schätzjäger, die den richtigen Elementarschaden auf den richtigen Gegnertyp anwenden, belohnt werden. Stichwort: Gefühlt belohnt Borderlands nun seltener, wenn nicht Mondsteine zum öffnen spezieller Kisten genutzt werden.

Die Ressource ersetzt Eridium und ist in wesentlich größeren Mengen verfügbar; gleichermaßen lassen sich nun überzählige Gegenstände mit dem „Grinder“ und etwas Glück in etwas nützliches verwandeln. Eine kleine Änderung mit großer Wirkung. Etwas öfter über eine besonders schöne Waffe als klassischen „Drop“ hätten wir uns dennoch gefreut. Hier fehlt die ordnende Hand, die in Diablo 3 zumindest einigermaßen passende Gegenstände garantiert. Im Drei-Spieler-Koop fast ausschließlich Ausrüstung für die einzige nicht vertretene Klasse zu finden, ist ein unsinniger Anachronismus.

Viele Explosionen, keine Übersicht
Viele Explosionen, keine Übersicht

Abruptes Ende

The Pre-Sequel soll vor allem Storylücken füllen und zwischen Serienteil Eins und Zwei den Fall von Jack vom Helden zum Schurken beleuchten. Dass nicht mehr die Urväter der Marke Hand anlegen, macht sich hier nicht bemerkbar. Jack kommt als Arbeitgeber klasse zur Geltung, der Wandel von einem leicht wirren, aber gutmütigen Menschen zu einem wahnsinnigen Massenmörder wird glaubhaft. Zur größten Leistung der Erzählung gehört, das Abgleiten des Helden mit scheinbar edelsten Motiven graduell und ambivalent zu schildern, hinter all der humoristischen Leichtigkeit und Slapstick-Einlagen aber stets einen ersten Kern zu bewahren. Neueinsteiger geraten hingegen leicht unter die Räder, voll entfaltet sich der Titel erst mit Kenntnis der Vorgänger.

Marines gehören zu den härtesten Gegnern
Marines gehören zu den härtesten Gegnern

I have heard and understand your euphemistic use of the word 'talk'“, quietscht Claptrap mit seiner Heliumstimme euphorisch wie eh und je. Auffällig ist, dass nicht jeder Charakter derart unterhaltsame Dialogzeilen präsentiert. Zwar werden teils andere Formen des Humors bedient, qualitativ aber fällt der Unterhaltungswert aber abseits der Claptrap-Klasse. Dem Shooter fehlen zudem die einprägsamen Kontrahenten und Bossbegegnungen. Beide Elemente sind überaus konservativ gestaltet und kommen vor lauter „Jack“ und „Claptrap“ zu kurz. Arenen geraten zu unspektakulär und nutzen die neuen Gameplay-Elemente stiefmütterlich, während sich jeder Oberschurke weiterhin mit stupidem Dauerfeuer fix in die Knie zwingen lässt.

Nicht einmal das Ende kann sauber abschließen, es bleibt ein verwunderter „Das war alles?“-Eindruck. Die Geschichte endet abrupt und zu schnell, in Teilen eine alte Schwäche. Im Pre-Sequel wirkt das letzte Viertel jedoch besonders überhastet. Im Prinzip fehlt das große Finale, der anfängliche Gegenspieler bleibt über weiter Strecken blass – der Höhepunkt am Ende ist keiner. Von teils beklagten Bugs blieben wir, im Gegensatz zu anderen Nutzern, verschont.

Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel

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