3/4 Sony Xperia Z3+ im Test : Das beste Deutschland-Wetter-Smartphone

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Kamera

Sonys neues Flaggschiff rüstet sich mit einem 1/2,3"-Sensor, der mit 20,7 Megapixel im Bildformat 4:3 höher als die meisten derzeitigen Smartphones auflöst. Mit 5,1 Megapixel auf der Vorderseite zieht Sony zudem an HTC vorbei und mit Samsung gleich – bleibt aber hinter Huawei. Bei einer Lichtstärke von f/2,2 der Hauptkamera ist die Optik auch für Aufnahmen in kritischeren Lichtsituationen angemessen ausgestattet. Auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet Sony beim Xperia Z3+ zwar, Fotos bis zu 1/8 Sekunde bildet das Smartphone aber noch zuverlässig scharf aus der Hand ab.

Plane Rückseite mit Kamera im linken Eck
Plane Rückseite mit Kamera im linken Eck

Mit dem Apple iPhone 6 Plus verglichen, kristallisiert sich schnell unverkennlich ein Unterschied zwischen den beiden Smartphones in ihrer Farbwiedergabe heraus. Während das iPhone 6 Plus mit knalligen Bonbon-Farben peppige und stark gesättigte Fotos im Vivid-Stil produziert, überzeugt das Xperia Z3+ eher durch eine neutrale Wiedergabe.

Die Belichtungsmessung funktioniert im Grunde genommen ausgewogen. Auffallend ist aber, dass der Himmel beim Sony Xperia Z3+ im Vergleich zum Apple iPhone 6 Plus auf so gut wie keinem Foto mit seinen feinen Details zu sehen ist (zum Beispiel auf den Bildern 15 bis 18). Das raubt der einen oder anderen Aufnahme ihren Charme.

Sony Xperia Z3+ im Test – Kamera

Dabei ist die Vorgehensweise des Apple iPhone 6 Plus in solchen Lichtsituationen kein Hexenwerk: Die Bilder werden systematisch unterbelichtet, sodass Strukturen im Äther erhalten bleiben. In der anschließenden internen Nachbearbeitung werden die durch die Unterbelichtung zu dunkel geratenen Bildpartien aufgehellt, was in Summe ein sehr stimmiges Bild, aber vor allen Dingen ein Foto mit erkennbaren Strukturen im Himmel ergibt. Schade, dass die meisten Hersteller, darunter auch Sony, noch nicht hinter dieses einfache aber zum Großteil bildaufwertende Prinzip gestiegen sind.

Ein weiteres Thema für sich ist die Schärfe, die das Xperia Z3+ zum Vorschein bringt. Obwohl sie auf den ersten Blick überzeugt, stellt sich beim genaueren Hinschauen heraus, dass sämtliche Fotos von Schärfungsartefakten begleitet werden, die mit steigender Empfindlichkeit noch intensiver in den Vordergrund treten. Dies war schon vor über zwei Jahren beim Sony Xperia Z1 im damaligen Vergleichstest zwischen mehreren Smartphones und einer Digitalkamera negativ aufgefallen.

Kamera-Vergleich
Sony Xperia Z3+ Huawei P8 Samsung Galaxy S6 (edge) Apple iPhone 6 Plus HTC One M9 LG G Flex 2
Hauptkamera Auflösung 20,7 MP 13,0 MP 16,0 MP 8,0 MP 20,0 MP 13,0 MP
Sensorgröße 1/2,3" Unbekannt 1/2,6" 1/3" 1/2,3" 1/3"
Sensorformat 4:3 16:9 4:3 10:7 4:3
Blendenzahl f/2,2 f/2,0 f/1,9 f/2,2 f/2,4
OIS × ×
Video 2160p 1080p 2160p 1080p 2160p
Zeitlupe 120 FPS × 120 FPS 240 FPS 120 FPS
Frontkamera Auflösung 5,1 MP 8,0 MP 5,0 MP 1,2 MP 4,0 MP 2,1 MP
Video 1080p 1440p 720p 1080p

An dieser Baustelle besteht also dringend Handlungsbedarf seitens Sony, um in Zukunft mit der Konkurrenz Schritt halten zu können. Die wohlklingenden 20,7 Megapixel löst das Sony Xperia Z3+ nämlich alles andere als überzeugend auf. Selbst wenn die Aufnahmen auf die Größe von 8 Megapixel heruntergerechnet werden, können sie sich verglichen mit dem iPhone 6 Plus nicht bemerkenswert absetzen.

