2/3 Windows 10 : Alle Details von Hardware-Bindung bis Update-Pflicht

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Der Zwang zum Update

Mit Windows 10 will Microsoft nicht mehr aktuellen Versionen des Betriebssystems einen Riegel vorschieben. Alle Anwender sollen über denselben Stand der Software verfügen, was auch der Sicherheit zu Gute käme. Das Mittel zum Zweck: „Zwangsupdates“, wie es aus der Netzgemeinde schallt.

In Ziffer 6 der Lizenzbedingungen zu Windows 10 erklärt Microsoft:

Die Software sucht in regelmäßigen Abständen nach System- und App-Updates, lädt diese für Sie herunter und installiert sie. Sie dürfen Updates nur von Microsoft oder autorisierten Quellen beziehen, und Microsoft muss möglicherweise Ihr System aktualisieren, um Ihnen diese Updates bereitstellen zu können. Durch die Annahme dieses Vertrages erklären Sie sich mit dem Erhalt dieser Arten von automatischen Updates ohne zusätzliche Benachrichtigung einverstanden.

Windows 10 sucht, lädt und installiert Updates automatisch. Im Falle von Windows 10 Home passiert dies, ohne dass der Nutzer den Vorgang in größerem Ausmaß beeinflussen kann. Werden Updates im sogenannten Current Branch (CB) veröffentlicht, installiert das Betriebssystem sie. Anwender von Windows 10 Pro können das Update etwas hinaus zögern, kommen um die Installation aber auch nicht herum. Das hängt damit zusammen, wie und in welchen Ringen Microsoft Updates verteilt.

Windows 10 wird in Ringen aktualisiert
Windows 10 wird in Ringen aktualisiert (Bild: Microsoft)

Der Current-Branch-Ring entspricht der offiziellen Veröffentlichung eines Updates. Bevor es ihn erreicht, hat es im Falle von Windows 10 bereits Microsofts interne Tests sowie den Fast Ring und den Slow Ring für Windows Insider durchlaufen und sollte keine größeren Probleme bereiten – diesen öffentlichen Test gab es früher nicht. Nutzern von Windows 10 Home steht ausschließlich der Current Branch zur Wahl, sie erhalten also – ob sie wollen oder nicht – Funktions- und Sicherheitsupdates direkt nach der Veröffentlichung durch Microsoft.

Gerade im Unternehmensumfeld sind jedoch oftmals weitere Tests nötig und erwünscht. Für diese Anwender bietet Microsoft zwei weitere Update-Ringe an: Den Current Branch for Business (CBB) und den Long Term Servicing Branch (LTSB).

Der CBB steht Nutzern von Windows 10 Pro, Enterprise und Education optional zur Wahl und ist durch die Pro-Version auch für Heimanwender nutzbar. Auch hier gilt für Sicherheitsupdates, dass sie bei Veröffentlichung direkt eingespielt werden. Nicht so die Funktions-Updates. Bei PCs, die ihre Updates über Windows Update beziehen, werden Funktions-Updates im CBB etwa vier Monate später als im CB verteilt, dann aber ebenfalls automatisch installiert. Windows Update for Business erlaubt es aber zumindest festzulegen, an welchen Tagen der Woche und um welche Uhrzeit die Updates eingespielt werden sollen.

Noch mehr Zeit haben Unternehmen, die statt Windows Update die Windows Server Update Services (WSUS) nutzen, um Updates und Patches zentral an die einzelnen Rechner in ihrem Netzwerk zu verteilen. Ihnen gewährt Microsoft nach der Veröffentlichung der Updates im CBB weitere acht Monate, um Funktionsupdates einzuspielen. Machen sie dies nicht, gibt es keine weiteren Sicherheitsupdates, bis die Funktionsupdates eingespielt wurden.

Speziell für missionskritische Systeme, beispielsweise zur Verkehrskontrolle, sind die LTSB-Versionen von Windows 10 Enterprise, die auf Funktionsupdates komplett verzichten und von Microsoft zehn Jahre lang mit Sicherheitsupdates und Patches versorgt werden. Microsoft plant, alle zwei bis drei Jahre einen neuen LTSB-Build bereitzustellen, der jeweils einen Snapshot des aktuellen Entwicklungsstandes mit allen neuen Funktionen darstellt und zehn Jahre lang ausschließlich mit Sicherheitsupdates und Patches versorgt wird.