Bei Kunstlicht hat das Sony Xperia Z3+ mit starken Problemen beim Finden der korrekten Farbtönung zu kämpfen. Die entsprechenden Testaufnahmen sind klar erkennbar in Richtung Rot verschoben. Auch bei Tageslicht ist diese Verschiebung auf einigen Fotos, wenn auch nicht so kritisch wie bei Kunstlicht, zu erkennen.

Die seit eh und je sehr vergessliche Kamera-App
Die seit eh und je sehr vergessliche Kamera-App

Unterm Strich wird die Kamera des Sony Xperia Z3+ den Erwartungen an einem 20,7-Megapixel-Sensor nicht gerecht. Besonders die Artefaktbildung, die beim Z3+ so hoch wie bei keinem anderen bisher getesteten Smartphone ist, verdirbt spätestens beim Heranzoomen den Spaß an so manchem Foto. Für Frust sorgt auch ein weiteres Mal die seit Generationen ihre Einstellungen verlierende Kamera-App von Sony, die von ComputerBase in jedem Test der Z-Serie kritisiert wird. Nur über die Verknüpfung auf dem Homescreen oder im App-Drawer startet die Kamera mit eigenen Einstellungen. Sobald die Kamera über den Sperrbildschirm oder die dedizierte Taste gestartet wird, geht sie mit Sonys „Überlegener Automatik Plus“ in Betrieb, die den Sensor auf 16:9 beschneidet und nur noch 8 Megapixel bietet. Damit ist die Kamera nie schnell mit den persönlichen Präferenzen wie der vollen Auflösung einsatzbereit.

Konnektivität

Im Z3+ stecken dank des Qualcomm Snapdragon 810 schnellere Module für LTE und WLAN. Qualcomms X10-Modem ist für LTE Cat. 9 mit maximal 450 Mbit/s und 50 Mbit/s im Down- und Upstream ausgelegt. In Deutschland beschränkt sich die derzeit mögliche Maximalgeschwindigkeit allerdings noch auf 300 Mbit/s und ist ohnehin nicht flächendeckend und auch nur in den Premium-Tarifen verfügbar. Der Bereich WLAN wurde gegenüber dem Z3 ebenfalls ausgebaut und beherrscht jetzt 802.11n/ac mit zwei Streams, sodass die theoretische Maximalbandbreite nun 900 Mbit/s statt 450 Mbit/s beträgt – einen entsprechenden Access Point vorausgesetzt. Des Weiteren gibt es Unterstützung für Bluetooth 4.1, GPS, GLONASS und BeiDou sowie NFC. Auf einen wie beim HTC One M9 oder Samsung Galaxy S6 verbauten Infrarot-Sender verzichtet Sony.

Sony Xperia Z3+ im Test
Sony Xperia Z3+ im Test

Genutzt wurde das Z3+ in den Berliner Netzen von O2 und E-Plus, die seit der Zusammenlegung beide genutzt werden können. Da E-Plus neben der Deutschen Telekom auch den Untergrund mit UMTS und LTE versorgt, konnte das Z3+ uneingeschränkt in der U-Bahn fürs Surfen im Netz genutzt werden. Da ComputerBase in diesem Bereich keine Labormessungen durchführt, bleibt es bei einer subjektiv positiven Einschätzung der Empfangs- und Gesprächsqualität. Während der Nutzung in den Stadtgebieten Steglitz, Mitte und Prenzlauer Berg kam es nicht zu Verbindungsabbrüchen oder anderen Fehlern. Die Lautsprecher-Qualität des Z3+ ist gut und überzeugt auch über das Telefonieren hinaus. Vor allem bei Filmen oder YouTube-Clips können die nach vorne gerichteten Stereo-Lautsprecher punkten.