Automatische Treiber-Updates verhindern

Im Falle von Treibern sind aber auch Windows-10-Home-Nutzer nicht an Zwangsupdates gebunden. Hier lassen Updates sich durch den Nutzer unterbinden. Die Option findet sich in der Systemsteuerung unter System und Sicherheit > System > Erweiterte Systemeinstellungen > Hardware > Geräteinstallationseinstellungen. Dort müssen die Punkte „Nein, zu installierende Software selbst auswählen“ sowie „Nie Treibersoftware von Windows Update installieren“ aktiviert werden.

Windows 10: Automatischen Treiber-Download unterbinden

Fehlerhafte Updates untersagen

Sollten ein Update oder ein Treiber Probleme bereiten, können sich Anwender vor einer erneuten Installation schützen – um die erste Installation kommen sie nicht herum. Zum Start von Windows 10 ist das dafür benötigte Tool mit der Kennung KB3073930 allerdings noch nicht Bestandteil des Betriebssystems, es muss bei Microsoft heruntergeladen werden. Nachdem Anwender das fehlerhafte Update oder den fehlerhaften Treiber deinstalliert haben, lässt sich die erneute Installation über das Programm untersagen, indem das Paket versteckt wird. Versteckte Updates lassen sich über dieselbe Anwendung auch wieder freigeben.

Softwarekompatiblität

Software, die unter Windows 7 oder Windows 8 ihren Dienst verrichtet hat, sollte in der Regel auch unter Windows 10 laufen. Dasselbe gilt für viele Gerätetreiber, mit der generellen Ausnahme von Treibern für Grafikkarten. Diese setzen unter Windows 10 auf das neue Windows Display Driver Model 2.0 (WDDM).

Im Spiele-Bereich hat unter anderem die DRM-freie Plattform GoG.com angekündigt, die zahlreichen Spiele-Klassiker im Katalog auf ihre Kompatibilität zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern.

Mehr als sieben Versionen von IoT bis Enterprise

Windows 10 wird in mehr als sieben Versionen (N-Versionen ohne Mediaplayer nicht mitgezählt) erscheinen, für Privatanwender sind aber nur Windows 10 Home, Pro und Mobile relevant.

Windows 10 Home und Windows 10 Pro kommen auf Desktop-PCs, Notebooks, 2-in-1-Geräten und Tablets mit größerem Bildschirm zum Einsatz. Bei Windows 10 Home muss die Diagonale bei Tablets mindestens acht Zoll, bei Windows 10 Pro hingegen nur sieben Zoll betragen.

Die Pro-Version soll unter anderem eine effektivere und effizientere Verwaltung von Geräten und Apps ermöglichen und sensible Daten noch besser schützen. Zudem bietet sie mehr Möglichkeiten für Remote-Anwendungen und mobile Produktivitätsszenarien mit Cloud-Anwendungen. Microsoft hat hier insbesondere auch Organisationen im Blick, die es ihren Mitarbeitern erlauben, ihr eigenes Gerät zur Arbeit mitzubringen. Ebenfalls unterstützt wird das neue Windows Update for Business, das ausgefeiltere Optionen zur Verteilung von Updates im Unternehmensumfeld bietet, als dies bisher der Fall ist.

Version Unterstützte Hardware
Windows 10 Home Desktop-PCs, Notebooks, 2-in-1, Tablets >= 8 Zoll
Windows 10 Pro Desktop-PCs, Notebooks, 2-in-1, Tablets >= 7 Zoll
Windows 10 Mobile Smartphones, Tablets < 7 Zoll
Windows 10 Education Desktop-PCs, Notebooks, 2-in-1, Tablets >= 8 Zoll
Windows 10 Enterprise Desktop-PCs, Notebooks, 2-in-1, Tablets >= 7 Zoll
Windows 10 Mobile Enterprise Smartphones, Tablets < 7 Zoll
Windows 10 IoT Core Embedded