Laufzeiten

Auch Sony folgt beim Z3+ dem Trend zu immer dünneren Smartphones und muss dafür einen Teil des Akkus opfern. Die höchste Nennladung bietet mit 3.200 mAh das Xperia Z2, seitdem ist der Wert stetig am fallen. Der Akku des Z3 kommt auf 3.100 mAh und der des Z3+ auf nur noch 2.900 mAh. Das ist nach dem allerersten Xperia Z der niedrigste Wert der Serie. Die Laufzeiten müssen deshalb aber nicht zwangsweise schlecht ausfallen. Im seit einigen Smartphone-Tests genutzten PCMark für Android, der Web-Browsing, Offline-Videowiedergabe sowie Text- und Bildbearbeitung durchführt, liegt das Z3+ auf Niveau von Samsung Galaxy S6, LG G4 und HTC One M8.

Im Online-Videodauertest, bei dem ein Film über YouTube in 720p per WLAN abgespielt wird, schneidet das Z3+ hingegen weniger gut ab. Der Vorgänger Z3 hält hier 20 Prozent länger durch, das Z2 sogar 32 Prozent länger. Spitzenreiter der Z-Serie ist nach wie vor das Z1 Compact mit rund achteinhalb Stunden. Dieses nutzt aber auch als einziges Modell nur ein 720p-Display, das mit weniger Energie auskommt. Das Z3+ sortiert sich auf Höhe seiner direkten Gegner HTC One M9 und LG G4 ein. Das Samsung Galaxy S6 hält in diesem Test rund eine Stunde länger durch.

Im Browser-Benchmark Peacekeeper wiederum kann sich das Z3+ leicht vor das One M9 und G4 legen. Das Samsung Galaxy S6 ist hier zusammen mit dem Schwestermodell S6 edge der absolute Spitzenreiter und erreicht einen rund 50 Prozent besseren Wert. Auch ältere Geräte von Sony, darunter das Z2, halten mindestens eine Stunde länger durch, das Z3 sogar rund zwei Stunden.

Auch im Alltag fallen die Laufzeiten etwas kürzer als zuvor aus. Mit dem Z3 war es noch möglich, beim Verzicht auf Spiele einen zweiten Tag zu meistern. Beim Z3+ ist dies nicht mehr der Fall. Am Mittag des zweiten Tages ruft das Smartphone im Regelfall nach einer Steckdose. Sony bewirbt das Z3+ zwar als Zwei-Tage-Smartphone, weist aber auch darauf hin, dass dies unter Verwendung des Stamina-Modus gemeint ist. Beim Stamina-Modus handelt es um eine von vielen Optionen des Energiemanagements des Z3+.

Mit den Standardeinstellungen sorgt dieser Modus für ein – wie Sony es nennt – erweitertes Standby. In diesem Modus werden bei ausgeschaltetem Display WLAN und mobile Daten deaktiviert. Weil das Smartphone so sehr schnell zum deutlich weniger schlauen Telefon wird, erlaubt Sony das nachträgliche Freistellen von Apps von dieser Funktion. So funktionieren Facebook und Co. auch mit aktivem Stamina-Modus. Dabei muss jedem Anwender aber auch klar sein, dass mehr Apps einen höheren Energieverbrauch bedeuten. Umso schlauer das Smartphone demnach konfiguriert wird, desto mehr verbraucht es auch. Wer noch mehr Energie sparen möchte, kann über die Funktion „Erweiterte Nutzung“ zudem noch die Leistung des Gerätes drosseln.

Diese erreicht das Z3+ nur bei sehr sparsamer Nutzung ohne Multimedia
Diese erreicht das Z3+ nur bei sehr sparsamer Nutzung ohne Multimedia

Reicht auch das nicht mehr aus, gibt es auch noch einen Ultra-Stamina-Modus, der bis auf Telefon, Kontakte, SMS/MMS, Kamera, Album, Kalender, Wecker und Uhr, Rechner, UKW-Radio und Einstellungen alle Apps und zudem WLAN und mobile Daten deaktiviert. So sollen Laufzeiten von weit über zehn Tagen möglich sein. In Notsituationen ist solch ein Modus von Vorteil. Wer sein Smartphone aber mit allen Optionen nutzen möchte, muss beim Z3+ im Regelfall mit einer kürzeren Laufzeit als beim Z3 oder Z2 rechnen. Sony erreicht damit nur noch guten Durchschnitt.

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