Windows 10 Mobile kommt auf Smartphones und Tablets mit weniger als sieben respektive acht Zoll zum Einsatz. Die neuen Universal-Apps laufen hier ebenso wie auf einem Desktop-Rechner, zudem wird Microsoft eine auf Touch optimierte Version von Office anbieten – für Tablets bis 10,1 Zoll ist dieses Office kostenlos. Microsoft verspricht außerdem umfangreiche Produktivitäts-, Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen, die insbesondere jenen zugutekommen sollen, die ihr Gerät auch bei der Arbeit nutzen. Auch die Continuum-Funktion zum Wechsel zwischen Touch-Oberfläche und einem klassischen Desktop-Interface wird von einigen neuen Geräten unterstützt werden, die sich dann beim Betrieb an einem großen Monitor als Desktop-Ersatz nutzen lassen.

Nur als Volumenlizenzen verfügbar sind Windows 10 Education und Windows 10 Enterprise für Bildungseinrichtungen und den Mittelstand sowie Konzerne. Windows 10 Enterprise verfügt über nochmals mehr Funktionen zum Schutz von Geräten, Identitäten, Anwendungen und sensiblen Informationen sowie mehr Möglichkeiten zur Verteilung der Software. Wie die Pro-Version unterstützt auch Windows 10 Enterprise das Windows Update for Business, darüber hinaus erhalten Kunden Zugang zur Langzeitunterstützung, die missionskritische Geräte längere Zeit mit Sicherheits-Updates versorgt.

Für Smartphones und Tablets im Unternehmensumfeld wird Microsoft außerdem das ebenfalls nur als Volumenlizenz erhältliche Windows 10 Mobile Enterprise anbieten, das unter anderem ein flexibles Update-Management und einen schnellen Zugang zu Sicherheits- und Funktions-Updates erhält.

Windows 10 Enterprise und Windows 10 Mobile Enterprise werden darüber hinaus in angepassten Versionen für den Einsatz in Geldautomaten, Kassen, Handheld-Terminals, Robotern und ähnlichen Geräten angeboten. Beispielsweise stellte Dell Ende Juli neue Thin Clients der Wyse-Familie mit Windows 10 IoT Enterprise vor, die für verschiedene Anwendungsszenarien im Rahmen von Desktop-Virtualisierungslösungen vorgesehen sind. Für kleinere, kostengünstige Geräte, etwa aus dem Internet of Things, ist hingegen Windows 10 IoT Core vorgesehen.

Unterschiede zwischen Home, Pro und Enterprise

Desktop-Anwender können zwischen Windows 10 Home, Pro, Education und Enterprise wählen. Keine Unterschiede zwischen den vier Versionen gibt es in den Bereichen, die Microsoft als Kernfunktionen von Windows 10 betrachtet.

Dazu zählen beispielsweise die digitale Assistentin Cortana, die Biometrie-Funktion Windows Hello mit Finger-, Gesichts- und Iris-Erkennung, grundlegende Sicherheits-Funktionen, Multi-Tasking-Funktionen wie virtuelle Desktops, die Continuum-Funktion, die den nahtlosen Wechsel zwischen Desktop- und Tablet-Oberfläche erlaubt sowie der neue Browser Microsoft Edge.

Kernfunktionen
Funktion Home Pro Enterprise Education
Bekannt und verbessert
Anpassbares Startmenü
Windows Defender & Windows Firewall
Schneller Start mit Hiberboot und InstantGo¹
TPM-Unterstützung²
Battery Saver
Windows Update
Cortana5
Natürlich reden oder tippen
Persönliche und proaktive Vorschläge
Erinnerungen
Suche im Web, auf dem Gerät oder in der Cloud
Berührungslose Aktivierung mit „Hey Cortana“
Windows Hello³
Native Erkennung von Fingerabdrücken
Native Erkennung von Gesicht und Iris
Sicherheit der Unternehmensklasse
Multi-Tasking
Virtuelle Desktops
Snap Assist (bis zu 4 Apps auf einem Bildschirm)
Snap Apps über Bildschirme auf verschiedenen Monitoren
Continuum4
Wechsel zwischen PC- und Talbet-Modus
Microsoft Edge
Leseansicht
Integrierte Unterstützung für digitale Notizen
Cortana-Integration5
1 InstantGo erfordert Hardwareunterstützung
2 Erfordert TPM 1.2 oder neuer
3 Windows Hello erfordert spezielle Hardware wie Fingerabdruck-Leser, beleuchtete IR-Sensoren oder biometrische Sensoren
4 Erfordert Touchscreen-Funktionen; App-Erfahrung kann variieren
5 Cortana ist nur auf bestimmten Märkten verfügbar. Erfahrung kann von Region zu Region und Gerät zu Gerät unterschiedlich ausfallen; erfordert Microsoft Konto

Ein Blick auf die Business-Funktionen der vier Windows-10-Versionen offenbart dann aber größere Unterschiede. Insbesondere die Home-Version ist in diesem Bereich stark beschnitten, was der Alltagstauglichkeit aber keinen Abbruch tut, da die fehlenden Funktionen für durchschnittliche Privatanwender in aller Regel eher unwichtig sind. Einen Unterschied macht die Wahl der Version beispielsweise beim Zwang zum Update, der Nutzern von Windows 10 Home wenig Gestaltungsspielraum lässt.

Business-Funktionen
Funktion Home Pro Enterprise Education
Bisherige Grundlagen
Geräte-Verschlüsselung6
Beitreten zu einer Domain
Verwaltung von Gruppenrichtlinien
BitLocker²
Enterprise Mode Internet Explorer (EMIE)
Assigned Access 8.1
Remote Desktop
Direct Access
Windows To Go Creator
AppLocker
BrancheCache
Kontrolle des Startbildschirms mit Gruppenrichtlinien
Verwaltung und Verteilung
Side-Loading von Business Apps
Verwaltung von Mobilgeräten 8
Fähigkeit, einem Azure Active Directory mit Single Sign-on für Cloud-Apps beizutreten7
Business Store for Windows 108
Granular UX Control
Einfaches Upgrade von der Pro- zur Enterprise-Version
Einfaches Upgrade von der Home- zur Education-Version
Sicherheit
Microsoft Passport
Enterprise Data Protection8
Credential Guard9
Device Guard9
Windows as a Service
Windows Update
Windows Update for Business
Current Branch for Business
Long Term Servicing Branch
2 Erfordert TPM 1.2 oder neuer
6 Erfordert InstantGo oder Gerät das den „Device Encryption Requirements Test“ besteht
7 Eigenständige Lizenz für Azure Active Directory erforderlich
8 Erscheint später. Änderungen möglich.
9 Setzt UEDI 2.3.1 oder neuer voraus; Virtualisierungs-Erweiterungen wie Intel VT-x, AMD-V und SLAT müssen aktiviert sein; 64-Bit-Version von Windows; IOMMU wie Intel VT-d, AMD-Vi; TMP 2.0; BIOS Lockdown

Enthusiasten und Unternehmen finden einige der interessanteren Funktionen aus Windows 10 Enterprise dagegen auch in der Pro-Version von Windows 10. Sie bietet unter anderem die Möglichkeit einer Domain beizutreten und Gruppenrichtlinien zu verwalten, hat die BitLocker-Funktion zur Laufwerksverschlüsselung an Bord, bietet Remote-Desktop-Unterstützung und soll zu einem späteren Zeitpunkt auch Sicherheitsfunktionen aus der Unternehmenswelt unterstützen. Außerdem unterstützt die Pro-Version auch Windows Update for Business, das umfangreichere Optionen zur Verteilung von Updates bietet.

Eine Funktion der Enterprise- und Education-Varianten, die auch bei Enthusiasten Anklang finden würde, in der Pro-Version aber fehlt, ist der Windows To Go Creator, der das Erstellen eines bootfähigen USB-Sticks mit Windows ermöglicht, der als Arbeitsumgebung für Unterwegs an einem anderen PC betrieben werden kann. Darüber hinaus bieten die Enterprise- und Education-Varianten vor allem zusätzliche Verwaltungs- und Sicherheitsfunktionen. Ausschließlich der Enterprise-Variante vorbehalten ist die optionale Langzeitunterstützung.

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